falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

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helmes63
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falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von helmes63 » 04.06.19, 14:37

Guten Tag,

... die Patientenverfügung ist durch abrufbare Mustertexte für einen Patienten kein Problem mehr.
Dennoch gibt es immer wieder Unsicherheiten : insbesondere über die Gültigkeit auf Dauer.

a) Nach meinem Kenntnisstand kann man hier von der Gültigkeit bis zum Widerruf ausgehen. Eine
jährliche Aktualisierung wäre also gar nicht erforderlich.

Es ist jedoch überdies die Frage ob einzelne unrealistischer Willensbekundungen die Rechtsgültigkeit
grds. in Frage stellt. Ich gehe hier vom Prinzip salvatorische Klausel aus.

b) Ein anderer ungeklärter Unsicherheit sehe ich in dem Umstand, dass der Vorsorge-Bevollmächtigte
im Ernstfall ja auch eine medizinische Entscheidung verweigern kann, wenn es ihm richtig schwer
fällt diese durchzusetzen.

Sollte dies passieren so hat das aber nicht mit der rechtmäßigen Durchführbarkeit der Patienten-
Verfügung im eigentlichen Sinne zu tun. Der Vorsorge-Bevollmächtigter ist nur Interessenvertreter
des Patienten.

c) Ein Arzt der sich weigert eine bestimmte medizinische Praxis zu erfüllen soll ausgewechselt werden.
Das geht natürlich nur dann, wenn man einen Arzt findet, der auch bereit ist dem Wunsch des
Patienten zu entsprechen. Daher sehe ich immer noch Schwachpunkte für die Verfahrenspraxis
bei der Patientenverfügung.

Es wäre schön an dieser Stelle einmal falsche Vorstellungen durch eine richitge Aufklärung an dieser
Stelle offen zu legen.

webelch
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von webelch » 04.06.19, 14:47

helmes63 hat geschrieben:
04.06.19, 14:37
Es wäre schön an dieser Stelle einmal falsche Vorstellungen durch eine richitge Aufklärung an dieser
Stelle offen zu legen.
Dies dürfte uns ausgerechnet bei ihnen egal mit welchen Mitteln nicht gelingen. Ich pack schon mal Popcorn und Cola aus.

Gammaflyer
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von Gammaflyer » 04.06.19, 16:51

a) Von einer solchen Unwirksamkeit ist nicht auszugehen.

b) Sie vermischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Den Rest des Geblubbers verstehe ich nicht.

c) dito

FM
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von FM » 04.06.19, 17:04

helmes63 hat geschrieben:
04.06.19, 14:37
c) Ein Arzt der sich weigert eine bestimmte medizinische Praxis zu erfüllen soll ausgewechselt werden.
Das geht natürlich nur dann, wenn man einen Arzt findet, der auch bereit ist dem Wunsch des
Patienten zu entsprechen. Daher sehe ich immer noch Schwachpunkte für die Verfahrenspraxis
bei der Patientenverfügung.
Das betrifft auch alle anderen Patienten. Ein Patient kann zwar vom Arzt vorgeschlagene Behandlungen ablehnen, aber nicht den Arzt zu einer bestimmten verpflichten. Das ähnliche haben wir hier ja manchmal auch beim Thema Mandant/Anwalt. Da muss man eben suchen bis man jemand findet (oder darüber nachdenken, ob die Experten nicht vielleicht doch recht haben).

hawethie
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von hawethie » 05.06.19, 08:58

nur mal so als Mod: auch wenn der TE bekannt dafür ist, keine Beratungen anzunehmen bitte ich darum, beim Thema zu bleiben. Bisher steht nur seine Anmerkung hier - weitere Reaktionen bleiben abzuwarten
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

helmes63
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von helmes63 » 07.06.19, 11:31

Es gibt bspw. durchaus neue Gesichtspunkte welche vielen nicht klar ist.
> hierzu einmal drei Beispiel :

a) Ich wünsche in der PV eine Verlegung in eine Klinik der Niederlande zwecks aktiver Sterbehilfe.
> ist das zulässig und gehört das hier rein ?!

b) Ein Facharzt weigert sich ein Gerät zur Beatmung abzustellen : ein Austausch ist wegen personeller Engpässe nicht möglich ?!
> was nun ?!

c) wird ein Krankheitszustand in der PV nicht behandelt - bedeutet das die künstliche Lebenserhaltung dann bis zum bitteren Ende ?!
> weil leben dann der hypokratische Eid greift.

SusanneBerlin
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von SusanneBerlin » 07.06.19, 11:58

a) auch in den Ländern wo Sterbehilfe möglich ist: aktive Sterbehilfe gibt es nur solange der Patient selber einwilligen kann, über eine Patientenverfügung lässt sich das nicht regeln.

b) Sachverhalt unvollständig. Ohne weitere Umstände wird kein Arzt ein Beatmungsgerät abstellen.

c) Ja so ist es.
Grüße, Susanne

Gammaflyer
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von Gammaflyer » 07.06.19, 12:04

helmes63 hat geschrieben:
07.06.19, 11:31
> weil leben dann der hypokratische Eid greift.
1. Der Mann hieß Hippokrates. Daher wird der Eid auch so geschrieben.
2. Der Eid hat heutzutage keinerlei rechtliche Relevanz.

helmes63
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von helmes63 » 07.06.19, 13:49

Das ist soweit aber nicht richtig !
> ein Arzt der sich hieran moralisch halten will kann die Abschaltung von einem Beatmungsgerät aus
moralischen Gründen verweigern und das ist sein gutes Recht. Das ist somit dann ein Problem der medizinischen Praxis.

