Krankenversicherung für Enkelkind

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Ronberg
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Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von Ronberg »

Hallo,
bei uns stellt sich die Frage nach der Krankenversicherung für unser Enkelkind. Die Situation ist folgende:
Der Junge lebte bislang bei seiner Mutter (meiner Tochter), die nicht mit seinem Vater verheiratet ist. Die Mutter ist nicht berufstätig (3 weitere Kinder) und mit einem anderen Mann verheiratet, der Junge war bislang über seinen Stiefvater gesetzlich in der Familienversicherung mitversichert. Seit einem 3/4 Jahr wohnt der Junge bei uns. Wir, d.h. meine Frau und ich, sind jeweils privat versichert (selbständig). Was der Vater des Jungen genau macht und wie dieser versichert ist, wissen wir nicht, ich vermute, dass er ebenfalls gesetzlich versichert ist, er antwortet auch nicht auf Schreiben, es läuft jetzt eine Auskunftsklage für die Geltendmachung von Unterhalt (Zahlungen hat er kommentarlos eingestellt, seitdem der Junge bei uns wohnt).
Der Stiefvater des Jungen teilte uns jetzt mit, dass der Junge nicht weiter über seine Familienversicherung mitversichert sein könne, weil er nicht mehr in seinem Haushalt wohne. Müssen wir ihn jetzt privat versichern (die zusätzlichen Kosten werden wir vom Vater wohl nie zurück bekommen)? Oder greift irgendeine Familienversicherung?
Für Hinweise besten Dank im Voraus!
Ronberg

ratte1
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von ratte1 »

Hallo,

eine (kostenlose) gesetzliche Familienversicherung setzt voraus, dass es ein Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung gäbe, über den der Anspruch abgeleitet würde.

Die Mutter ist nicht selbst Mitglied - funktioniert also nicht.
Der Stiefvater, Voraussetzung: überwiegender Unterhalt des Jungen, liegt nicht vor - funktioniert also nicht
die Großeltern(=Pflegeeltern), sind privat versichert, klappt also auch nicht.

Einzige Möglichkeit: Vater des Jungen. Wenn die Klage erfolgreich ist und er gesetzliches Mitglied der AOK ist, kann die Familienversicherung auch rückwirkend erfolgen.

Daher wäre zu überlegen, den Jungen zunächst gesetzlich selbst zu versichern (Kosten ca. 160,- Euro monatlich). Wenn die Familienversicherung über den leiblichen Vater dann festgestellt würde, wäre eine Rückabwicklung mit Erstattung der Beiträge möglich.

MfG
ratte1

FM
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von FM »

ratte1 hat geschrieben: Wenn die Familienversicherung über den leiblichen Vater dann festgestellt würde, wäre eine Rückabwicklung mit Erstattung der Beiträge möglich.
Da hab ich meine Zweifel. Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB V hat eine bestehende freiwillige Versicherung Vorrang vor der Familienversicherung. Die freiwillige Versicherung kann zwar nach § 191 Nr. 3 ebd. ggf. sehr kurzfristig gekündigt werden wenn die Voraussetzungen für eine Familienversicherung gegeben sind, aber diese Kündigung muss dann erst mal erfolgen. Eine rückwirkende Kündigung ist da nicht vorgesehen.

Oder gibt es da speziell bei der (den?) AOK eine Satzungsregelung, die rückwirkende Kündigung erlaubt? Aber warum sollte der Vater ausgerechnet bei der/einer AOK versichert sein?

Ronberg
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von Ronberg »

Erst einmal vielen Dank für die Hinweise! Leider antwortet der Vater auf keinerlei Post. Ich glaube, ich werde folgendermaßen vorgehen: Aufforderung an Vater schicken, kurzfristig den Sohn zur Familienversicherung anzumelden (ggf. über Anwalt), wenn keine Reaktion, dann muss ich ihn selber hier anmelden und dann kann ich versuchen, die zusätzlichen (unnötigen) Kosten neben dem Unterhaltssatz von ihm erstattet zu bekommen. Jedenfalls kann er dann nicht im Unterhaltsprozess geltend machen, die Kosten seien nicht erforderlich gewesen, weil er ja über ihn kostenlos hätte mitversichert werden können. Ob das Geld dann wiederkommt, bleibt natürlich abzuwarten.
Ronberg

vikingz
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von vikingz »

FM hat geschrieben:Die freiwillige Versicherung kann zwar nach § 191 Nr. 3 ebd. ggf. sehr kurzfristig gekündigt werden wenn die Voraussetzungen für eine Familienversicherung gegeben sind, aber diese Kündigung muss dann erst mal erfolgen. Eine rückwirkende Kündigung ist da nicht vorgesehen.

