Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Krankenhaus

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Rolfe
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Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Krankenhaus

Beitrag von Rolfe »

Seid gegrüsst,

die 86-jährige A. soll aus der gerontologischen Abt. der Psychiatrie entlassen werden.
Mit Pflegegrad 4 wurde sie bereits im Mai aus dem Krankenhaus in die Kurzzeitpflege
entlassen, weil nochmal versucht wurde, sie danach zu Hause zu pflegen.
Die Klinik war aber bereits damals der Meinung, sie gehöre dauerhaft ins Heim.
Im Rahmen des jetzigen Entlassungsmanagements soll sie aber erneut nur wieder
in die Kurzzeitpflege entlassen werden - die Klinik weigert sich, für sie einen Heimplatz
zu besorgen, obwohl sie zu Hause nicht mehr gepflegt werden kann
(Zitat Entlassungsbrief Mai 2018: "...benötigt Pflege rund um die Uhr...").
Es besteht der Verdacht, dass sich die Klinik ihrer Verantwortung aus dem Entlassungs-
management entziehen will, indem nur für 28 Tage Kurzzeitpflege organisiert wird.
Wie die Angehörigen danach damit klarkommen, ist denen offenbar egal.
Die A. kann definitiv nicht mehr zu Hause gepflegt werden.
Im Rahmenvertrag der Krankenkassen mit der Krankenhausvereinigung ist nicht
umsonst davon die Rede, dass beim Entlassungsmanagement die individuellen
Bedürfnisse (hier: Dauerheimpflege) zu berücksichtigen sind.
Gibt es Erfahrungen oder ggf. sogar gerichtliche Entscheidungen dahingehend,
dass Kliniken im Bedarfsfall sich eben doch um einen Dauerheimplatz kümmern
müssen, was im Zusammenwirken mit Kranken- und Pflegekasse denen sicherlich
leichter zuzumuten ist als Angehörigen, die immer nur bei Pflegeheim um Aufnahme
betteln müssen?
Gruss Rolfe
SusanneBerlin
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

die Klinik kann m.W. einen Patienten nicht gegen seinen Willen in ein Heim "einweisen". Was möchte denn die Patientin? Besteht eine Vorsorgevollmacht oder hat einer der Angehörigen die rechtliche Betreuung? Wer wäre befugt den Heimvertrag zu unterschreiben?
Grüße, Susanne
Rolfe
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von Rolfe »

Es besteht eine Vorsorgevollmacht.
Die A. kann zu Hause nicht mehr gepflegt werden - aber das Krankenhaus weigert sich,
im Rahmen des Entlassungsmanagements ein Heim zu finden.
Die Vorsorgebevollmächtigten haben über 30 Heime erfolglos "abgeklappert".
Die Frage ist: darf sich das Krankenhaus mit der Organisation einer Kurzzeitpflege
der Verantwortung für das Finden eines Dauerheimplatzes entledigen, obwohl
das Krankenhaus selbst einschätzt, dass die A. nicht nur für 28 Tage Kurzzeitpflege,
sondern ständig ins Heim muss?
Gruss Rolfe
FM
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von FM »

Den Heimvertrag muss der Pflegebedürftige, ggf. vertreten durch seinen Betreuer, schon selbst abschließen. Der Sozialdienst des Krankenhauses kann bestenfalls eine Liste der Heime übergeben (die findet man aber auch im Internet z.B. bei der AOK) und auf freie Plätze die ihm bekannt sind hinweisen - aber eben nur wenn sie ihm bekannt sind.

Einen Rechtsanspruch auf einen Pflegeheimplatz will Bayern nach neuerer Ankündigung in den nächsten Jahren einführen, ob es ihn in anderen Ländern schon gibt müsste man jeweils nachsehen. Aber in der Praxis funktioniert das bei Kindertagesstätten auch nicht gut.

Sofern vorhanden in der Region, wird der Sozialdienst auf die Heimplatzbörse hinweisen, siehe z.B.
http://www.heimplatzboerse-ffb.de/index ... no_cache=1
Aber auch da kann das Ergebnis sein "nichts passendes frei".
mondbein
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von mondbein »

Gibt es in eurer Erreichbarkeit sogenannte Pflegestützpunkte? Das könnte für euch eine hilfreiche Anlaufadresse sein:

https://www.pflegeverantwortung.de/pfle ... etzpunkte/

Wenn nichts Passendes frei ist, hilft leider auch das vorerst nicht viel, aber es gibt Wartelisten und die Übergangszeit könnte überbrückt werden...

