Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II, Berufsgenossenschaften, Renten, Schwerbehinderung ,Kranken- und Pflegeversicherung

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Mary-Anne
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Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von Mary-Anne » 28.07.19, 09:24

Guten Morgen,

zunächst einmal kurze Info, wie es bei der GKV gehandhabt wird: Der Beitrag wird zunächst nur vorläufig festgesetzt. Nach Vorlage des Steuerbescheides wird rückwirkend geprüft und der Beitrag wird nachgefordert, sofern man doch mehr Gewinn hatte als zunächst geschätzt. War das tatsächliche Einkommen jedoch niedriger als das geschätzte, hatte der Selbständige einfach Pech - es gab keine Erstattung!

Seit diesem Jahr gibt es eine Änderung bei der Beitragsberechnung für in der GKV versicherte Selbständige (u.a. die Verringerung der Mindestbeiträge) und im Zuge dieser Gesetzesänderung wurde die o.g. Ungerechtigkeit abgeschafft: Nun wird nachgefordert UND erstattet, je nach Abweichung.

Die Künstlersozialkasse schreibt auf Ihrer Website, dass sie jedoch weiterhin zu verfährt wie die GKV in der Vergangenheit:

"Wenn sich die Schätzung im laufenden Kalenderjahr nicht verwirklichen lässt oder übertroffen wird, besteht die Möglichkeit, der KSK die geänderte Einkommenserwartung zu melden. Die Beiträge werden dann den geänderten Verhältnissen angepasst. Die Änderung wirkt sich jedoch nur für die Zukunft aus. Denn das gemeldete voraussichtliche Jahresarbeitseinkommen als Berechnungsgrundlage für die Beitragsanteile zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung führt zu verbindlichen Monatsbeiträgen, die rückwirkend nicht mehr korrigiert werden können. Die Schätzung des voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens sollte daher besonders sorgfältig erfolgen. "
Quelle
https://www.kuenstlersozialkasse.de/kue ... itrag.html

Nun meine Frage: Ist es zulässig, dass die KSK ihre Versicherten in diesem Punkt schlechter stellt als die "normalen" Krankenkassen?

Ich bin gespannt auf eure Einschätzung dieser Frage und wünsche einen schönen Sonntag.

Herzliche Grüße
Liebe Grüße
Mary-Anne

FM
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von FM » 28.07.19, 11:14

Für freiwillig Versicherte ist das im SGB V geregelt, für Pflichtversicherte bei der KSK im KSVG. Nach letzterem muss sich die KSK richten.

Old Piper
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von Old Piper » 29.07.19, 06:12

Mary-Anne hat geschrieben:
28.07.19, 09:24
Ist es zulässig, dass die KSK ihre Versicherten in diesem Punkt schlechter stellt als die "normalen" Krankenkassen?
Wo ist da eine "Schlechterstellung"?
Mary-Anne hat geschrieben:
28.07.19, 09:24
War das tatsächliche Einkommen jedoch niedriger als das geschätzte, hatte der Selbständige einfach Pech - es gab keine Erstattung!
Nun ja, sollte der Selbständige Anspruch auf Krankengeld haben, wäre das mit dem "Pech" dann auch wieder relativ...
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

Mary-Anne
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von Mary-Anne » 29.07.19, 08:41

Old Piper hat geschrieben:
29.07.19, 06:12
Mary-Anne hat geschrieben:
28.07.19, 09:24
Ist es zulässig, dass die KSK ihre Versicherten in diesem Punkt schlechter stellt als die "normalen" Krankenkassen?
Wo ist da eine "Schlechterstellung"?
Mary-Anne hat geschrieben:
28.07.19, 09:24
War das tatsächliche Einkommen jedoch niedriger als das geschätzte, hatte der Selbständige einfach Pech - es gab keine Erstattung!
Nun ja, sollte der Selbständige Anspruch auf Krankengeld haben, wäre das mit dem "Pech" dann auch wieder relativ...
Zum ersten: Bei der GKV wird die Höhe der Beiträge rückwirkend überprüft. Ist der Gewinn höher oder niedriger als zunächst geschätzt, werden die Beiträge rückwirkend korrigiert. Dann gibt es von der KK eine Nachforderung oder Erstattung. Diese Änderung zum 1.1.2019 war überfällig, weil gerecht"

Bei der KSK muss man sein Einkommen möglichst genau schätzen. Gibt man nämlich eine höheres Einkommen an als letztendlich erwirtschaftet wurde, gibt es rückwirkend keine Korrektur. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch schwierig, denn die Schätzung des jährlichen Gewinns ist für Selbständige ganz schwierig.

Zum Zweiten: Das ist so nicht ganz richtig! Die Berechnung des Krankengeldes erfolgt NICHT auf der Höhe der gezahlten Beiträge, sondern aus der Höhe des Arbeitseinkommens.
Liebe Grüße
Mary-Anne

ExDevil67
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von ExDevil67 » 29.07.19, 08:57

FM hat in seiner ersten Antwort doch die passende Begründung geliefert. KSK und GKV arbeiten auf verschiedenen gesetzlichen Grundlagen.

Ansprechpartner für die Frage dürfte damit der eigene Bundestagsabgeordnete sein. Solange das KSVG nicht geändert wird, wird die KSK ihre Berechnungen nicht ändern.

Mary-Anne
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von Mary-Anne » 29.07.19, 09:19

Achso ok.

Ich dachte, die Künstlersozialkasse würde auch zur Sozialversicherung gehören ;-)
Liebe Grüße
Mary-Anne

matthias.
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von matthias. » 29.07.19, 11:43

Das KSVG heißt:

Gesetz über die Sozialversicherung der selbständigen Künstler und Publizisten


Ist halt ein Spezialgesetz innerhalb der Sozialversicherung.

Czauderna
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von Czauderna » 29.07.19, 12:18

Hallo,
entscheidend ist doch, bei den Einen handelt es sich um freiwillig Versicherte in der GKV-Kasse und bei den Anderen um Versicherte der Künstlersozialkasse - von daher auch die unterschiedliche Handhabe bei der Beitragsfestsetzung. Ob das jetzt "gerecht" ist bleibt die Frage, aber Gesetze sind nicht immer "gerecht".
Gruss
Czauderna

Mary-Anne
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Re: Schätzung des Jahresarbeitseinkommens - Künstlersozialkasse

Beitrag von Mary-Anne » 29.07.19, 14:02

Ja ok, dann muss man das als "istebenso" hinnehmen.

Dass der eine Personenkreis versicherungspflichtig ist und der andere freiwillig, macht doch aber keinen wesentlichen Unterschied. In beiden Fällen besteht das Problem, dass das monatliche Einkommen von Selbständigen so schwer zu schätzen ist. Manchmal schwankt die Auftragslage ganz extrem, manche Ausgaben werden nur jährlich gebucht (zB Abschreibungen, Arbeitszimmerkosten)
Liebe Grüße
Mary-Anne

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