Volle EM Rente Fragen

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Lilie33
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Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Lilie33 » 06.08.19, 19:42

Guten Abend,
ich bin Susanne aus Kiel und habe eine Frage an Euch:
angenommen, jemand ( Jahrgang 1959) bekommt wegen langwieriger schwerer Krankheit von der DRV eine teilweise EM Rente zugesprochen. Er möchte für 4 Stunden täglich eine Wiedereingliederung bei seinem Arbeitgeber machen, aber der lehnt ab, da er keinen Arbeitsplatz anbieten kann, der den Einschränkungen entspricht—-- was passiert dann?
Wird der Arbeitgeber ihm nun kündigen?
Kann er eine volle EM Rente beantragen?
Was passiert, wenn die befristete EM Rente abgelaufen ist?
Kann sie verlängert werden?
Oder muss der Erwerbsgeminderte selbst kündigen und jede Arbeitsstelle nehmen, die er noch irgendwie schaffen kann?
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand dazu Auskunft geben könnte.
Viele Grüße us dem hohen Norden 😋
Susanne

SusanneBerlin
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von SusanneBerlin » 06.08.19, 19:56

Weder der Arbeitgeber, noch der Arbeitnehmer müssen kündigen. Kann doch alles so weiterlaufen wie es ist.

Wenn man der Meinung ist, weiterhin nicht voll arbeiten zu können, dann sollte man rechtzeitig vor dem Auslaufen der befristeten EM-Rente die Weiterbewilligung beantragen.

Dass der Arbeitgeber keinen behindertengerechten Arbeitsplatz bzw. keine Eingliederungsmaßnahme anbieten kann, hat nicht zur Folge dass die volle EM-Rente bewilligt wird.
Grüße, Susanne

Hanomag
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Hanomag » 06.08.19, 22:12

SusanneBerlin hat geschrieben:
06.08.19, 19:56
Weder der Arbeitgeber, noch der Arbeitnehmer müssen kündigen.
Zumindest muss die Reduktion der Arbeitszeit über eine Änderungskündigung herbeigeführt werden.
SusanneBerlin hat geschrieben:
06.08.19, 19:56
Kann doch alles so weiterlaufen wie es ist.
Das ist zu bezweifeln. Vermutlich war der Betroffene zuvor im Krankenstand oder in Reha und hatte einen Arbeitsvertrag auf Vollzeit. Jetzt benötigt er eine Teilzeitbeschäftigung.

Old Piper
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Old Piper » 07.08.19, 06:38

SusanneBerlin hat geschrieben:
06.08.19, 19:56
Dass der Arbeitgeber keinen behindertengerechten Arbeitsplatz bzw. keine Eingliederungsmaßnahme anbieten kann, hat nicht zur Folge dass die volle EM-Rente bewilligt wird.
Eventuell doch. Wenn jemand teilweise erwerbsgemindert ist, der Teilzeitarbeitsmarkt ist ihm jedoch verschlossen, dann kann unter bestimmten Voraussetzungen die volle EM-Rente fällig werden. Allerdings funktioniert das nicht beim Vorliegen einer teilweisen EM wegen Berufsunfähigkeit (--> § 240 SGB VI)
MfG
Old Piper
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Lilie33
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Lilie33 » 07.08.19, 08:22

herzlichen Dank für eure Meinungen. Nehmen wir an, die Betroffene ist Verkäuferin und kann krankheitsbedingt nicht mehr lange stehen und sich bücken, heben etc. Das ist der Grund, warum ihr Chef keinen geeigneten Arbeitsplatz anbieten kann.
Für reine Bürotätigkeiten ist sie nicht qualifiziert.
Ihr Arzt hatte eine Wiedereingliederung mit wenigen Stunden und der Möglichkeit, sich öfter mal hinzusetzen, verschrieben.
Die DDV bestätigt das in ihrem Leistungsprofil.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Erwerbsgemindert und Berufsunfähigkeit?

SusanneBerlin
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von SusanneBerlin » 07.08.19, 08:47

Lilie33 hat geschrieben:Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Erwerbsgemindert und Berufsunfähigkeit?
Steht in dem von Old Piper genanntem Paragrafen:
="§ 240 SGB VI" hat geschrieben:(2) Berufsunfähig sind Versicherte, deren Erwerbsfähigkeit wegen Krankheit oder Behinderung im Vergleich zur Erwerbsfähigkeit von körperlich, geistig und seelisch gesunden Versicherten mit ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten auf weniger als sechs Stunden gesunken ist. (...) Berufsunfähig ist nicht, wer eine zumutbare Tätigkeit mindestens sechs Stunden täglich ausüben kann; dabei ist die jeweilige Arbeitsmarktlage nicht zu berücksichtigen.
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__240.html
Grüße, Susanne

Lilie33
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Lilie33 » 07.08.19, 10:17

vielen Dank.
Nach der Definition wäre die Betroffene also berufsunfähig als Verkäuferin, kann nur zwischen 3-6 Stunden arbeiten, so dass sie eine Teil EM Rente bewilligt bekam.
Da ihr Noch-Arbeitgeber sie wegen ihrer Einschränkungen nicht eingliedern kann, ist der Arbeitsmarkt für sie verschlossen.
Ihr Arbeitsvertrag allerdings ruht nur.
Kann sie dennoch die volle EM Rente bekommen?
Ist sie eigentlich verpflichtet, sich während des Rentenbezugs einen anderen Arbeitsplatz zu suchen z. b. als CallCenter Mitarbeiter?
Muss sie sich weiter krankschreiben lassen, während die Rente läuft?