Oder gibt es da speziell bei der (den?) AOK eine Satzungsregelung, die rückwirkende Kündigung erlaubt? Aber warum sollte der Vater ausgerechnet bei der/einer AOK versichert sein?
Die Regelung ergibt sich direkt aus § 191 Nr. 3: "die Satzung kann einen früheren Zeitpunkt bestimmen"

In aller Regel steht bei den Kassen in der Satzung, dass die Familienversicherung auch rückwirkend entfallen kann, gerade die AOKn verzichten aber nach meiner Erfahrung aus irgendwelchen Gründen auf diese Satzungsregelung. Müsste man von Kasse zu Kasse nachlesen und dann evtl. gezielt eine mit dieser Satzungsregelung wählen, das Kind hat aktuell schließlich ein freies Kassenwahlrecht.

Geändert: ein Blick in eine willkürlich ausgewählte Satzungsformulierung:

Die Kündigung der freiwilligen Mitgliedschaft ist abweichend von § 175 Abs. 4 Satz 2 SGB V zum Ablauf des Vortages möglich, an dem das Mitglied die Voraussetzungen einer Familienversicherung nach § 10 SGB V erfüllt.

dramaticer
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von dramaticer »

Ich arbeite in der Familienversicherung bei einer AOK. Bei uns ist es so, dass IMMER die Beiträge für die Freiwillige Versicherung zurückerstattet werden wen eine Familienversicherung möglich ist, ggf. auch sehr lange rückwirkend. Das war bei uns auch (meines Wissens nach) noch nie anders. Hab aber auch noch nie in die Satzung gesehen, müsste aber drin stehen.
Was der Vater des Jungen genau macht und wie dieser versichert ist, wissen wir nicht, ich vermute, dass er ebenfalls gesetzlich versichert ist, er antwortet auch nicht auf Schreiben
Solche Fälle haben wir auch oft. Die Väter (nur selten die Mütter, wenn die Kinder bei den Vätern leben) verweigern die Unterschrift "da sie ja nichts vom Kind wissen". Wir lassen dann die Mutter des Kinder oder wie in deinem Fall die Großeltern den Antrag zur Familienversicherung unterschreiben - wenn die Großeltern für das Kind unterschriftsberechtigt sind. Das setzt natürlich voraus, dass man die Kasse des leiblichen Vaters kennt. Dieses Vorgehen ist durch unsere Führungskräfte abgesegnet worden, ob es rechtlich in Ordnung ist weiß ich nicht, gerade dann wenn die Familienversicherung jahrelang hinter dem Rücken des Versicherten (also ohne sein Wissen) läuft.

TrixiMaus
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von TrixiMaus »

Hallo,
Ich arbeite in der Familienversicherung bei einer AOK. Bei uns ist es so, dass IMMER die Beiträge für die Freiwillige Versicherung zurückerstattet werden wen eine Familienversicherung möglich ist, ggf. auch sehr lange rückwirkend. Das war bei uns auch (meines Wissens nach) noch nie anders. Hab aber auch noch nie in die Satzung gesehen, müsste aber drin stehen.
also ich habe mal in der Satzung der AOK Hessen nachgesehen: dort steht es drin.
Gruß von TrixiMaus

vikingz
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Re: Krankenversicherung für Enkelkind

Beitrag von vikingz »

Mea culpa, ich nehme mein falsches/veraltetes(?) Wissen über die AOK zurück.
dramaticer hat geschrieben:Wir lassen dann die Mutter des Kinder oder wie in deinem Fall die Großeltern den Antrag zur Familienversicherung unterschreiben - wenn die Großeltern für das Kind unterschriftsberechtigt sind. Das setzt natürlich voraus, dass man die Kasse des leiblichen Vaters kennt. Dieses Vorgehen ist durch unsere Führungskräfte abgesegnet worden, ob es rechtlich in Ordnung ist weiß ich nicht, gerade dann wenn die Familienversicherung jahrelang hinter dem Rücken des Versicherten (also ohne sein Wissen) läuft.
Das braucht in der Tat keine Führungskraft absegnen und ist rechtlich in Ordnung, ergibt sich schon klar aus den "Einheitlichen Grundsätzen zum Meldeverfahren bei Durchführung der Familienversicherung", Anlage 1, Text unter dem Unterschriftsfeld.

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