Schonvermögen nach Erbschaft ?

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AundM3011
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Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von AundM3011 » 30.07.19, 17:22

Hallo!
Folgenden fiktiven Fall möchte ich hier zur Diskussion stellen:
A, 47 Jahre alt, Hartz IV-Empfänger, erbt zusammen mit einem Bruder eine Wohnung. Nach Abzug von Verbindlichkeiten (Resthypothek, Beerdigungskosten etc.) verbleiben nach dem Verkauf 13.000 Euro, für jeden Erben also 6.500 Euro. Ist dies als Einkommen anzusehen, oder gibt es im Erbfall auch ein sog. Schonvermögen?
Vielen Dank für die Antworten!
Ich wünsche einen schönen Abend!

SusanneBerlin
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von SusanneBerlin » 30.07.19, 21:40

Eine Erbschaft während des Hartz4-Bezugs ist Einkommen. Es gibt keinen Freibetrag bei Einkommen anlässlich einer Erbschaft.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von FM » 30.07.19, 22:59

Von 13.000 Euro kann man auf Hartz-IV-Niveau ungefähr ein Jahr lang leben (einschließlich selbst bezahlter Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung). Also besteht für diese Zeitdauer gar kein Bedarf mehr auf Unterstützung durch den Staat (= die Steuerzahler).

Und zwischenzeitlich hat der Leistungsempfänger vielleicht sogar neue Arbeit gefunden und braucht dann auch nichts mehr. Hier in der Region werden z.B. dringend Lokführer für dier S-Bahn gesucht, die Ausbildung dauert etwa 6 Monate, wird von den Bahngesellschaften bezahlt und man bekommt sogar Gehalt während dieser Zeit.

Warum sollte man da noch darüber nachdenken, wie man am besten möglichst lange Hartz-IV-Empfänger bleibt?

PyramSo
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von PyramSo » 31.07.19, 02:06

FM hat geschrieben:
30.07.19, 22:59
Von 13.000 Euro kann man auf Hartz-IV-Niveau ungefähr ein Jahr lang leben (einschließlich selbst bezahlter Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung).
Danach darf es schon nach einem halben Jahr alle sein ...
FM hat geschrieben:
30.07.19, 22:59
Hier in der Region werden z.B. dringend Lokführer für dier S-Bahn gesucht, die Ausbildung dauert etwa 6 Monate, wird von den Bahngesellschaften bezahlt und man bekommt sogar Gehalt während dieser Zeit.
Kann ich als Bahnfan nur wärmstens empfehlen.
Man sollte wegen Schichtdienst aber eher einzelgängerisch veranlagt sein ...
Und man muss Schichtdienst etc. auch gesundheitlich packen.
Hatte solche Gedanken daher nicht mehr verfolgt, weil schon nicht mehr fit genug dafür.
Meinen Vater, auch DB, wenn auch nur Stellwerk, hat's auch die Gesundheit ruiniert ...

winterspaziergang
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von winterspaziergang » 31.07.19, 05:45

hat geschrieben: Kann ich als Bahnfan nur wärmstens empfehlen.
Man sollte wegen Schichtdienst aber eher einzelgängerisch veranlagt sein ...
Und man muss Schichtdienst etc. auch gesundheitlich packen.
OT Genau. Bahnmitarbeiter haben bekanntlich weder Familie noch Freunde. Wie alle Schichtarbeiter.
Und erst die 45-60 min Anfahrt zur Arbeit! Nicht zumutbar. :engel:

AundM3011
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von AundM3011 » 31.07.19, 11:15

Danke für die Antworten, die ich hiermit noch kommentieren möchte:
Sicher sollte jeder Arbeitslose bestrebt sein, aus seiner Situation herauszukommen - sprich, arbeiten zu gehen (vorrangig sozialversicherungspflichtig). Es gibt aber leider Viele die das lange Zeit versucht haben, aber aufgrund persönlicher Umstände nicht schaffen. Mit persönlichen Umständen meine ich bsp. einen niedrigen IQ oder ein besonderes Aussehen, welches sich auch nicht ändern lässt.
Noch Etwas zu dem "fiktiven" Fall: Wenn der Erbe von den geerbten 6.500,00 Euro eine Zeit lang leben muss wird es passieren, dass er in dieser Zeit zum wiederholten Male die EV abgeben muss. Dann muss er von dem Geld die Schulden tilgen und hat keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Oder doch? Ist dieses "Einkommen" geschützt weil das Jobcenter ihm vorrechnet, so und so lange damit auskommen zu müssen?

matthias.
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von matthias. » 02.08.19, 11:12

KAnn man ja mal weiter recherchieren, inwieweit das Urteil wirklich einschlägig ist:

https://www.anwalt-kiel.com/sozialrecht ... rbrauchen/

SusanneBerlin
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Re: Schonvermögen nach Erbschaft ?

Beitrag von SusanneBerlin » 04.08.19, 08:17

Wenn der Erbe von den geerbten 6.500,00 Euro eine Zeit lang leben muss wird es passieren, dass er in dieser Zeit zum wiederholten Male die EV abgeben muss.
Während der paar Monate, für die die 6.500 € reichen, muss er höchstens einmal die Vermögensauskunft abgeben, da der Gerichtsvollzieher die erhaltene Vermögensauskunft für alle anforderndenden Gläubiger benutzt.
https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802d.html
Dann muss er von dem Geld die Schulden tilgen und hat keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Oder doch? Ist dieses "Einkommen" geschützt weil das Jobcenter ihm vorrechnet, so und so lange damit auskommen zu müssen?
Nein, das durch die Erbschaft erhaltene Geld ist nicht geschützt und kann voll gepfändet werden. Nachdem ihm die Erbschaft "weggepfändet" wurde, hat er wieder Anspruch auf Arbeitslosengeld 2.

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