Lange Wartezeit auf Urkunden

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Oktavia
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Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Oktavia »

In Berlin muss man mal wieder länger warten. Die Wartezeiten im Einwohnermeldeamt sind glaube ich halbwegs wieder im Lot (aber wahrscheinlich immer noch zu lang um die Vorgaben des Gesetzgebers einhalten zu können). Nun betrifft es Geburtsurkunden und Sterbeurkunden.
Klick mich!

Woher bekommen Eltern die aus welchen Gründen auch immer keinerlei finanziellen Puffer haben Geld zum überleben? 5 Wochen hungern mit Säuglingen sind ja irgendwie keine Option, oder?
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FM
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von FM »

Oktavia hat geschrieben: Woher bekommen Eltern die aus welchen Gründen auch immer keinerlei finanziellen Puffer haben Geld zum überleben? 5 Wochen hungern mit Säuglingen sind ja irgendwie keine Option, oder?
Säuglinge ernähren sich, wie der Begriff schon sagt, an der Brust der Mutter. Wieso will die Mutter da vorher eine Urkunde sehen?

Oktavia
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Oktavia »

FM hat geschrieben:
Oktavia hat geschrieben: Woher bekommen Eltern die aus welchen Gründen auch immer keinerlei finanziellen Puffer haben Geld zum überleben? 5 Wochen hungern mit Säuglingen sind ja irgendwie keine Option, oder?
Säuglinge ernähren sich, wie der Begriff schon sagt, an der Brust der Mutter. Wieso will die Mutter da vorher eine Urkunde sehen?
Ähhhhhh stimmt! :lol: Doof ist nur, dass wenn Mütter sich nicht ernähren die Milch eher spärlich fliesst. Aber vielleicht gibt's ja Kredite bei der Milchbank? Kann man dann ja mit Zins die nächsten Jahre abstottern äh, abpumpen.
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winterspaziergang
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von winterspaziergang »

Oktavia hat geschrieben:
FM hat geschrieben:
Oktavia hat geschrieben: Woher bekommen Eltern die aus welchen Gründen auch immer keinerlei finanziellen Puffer haben Geld zum überleben? 5 Wochen hungern mit Säuglingen sind ja irgendwie keine Option, oder?
Säuglinge ernähren sich, wie der Begriff schon sagt, an der Brust der Mutter. Wieso will die Mutter da vorher eine Urkunde sehen?
Shhhhhh stimmt! :lol: Doof ist nur, dass wenn Mütter sich nicht ernähren die Milch eher spärlich fliesst. [Unsachlichkeit im Zitat entfernt]
wieso? die Mutter dürfte ja eine Geburtsurkunde längst haben und sonstige Papiere wie Personalausweis auch. Ist die hilfebedürftig, wird sie das wahrscheinlich nicht erst mit der Geburt sein.
Regelsatz und zusätzlich Tafel sind auch ohne Geburtsurkunde des Säuglings zugänglich.

yamato
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von yamato »

Vielen Jobcentern genügt m.W. auch erst mal eine einfache Bescheinigung des Krankenhauses dass und wann ein Kind geboren wurde, um dieses aufzunehmen.
Falls das dann der Familienkasse und den Elterngeldstellen nicht reicht müssen die Jobcenter eben Erstattungsansprüche an diese stellen und erst mal voll zahlen.

Geburtsurkunde ist dann natürlich nachzureichen.

Außerdem gibt es ja auch noch den Kindesvater.
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Evariste
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Evariste »

winterspaziergang hat geschrieben: Ist die hilfebedürftig, wird sie das wahrscheinlich nicht erst mit der Geburt sein.
Regelsatz und zusätzlich Tafel sind auch ohne Geburtsurkunde des Säuglings zugänglich.
Nun ja. Es geht zum Beispiel um Mütter, die nach der Geburt erst einmal aufhören (müssen) zu arbeiten. Die bekommen dann zwar Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld, so dass sie auch nach der Geburt gut über die Runden kommen und nicht bedürftig sind. Aber wenn sich das um 2 Monate verzögert, ist das schon ein Problem.

Da ist auch die Tafel keine Lösung - dafür braucht man normalerweise einen ALG2-Bescheid. Und die Miete ist damit auch noch nicht bezahlt.
Zuletzt geändert von Evariste am 28.09.18, 09:04, insgesamt 1-mal geändert.

