Wohngeld

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windalf
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Wohngeld

Beitrag von windalf » 08.05.19, 11:56

Aktuell wird das ja wieder erhöht

https://www.spiegel.de/wirtschaft/sozia ... 66337.html

Folgende Frage hinsichtlich Wohngeld und Einkommen.

Angenommen ein gut verdienender Arbeitnehmer beschließt sowas wie ein Sabbatical/unbezahlten Urlaub/Brückteilzeit oder Ähnliches zu machen (und hat kein großes Vermögen <50000 aufgebaut) und reduziert dabei Einkommen und Arbeitszeit für eine gewisse Dauer drastisch. Hat der dann automatisch mehr oder weniger Anspruch auf Wohngeld? Was genau meint Einkommen bei Wohngeld? Wird immer ein Kalenderjahr gemittelt oder kommt es immer auf den einzelen Monat an? Im Netz habe ich dazu nichts gefunden wie nun genau sich Einkommen hinsichtlich Wohngeld (also welche Bezugszeiträume da zugrunde gelegt werden) berechnet.
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

cherokee
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Re: Wohngeld

Beitrag von cherokee » 08.05.19, 13:49

Soll die unbezahlte Freizeit durch die Allgemeinheit finanziert werden? Entweder man kann sich das leisten oder nicht. Reicht das Guthaben nicht aus, muss man eben mehr ansparen!

windalf
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Re: Wohngeld

Beitrag von windalf » 08.05.19, 13:51

Soll die unbezahlte Freizeit durch die Allgemeinheit finanziert werden?
Wenn der Gesetzgeber sich das in seiner Weisheit so überlegt hat dann scheint das so zu sein...

Die Frage zielt darauf ab, was nun genau der Gesetzgeber sich in seiner Weisheit überlegt hat. Ich habe das noch nicht verstanden. Auf Grund zu hohen Vermögens kann ich aber selbst nicht mitspielen. Es ist eine Interessensfrage zu den exakten Spielregeln (wie eigentlich fast alle Fragen die ich hier stelle)
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

windalf
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Re: Wohngeld

Beitrag von windalf » 10.05.19, 09:05

Hmm ist die Frage tatsächlich so schwierig. Ich hätte vermutet das wäre eher etwas einfach zu Beantwortendes gewesen. Muss ich also wieder ein weiteres Mal in Unwissen sterben und kann dazu keine gute oder schlechte Meinung haben... :cry: :cry: :cry:
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

FM
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Re: Wohngeld

Beitrag von FM » 10.05.19, 10:02

windalf hat geschrieben:Was genau meint Einkommen bei Wohngeld? Wird immer ein Kalenderjahr gemittelt oder kommt es immer auf den einzelen Monat an? Im Netz habe ich dazu nichts gefunden wie nun genau sich Einkommen hinsichtlich Wohngeld (also welche Bezugszeiträume da zugrunde gelegt werden) berechnet.
Dann eben nicht im Netz sondern im Wohngeldgesetz nachschauen:
https://www.gesetze-im-internet.de/wogg ... G000600000
§§ 13 bis 18 und 27

matthias.
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Re: Wohngeld

Beitrag von matthias. » 10.05.19, 10:26

Es ist auch so, dass unterlassenes Einkommen berücksichtigt werden kann.

Das ist oft nicht gut nachweisbar, dass jemand nen besseren Job oder einen mit mehr Stunden bekommen könnte, hier aber in meinen Augen eindeutig. Der AN verzichtet bewusst auf Einkommen, obwohl er einen ausreichend bezahlten Job hat. Dafür gibt es wie oben gesagt kein Wohngeld, Sabbatical muss man sich leisten können, bzw. üblicherweise reduziert man ja das Einkommen z.b. um 1/3 und kann dann nach 2 Jahren 1 Jahr frei machen, hat aber immer ausreichend Einkommen. Geht das nicht, geht es halt nicht,wenn man es nicht anders finanzieren kann.

