Organspende Kompakt

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windalf
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von windalf » 26.06.19, 12:21

ktown hat geschrieben:
26.06.19, 12:20
Wollen sie eine formale oder eine praktikable Antwort? :lachen:
Ich würde eine Richtige bevorzugen...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ktown
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von ktown » 26.06.19, 12:57

Auch da werden sie mehrere Sichtweisen zu dem Thema finden.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

windalf
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von windalf » 26.06.19, 13:01

ktown hat geschrieben:
26.06.19, 12:57
Auch da werden sie mehrere Sichtweisen zu dem Thema finden.
Die zur "Rückabwicklung/Ausbau" fände ich interessant
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Townspector
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von Townspector » 26.06.19, 13:22

Irgendwie kommt mir da gerade die Szene aus dem Monty-Python-Film "Der Sinn des Lebens", Kapitel V: Lebende Organverpflanzung in den Sinn .... :lachen:
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

helmes63
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von helmes63 » 12.08.19, 10:31

Die Gesetzesvorlage von Spahn ist noch nicht durch. Die Ausgestaltung ist in Deutschland höchst strittig, so dass man
noch Geduld braucht - eine Verfassungsklage inbegriffen. Die Widerspruchslösung finden viele wie einen Paradigmenwechsel
und Rechtsbruch.

En Mensch der sich nie erklärt hat als Organspender zu werten ist doch recht seltsam.

hespo
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von hespo » 12.08.19, 11:32

helmes63 hat geschrieben:
12.08.19, 10:31
En Mensch der sich nie erklärt hat als Organspender zu werten ist doch recht seltsam.
Was soll denn daran seltsam sein?
Ist es nicht vielmehr seltsam, das Verfallenlassen von einwandfrei gebrauchbaren Organen als die Standardlösung anzusehen, von der nur dann abgewichen wird, wenn jemand eindeutig zugestimmt hat?

ktown
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von ktown » 12.08.19, 11:37

hespo hat geschrieben:
12.08.19, 11:32
helmes63 hat geschrieben:
12.08.19, 10:31
En Mensch der sich nie erklärt hat als Organspender zu werten ist doch recht seltsam.
Was soll denn daran seltsam sein?
Ist es nicht vielmehr seltsam, das Verfallenlassen von einwandfrei gebrauchbaren Organen als die Standardlösung anzusehen, von der nur dann abgewichen wird, wenn jemand eindeutig zugestimmt hat?
Nö wieso?
Mir war nicht bewusst, dass ich mit der Geburt mein Anrecht was mit meinen Organen passiert auf die Allgemeinheit abgebe.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von hespo » 12.08.19, 11:47

Welche Rechte hast Du denn noch nach Deinem Tod, und wie setzt Du (!) sie durch?

Tastenspitz
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von Tastenspitz » 12.08.19, 12:52

helmes63 hat geschrieben:
12.08.19, 10:31
En Mensch der sich nie erklärt hat als Organspender zu werten ist doch recht seltsam.
Der Normalzustand in vielen Ländern in Europa dies ist.
Im Zweifel den Widerspruch ein Verwandter machen kann.
helmes63 hat geschrieben:
12.08.19, 10:31
Die Gesetzesvorlage von Spahn ist noch nicht durch. Die Ausgestaltung ist in Deutschland höchst strittig
Richtig, schwer zu sagen. In ständiger Bewegung die Zukunft ist....
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von helmes63 » 12.08.19, 14:26

Im Prinzip höre ich aus den letzten Ausführungen heraus, dass der Verwandte durchaus die Befugnis hat die Interessen eines Todkranken zu wahren wenn nichts geregelt ist. Der mutmaßliche Wille kann ohnehin nur ein direkter Angehöriger oder aber der Hausarzt kennen.

Im Zweifelsfall keine Organspende - das ist doch derzeit noch die Rechtspraxis solange der Gesundheitsminister Probleme hat seine Rechtsentwurf durchs Parlament zu bringen. Das ist sicherlich wichtig für alle die nichts geregelt haben, auch nichts in der PV !

hespo
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von hespo » 12.08.19, 14:34

helmes63 hat geschrieben:
12.08.19, 14:26
Im Prinzip höre ich aus den letzten Ausführungen heraus, dass der Verwandte durchaus die Befugnis hat die Interessen eines Todkranken zu wahren wenn nichts geregelt ist.
Selbstverständlich. Es geht bei dem Vorstoß von Spahn ja auch (zumindest m.E.) nicht um diejenigen, die aus Glaubens- oder sonstigen persönlichen Gründen eine Organspende nach Tod ablehnen, denn die sind zum Glück eine Minderheit. Es geht um die große Mehrheit, denen es mehr oder weniger egal ist, was nach ihrem Tod passiert.