Der Wunsch der Überführung zur Sterbehilfe im Ernstfall (Niederlande oder Schweiz) ist eigentlich legal.
Die Klinik die diesen Transport organisiert würde sich aber strafbar machen ; möglicher Weise auch eine Privatperson.

Vor diesem Hintergrund würde ich nochmals Ihre Haltung überdenken Gammaflyer.
Die Tücke steckt stets im Detail !!!

übrigens:
> man kann vieles in einer PV reinschreiben : wie bereits gesagt die Umsetzbarkeit und Legalität steht
hier im Blickpunkt meines Beitrages. Das sollte aber doch inzw. erkannt worden sein oder ?!

SusanneBerlin
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von SusanneBerlin » 07.06.19, 13:57

Jetzt sind wir also wieder beim Bullshit-Bingo angekommen.

Ich darf zusamnenfassen:
Es ist eigentlich legal, möglicherweise aber auch strafbar. Die Tücke liegt in der Praxisanwendung von Klinik und Privatperson respektive Arzt.
>>>Recht vs. Moral steht im Ernstfall im Fokus!!!
hawethie hat geschrieben:
05.06.19, 08:58
nur mal so als Mod: auch wenn der TE bekannt dafür ist, keine Beratungen anzunehmen bitte ich darum, beim Thema zu bleiben. Bisher steht nur seine Anmerkung hier - weitere Reaktionen bleiben abzuwarten
OK warten wir ab was noch kommt.
Grüße, Susanne

Gammaflyer
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von Gammaflyer » 07.06.19, 15:03

helmes63 hat geschrieben:
07.06.19, 13:49
Das ist soweit aber nicht richtig !
> ein Arzt der sich hieran moralisch halten will kann die Abschaltung von einem Beatmungsgerät aus
moralischen Gründen verweigern und das ist sein gutes Recht. Das ist somit dann ein Problem der medizinischen Praxis.
Sie liegen falsch. Liegt eine wirksame Verfügung vor, ist diese zu beachten. Da ist die "Moral" des Behandlers unerheblich.
helmes63 hat geschrieben:
07.06.19, 13:49
Der Wunsch der Überführung zur Sterbehilfe im Ernstfall (Niederlande oder Schweiz) ist eigentlich legal.
Ein Wunsch kann nicht illegal sein.
helmes63 hat geschrieben:
07.06.19, 13:49
Vor diesem Hintergrund würde ich nochmals Ihre Haltung überdenken Gammaflyer.
Vor welchem Hintergrund soll ich was überdenken?
helmes63 hat geschrieben:
07.06.19, 13:49
Die Tücke steckt stets im Detail !!!
Ist heute wieder Phrasen-Weitwurf?

helmes63
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von helmes63 » 12.06.19, 13:31

Damit ist das zwar geklärt : dennoch kann ich nirgend Angaben finden weshalb eine PV durch einen Notar beglaubigt werden muss.
Der Hausarzt oder das Pfarramt können das doch auch oder etwa nicht ?!

Gammaflyer
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von Gammaflyer » 12.06.19, 13:37

Es muss schlicht von niemandem beglaubigt werden, um wirksam zu sein.
Ausnahmen sind unterschrifts- und schreibunfähige Patienten. Da muss es ein Notar sein.

SusanneBerlin
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von SusanneBerlin » 12.06.19, 13:51

helmes63 hat geschrieben:
12.06.19, 13:31
Damit ist das zwar geklärt : dennoch kann ich nirgend Angaben finden weshalb eine PV durch einen Notar beglaubigt werden muss.
Der Hausarzt oder das Pfarramt können das doch auch oder etwa nicht ?!
Wieso suchen Sie überhaupt nach einer Begründung? Sie lassen doch eh nur gelten was Ihnen in den Kram passt, egal ob man Ihnen begründete Angaben liefert oder nicht.

Machen Sie doch was Sie wollen, gehen Sie ruhig mit Ihrer PV zum Hausarzt oder zum Pfarramt, ein Notar ist nicht zwingend.
Grüße, Susanne

helmes63
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Re: falsche Vorstellungen zur Patientenverfügung

Beitrag von helmes63 » 12.06.19, 17:19

Es gibt wohl unterschiedliche Schwachpunkte welche bei einer PV zu nachträglichen Nachteilen sich entwickeln können.
a) Ich persönlich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass ein Hausarzt sich so viel Zeit nimmt mit dem Patienten seine PV
durchzuarbeiten und ihn zu beraten. Das steht aber in den Info-Broschüren so drin. Die praktische Durchführbarkeit ist
dennoch das (A und O) der PV.

b) gesetzliche Änderungen welche inhaltliche Anforderungen der Patientenverfügung betreffen machen die alte offenbar
rechtsungültig - es bedarf dann einer Aktualisierung.

> peinlich ist nur wenn man die Gesetzesänderung gar nicht mitbekommen hat. Das hört natürlich auch zum Leben.
> daher wäre eine Aufklärungspflicht durch den Hausarzt durchaus sinnvoll, wenn auch nicht praktikabel.

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