Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

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Moderator: FDR-Team

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dpu
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Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von dpu »

Sehr geehrte Mitglieder,

heute eine Frage meinerseits zur gesetzlichen Rentenversicherungspflicht.

Nehmen wir mal an Herr G. ist selbstständig gewerblich als Einzelunternehmer tätig. (eingetragener Kaufmann)
Nebenberuflich ist er zusätzlich als Dozent an einer gemeinnützigen Einrichtung tätig. Die Einkünfte aus freiberuflicher Dozententätigkeit lagen bisher immer bei ca. 3.000 Euro im Jahr.
Gewinn aus gewerblicher Tätigkeit jeweils bei ca. 28.000 Euro.

Nun hat er eine Anfrage zu einem längerfristigen Lehrauftrag von einer weiteren gemeinnützigen Einrichtung erhalten.
Sollte dieser Zusatzauftrag angenommen werden, rechnet Herr G. mit einem Überschuss aus freiberuflicher Dozententätigkeit von ca. 6.000 bis 7.500 Euro.

Der Gewinn aus gewerblicher Tätigkeit beträgt dann vorraussichtlich ca. 25.000 Euro.

Wird Herr G. damit gesetzlich rentenversicherungspflichtig?

Wie ist die Rechtslage? Welche einschlägigen Paragraphen könnten hier behilflich sein?

Vielen Dank für Ihre Antworten.

MfG
DPU
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FM
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von FM »

Die Grenze liegt (wie bei Minijobs) bei 12x450=5400 Euro im Jahr, hier bezogen auf den steuerlichen Gewinn. Er müsste also RV-Beiträge bezahlen, derzeit 18,7 % von 1/12 des Jahresgewinns als Monatsbeitrag.

Old Piper
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von Old Piper »

dpu hat geschrieben:Wird Herr G. damit gesetzlich rentenversicherungspflichtig?
Ja - wobei sich die Beitragspflicht auf die Einkünfte aus der Dozententätigkeit beschränkt.
dpu hat geschrieben:Welche einschlägigen Paragraphen könnten hier behilflich sein?
§ 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

Hanomag
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von Hanomag »

FM hat geschrieben:Die Grenze liegt (wie bei Minijobs) bei 12x450=5400 Euro im Jahr, hier bezogen auf den steuerlichen Gewinn. Er müsste also RV-Beiträge bezahlen, derzeit 18,7 % von 1/12 des Jahresgewinns als Monatsbeitrag.
Kann die Dozententätigkeit nicht teilweise (bis zum Übungsleiterfreibetrag) vom steuerlichen Gewinn ausgenommen werden?

FM
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von FM »

Hanomag hat geschrieben: Kann die Dozententätigkeit nicht teilweise (bis zum Übungsleiterfreibetrag) vom steuerlichen Gewinn ausgenommen werden?
Nein, denn es hieß: "Überschuss aus freiberuflicher Dozententätigkeit von ca. 6.000 bis 7.500 Euro".

Man kann nicht erst die Betriebsausgaben abziehen und dann auch noch diesen Freibetrag, sondern nur eins von beiden.

Hanomag
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von Hanomag »

FM hat geschrieben:
Hanomag hat geschrieben: Kann die Dozententätigkeit nicht teilweise (bis zum Übungsleiterfreibetrag) vom steuerlichen Gewinn ausgenommen werden?
Nein, denn es hieß: "Überschuss aus freiberuflicher Dozententätigkeit von ca. 6.000 bis 7.500 Euro".

Man kann nicht erst die Betriebsausgaben abziehen und dann auch noch diesen Freibetrag, sondern nur eins von beiden.
Offensichtlich ist es doch so wie ich vermutet habe. In meiner Steuerlektüre steht dazu:
Verdienen Sie monatlich höchstens 450,00 €, dann profitieren Sie von den Vorteilen der geringfügigen Beschäftigung. Mit dem Übungsleiterfreibetrag haben Sie hier eine interessante Gestaltungsmöglichkeit. Denn der nach § 3 Nr. 26 EStG steuerfreie Lohn wird in die Minijob-Vergütung nicht einbezogen. Nur der den Übungsleiterfreibetrag übersteigende Betrag muss innerhalb der Minijob-Grenze bleiben. Im Ergebnis können Sie als Übungsleiter etc. daher bis zu maximal 650,00 € steuer- und sozialabgabenfrei erhalten.
Im zusätzlichen Beispiel wird erwähnt, dass eine Jahresvergütung bis zu 7.800 € Steuer- und Sozialversicherungsfrei bleiben kann.

dpu
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von dpu »

Danke für die vielen Rückmeldungen!
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FM
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von FM »

Hanomag hat geschrieben:... Im zusätzlichen Beispiel wird erwähnt, dass eine Jahresvergütung bis zu 7.800 € Steuer- und Sozialversicherungsfrei bleiben kann.
Jahreseinnahmen ja, aber nicht "Jahresüberschuss" (Gewinn).

