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Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 12:48
von windalf
http://www.spiegel.de/karriere/duesseld ... 72377.html

Ist das so einfach? Ich lass mir vom Arzt bestätigen, dass es gut für meine Gesundheit wäre mich sportlich zu bestätigen und schon bin ich beim Joggen, Fussball usw als Arbeitnehmer besser versichert? Der ganze Zusammenhang ist ja so trivial, dass kein Arzt ein Problem damit haben sollte das zu bestätigen. Spätestens ab Alter 40 wird die Bewegungsnummer ja im allgmeinen dringend empfohlen.

Wie genau muss denn eine solche ärztliche Bestätung aussehen, die man sich einholen sollte, damit man die Versicherungsansprüche erwirbt?

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 12:55
von SusanneBerlin
Ich glaube, man sollte einen bestimmten Satz des Artikels nicht außer Acht lassen:
Die Richter bewerteten den Vorfall als Arbeitsunfall, weil der Geschädigte gerade zur Kur war.
Wenn der Arbeitnehmer zum Zeitpunkt des Unfalls in einer von der Rentenversicherung finanzierten Reha-Maßnahme in einer Klinik aufgenommen war, ist das etwas anderes als wenn ich in der Freizeit beim Sport verunfalle. Er ist auch nicht durch eine ungeschickte Bewegung gestürzt, sondern weil er beim Spaziergang vom Auto angefahren wurde.
und schon bin ich beim Joggen, Fussball usw als Arbeitnehmer besser versichert?
Wenn du auf dem Fußballplatz von einem Auto erfasst wirst, kannst du dich ja mal auf diese Gerichtsentscheidung berufen. :lol:

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 13:14
von windalf
Du solltest vollständiger zitieren
Die Richter bewerteten den Vorfall als Arbeitsunfall, weil der Geschädigte gerade zur Kur war. Dort war ihm Bewegung empfohlen worden, damit er abnimmt.
Wo einem nun Bewegung empfohlen wird (im Rahmen einer Kur) oder eines normalen Arztbesuches ist doch völlig irrelevant. Es geht in jedem Falle darum die Gesundheit zu erhalten (oder wieder herzustellen)
Mit dem Spaziergang habe er seiner Verpflichtung zur aktiven Mitarbeit bei der Gewichtsreduzierung nachkommen wollen, argumentierte der Kläger. Die Richter stimmten dieser Auffassung zu.
Das gilt doch für jeden mit Übergewicht. Und der argumentative Schritt hin zu "Vermeidung Übergewichtserlangung" ist da doch nun wirklich nicht mehr weit.
Wenn der Arbeitnehmer zum Zeitpunkt des Unfalls in einer von der Rentenversicherung finanzierten Reha-Maßnahme in einer Klinik aufgenommen war, ist das etwas anderes als wenn ich in der Freizeit beim Sport verunfalle. Er ist auch nicht durch eine ungeschickte Bewegung gestürzt, sondern weil er beim Spaziergang vom Auto angefahren wurde.
Hol dir einen Kreuzbandriss/Menikusschaden und mach danach eine Reha. Der Arzt empfiehlt dir dann unabhängig von deinem aktuellen Fitnesszustand ganz dringend Bewegung. Dein Argument, dass es ein Auto sein muss kann ich dem Text nicht entnehmen. Vielmehr entnehme ich dem TExt, dass etwas passiert ist weil man etwas getan hat, was der Arzt zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit empfohlen hat. Ob man im Rahmen dessen von einem Auto überfahren wird, von einem Wildschwein gejagt oder einfach nur umknickt spielt doch keine Rolle...