Alles Gute!
Rolfe
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von Rolfe »

Wie kann die Übergangszeit überbrückt werden?
Die Dame kann zu Hause nicht mehr gepflegt werden.
Die Klinik will ihre die über die mediz. Notwendigkeit hinausgehenden Aufenthaltszeiten
privat in Rechnung stellen, weil sie sie ja nicht auf die Straße setzen kann.
Was nun?
Gruss Rolfe
mondbein
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von mondbein »

Für die Übergangszeit dachte ich eventuell an Kurzzeitpflege oder auch eine Hilfskraft zuhause einzustellen, ich kenne mich aber selbst nicht sehr gut aus auf diesem Gebiet. Von daher die Idee beim Pflegestützpunkt Rat einzuholen, die müssten alle Möglichkeiten kennen.
Vielleicht hat hier ja auch noch jemand Tipps, bitte noch etwas Geduld aufbringen.
FM
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von FM »

Es gäbe noch die Variante, vorerst ein weiter entferntes Pflegeheim zu nehmen.
Rolfe
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von Rolfe »

Kurzzeitpflege kommt nicht in Betracht, weil nur eine Dauerpflege das Problem löst und die
Vorsorgebevollmächtigten in 28 Tagen vor demselben Problem stehen.
Zudem gibt es bei der Entlassung aus der Kurzzeitpflege kein Entlassungsmanagement -
das gibt es nur in Krankenhäusern; nur diese kann man in die Pflicht nehmen.
Die Kurzzeitpflegeeinrichtung entlässt nach 28 Tagen - dann bleibt es wieder
an den Vorsorgebevollmächtigten "hängen"; man kann aber niemanden zwingen,
privat die Pflege in der Wohnung der Dame zu übernehmen.
Schon gar nicht, wenn die Vorsorgebevollmächtigten das schon 20 Jahre gemacht haben
(bei insg. 3 Pflegefällen) und jetzt einfach nicht mehr können....
Gruss Rolfe
SusanneBerlin
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von SusanneBerlin »

man kann aber niemanden zwingen,
privat die Pflege in der Wohnung der Dame zu übernehmen.
Schon gar nicht, wenn die Vorsorgebevollmächtigten das schon 20 Jahre gemacht haben
(bei insg. 3 Pflegefällen) und jetzt einfach nicht mehr können....
Richtig, man kann die Angehörigen nicht zwingen, die Pflege zu übernehmen. Wieso wird dann kein externer Pflegedienst beauftragt, der ins Haus kommt? Wenigstens solange, bis ein Heimplatz frei wird?
Die Vorsorgebevollmächtigten haben über 30 Heime erfolglos "abgeklappert".
Die Heime arbeiten mit Wartelisten. Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering dass ein Heim mit einem freien Platz darauf warten muss, dass sich Interessenten melden. Ein Dauerheimplatz wird frei, wenn ein Patient stirbt, das lässt sich nicht vorhersagen. Wenn man also die 28 Tage Kurzzeitpflege nutzt und die Patientin bei 30 Heimen auf die Warteliste setzen lässt, besteht eine Chance dass innerhalb der 28 Tage ein Platz frei wird.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 08.09.18, 18:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne
Rolfe
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von Rolfe »

Der externe Pflegedienst kam natürlich schon seit Jahren täglich 3x - aber das sind nur jeweils ca. 30 min.
Eine 24 h-Rundumpflege zu Hause ist nicht finanzierbar; das wäre viel teurer als jedes Pflegeheim.
Gruss Rolfe
SusanneBerlin
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von SusanneBerlin »

täglich 3x - aber das sind nur jeweils ca. 30 min.
Eine 24 h-Rundumpflege zu Hause ist nicht finanzierbar; das wäre viel teurer als jedes Pflegeheim.
Zwischen 1,5 Stunden täglich und 24 Stunden ist keine finanzierbare Abstufung möglich?
Grüße, Susanne
Rolfe
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von Rolfe »

Nein, definitiv nicht.
Die 1,5 h Pflegeeinsätze haben bereits die zur Verfügung stehenden, von der Pflegekasse finanzierten, Sachleistungen
fast vollständig "aufgefressen".
Über Ersparnisse verfügt die Dame nicht.
Angehörige gibt es nicht.
Die Vorsorgebevollmächtigten sind Freunde, die sich schon genug aufgeopfert haben...
Gruß Rolfe
FM
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von FM »

Mit ständiger wiederholter aber unbegründeter Behauptung, das Krankenhaus wäre verpflichtet einen freien Platz zu finden, wird man das Problem eher nicht lösen.
SusanneBerlin
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Re: Entlassungsmanagement - welche Pflichten hat das Kranken

Beitrag von SusanneBerlin »

Rolfe hat geschrieben:Nein, definitiv nicht.
Die 1,5 h Pflegeeinsätze haben bereits die zur Verfügung stehenden, von der Pflegekasse finanzierten, Sachleistungen
fast vollständig "aufgefressen".
Über Ersparnisse verfügt die Dame nicht.
Dann wird man so oder so beim Sozialamt Leistungen beantragen müssen. Entweder zur Finanzierung der Pflege zuhause oder zur Finanzierung des Heimplatzes.
Grüße, Susanne
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