Hanomag
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von Hanomag »

FM hat geschrieben:Man kann nicht erst die Betriebsausgaben abziehen und dann auch noch diesen Freibetrag, sondern nur eins von beiden.
Du hast wohl recht. Aber da er zusätzlich noch gewerblich tätig ist und dort bereits Betriebsmittel wie PC, Telefon usw. absetzen kann, wird er als Dozent kaum Betriebsausgaben haben und ist mit dem Übungsleiterfreibetrag in Höhe von 2.400 € allemal besser dran.

Hanomag
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von Hanomag »

FM hat geschrieben:Die Grenze liegt (wie bei Minijobs) bei 12x450=5400 Euro im Jahr, hier bezogen auf den steuerlichen Gewinn. Er müsste also RV-Beiträge bezahlen, derzeit 18,7 % von 1/12 des Jahresgewinns als Monatsbeitrag.
Wenn es wie bei Minijobs wäre, dann könnte er ja wie dort bei unvorhersehbaren und gelegentlichen Überschreitungen die Jahresverdienstgrenze von 5.400 € überschreiten. Wobei als gelegentlich ein Zeitraum von bis zu zwei Monaten (drei Monate von 2015 bis 2018) innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten gilt und für die Überschreitungsmonate keine Verdienstgrenze gilt. Unvorhersehbar wäre z. B. eine Krankenvertretung.

Auch bei vorzeitig pensionierten Beamten darf die Höhe der Hinzuverdienstgrenze von 450 € gem. § 53 Abs. 2 BeamtVG mit vierzehn Monaten multipliziert werden.

Gibt es bei der Verdienstgrenze für Lehrer und Erzieher bezüglich Rentenversicherungspflicht eine vergleichbare Regelung?

TrixiMaus
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von TrixiMaus »

Hallo,
Auch bei vorzeitig pensionierten Beamten darf die Höhe der Hinzuverdienstgrenze von 450 € gem. § 53 Abs. 2 BeamtVG mit vierzehn Monaten multipliziert werden.
Richtig. Aber hier vermischen wir die Vorschriften zur Geringfügigkeit und zu Hinzuverdienstgrenzen.
Das BeamtenVersorgungsgesetz wurde nach dem Vorbild der Rentenversicherung angepasst.
Die Hinzuverdienstgrenze in der RV ist in §§ 34, 96a SGB VI geregelt. Hier wird klar dargelegt, dass die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro zweimal im Kalenderjahr überschritten werden darf.
Die einzige Übereinstimmung der Regelungen zur Geringfügigkeit und den Hinzuverdienstgrenzen ist der Wert "450 Euro". Mehr aber auch nicht. Und selbst dies war nicht immer der Fall.
Gruß von TrixiMaus

Hanomag
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von Hanomag »

TrixiMaus hat geschrieben:Richtig. Aber hier vermischen wir die Vorschriften zur Geringfügigkeit und zu Hinzuverdienstgrenzen.
Die Vermischung ist sicher historisch gewachsen, da man die Hinzuverdienstgrenzen sicher bewusst an die Verschriften der geringfügigen Beschäftigung angelehnt hat, weil ja jeder Arbeitnehmer bei diesem Hinzuverdienstgrenzen privilegiert wird. Aber sie wurden nicht 1:1 übernommen. Mittlerweile gestaltet jedes Bundesland sein Beamtenbesoldungs- und -versorgungsrecht in eigener Zuständigkeit und kann somit auch eigen Vorschriften bezüglich der Hinzuverdienstgrenzen beschließen.
Das BeamtenVersorgungsgesetz wurde nach dem Vorbild der Rentenversicherung angepasst.
Die Hinzuverdienstgrenze in der RV ist in §§ 34, 96a SGB VI geregelt. Hier wird klar dargelegt, dass die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro zweimal im Kalenderjahr überschritten werden darf.
Das geschah sicher in Anlehnung an die Verschriften der geringfügigen Beschäftigung. Auch dort ist eine zweimalige (vorübergehend sogar eine dreimalige) Überschreitung möglich.
Die einzige Übereinstimmung der Regelungen zur Geringfügigkeit und den Hinzuverdienstgrenzen ist der Wert "450 Euro".
Nicht einmal das trifft 100prozentig zu, weil die monatlichen Überschreitungen bei der Geringfügigkeit nicht auf jeweils 450 € begrenzt sind.

Meine Frage nach einer vergleichbaren Regelung bei der Freistellung von der Rentenversicherungspflicht bleibt sicher unbeantwortet, weil es so eine Regelung vermutlich nicht gibt.

FM
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Re: Nebenberufliche Tätigkeit als Dozent

Beitrag von FM »

Es ist auch nicht vergleichbar. Bei Arbeitsverhältnissen ist ein ziemlich gleichbleibendes Gehalt der übliche Fall und die unvorhergesehene (nur um die geht es) Überschreitung die Ausnahme, etwa wegen Krankheitsvertretung. Bei selbständigen Tätigkeiten sind stark wechselnde Zahlungseingänge normal. Die Regelmäßigkeit wird hier meist als Durchschnitt verstanden (wovon es aber Ausnahmen geben kann).

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