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 14:19
von ExDevil67
windalf hat geschrieben:
Die Richter bewerteten den Vorfall als Arbeitsunfall, weil der Geschädigte gerade zur Kur war. Dort war ihm Bewegung empfohlen worden, damit er abnimmt.
Wo einem nun Bewegung empfohlen wird (im Rahmen einer Kur) oder eines normalen Arztbesuches ist doch völlig irrelevant.
Nein, der entscheidende Passus dürfte sein das der Unfall im Rahmen der Kur passierte. Der gleiche Unfall einen Tag nach Ende der Kur und das Urteil wäre gegen den Kläger ausgefallen, weil er nur im Rahmen der Kur(behandlungen) unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 15:48
von windalf
Nein, der entscheidende Passus dürfte sein das der Unfall im Rahmen der Kur passierte.
Und wie will man das verargumentieren? Wenn ich meine Arbeitskraft auf Anraten eines Artzes im Rahmen eine Kur schütze/verbessere/wiederherstelle dann handelt es sich um einen Arbeitsunfall. Wenn ich das außerhalb einer Kur auf Anraten eines Artzes mache nicht. Inhaltlich einleuchten will mir das nicht und auch eine Argumentation dafür oder dagegen kann ich zumindest aus dem Artikel nicht entnehmen....

Warum soll nicht entscheidend(er) sein, dass um die Erhaltung/Wiederherstellung der Arbeitskraft geht als um die Tatsache Kur ja/nein

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 18:53
von Astrid69
Die Antwort ist ganz einfach. Weil es so im Gesetz steht. Par. 2 Absatz 1 Nr. 15 a SGB VII sagt, dass Personen während einer solchen Massnahme gegen Arbeitsunfall versichert sind.

Aus der weiteren Rechtsprechung ergibt sich, dass der Umfang, was alles während einer Reha-Massnahme versichert ist, umfangreicher ist als bei einem normalen Arbeitsunfall.
Hintergrund u.a. ist, dass man sich in ungewohnter Umgebung befindet und vieles auf ärztliche Anweisung nur macht.

Mich überrascht das Urteil allerdings doch etwas. "Auf Empfehlung des Arztes..." .... naja.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 19:37
von SusanneBerlin
Mich überrascht das Urteil allerdings doch etwas. "Auf Empfehlung des Arztes..." .... naja.
Das steht ja auch nicht im Urteil.
Das ist die windalfsche Interpretation nachdem er den Artikel gelesen hat, der widerum eine aufbereitete Version des Pressetextes des SG ist.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 11.10.17, 21:07
von ExDevil67
SusanneBerlin hat geschrieben:
Mich überrascht das Urteil allerdings doch etwas. "Auf Empfehlung des Arztes..." .... naja.
Das steht ja auch nicht im Urteil.
Das ist die windalfsche Interpretation nachdem er den Artikel gelesen hat, der widerum eine aufbereitete Version des Pressetextes des SG ist.
Das sehe ich ähnlich, da wird man vermutlich erstmal das komplette Urteil im Volltext lesen müssen um nachvollziehen zu können wie man da zu dem Ergebnis gekommen ist das da Versicherungsschutz bestand.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 06:51
von windalf
Die Antwort ist ganz einfach. Weil es so im Gesetz steht. Par. 2 Absatz 1 Nr. 15 a SGB VII sagt, dass Personen während einer solchen Massnahme gegen Arbeitsunfall versichert sind.
Da steht wo es in jedem Falle gilt. Glaubt man dem zitierten Text weitet der Richter/das Gericht das doch aus und sagt wie von dir auch zitiert es kommt insbesondere "auf die Empfehlung des Arztes an"...

Wäre es anders hätte darüber ja nicht geurteilt werden müssen weil der Fall ja klar war.
Das ist die windalfsche Interpretation nachdem er den Artikel gelesen hat, der widerum eine aufbereitete Version des Pressetextes des SG ist.
Ich halte das nicht mal für eine Interpretation sondern es ist einfach das, was in dem Artikel steht. Kann natürlich falsch sein, was in dem Artikel steht.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 07:35
von ExDevil67
Wenn man sich mal die original Pressemeldung des Sozialgerichts durchliest, findet sich da folgender Satz drin
Es reiche aus, wenn der Versicherte von seinem Standpunkt aus der Auffassung sein durfte, die Tätigkeit sei geeignet, der stationären Behandlung zu dienen und diese Tätigkeit zudem objektiv kurgerecht sei.
In den zugehörigen Ausführungen im Urteil wird sich sicher die Abgrenzung finden zwischen "im Rahmen der Kur sagt der Arzt Bewegung ist gesund" und "der Hausarzt sagt Bewegung ist gesund".