Evariste
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Evariste »

yamato hat geschrieben:Vielen Jobcentern ...
Was ist mit den Eltern, die bei pünktlicher Zahlung von Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld gar nicht erst zum Jobcenter müssten?

winterspaziergang
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von winterspaziergang »

Evariste hat geschrieben: Es kann z. B. sein, dass die Mutter vor der Geburt gearbeitet oder ALG1 bezogen hat, dann fällt sie - sofern kein Vater da ist, der leistungswillig/leistungfähig ist - erst nach der Geburt in den ALG2-Bezug. Ohne ALG2-Bescheid bekommt man normalerweise auch nichts von der Tafel.
1. war das nur zur Veranschaulichung, dass die Lebenssituation der Hilfebedürftigkeit zumal aufgrund dieser Umstände nicht plötzlich kommt
2. geht es jetzt nicht darum, alle möglichen Eventualitäten aufzuzählen, die erklären, wieso die Mutter erst nach der Geburt in ALG-II kommt.

Aber selbst in dem Fall, dass die ALG-I hatte und nun in den ALG-II Bezug fällt. Das ist absehbar. Sie kann also zeitig die entsprechenden Formulare ausfüllen und weiter bleibt - bezüglich der Überlegung, dass die Mutter wegen der fehlenden Geburtsurkunde des Kindes hungern müsste- gültig, dass sie ja eine Geburtsurkunde/Personalausweis etc. hat
Damit kann sie ALG-II beantragen und alle entsprechenden Hilfen bekommen.

Evariste hat geschrieben:
yamato hat geschrieben:Vielen Jobcentern ...
Was ist mit den Eltern, die bei pünktlicher Zahlung von Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld gar nicht erst zum Jobcenter müssten?
die haben es gut

yamato
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von yamato »

Evariste hat geschrieben:
yamato hat geschrieben:Vielen Jobcentern ...
Was ist mit den Eltern, die bei pünktlicher Zahlung von Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld gar nicht erst zum Jobcenter müssten?
Da sollte man dann mal die Elterngeldstelle, Krankenkasse und Familienkasse mal fragen warum sie (Falls sie es überhaupt tun) auf einer Geburtsurkunde bestehen und ihnen
nicht eine einfache Bescheinigung des Krankenhauses über die Geburt ausreicht. Die eigentliche Mutterschaft kann das Geburtskrankenhaus ja sogar besser bestätigen als das Standesamt.
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Evariste
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Evariste »

winterspaziergang hat geschrieben:
Evariste hat geschrieben:
yamato hat geschrieben:Vielen Jobcentern ...
Was ist mit den Eltern, die bei pünktlicher Zahlung von Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld gar nicht erst zum Jobcenter müssten?
die haben es gut
Nein, die haben dann plötzlich nicht genug Geld um Miete, Essen etc. zu bezahlen. Also müssten sie zum Jobcenter, wenn keine Rücklagen vorhanden sind, und das nur, weil die Verwaltung nicht richtig funktioniert. Wobei ich mich frage, ob in solchen Fällen dann überhaupt ein Rechtsanspruch auf ALG2 besteht oder wie das geregelt wird.
yamato hat geschrieben: Da sollte man dann mal die Elterngeldstelle, Krankenkasse und Familienkasse mal fragen warum sie (Falls sie es überhaupt tun) auf einer Geburtsurkunde bestehen und ihnen nicht eine einfache Bescheinigung des Krankenhauses über die Geburt ausreicht. Die eigentliche Mutterschaft kann das Geburtskrankenhaus ja sogar besser bestätigen als das Standesamt.
Das Krankenhaus ist nun mal nicht für personenstandsrechtliche Feststellungen zuständig. Das macht das Standesamt und prüft dabei die Identität der Mutter (Vorlage der Geburtsurkunde) und stellt auch amtlich fest, wer der rechtliche Vater ist (letzteres ist z. B. beim Antrag auf Elterngeld relevant). Alles Dinge, die nicht zum Aufgabenbereich des Krankenhauses gehören. Rechtlich ist die "Bescheinigung" des Krankenhauses eigentlich auch keine Bescheinigung, sondern eine sog. Geburtsanzeige (§ 20 PStG).

windalf
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von windalf »

Alles ein erbärmliches Gejammer. Wer es sich nicht leisten kann, sollte halt besser keiner Kinder bekommen. Wenn er die nicht versorgen kann sollte der Staat einspringen und diesen unfähigen Eltern die Kinder abnehmen...

Eltern die das nicht auf die Reihe bekommen sollten besser keine Kinder aufziehen.
...fleißig wie zwei Weißbrote
0x2B | ~0x2B
Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

winterspaziergang
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von winterspaziergang »

Evariste hat geschrieben: Was ist mit den Eltern, die bei pünktlicher Zahlung von Mutterschaftsgeld, Kindergeld, Elterngeld gar nicht erst zum Jobcenter müssten?
Kindergeld= Steuerrückerstattung in Höhe des Existenzminimums des Kindes. Zahlt man gar keine (so viel) Einkommenssteuern, gibt es dennoch den Betrag.
Elterngeld= einkommens­abhängige Familien­leistung. Hatte man kein Einkommen oder bezieht während seines Elterngeldbezuges Arbeitslosengeld/hat Bemessungszeitraum Arbeitslosengeld erhalten, gibt es dennoch 300 Euro.

