Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II, Berufsgenossenschaften, Renten, Schwerbehinderung ,Kranken- und Pflegeversicherung

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Karfield
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Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Beitrag von Karfield » 28.06.19, 07:07

Hallo,

für die betreffende Person wurde nach einigen Monaten der Zahlung von Arbeitslosengeld festgestellt, dass noch Anspruch auf Zahlung von ALG 1 für fast einen vollen Monat besteht. Dieses wurde nachgezahlt.
Jetzt erhielt betreffende Person eine Information, dass wegen Überzahlung eine Überprüfung stattfindet. Darin steht u.a., dass die Nachzahlung des ALG 1 als Erzielung von Einkommen angerechnet wird und dies dürfte zur Minderung des Anspruches von ALG 1 in dem Monat, in dem es zufließt geführt haben.

Ist so etwas möglich, dass ALG 1 zurückgezahlt werden soll, weil es eine ALG 1 Nachzahlung gab, welche auf einen Fehler beruht, den nicht die betreffende Person verschuldet hat?

Wir sind etwas ratlos und würden gern wissen, ob so etwas richtig ist und was wir eventuell dagegen tun können.

Danke

winterspaziergang
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Re: Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Beitrag von winterspaziergang » 28.06.19, 07:14

Karfield hat geschrieben:
28.06.19, 07:07
Hallo,

für die betreffende Person wurde nach einigen Monaten der Zahlung von Arbeitslosengeld festgestellt, dass noch Anspruch auf Zahlung von ALG 1 für fast einen vollen Monat besteht. Dieses wurde nachgezahlt.
Jetzt erhielt betreffende Person eine Information, dass wegen Überzahlung eine Überprüfung stattfindet. Darin steht u.a., dass die Nachzahlung des ALG 1 als Erzielung von Einkommen angerechnet wird und dies dürfte zur Minderung des Anspruches von ALG 1 in dem Monat, in dem es zufließt geführt haben.

Ist so etwas möglich, dass ALG 1 zurückgezahlt werden soll, weil es eine ALG 1 Nachzahlung gab, welche auf einen Fehler beruht, den nicht die betreffende Person verschuldet hat?

Wir sind etwas ratlos und würden gern wissen, ob so etwas richtig ist und was wir eventuell dagegen tun können.

Danke
Kann es sein, dass an mancher Stelle eine 2 gehört? Sonst macht es wenig Sinn.

Und wenn ja: Schuld oder nicht ist nicht das Thema. ALG 1 ist vorrangig. Wird es nicht oder erstmal nicht gezahlt, springt ein anderes Amt ein, um über ALG-2 das Existenzminimum zu sichern. Bekommt man nachträglich doch die vorrangige Leistung, wird verrechnet.
ALG-II dient der Sicherung des Notwendigen, wenn man es - vorübergehend-nicht selbst kann. Alles, was dazu führt, dass man es eben doch selbst kann, wird verrechnet. Hier das ALG-1.

SusanneBerlin
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Re: Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Beitrag von SusanneBerlin » 28.06.19, 07:17

Hallo,

Auf das ALG 1 angerechnet werden nur Nachzahlungen aus dem Arbeitsverhältnis. Andere Einkünfte verringern nicht des Anspruch des ALG 1.

D.h. wenn ALG 1 nachgezahlt wird, darf die Agentur das laufende ALG 1 nicht kürzen.
Grüße, Susanne

Karfield
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Re: Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Beitrag von Karfield » 28.06.19, 07:30

@winterspaziergang

danke und entschuldigung, es ist natürlich so, dass für den betreffenden Monat, in dem die Nachzahlung ALG 1 erfolgte, ALG 2 gezahlt wurde.
Die Nachzahlung betraf einen Zeitraum, in dem noch kein ALG 2 gezahlt wurde. Wird das trotzdem angerechnet? Verzeihung für die Fragen, aber ALG 1 und 2 sind Neuland für uns, vor allem ALG 2.

Jetzt wird auch geprüft, falls eine Nachzahlung nicht möglich ist, den Erstattungsanspruch gegen den Anspruch auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes aufgerechnet werden kann. Das heißt, so wie ich es gelesen habe, können vom derzeitigen Zahlbetrag (ALG 1) 10-30 % abgezogen werden, bis die Rückzahlung erfolgt ist. Es handelt sich hier um sehr geringe Beträge, so dass bei der betreffenden Person Bedenken entstehen, wie damit das Leben zu bestreiten ist.

Kann denn, wenn ALG 1 nicht reicht, zusätzlich ALG 2 beantragt werden? Welche Grenzen gibt es denn da? Also ab welchem monatlichen Betrag ist das möglich, falls es möglich ist? Sehr verwirrend alles.

winterspaziergang
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Re: Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Beitrag von winterspaziergang » 28.06.19, 08:07