cherokee
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Re: Wohngeld

Beitrag von cherokee » 10.05.19, 11:54

So denke ich auch. Kann mir schwerlich vorstellen, dass der Gesetzgeber sich hier so was ausdenken sollte, dass jemand bewusst sein Einkommen reduziert um dann auf Kosten der Allgemeinheit zu leben.

matthias.
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Re: Wohngeld

Beitrag von matthias. » 10.05.19, 12:49

Insbesondere brauche ich ja ein zuschussfähiges Mindesteinkommen.
D.h. wenn gar nichts mehr verdient wird, kann es auch kein Wohngeld geben.

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Re: Wohngeld

Beitrag von windalf » 10.05.19, 15:18

Es ist auch so, dass unterlassenes Einkommen berücksichtigt werden kann.
Da vom Gesetzgeber so Dinge wie Elternzeit, Brückteilzeit, usw. explizit vorgesehen (und politisch gewünscht) sind, wäre es eher komisch wenn das Wohngeld dann verweigert werden würde...
Insbesondere brauche ich ja ein zuschussfähiges Mindesteinkommen.
D.h. wenn gar nichts mehr verdient wird, kann es auch kein Wohngeld geben.
Das stimmt so pauschal nicht. Bei fehlenden Mindesteinkommen gibt es eine erklärungsbedürftige Unterdeckung . Bei hinreichendem Vermögen kann diese "erklärungsbedürftige Unterdeckung" leicht vermieden werden...
So denke ich auch. Kann mir schwerlich vorstellen, dass der Gesetzgeber sich hier so was ausdenken sollte, dass jemand bewusst sein Einkommen reduziert um dann auf Kosten der Allgemeinheit zu leben.
Das muss ja nicht mal in jedem Fall "asozial" sein. Nimm jemanden der in einem Jahr 200.000 EUR verdient und dafür soviel schuftet wie er das sonst in 2 Jahren gemacht hätte. Stattdessen macht er dann im Anschluss ein Jahr frei. ist das "asozial". Ich würde sagen nein. Er hat in dem Jahr davor deutlich mehr Steuern gezahlt, als er es getan hätte, wenn er die Summe in 2 Jahren verdient hätte. Er bekommt dann einfach nur einen kleinen Teil zurück. In Summe hat er trotzdem mehr gezahlt als wenn er jedes Jahr 100.000 verdient hätte...


@FM
OK danke...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

matthias.
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Re: Wohngeld

Beitrag von matthias. » 10.05.19, 15:52

windalf hat geschrieben: Das muss ja nicht mal in jedem Fall "asozial" sein. Nimm jemanden der in einem Jahr 200.000 EUR verdient und dafür soviel schuftet wie er das sonst in 2 Jahren gemacht hätte. Stattdessen macht er dann im Anschluss ein Jahr frei. ist das "asozial". Ich würde sagen nein. Er hat in dem Jahr davor deutlich mehr Steuern gezahlt, als er es getan hätte, wenn er die Summe in 2 Jahren verdient hätte. Er bekommt dann einfach nur einen kleinen Teil zurück. In Summe hat er trotzdem mehr gezahlt als wenn er jedes Jahr 100.000 verdient hätte...


@FM
OK danke...
Und so jemand braucht Wohngeld?
Im übrigen hab ich oben doch geschrieben, dass man die 200T ja auf 2 Jahre aufteilen kann, dann zahlt er auch weniger Steuern. Vielleicht sollte man die Instrumente so nutzen wie sie vorgesehen sind.

windalf
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Re: Wohngeld

Beitrag von windalf » 10.05.19, 15:56

matthias. hat geschrieben:
windalf hat geschrieben: Das muss ja nicht mal in jedem Fall "asozial" sein. Nimm jemanden der in einem Jahr 200.000 EUR verdient und dafür soviel schuftet wie er das sonst in 2 Jahren gemacht hätte. Stattdessen macht er dann im Anschluss ein Jahr frei. ist das "asozial". Ich würde sagen nein. Er hat in dem Jahr davor deutlich mehr Steuern gezahlt, als er es getan hätte, wenn er die Summe in 2 Jahren verdient hätte. Er bekommt dann einfach nur einen kleinen Teil zurück. In Summe hat er trotzdem mehr gezahlt als wenn er jedes Jahr 100.000 verdient hätte...


