Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

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Christina511
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Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von Christina511 »

Hallo liebes Forum,
im Moment stehe ich vor einem großen Problem, bei dem mir niemand weiterhelfen kann, daher werde ich mich nun an euch mit der Hoffnung, dass jemand eine Idee, oder einen Hinweis hat, der in dem Fall weiterhelfen könnte.
Es geht um einen Mann, 1980 geboren
Arbeitsunfall 2009 im Ferienjob während der Semesterferien (Gerüstbauhelfer). Hauptberuflich Student Maschinenbau 2. Semester. Ausbildung zum Schreiner, danach diverse Jobs im Helfer- und Baubereich bis zur Berufsoberschule mit Abitur und Beginn Studium.
Durch KH Aufenthalte keine Fortführung des Studiums möglich – MdE von 30, geringe Unfallrente + Arbeitslosengeld 2 seit Unfall.
Bis 07/2015 andauernde Heilbehandlung. 30 OPs, mehrere Wundheilungsstörungen und Infektionen.
Jetzt Ende der Behandlung endlich absehbar. Versteifung des Sprunggelenks rechts durch einen Nagel, partiell Gehen ohne Krücken möglich, jedoch beruflich nur rein sitzende Tätigkeit denkbar.
Antrag bei der BG auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben – Wunsch nach einer Umschulung im EVD-Bereich.
Ablehnender Bescheid der BG mit der Begründung, dass zum Zeitpunkt des Unfalls bereits eine innere „Loslösung“ vom Ausbildungsberuf erfolgt sei. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bezögen sich nur auf den Helfer-Job im Gerüstbau, daher keine Umschulung (da sonst Höherqualifizierung) möglich.
Gibt es die Möglichkeit, dass BG eine Umschulung finanzieren muss?
Auf welcher rechtlichen Basis? Mit welcher Begründung? Wie kann man Argument der alleinigen Berücksichtigung des Helferjobs beim Gerüstbau außer Kraft setzen? Denn eigentlich ist der Unfall ja während einer Ausbildung passiert - diese Ausbildung konnte aufgrund des Unfalls nicht abgeschlossen werden, auch wenn es sich um eine 2. Ausbildung handelt kann es das doch nicht sein, oder?
Falls jemanden dazu etwas einfällt wäre ich sehr dankbar.
SusanneBerlin
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

bevor unerwünschte Antworten kommen:
Sie möchten explizit Auskünfte, wie die Finanzierung der erwünschten Umschulung über die Berufsgenossenschaft erreicht werden kann, andere Finanzierung (beispielsweise Bafög, jobcenter) ist uninteressant für Sie?
Grüße, Susanne
Christina511
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von Christina511 »

Ja. Bafög ist keine Option, da noch Bafög -Schulden vom Studium da sind. Über Jobcenter würde es halt weitere Jahre am Existenzminimum bedeuten
ExDevil67
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von ExDevil67 »

Ich fürchte ohne das sich ein fachkundiger Berater die Unterlagen ansieht, wird man da nicht weiterkommen. Wobei ich grade passen muss wer so was übernehmen könnte.
Problem dabei dürfte der berufliche Lebenslauf sein. Grundsätzlich sollte eine Fortführung des Studiums förderbar sein, nur liegt ja schon eine abgeschlossene Ausbildung vor und scheinbar wurde mehrere Jahre in "fremden" Berufen gearbeitet.
Christina511
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von Christina511 »

Fortführung des Studiums ist nicht möglich, da die Zwangspause zu lange war müsste neu begonnen werden. Jedoch ist aus medizinischer Sicht die Fortführung des Studiums aufgrund der psychischen Belastung aktuell auch nicht ratsam. Der Wunsch ist ja eine Umschulung.
kdM
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von kdM »

ExDevil67 hat geschrieben:Ich fürchte ohne das sich ein fachkundiger Berater die Unterlagen ansieht, wird man da nicht weiterkommen. Wobei ich grade passen muss wer so was übernehmen könnte.
Ein im Sozialrecht versierter Anwalt (selten); die Beratungsstellen der Sozialverbände, die auch entsprechende Rechtsmittel einlegen können (Gewerkschaften, VdK, SoVD).