Karfield hat geschrieben:
28.06.19, 07:30
@winterspaziergang

danke und entschuldigung, es ist natürlich so, dass für den betreffenden Monat, in dem die Nachzahlung ALG 1 erfolgte, ALG 2 gezahlt wurde.
Die Nachzahlung betraf einen Zeitraum, in dem noch kein ALG 2 gezahlt wurde. Wird das trotzdem angerechnet? Verzeihung für die Fragen, aber ALG 1 und 2 sind Neuland für uns, vor allem ALG 2.
Also im Monat März (Bsp.) wird weder ALG 1 noch 2 gezahlt. ALG 1 war nicht beantragt. Ab April erhält man ALG-2. Nun kommt die Nachzahlung des einen Monats ALG1 im Juni. Das ist Zufluss und wird verrechnet. Man hat aber mit der Verrechnung eines Zuflusses nicht weniger Geld zur Verfügung. Nur eben nicht mehr.
Ob Arbeitseinkommen, Steuerrückerstattung oder eben Nachzahlung vorrangiger Leistungen: Damit hat man nie weniger Geld, man hat nur mehr aus eigenen Mitteln und weniger aus der sozialen Kasse.
Jetzt wird auch geprüft, falls eine Nachzahlung nicht möglich ist, den Erstattungsanspruch gegen den Anspruch auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes aufgerechnet werden kann. Das heißt, so wie ich es gelesen habe, können vom derzeitigen Zahlbetrag (ALG 1) 10-30 % abgezogen werden, bis die Rückzahlung erfolgt ist. Es handelt sich hier um sehr geringe Beträge, so dass bei der betreffenden Person Bedenken entstehen, wie damit das Leben zu bestreiten ist.
wenn es nur Zufluss ist und im fraglichen Zeitraum kein ALG-II statt I gezahlt wurde, ist ein Erstattungsanspruch nicht erkennbar.

Außerdem kommt doch mit der Nachzahlung eine Summe. Die kann einfach einhalten werden, dann ist "zurück gezahlt" wenn nötig und das ALG-II läuft in voller Höhe weiter.
Die Nachzahlung ans Amt leiten lassen und dennoch ALG-II kürzen geht natürlich nicht!
Kann denn, wenn ALG 1 nicht reicht, zusätzlich ALG 2 beantragt werden? Welche Grenzen gibt es denn da? Also ab welchem monatlichen Betrag ist das möglich, falls es möglich ist? Sehr verwirrend alles.
Eigentlich einfach: ALG-II ist ein Existenzminimum. Regelleistung, Miete und Krankenversicherung. Wenn man das nicht aus eigenen Mittel oder sonstigen vorrangigen Leistungen decken kann, springt die Leistung ALG-II ein. Aber nur dann und alles, was diese Leistung mindert, wird berücksichtigt.

SusanneBerlin
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Re: Rückzahlung Arbeitslosengeld wegen einer Nachzahlung Arbeitslosengeld?

Beitrag von SusanneBerlin » 28.06.19, 08:20

erfolgte, ALG 2 gezahlt wurde.
Die Nachzahlung betraf einen Zeitraum, in dem noch kein ALG 2 gezahlt wurde. Wird das trotzdem angerechnet? Verzeihung für die Fragen, aber ALG 1 und 2 sind Neuland für uns, vor allem ALG 2.
Ja das ALG 1 wird als Einkommen angerechnet und somit verringert sich das ALG 2. Beim Bezug von ALG 2 wird jegliches Einkommen angerechnet, egal woher das Einkommen stammt.
Es handelt sich hier um sehr geringe Beträge, so dass bei der betreffenden Person Bedenken entstehen, wie damit das Leben zu bestreiten ist.
Man kann doch jetzt erst mal das nachgezahlte ALG 1 verwenden bis es aufgebraucht ist.

Und ja, ALG 2 ist nicht gerade üppig. Die Regelleistung beträgt 424 € im Monat für einen Erwachsenen und zusätzlich zahlt das jobcenter die Miete für eine angemessene Wohnung.
Kann denn, wenn ALG 1 nicht reicht, zusätzlich ALG 2 beantragt werden? Welche Grenzen gibt es denn da? Also ab welchem monatlichen Betrag ist das möglich, falls es möglich ist? Sehr verwirrend alles.
Sie haben doch jetzt zwei Bewilligungsbescheide: Einmal den ursprünglichen Bescheid für das ALG 2 und den neuen Bewilligungsbescheid für ALG 1.

Wenn das monatlich bewilligte ALG 1 geringer ist als das ALG 2, kann man weiterhin mit ALG 2 aufstocken.

Warten Sie doch einfach erstmal den Änderungsbescheid für das ALG 2 ab. Normalerweise wird der Bewilligungszeitraum nicht geändert, nur der vom jobcenter gezahlte Betrag ändert sich. Die Nachzahlung des ALg 1 rechnet das jobcenter mit ein und erstellt deshalb einen Änderungsbescheid. Sie müssen das ALG 2 also erstmal nicht neu beantragen. Sondern erst dann, wenn der Bewilligungszeitraum des (geänderten) ALG 2-Bescheids abgelaufen ist.

Jetzt wird auch geprüft, falls eine Nachzahlung nicht möglich ist, den Erstattungsanspruch gegen den Anspruch auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes aufgerechnet werden kann. Das heißt, so wie ich es gelesen habe, können vom derzeitigen Zahlbetrag (ALG 1) 10-30 % abgezogen werden, bis die Rückzahlung erfolgt ist. Es handelt sich hier um sehr geringe Beträge, so dass bei der betreffenden Person Bedenken entstehen, wie damit das Leben zu bestreiten ist.
Wenn das monatlich zustehende ALG 1 geringer ist, als das ALG 2, dann würde sich für Sie nichts ändern. Sie würden kein ALG1 nachgezahlt bekommen und Sie müssen auch nichts zurückzahlen. Die Agentur für Arbeit und das jobcenter verrechnen das intern.

Es würde sich nur für die Zukunft ändern: durch das laufend gezahlte ALG 1 verringert sich das ALG 2. Der Gesamtbetrag, der pro Monat bei Ihnen ankommt, ist derselbe.
Sehr verwirrend alles.
Sie können das Grundsätzliche zum ALG 2 z.B. hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslosengeld_II

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