Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung?

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JohnBoy
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Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung?

Beitrag von JohnBoy »

Hallo!

Folgendes Szenario:

Sohn, 21, bei seiner Mutter wohnend, wird demnächst aufgrund nicht erbrachter Leistungen von der Uni zwangsexmatrikuliert. Sich für die Zeit danach einen Ausbildungsplatz oder einen Job zu suchen und zu arbeiten, darauf hat er "keinen Bock"; lieber daddelt er den ganzen Tag sinnlos am PC.

Mutter (geschieden) ist Beamtin, d.h. Sohn ist noch familienversichert über die private Krankenversicherung der Mutter.

Was passiert nach der Exmatrikulation und der Sohn weder arbeiten geht noch eine neue Ausbildung beginnt (also kein eigenes Einkommen und dann fallen ja auch noch Unterhalt und Kindergeld weg): Kann er weiterhin familienversichert sein oder muss er sich selbst krankenversichern (wovon) ?

JohnBoy
ExDevil67
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von ExDevil67 »

Im Zweifel wird dem Sohn wohl nur der Weg zum Jobcenter bleiben um ALG II zu beantragen.
Unterhaltsansprüchen, wie richtig erkannt, bestehen dann ja nicht mehr. Und das beheizte Zimmer bei Mama mit dem selbstfüllenden Kühlschrank ist ja auch eine Form von Unterhalt.
yamato
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von yamato »

In der PKV gibt es eine Familienversicherung in dem Sinne nicht. Das heißt er ist solange in der PKV versichert wie jemand die Beiträge für ihn zahlt oder bis er versicherungspflichtig in der GKV wird.

Interessant ist beim Beamtenkind eher der Beihilfeanspruch, dieser besteht solange der elterliche Beamte den Familienzuschlag für das Kind erhält.

Würde dieser wegfallen müsste man das Kind entweder zu 100 % in der PKV versichern oder ihm einen sozialversicherungspflichtigen Job/Ausbildungsplatz Einkommen > 450 € besorgen.
Caedite eos! Novit enim Dominus qui sunt eius
Ronny1958
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von Ronny1958 »

Bei der Konstellation ist allerdings fraglich, ob künftig noch ein Anspruch auf den Familienzuschlag bestehen wird.

Nach dem nachfolgenden Auszug aus dem Merkblatt des Landes NDS für den Fam. Zuschlag könnte die Fortgewährung zweifelhaft sein:
Erläuterungen
Kinderanteil im Familienzuschlag wird für alle Kinder gewährt, für die Kindergeld zusteht oder ohne Berücksichtigung der
§§ 64 und 65 EStG zustehen würde. Von besonderer Wichtigkeit hierbei sind die Ausführungen zu den folgenden Ziffern.
1. Kinder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, werden nur berücksichtigt, wenn sie - für einen Beruf ausgebildet werden (dazu gehört auch die Schulausbildung) oder - sich in einer Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten von höchstens vier Monaten befinden oder - arbeitssuchend sind und der Arbeitsvermittlung im Inland zur Verfügung stehen, dabei grundsätzlich das 21. Lebens- jahr noch nicht vollendet haben und keine Einkünfte und Bezüge oberhalb einer bestimmten Höchstgrenze er- halten oder - ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr im Sinne der einschlägigen Gesetze leisten oder - wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten.
2. Für Kinder nach vollendetem 18. Lebensjahr besteht kein Anspruch auf Kindergeld trotz Vorliegens einer Berufs-ausbildung, wenn die zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmten oder geeigneten eigenen Einkünfte und Bezüge des Kindes (z. B. Ausbildungsvergütung, Erwerbseinkünfte, Lohnersatzleistungen, als Ausbil-dungshilfen gewährte Zuschüsse, Unterhaltsleistungen des Ehegatten eines verheirateten Kindes - auch die des ge-schiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten -) eine bestimmte Höchstgrenze übersteigen.
3. Kindergeld wird längstens bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres gezahlt, darüber hinaus nur, - wenn sich die Berufsausbildung aus bestimmten Gründen verzögert hat, z. B. wegen Ableistung des Grundwehr- oder Zivildienstes oder - wenn das Kind wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande ist, sich selbst zu unter- halten.
4. Für ein Kind wird nur einmal Kinderanteil im Familienzuschlag gezahlt.
5. Kinderanteil im Familienzuschlag wird nicht für ein Kind gezahlt, das weder in der Bundesrepublik Deutschland noch in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union oder in einem Staat, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirt-schaftsraum Anwendung findet, seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat.
6. Kinderanteil im Familienzuschlag kann unter bestimmten Voraussetzungen für ein Kind der Ehegattin bzw. des Ehegat-ten oder ein Enkel- oder Pflegekind gewährt werden, allerdings nur solange, wie dieses Kind dem Haushalt der Beamtin bzw. des Beamten angehört. Eine Haushaltsaufnahme liegt grundsätzlich dann vor, wenn das Kind ständig in der ge-meinsamen Familienwohnung der Beamtin bzw. des Beamten lebt, dort versorgt und betreut wird. Die bloße Anmeldung bei der Meldebehörde genügt nicht.
.....
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)
RHW
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von RHW »