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 08:17
von windalf
In den zugehörigen Ausführungen im Urteil wird sich sicher die Abgrenzung finden zwischen "im Rahmen der Kur sagt der Arzt Bewegung ist gesund" und "der Hausarzt sagt Bewegung ist gesund".
Naja ich würde da schon weiter gehen wollen und sagen ein pauschales allgemeines "der Hausartz sagt Bewegung ist gesund" reicht nicht, sondern der Hausarzt muss die individuell empfohlen haben. (was natürlich nicht schwer ist diese Empfehlung zu bekommen, wenn man mit Ü40 zum Arzt geht und/oder einen BMI über 25 hat)

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 08:49
von ExDevil67
windalf hat geschrieben: Naja ich würde da schon weiter gehen wollen und sagen ein pauschales allgemeines "der Hausartz sagt Bewegung ist gesund" reicht nicht, sondern der Hausarzt muss die individuell empfohlen haben.
Auch das wird vermutlich nicht reichen. §2 SGB 7 wurde ja schon genannt. Nur weil mein Hausarzt etwas empfiehlt, gehöre ich ja nicht zu den dort genannten versicherten Personen. Ich wäre auch nicht überrascht wenn das Urteil den Versicherungsschutz "nur" über §2(2) SGB 7 konstruiert hat.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 11:40
von Charon-
spiegel.de hat geschrieben: Mit dem Spaziergang habe er seiner Verpflichtung zur aktiven Mitarbeit bei der Gewichtsreduzierung nachkommen wollen
Der entscheideinde Part dürfte hier gewesen sein, dass der Arzt nicht nur empfiehlt, sondern der Leistungsempfänger verpflichtet ist, dem nachzukommen, anders als bei einem normalen Patientenverhältnis, in dem der Arzt zwar empfehlen darf, der Patient sich aber folgenlos weigern kann.

Denn dem Betroffenen in der Kur droht, wenn er den Empfehlungen des Arztes nicht nachkommt, der Verlust des Anspruchs auf die Kur und damit der abbruch der gesamten Maßnahme. Dem Patienten im Alltag droht, wenn er der Empfehlung des Arztes nicht nachkommt, nichts.

Genau aus diesem Grund ist der Unfallversicherungsstatus eines Teilnehmers in der Kur anders als der eines Patienten im Alltag.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 11:44
von windalf
Denn dem Betroffenen in der Kur droht, wenn er den Empfehlungen des Arztes nicht nachkommt, der Verlust des Anspruchs auf die Kur und damit der abbruch der gesamten Maßnahme.
Die exakte Empfehlung und deren Überprüfung sind so wachsweich, dass das eher als Placebo-Argument daherkommt... Ein Abbruch der Maßnahme droht wohl kaum.

Re: Versicherungsumfang durch Arzt ausweiten lassen

Verfasst: 12.10.17, 17:43
von matthias.
windalf hat geschrieben:
Denn dem Betroffenen in der Kur droht, wenn er den Empfehlungen des Arztes nicht nachkommt, der Verlust des Anspruchs auf die Kur und damit der abbruch der gesamten Maßnahme.
Die exakte Empfehlung und deren Überprüfung sind so wachsweich, dass das eher als Placebo-Argument daherkommt... Ein Abbruch der Maßnahme droht wohl kaum.

Darum geht es nicht. Es ist aber ein angeordnete Massnahmen, die der Patient nicht nur aus Spass und Einsicht macht. Deshalb ist er dann versichert.

WEnn er nichts macht, ist er auch nichts versichert weil dann nichts passieren kann aber wie gesagt, das ist eine andere Fragestellung.