Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

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logos3
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Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von logos3 » 23.09.18, 16:16

Folgender Fall aus der Verwandtschaft: Ehepaar, beide Rentner. Ehemann hat fortgeschritten Parkinson (Pflegestufe 5)
u. wird bisher in der gemeinsamen Mietwohnung von der Ehefrau gepflegt. Ehefrau ist inzw. körperlich am Ende, daher muß der Mann dringend ins Heim.
Beide haben nur geringe Renten.
Die Pflegeheimkosten abzgl. Kostenanteil Pflegeversicherung u. abzgl. Rente Ehemann dürften nach meiner Kenntnis zu einer Unterdeckung von mindestens ca. € 350,00 monatl. führen.
Für die mithaftende Ehefrau sind vor Umzug des Ehemannes ins Pflegeheim vorrangig folgende Punkte zu klären:

1. Ihre geringe Rente liegt innerhalb des Schonvermögens von Euro 800,00, so daß ihr davon nichts abgezogen werden
dürfte. Zusätzlich sind geringe Barmittel für Notlagen vorhanden. Wie hoch ist hierfür das Schonvermögen?
2. Ihre Rente reicht nicht für die Mietkosten der gemeinsamen Wohnung. Hätte sie evtl. Anspruch auf einen
„Versorgungsausgleich“ aus der Rente ihres Mannes, der nicht für die Pflegeheimkosten draufgeht? Oder wäre die Rente
des Mannes komplett ans Pflegeheim zu zahlen? Dann müßte sie sich eine neue Wohnung suchen.
3. Es sind drei Kinder vorhanden – ein gemeinsames und zwei Stiefkinder aus Sicht des Ehemannes.
Nur ein Kind in direkter Linie wäre danach ggf. mithaftbar, bei dem nach meiner Kenntnis unter Berücksichtigung des
Schonvermögens aber nichts zu holen sein dürfte.
4. Wo könnte sich die Ehefrau am besten neutral u. möglichst kostenfrei beraten lassen?

Wäre dazu für hilfreiche Hinweise dankbar, auch für gute Link-Hinweise.

winterspaziergang
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von winterspaziergang » 23.09.18, 18:10

logos3 hat geschrieben:Folgender Fall aus der Verwandtschaft: Ehepaar, beide Rentner. Ehemann hat fortgeschritten Parkinson (Pflegestufe 5)
u. wird bisher in der gemeinsamen Mietwohnung von der Ehefrau gepflegt. Ehefrau ist inzw. körperlich am Ende, daher muß der Mann dringend ins Heim.
nur am Rande und auch aus wirtschaftlicher Überlegung: Wäre eine externe Pflege/Pflegedienst nicht machbar?
Vorteil wäre, dass die Ehefrau entlastet ist, der Ehemann nicht sein Heim verliert. Die Pflegeheime, die allgemein und bei geringer Zahlung zur Verfügung stehen, sollen außerdem nicht unbedingt das sein, was man braucht, wenn man selbst hilfebedürftig ist.
2. Ihre Rente reicht nicht für die Mietkosten der gemeinsamen Wohnung. Hätte sie evtl. Anspruch auf einen
„Versorgungsausgleich“ aus der Rente ihres Mannes, der nicht für die Pflegeheimkosten draufgeht?
Wenn sie nicht vorhat, sich scheiden zu lassen, gibt es keine Übertragung der Anwartschaft bzw. Rente des noch lebenden Ehemannes auf seine Ehefrau. Die beiden leben von den beiden Renten, die sie aufteilen können, wie sie mögen.
Oder wäre die Rente des Mannes komplett ans Pflegeheim zu zahlen? Dann müßte sie sich eine neue Wohnung suchen.
ist vermutlich die Konsequenz. Wenn sein Geld für das Heim komplett drauf geht, ist bei ihr und geringer Rente zwar nichts mehr zu holen, aber sie wird keine zu große/teure Wohnung fremdfinanziert bekommen. Es sei denn, der Umzug ist ihr nicht zuzumuten.