Das mit der inneren „Loslösung“ vom Ausbildungsberuf ist eine fiese Sache. Für die Loslösung vom bisherigen Beruf ist der innere Lösungswille maßgebend, der nach der Rechtsprechung "anhand der äußeren Umstände" festzustellen ist. Da sollte man schon genau aufpassen, was man der BG jetzt mitteilt.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)
SusanneBerlin
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von SusanneBerlin »

Christina511 hat geschrieben:Ja. Bafög ist keine Option, da noch Bafög -Schulden vom Studium da sind. Über Jobcenter würde es halt weitere Jahre am Existenzminimum bedeuten
Hallo,

mich würde interessieren: gibt es in der Zwischenzeit neue Erkenntnisse oder Entwicklungen?
Sie wissen, dass beim Studenten-Bafög die Rückzahlung auf 10.000€ gedeckelt ist? Man müsste, wenn eine weitere Förderung gewährt würde, also maximal 10.000€ zurückzahlen, das entspricht einem Studium von 2,5 Jahren mit monatlichem Baföghöchstbetrag, was darüber hinausgeht erhöht den Rückzahlungsbetrag also nicht.

2. Idee: eine "normale" Ausbildung machen ohne irgendeine Förderung. Für Informatik-Azubis dürfte die Ausbildungsvergütung bereits höher sein als Hartz4 (zumindest in den westlichen Bundesländern), mit Abitur kann man die Ausbildung verkürzen. Wenn dann noch die Unfallrente während der Ausbildung weiter gezahlt wird, ist man zumindest etwas über H4-Niveau. Gut, in der Berufschule ist man mit 35 wahrscheinlich der älteste, aber irgendwann muss man es ja angehen, zur veränderten Lebenssituation beruflich wieder eine Perspektive zu finden und jünger wird man nicht.
Grüße, Susanne
windalf
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von windalf »

Fortführung des Studiums ist nicht möglich, da die Zwangspause zu lange war müsste neu begonnen werden.
Na und. War doch erst das zweite Semester. Da kann man doch noch nicht viel umsonst gemacht habe... Und selbst wenn da irgendwas nicht anerkannt werden sollte, dann kann man doch das Erlernte nutzen um schnell voranzukommen...
Jedoch ist aus medizinischer Sicht die Fortführung des Studiums aufgrund der psychischen Belastung aktuell auch nicht ratsam. Der Wunsch ist ja eine Umschulung.
Naja wenn nicht aktuell dann vielleicht morgen oder übermorgen...
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.
Christina511
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von Christina511 »

Hallo!

Erstmal danke für die Nachrichten.

Also Neuigkeiten gibt es insofern, dass die Sache nun bei einer Sozialrechtlerin liegt, da es alles zu unübersichtlich geworden ist...
Die Schulden belaufen sich "nur" auf circa 15 000 € wobei etwa die Hälfte davon über die KFW gelaufen ist und der Rest als Bafög - über den Rückzahlungshöchstbetrag kommt man also so wie ich das sehe beim Bafög nicht.

Eine normale Ausbildung ohne irgendeine Förderung würde in Frage kommen und auch angestrebt werden, nur leider ist das auch nicht so einfach. Es sind schon sehr viele Bewerbungen raus gegangen und bislang leider nur Absagen gekommen - was ja auch irgendwo nachvollziehbar ist, wenn man über 6 Jahre nicht in Beschäftigung war. Das kommt eben nicht gut an in den Personalabteilungen...

@windalf: Denke es ist durchaus nachvollziehbar, wenn man mit 35 nicht noch mal ein Studium anfangen möchte und lieber Geld verdienen möchte, falls man vor hat irgendwann im Leben noch eine Familie zu gründen. Weiterhin ist das Studium wie ja schon erwähnt nicht mehr finanzierbar - von was denn? Noch mal Schulden machen? Obwohl schon genug da sind? Und nach über 30 Operationen mit Vollnarkose die teilweise mehrere Stunden gedauert haben ist es auch neurologisch nicht sicher, dass die Fortführung eines Studiums überhaupt möglich wäre...
Und es ist eben auch gar nicht mehr der Wunsch da, eben WEIL die Priorität nun darin liegt Geld zu verdienen um irgendwann einen Ausweg aus der Schuldenlage finden zu können.
kdM
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Re: Arbeitsunfall während Studium im Nebenjob - Umschulung

Beitrag von kdM »

Christina511 hat geschrieben:Hallo!

Erstmal danke für die Nachrichten.

Also Neuigkeiten gibt es insofern, dass die Sache nun bei einer Sozialrechtlerin liegt, da es alles zu unübersichtlich geworden ist...
Kluge Entscheidung.
"Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird." (Sascha Lobo)
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