Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II, Berufsgenossenschaften, Renten, Schwerbehinderung ,Kranken- und Pflegeversicherung

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TheLuckyOne
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Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von TheLuckyOne »

Hallo zusammen,

Ich bzw wir hätten ein paar Fragen bezüglich eines recht komplizierten Themas.
Also erstmal die aktuelle Situation:
Ich bin am 15.8 bei meiner Freundin eingezogen (ich habe zuvor in Österreich gelebt und bin nun nach Nürnberg übersiedelt) welche nun ein Kind erwartet (Geburtstermin 7.2.2019). Ich fange mit 1.9 einen neuen Job an und wir sind nicht verheiratet.
Aktuell ist meine Freundin über ihren Job dank Mutterschutz ja versichert. Wir müssen aber damit rechnen das sie sobald es geht gekündigt wird und sie daher weder eine Krankenversicherung noch ein Einkommen haben wird.
Die Informationen welche wir bis jetzt haben sind das ich als Ihr Partner auch wenn wir nicht verheiratet sind für ihre Krankenversicherung aufkommen muss (ca 200€ pro Monat?) und wir dann auch nur von meinem Einkommen leben müssen da ich laut arge genug verdiene so das sie kein Arbeitslosengeld bekommt mein Einkommen wird aber trotzdem weiterhin mit Steuerklasse 1 versteuert was im vergleich zu Klasse 3 ca 300€ mehr im Monat wären.

Sind diese Informationen soweit alle richtig? Muss ich tatsächlich für meine Partnerin alle kosten tragen selbst wenn wir nicht verheiratet sind?

Ich hoffe alles ist verständlich erklärt und uns kann weitergeholfen werden.

Mfg
Robert S.

FM
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von FM »

Falls Du der Vater des Kindes bist, ja. Wer sollte es denn sonst tragen?

Bei der Krankenversicherung könnte sie über Mutterschutz und Elternzeit noch länger praktisch beitragsfrei versichert sein, das kann ihr ihre Krankenkasse erklären. Bei der Einkommensteuer bekommst Du einen besonderen Freibetrag, im Ergebnis entspricht das dann der Beteuerung Verheirateter. Begib dich zum Finanzamt, frage nach den Details und wie man den Antrag stellt.

ExDevil67
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von ExDevil67 »

Wie kommen Sie darauf das ihre Freundin kein Arbeitslosengeld bekommen wird? Das ist eine Versicherungsleistung und wer die Vorraussetzungen erfüllt, bekommt auch entsprechende Leistungen. Und zwar unabhängig vom Einkommen eines Partners.
Oder meinen Sie Arbeitslosengeld II aka Hartz IV?

winterspaziergang
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von winterspaziergang »

TheLuckyOne hat geschrieben: Wir müssen aber damit rechnen das sie sobald es geht gekündigt wird und sie daher weder eine Krankenversicherung noch ein Einkommen haben wird.
Erstmal ist sie bis ungefähr 7.2.2019 schwanger, damit nicht kündbar, danach im Mutterschutz, damit nicht kündbar, danach in Elternzeit, damit 3 Jahre lang nicht kündbar und danach kommt es auf den Kündigungsgrund an bzw. ob ein Kündigungsschutz besteht.

Kurz: Das "sobald möglich" ist frühestens im Jahre 2022.
Sind diese Informationen soweit alle richtig? Muss ich tatsächlich für meine Partnerin alle kosten tragen selbst wenn wir nicht verheiratet sind?
ja, es ist Ihre Familie, ob mit oder ohne Trauschein. Sie sind dem Kind bis zum Ende seiner Ausbildung und die nächsten 3 Jahre auch der Mutter zum Unterhalt verpflichtet. Wenn man heiratet hat man- bislang- ein paar Vorteile, steuerlich und im Hinblick auf das Sorgerecht. Außerdem wäre die Partnerin mit Kind in der Familienversicherung der KK versichert.
Ich hoffe alles ist verständlich erklärt und uns kann weitergeholfen werden.
falls nur die KK das Problem ist: Siehe Vorpost.