4.
Wo könnte sich die Ehefrau am besten neutral u. möglichst kostenfrei beraten lassen?
Bei der Krankenkasse/Pflegekasse des Mannes bzw. der eigenen

FM
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von FM » 23.09.18, 18:53

winterspaziergang hat geschrieben: 4.
Wo könnte sich die Ehefrau am besten neutral u. möglichst kostenfrei beraten lassen?
Bei der Krankenkasse/Pflegekasse des Mannes bzw. der eigenen
Die Pflegekasse kann nur mitteilen, dass sie bei PG 5 einen Zuschuss von 2.005 Euro an das Pflegeheim zahlen wird. Für familienrechtliche Fragen (Unterhaltspflicht der Ehefrau) ist sie nicht zuständig. Dafür wendet man sich am besten an einen auf Familienrecht spezialisierten Rechtsanwalt, der aber selbstverständlich nicht kostenfrei berät. Kann sein, dass Anspruch auf Beratungshilfe besteht, dazu wende man sich an das Amtsgericht des Wohnortes.

Zu Sozialhilfeleistungen berät das Sozialamt kostenfrei, aber natürlich nicht neutral; es ist ja die Gegenseite.

winterspaziergang
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von winterspaziergang » 24.09.18, 07:06

Die Pflegekasse kann nur mitteilen, dass sie bei PG 5 einen Zuschuss von 2.005 Euro an das Pflegeheim zahlen wird.
Die Pflegekasse kann darüber informieren, welche Möglichkeiten es allgemein gibt (Pflegedienst, Tagespflege, weitere haushaltsnahe Leistungen etc.) und wie es z.B. wirtschaftlich (und für die Lebensqualität beider Partner) auch alternativ und evtl. besser geht.
Für familienrechtliche Fragen (Unterhaltspflicht der Ehefrau) ist sie nicht zuständig. Dafür wendet man sich am besten an einen auf Familienrecht spezialisierten Rechtsanwalt, der aber selbstverständlich nicht kostenfrei berät. Kann sein, dass Anspruch auf Beratungshilfe besteht, dazu wende man sich an das Amtsgericht des Wohnortes.
kann man machen, wäre aber verwunderlich, dass es Beratungshilfe für eine familienrechtliche Frage gibt. Davon ab: Dass die beiden Eheleute sich gegenseitig zum Unterhalt/Unterstützung verpflichtet sind, steht ja nicht in Frage. Hier ist nur das Problem, dass, falls der Ehemann ins Pflegeheim geht, die Ehefrau nicht mehr genügend eigene Mitte für ihre Wohnung hat. M.E. ist hier keine familienrechtliche Frage zu sehen, aber das kann natürlich eine Falscheinschätzung sein.
Zu Sozialhilfeleistungen berät das Sozialamt kostenfrei, aber natürlich nicht neutral; es ist ja die Gegenseite.
welche Gegenseite? :shock: ist hier irgendwo ein Klageverfahren?
Das Sozialamt berät natürlich darüber, welche Möglichkeiten es nach SGB gibt und welche Voraussetzungen vorliegen müssen.

logos3
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von logos3 » 26.09.18, 18:54

Danke für Eure Hinweise. Alles leider kein Lichtblick, wie schon befürchtet. In solchen Härtefällen stehen die Betroffenen im Regen. Ehefrau konnte zuwenig Rente erarbeiten (3 Kinder). Und Ersparnisse gingen durch die schleichende, unheilbare Erkrankung des Mannes weitgehend drauf.
[b]Noch unklar: [/b]
a. Welche Barmittel (Schonvermögen) kann die Ehefrau außer ihrer Rente ungeschmälert mindestens behalten? Die Freigrenze müßte sich m. E. auf jeden Fall erhöhen aufgrund ihrer Mietbelastung u. eines evtl. notwendigen Umzugs. Gibt's konkrete Informationen darüber?
b. Gäbe es bei zwangsweisem Umzug der Ehefrau in eine kleinere Wohnung ggf. einen Zuschuß von irgendeiner Stelle?
[b]Zu Pflegediensten etc.:[/b] Externe Pflegedienste in der eigenen Wohnung sind für die Ehefrau keine entscheidende Hilfe, da der Mann rund um die Uhr in betreut werden muß aufgrund des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums. Tagespflege ist zeitl. eng begrenzt u. wird auch in Anspruch genommen.
[b]Zu neutraler Beratung:[/b] Ämter od. Krankenkassen kann man weitgehend vergessen. Die beschränken sich nur auf die üblichen allgem. Auskünfte, die sich auch anderweitig selber feststellen lassen. Gibt’s denn unter den –zig Sozialvereinen etc. keine wirklich hilfreiche, neutrale Unterstützung/Beratung?
[b]Zu Pflegeheimen:[/b] Situation ist mir aus eigener Erfahrung mit einem Elternteil hinreichend bekannt. Die Heimauswahl ist generell zeitraubend. Letztlich Glücksfall, wenn man ein gutes Pflegeheim erwischt hat, auch bei teuren Heimen.