@FM
OK danke...
Und so jemand braucht Wohngeld?
Im übrigen hab ich oben doch geschrieben, dass man die 200T ja auf 2 Jahre aufteilen kann, dann zahlt er auch weniger Steuern. Vielleicht sollte man die Instrumente so nutzen wie sie vorgesehen sind.
Es besteht ja auch die Möglichkeit unter Optionen zu wählen statt zu behaupten es gäbe nur eine... Hinsichtlich des Verdienstes selbst besteht ja außerdem nicht immer automatisch die Wahlmöglichkeit so zu verteilen wie man möchte

Und hinsichtlich der Frage Und so jemand braucht Wohngeld? Warum zweifelst du das an, wenn der Gesetzgeber meint bei Wohngeld wäre ein Schonvermögen von mindestens 60k völlig ok...
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RHW
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Re: Wohngeld

Beitrag von RHW » 12.05.19, 07:44

Hallo windalf,

sehr wahrscheinlich wird sich die Wohngeldstelle näher mit § 21 Nr. 3 WoGG beschäftigen:
§ 21 Sonstige Gründe
Ein Wohngeldanspruch besteht nicht,
1. wenn das Wohngeld weniger als 10 Euro monatlich betragen würde,
2. wenn alle Haushaltsmitglieder nach den §§ 7 und 8 Abs. 1 vom Wohngeld ausgeschlossen sind oder
3. soweit die Inanspruchnahme missbräuchlich wäre, insbesondere wegen erheblichen Vermögens.

Gruß
RHW

windalf
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Re: Wohngeld

Beitrag von windalf » 12.05.19, 09:45

Hallo RHW
soweit die Inanspruchnahme missbräuchlich wäre, insbesondere wegen erheblichen Vermögens.
https://www.wohngeld.org/vermoegen.html
In welcher Höhe ein erhebliches Vermögen vorliegt, klären die Verwaltungsvorschriften zum § 21 auf. Danach gilt beim Wohngeld eine Höchstgrenze für verwertbares Vermögen bei:
60 000 Euro für das erste zu berücksichtigende Haushaltsmitglied und
30 000 Euro für jedes weitere zu berücksichtigende Haushaltsmitglied

und
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg hat mit rechtskräftigen Urteil vom 28.03.2012 – Az.: OVG 6 B 4.11 entschieden, dass eine höhere Freigrenze von 80.000 gilt. Das Gericht sah die Grenze von 60.000 als überholt an, da es sich bei ihr um ein Relikt aus den 1990er Jahren handelt, welches sich an den damaligen Freibeträgen für die Vermögensteuer orientiert – damals 120.000 Deutsche Mark.
Bundesverwaltungsgericht bestätigt

Diese Entscheidung des OVG Berlin-Brandenburg hat auch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) im Revisionsverfahren vom 18.04.2013 (Az.: BVerwG 5 C 21.12) bestätigt und führte aus, dass es sich bei der Regelung in den Verwaltungsvorschriften nur um grobe Richtwerte handle, da sich die Regelungen in den Verwaltungsvorschriften an dem nicht mehr geltenden Vermögenssteuergesetz orientierten. Einzelfallabhängig kann demnach auch bei höherem Vermögen noch Wohngeldanspruch gegeben sein.
Da steht also für einen Single sind mindestens 60.000 möglich. Ggf. sogar deutlich mehr...
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