Vorweg genommen: Ja, diese Sozialgelder werden auf das Existenzminimum (bei ALG-II-Bezug) angerechnet.
Nein, die haben dann plötzlich nicht genug Geld um Miete, Essen etc. zu bezahlen. Also müssten sie zum Jobcenter, wenn keine Rücklagen vorhanden sind, und das nur, weil die Verwaltung nicht richtig funktioniert.
nein, nicht nur. Sie müssen da hin, weil ihre Planung offenbar nur auf den umgehenden Zufluss von Sozialleistungen angelegt war.

Hierzulande springt das JC bei Bedarf ein. Im überwiegenden "anderswo" kann man dann sehen, wo man bleibt.
Wobei ich mich frage, ob in solchen Fällen dann überhaupt ein Rechtsanspruch auf ALG2 besteht oder wie das geregelt wird.
bei Mittellosigkeit ja, der Erstattungsanspruch z.B. des Elterngeldes kann aufs JC überragen werden

Oktavia
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Oktavia »

In diesem Fall ging es mir tatsächlich nicht um die Eltern, die schon im ALG I oder II Bezug sind. Bei denen läuft die Leistung ja erst mal weiter. Ich dachte eher an Leute die geringes Einkommen haben oder die Verpflichtungen eingegangen sind und keine (weiteren) Kredite bekommen. Also Beschäftigte bzw. "kleinere" Selbständige.

Es geht ja damit los, dass man das Kind ohne Geburtsurkunde nicht an die Krankenkasse melden kann. Da wäre die Frage wo ist das Kind Krankenversichert? Kindergeld gibt's auch nur mit Geburtsurkunde und Elterngeld ebenso. Man hat sich ja beim Arbeitgeber abgemeldet für Zeitraum X. Gut, es gibt nach der Geburt 8 Wochen Mutterschaftsgeld als Lohnersatz. Wenn aber die Urkunde 5 Wochen oder länger (Durchschnittswert) braucht und die Bearbeitung beim Elterngeld ca 8-18 Wochen. Da kanns dann sein, dass man dreieinhalb Monate kein Geld bekommt. Wie läuft das dann mit der Krankenkasse?

Bei den Bearbeitungszeiten für Elterngeld Die Zeit für die Bearbeitung kommt halt noch zusätzlich auf die Zeit für die Bearbeitung des Elterngeldes drauf.
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RGSilberer
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von RGSilberer »

Ich wundere mich immer wieder mit welchen hanbüchenen Ausreden und teilweise sehr dummen Argumenten das völlige Versagen der Berliner Verwaltung hier im Forum schöngeredet wird.

In Bayern geht man am Tag der Geburt seines Kindes aufs Standesamt und kann anschließend die Geburtsurkunde mitnehmen. Aber da regiert ja zum Glück auch nicht RRG.

Evariste
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Re: Lange Wartezeit auf Urkunden

Beitrag von Evariste »

winterspaziergang hat geschrieben:
Nein, die haben dann plötzlich nicht genug Geld um Miete, Essen etc. zu bezahlen. Also müssten sie zum Jobcenter, wenn keine Rücklagen vorhanden sind, und das nur, weil die Verwaltung nicht richtig funktioniert.
nein, nicht nur. Sie müssen da hin, weil ihre Planung offenbar nur auf den umgehenden Zufluss von Sozialleistungen angelegt war.

Hierzulande springt das JC bei Bedarf ein. Im überwiegenden "anderswo" kann man dann sehen, wo man bleibt.
"Anderswo" (in Deutschland) klappt es mit dem rechtzeitigem Zufluss der Sozialleistungen, deswegen muss das JC dort nicht einspringen.

Im übrigen kann ich das ganze "selbst schuld, hättest Du kein Kind bekommen"-Gedudel nicht mehr hören. Aus vorwiegend finanziellen Gründen werden in Deutschland schon ca. 100.000 Kinder jährlich abgetrieben, soll die Zahl noch weiter erhöht werden? In der Realität (eigene Erfahrung, aber es gibt auch Studien dazu) sind nur etwa 50% der Geburten in Deutschland wirklich geplant, der Rest kommt immer irgendwie überraschend und dann müssen sich viele Eltern nach der Decke strecken, um es zu ermöglichen.

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