SusanneBerlin
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von SusanneBerlin »

TheLuckyOne hat geschrieben:Aktuell ist meine Freundin über ihren Job dank Mutterschutz ja versichert. Wir müssen aber damit rechnen das sie sobald es geht gekündigt wird und sie daher weder eine Krankenversicherung noch ein Einkommen haben wird.
Sind diese Informationen soweit alle richtig?
Nein, nichts davon ist richtig, Ihre Befürchtungen sind völlig gegenstandslos. Einer Schwangeren kann nicht gekündigt werden. Während der Schwangerschaft beantragt die werdende Mutter Elternzeit beim Arbeitgeber und kann daraufhin bis zu 3 Jahre zuhause bleiben, ohne den Arbeitsplatz zu verlieren. Nach der Elternzeit kann die Mutter die Arbeit wieder aufnehmen. Während der Elternzeit gibt es 12 Monate lang die staatliche Leistung Elterngeld, das sind ca. 60 % des Nettoverdienstes, mindestens 300€, maximal 1800€. Zusätzlich gibt es das Kindergeld, 194€ monatlich. Während der Elternzeit ist die Mutter beitragsfrei in der Krankenversicherung insofern sie vorher pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung war.

Richtig ist, dass Sie als Vater der Mutter und dem Kind unterhaltspflichtig sind, dh. das Gesamteinkommen setzt sich zusammen aus Ihrem Verdienst, dem Kindergeld und dem Elterngeld der Mutter und davon werden Sie zu dritt als Familie leben. Sollte das Gesamteinkommen unter dem Hartz4-Satz einer dreiköpfigen Familie liegen, können Sie aufstockend Hartz4 beantragen.
Grüße, Susanne

huitzilihuitl
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von huitzilihuitl »

SusanneBerlin hat geschrieben:Sollte das Gesamteinkommen unter dem Hartz4-Satz einer dreiköpfigen Familie liegen, können Sie aufstockend Hartz4 beantragen.
Ergänzend hierzu:

Es wird nach § 19 Abs. 3 SGB II nur das "zu berücksichtigende Einkommen" angerechnet.Dies bedeutet, dass ein Einkommen zunächst nach § 11b SGB II zu bereinigen ist, bevor es angerechnet wird.

So wird z.B. vom Erwerbseinkommen nach § 11b Abs. 1 Nr. 1 SGB II die Lohnsteuer abgesetzt. Der oben im Strang vorgeschlagene Gang zum Finanzamt, um zu bewirken, dass künftig eine geringere Lohnsteuer gezahlt wird, kann also nach hinten losgehen: geringere Lohnsteuer => geringerer Absetzbetrag => höheres Einkommen => geringere bzw. keine Leistungsansprüche.

Wenn man sich den Weg zum Finanzamt erspart und somit eine zu hohe Lohnsteuer entrichtet, ist regelmäßig beim Einkommensteuerjahresausgleich mit einer Einkommenssteuererstattung zu rechnen. Wenn diese während des Bezugs von Leistungen nach dem SGB II zufließt, stellt dieses Einmaleinkommen dar und wird nach § 11 Abs. 3 SGB II angerechnet.

whvceltic
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von whvceltic »

FM hat geschrieben:Falls Du der Vater des Kindes bist, ja. Wer sollte es denn sonst tragen?

Bei der Krankenversicherung könnte sie über Mutterschutz und Elternzeit noch länger praktisch beitragsfrei versichert sein, das kann ihr ihre Krankenkasse erklären. Bei der Einkommensteuer bekommst Du einen besonderen Freibetrag, im Ergebnis entspricht das dann der Beteuerung Verheirateter. Begib dich zum Finanzamt, frage nach den Details und wie man den Antrag stellt.
das ist kein Freibetrag !

Der Kindesvater kann Unterhalt als außergewöhnliche Belastung in seiner Steuererklärung geltend machen, gut zusammengefasst hier:

https://www.steuern.de/unterhaltszahlungen.html

questionable content
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von questionable content »

Einige Anmerkungen:

1. Unter normalen Umständen ist die Krankenversicherung von Mutter und Kind per Mutterschutz und Elternzeit gewährleistet.

2. Steuerrechtlich lassen sich sowohl Unterhalt, als auch ab Bescheiderteilung die Zahlungspflichten im Rahmen einer Bedarfsgemeinschaft nach Sozialrecht entweder a) "auf die Lohnsteuerkarte eintragen" oder b) beim Lohnsteuerjahresausgleich geltend machen.

3. Nürnberg ist vom Mietniveau her eher günstig. 1000 Euro all inclusive für eine Familienwohnung mit 3-4 Zimmern sind nicht unrealistisch.