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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von ktown » 12.08.19, 16:46

hespo hat geschrieben:
12.08.19, 11:47
Welche Rechte hast Du denn noch nach Deinem Tod, und wie setzt Du (!) sie durch?
schonmal was von postmortalen Rechten gehört?
Natürlich habe ich Rechte als Toter und an erster Stelle steht hier, was mit meinem Körper passiert.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von hespo » 13.08.19, 09:52

ktown hat geschrieben:
12.08.19, 16:46
schonmal was von postmortalen Rechten gehört?
Natürlich habe ich Rechte als Toter und an erster Stelle steht hier, was mit meinem Körper passiert.
Ach ja, wenn man keine Argumente mehr hat, um seine esoterische und willkürlich-emotionale Position zu untermauern, dann einfach mal statt Fragen zu beantworten nur eine Gegenfrage stellen.

Also, fangen wir an mit BVerfGE 30, 173, NJW 1971, 1645: „Die Fortwirkung eines Persönlichkeitsrechts nach dem Tode ist jedoch zu verneinen, weil Träger dieses Grundrechts nur die lebende Person ist“. Das ist ja offensichtlich und hoffentlich unbestritten: Du kannst nach Deinem Tod nicht mehr selbst agieren, ergo ist das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit postmortem nichtig. Es verbleibt ein Persönlichkeitsschutz, nicht aber ein -recht.

Bleibt also ein postmortales Selbstbestimmungsrecht, das sich aus Art. 1 GG in Konjunktion mit Art. 2 GG zu Lebzeiten ergibt. Auch dies aber, genau wie das o.g. Persönlichkeitsrecht, erlischt mit Deinem Tod; postmortem besteht lediglich ein Schutz der zu Lebzeiten wahrgenommenen Rechte, nicht aber die Rechte selbst, da Du sie nicht ausüben kannst.

Darüber hinaus ist der Schutz des postmortalen Selbstbestimmungsrechtes stets vor dem Recht der Totenfürsorge der Angehörigen vorrangig. Das von Dir befürchtete
Mir war nicht bewusst, dass ich mit der Geburt mein Anrecht was mit meinen Organen passiert auf die Allgemeinheit abgebe.
passiert also unter der von Spahn angedachten Regelung überhaupt nicht, sofern Du zu Lebzeiten Dein postmortales Selbstbestimmungsrecht ausgeübt hast (das wäre der einfache Widerspruch). Und da Dich niemand dazu zwingen kann, Dich mit dem Thema zu befassen (negatives Selbstbestimmungsrecht) gibt es als Fallback, solltest Du dies nicht getan haben, noch den doppelten Widerspruch seitens der Angehörigen.

Erst, wenn weder Du, noch Deine Angehörigen einer Verwendung von Organen widersprochen hätten, kämest Du als „nicht-freiwilliger“ Organspender in Frage. Und das, um den Bogen zurück zum Ausgangspunkt zu schlagen, ist alles andere als seltsam, und es bleibt dabei: Seltsam ist vielmehr das außer in Ausnahmesituationen (Zustimmung) regelmäßige Verfallenlassen von potenziell lebensrettenden Organen. Dieses Verfallenlassen sollte die Ausnahme werden, und die Rettung von Leben zur Regel.

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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von helmes63 » 13.08.19, 12:16

Egal wie man das in der Rechtspraxis dann regelt - eine eindeutige Willensbekundung in der PV oder zukünftig gegenüber der Zentralstelle für Organspende ist wichtig um nicht einer unbeabsichtigten Willkür unterworfen zu werden. Das wollen sicherlich viele Kassenpatienten im Ernstfall nämlich nicht haben un die diesbezügliche Angst ist nicht ganz unberechtigt.

Tastenspitz
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Re: Organspende Kompakt

Beitrag von Tastenspitz » 13.08.19, 12:24

Willkür wäre es nicht, sondern die Umsetzung des dann geltenden Rechts. Und mit Kassenpatient oder nicht hat das Ganze gar nichts zu tun.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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