Hallo,

wenn der Vater Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, kann der Sohn zwischen Exmatrikulation und 23. Geburtstag ggf. kostenlos in die Familienversicherung des Vaters wechseln. Dies geht auch wenn Vater und Sohn getrennte Wohnungen haben.

Einzelheiten: § 10 SGB V

Gruß
RHW
questionable content
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von questionable content »

ExDevil67 hat geschrieben:Im Zweifel wird dem Sohn wohl nur der Weg zum Jobcenter bleiben um ALG II zu beantragen.
Unterhaltsansprüchen, wie richtig erkannt, bestehen dann ja nicht mehr. Und das beheizte Zimmer bei Mama mit dem selbstfüllenden Kühlschrank ist ja auch eine Form von Unterhalt.
Da der Sohn bei der Mutter wohnt und unter 25 ist, dürfte auch das im Regelfall nichts bringen.

Der Sohn zieht die Mutter in eine Bedarfsgemeinschaft und damit dürfte sich bei einer Beamtin eine Hilfebedürftigkeit üblicherweise erledigt haben.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.
Hanomag
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von Hanomag »

RHW hat geschrieben:wenn der Vater Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, kann der Sohn zwischen Exmatrikulation und 23. Geburtstag ggf. kostenlos in die Familienversicherung des Vaters wechseln. Dies geht auch wenn Vater und Sohn getrennte Wohnungen haben.

Einzelheiten: § 10 SGB V
Auch diese Möglichkeit dürfte ausgeschlossen sein, weil sich der Sohn zu Beginn des Studiums bereits gegen die GKV entschieden hat und eine Rückkehr erst nach Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit möglich wird.

Der Sohn sollte sich dringend auf ausbildungs- oder arbeitsplatzsuche machen.
ExDevil67
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von ExDevil67 »

questionable content hat geschrieben:Der Sohn zieht die Mutter in eine Bedarfsgemeinschaft und damit dürfte sich bei einer Beamtin eine Hilfebedürftigkeit üblicherweise erledigt haben.
Oder die Mutter überlegt sich das dann und leistet keinen Unterhalt mehr in Naturalien, aka sie wirft den Sohn raus. Das kann ihr nämlich keiner untersagen.
RHW
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Re: Familienversichert auch ohne Job bzw nicht in Ausbildung

Beitrag von RHW »

Hallo Hanomag,

nach Ende/Abbruch/Abschluss des Studiums ist die kostenlose Familienversicherung grds. möglich. Die Befreiung von der Versicherungspflicht als Student hat nur während des Studiums Auswirkungen. § 10 SGB V schließt nur während der Befreiung die Familienversicherung aus.

nur zur Info; trifft hier nicht zu: wenn ein Student in der PKV die Altersgrenzen für die Familienversicherung bereits überschritten hat, kann er nur in die GKV zurück, wenn er versicherungspflichtig wird.

Gruß
RHW
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