Es ist daher praktisch eher schwer, es zu schaffen, hier mit einer Vollzeitstelle (plus Elterngeld) plus Kindergeld bzw. plus bayerischem Familiengeld ab Jahr 2 in den Leistungsbezug nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch zu kommen.

Das gilt ganz besonders, wenn das Elterngeld von einer Stelle kommt, von der die besagte Freundin bisher allein in Nürnberg leben konnte.

4. Ein Alg II - Anspruch ist unter den geschilderten Verhältnissen eher fernliegend. Wenn überhaupt steht Wohngeld und ggf. Kinderzuschlag im Raum. Die ALG II - Diskussion ist daher eher müßig.

Man nehme folgende Milchmädchenrechnung bei unterstellen Löhnen im niedrigen Bereich von Personen mit Ausbildung.

Kindsvater: 1500 Euro Netto
Kindergeld 192 Euro
Elterngeld 1000 Euro

Wir sind bei rund 2800 Euro netto, die der Familie zur Verfügung stehen. Abzüglich rund 600 Euro Freibeträgen bleiben noch 2.200 Euro. Der regelmäßige Bedarf der Familie nach SGB II wäre über den Daumen gepeilt bei einer Miete von rund 1000 Euro immer noch bei unter 2000 Euro.

Tauscht man das Elterngeld gegen bayerisches Familiengeld ab Jahr 2 in Höhe von Euro 250 aus, so wäre man immer noch bei 1940 Euro netto der Familie. Bei rund 300 Euro Freibeträgen, würden hier immer noch Wohngeld oder Kinderzuschlag in der Regel eine vorrangige Lösung bieten.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

RHW
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von RHW »

Hallo,

hier genauere Infos zum besonderen Kündigungsschutz für Schwangere (inkl. Ausnahmen):
http://www.sozialhilfe24.de/arbeitsrech ... chaft.html

Falls wirklich einer dieser Ausnahmepunkte für eine Kündigung zutreffen sollte, hat sie bei der Agentur für Arbeit Anspruch auf Arbeitslosengeld (inkl. Krankenversicherung) bis zum Beginn der Schutzfrist (=6 Wochen vor der Entbindung), wenn sie mindestens 12 Monate Arbeitslosenversicherungsbeiträge gezahlt hat.

Wenn sie einen Zeitvertrag hat, der von Vornherein befristet ist, endet dieser trotz der Schwangerschaft automatisch.

Gruß
RHW

winterspaziergang
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Re: Schwanger Freund zugezogen Wer zahlt was?

Beitrag von winterspaziergang »

Die Überlegungen und Fragen des TE, der sich nie wieder gemeldet hat, waren:
Aktuell ist meine Freundin über ihren Job dank Mutterschutz ja versichert. Wir müssen aber damit rechnen das sie sobald es geht gekündigt wird und sie daher weder eine Krankenversicherung noch ein Einkommen haben wird.
Es wurde mehrfach richtig gestellt, dass es falsch ist, anzunehmen, man würde /könnte einer Schwangeren (wegen der Schwangerschaft) einfach so mal kündigen.
Die Informationen welche wir bis jetzt haben sind das ich als Ihr Partner auch wenn wir nicht verheiratet sind für ihre Krankenversicherung aufkommen muss (ca 200€ pro Monat?) und wir dann auch nur von meinem Einkommen leben müssen da ich laut arge genug verdiene so das sie kein Arbeitslosengeld bekommt

Es wurde darauf hingewiesen, dass dies- selbst wenn sie arbeitslos wäre- so nicht stimmt
mein Einkommen wird aber trotzdem weiterhin mit Steuerklasse 1 versteuert was im vergleich zu Klasse 3 ca 300€ mehr im Monat wären.
auch zu dieser falschen Annahme gab es Richtigstellungen

:arrow:
Sind diese Informationen soweit alle richtig? Muss ich tatsächlich für meine Partnerin alle kosten tragen selbst wenn wir nicht verheiratet sind?

Dass all die Info falsch waren, wurde genauso benannt und das richtige Vorgehen beschrieben

Irgendwie erscheint es wenig weiterführend nun alle Eventualitäten, von Ausnahmen zur Kündigung bis zur Notwendigkeit von ALG-II durchzuspielen (dass ist für Notlagen gedacht und kein Regelfall), zumindest, so lange nicht neue Info und Fragen kommen.

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