FM
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von FM » 26.09.18, 19:24

Zu Sozialvereinen:

Zu diesen Themen beraten insbesondere der VdK und der SoVD. Aber auch oft Selbsthilfeverbände für bestimmte Behinderungen (Blindenbund, MS-Gesellschaft usw.). Oft haben auch die Gewerkschaften Sozialberatung in ihrem Leistungsangebot, je nach Satzung. In allen diesen Fällen muss man aber Mitglied sein.

Ganz kostenlos kann es keine qualifizierte und unabhängige Beratung geben, jemand muss ja das Gehalt des Beraters bezahlen. Und wenn z.B. das Sozialamt das Gehalt bezahlt, hat der Berater NICHT die Aufgabe, für eine möglichst hohe Kostenbeteiligung des Sozialamtes zu sorgen.

winterspaziergang
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von winterspaziergang » 26.09.18, 20:06

logos3 hat geschrieben:Danke für Eure Hinweise. Alles leider kein Lichtblick, wie schon befürchtet. In solchen Härtefällen stehen die Betroffenen im Regen.
Rein rechtlich: Hier ist kein Härtefall erkennbar.

Das ist die leider gegebene Situation in der im alten Rollenmodell zu wenig für die spätere Absicherung erwirtschaftet werden konnte und andererseits "zu viel" Vermögen vorhanden war, so dass vorher keine staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen war.
b. Gäbe es bei zwangsweisem Umzug der Ehefrau in eine kleinere Wohnung ggf. einen Zuschuß von irgendeiner Stelle?
wenn sie umziehen muss und die Mittel faktisch nicht reichen, wäre das Sozialamt zuständig. Auch wenn das meist keine Option ist: Wenn die Miete zu hoch ist, ist Untervermietung eine Alternative zum Umzug.

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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von Newbie » 27.09.18, 06:10

logos3 hat geschrieben: Zu Pflegediensten etc.: Externe Pflegedienste in der eigenen Wohnung sind für die Ehefrau keine entscheidende Hilfe, da der Mann rund um die Uhr in betreut werden muß aufgrund des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums. Tagespflege ist zeitl. eng begrenzt u. wird auch in Anspruch genommen.
Es gibt auch 24-Stunden-Pflege für Zuhause, wäre das nicht eine Option?

Neutrale Pflegeberatungsstellen, meist irgendwo im Sozialamt angesiedelt, die bieten trägerunabhängige, neutrale und kostenlose Pflegeberatung und Schlichtung an. Gibt es sowas in ihrer Umgebung eventuell auch?

Hier mal ein Bsp. für Erlangen:

https://www.erlangen.de/Portaldata/1/Re ... ng_WEB.pdf

Ansonsten würd ich mich mal mit dem Sozialverband in Verbindung setzen, VdK. z.Bsp.


LG
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von Zafilutsche » 27.09.18, 11:45

Ich würde ggf. mal die Fühler in Richtung Selbsthilfe Vereine oder ähnliches ausstrecken. Ein Erfahrungsaustausch kann nicht nachteilig sein.

MariaK
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Re: Ehemann ins Pflegeheim – Kostenbelastungen Ehefrau

Beitrag von MariaK » 02.10.18, 12:00

Wie Newbie schon schrieb: Es gibt Pflegeberatungsstellen, die beraten kostenlos. Im Internet mal nach einer in der Nähe suchen.

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