SusanneBerlin
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von SusanneBerlin » 07.08.19, 11:02

Der Arbeitsmarkt ist nicht bereits dann verschlossen, wenn ein einziger Arbeitgeber eine Teilzeitbeschäftigung abgelehnt hat. Man müsste schon nachweisen, dass im gelernten Beruf in ganz Deutschland keine Teilzeitstelle zu bekommen ist. Das dürfte einer Verkäuferin schwerfallen. Bei gewissen akademischen Spezialisierungen ist das schon eher der Fall, dass es nur Vollzeitstellen gibt aber keine Angebote für Teilzeit.
Grüße, Susanne

blue cloud
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von blue cloud » 07.08.19, 13:08

Der Begriff Verkäuferin ist auch sehr dehnbar...handelt es sich um eine qualifizierte sprich gelernte Tätigkeit oder wurde nur jemand (im Beispielfall) angelernt?

Frage wäre für mich auch, wie lange läuft die Befristung? Aktuell ist die Dame im Mustefall rechnerisch bereits 60 Jahre alt. Wann wurde die Erwerbsminderung festggestellt? Vielleicht ist inzwischen eine Verschlimmerung eingetreten, so dass u.U. auch volle EM vorliegen könnte....

Lilie33
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Lilie33 » 07.08.19, 14:13

sie ist nicht arbeitslos.... sie ist ausgebildete Fachberaterin für Inneneinrichtung... und sie steht seit 19 Jahren in einem Arbeitsverhältnis in einem großen Unternehmen.
Ihren Beruf wird sie in ihrem derzeitigen Gesundheitszustand nirgends richtig ausüben können.
Was sie bräuchte, wären Erleichterungen am Arbeitsplatz wie spezielle Stühle, mehr Pausen, geringere Arbeitszeit usw
Kündigen und alle Ansprüche verlieren wird sie wohl auch nicht müssen, oder?

Die TeilRente läuft ab 12-2017 und ist bis Ende 2020 befristet.
Der Arbeitgeber hat der DRV aber erst jetzt mitgeteilt, dass es im Betrieb keinen geeigneten Arbeitsplatz gibt.

Der DRV wird sich sicher bald äußern, ob nun der Arbeitsmarkt für sie verschlossen ist oder nicht.

SusanneBerlin
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von SusanneBerlin » 07.08.19, 16:40

Was sie bräuchte, wären Erleichterungen am Arbeitsplatz wie spezielle Stühle, mehr Pausen, geringere Arbeitszeit usw
Für Zuschüsse zu technischen Arbeitshilfen ist das Integrationsamt oder die DRV zuständig.
Das Beantragen eines Schwerbehinderten-Ausweises kann dafür hilfreich sein.
Das Integrationsamt berät Schwerbehinderte und deren Arbeitgeber über die behindertengerechte Ausgestaltung des Arbeitsplatzes.

Info hier:
https://www.integrationsaemter.de/Fachl ... index.html
Grüße, Susanne

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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Lilie33 » 07.08.19, 19:23

Liebe Namensvetterin 😋
nehmen wir mal an, dass die Betroffene nur einen GdB von 40
hat und somit nicht als schwerbehindert gilt.
Die Hilfen wären machbar gewesen, der Arbeitgeber lehnt aber ab und muss wohl auch keine Wiedereingliederung durchführen, wenn man nicht schwerbehindert ist.
Schöne Grüße
Susanne

Old Piper
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Old Piper » 08.08.19, 07:45

Lilie33 hat geschrieben:
07.08.19, 14:13
Der Arbeitgeber hat der DRV aber erst jetzt mitgeteilt, dass es im Betrieb keinen geeigneten Arbeitsplatz gibt.
Wenn die DRV den AG schon danach gefragt hat, dann geht sie offenbar von einem generell geminderten Leistungsvermögen aus - also nicht nur für den letzten Beruf. Das hört sich danach an, als könnte es zur Bewilligung einer Rente wegen voller EM kommen.
Stand denn im Bescheid über die Bewilligung der teilw. EM drin, dass der Anspruch auf volle EM noch geprüft wird?
MfG
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von blue cloud » 08.08.19, 13:49

Verkäuferin und Fachberaterin für Inneneinrichtugn ist aber schon ein enormer Unterschied.

Unabhänig von weiteren Verfahen empfiehlt sich bei der Arbeitsverwaltung die Gleichstellung als Schwerbehinderter zu beantragen. Da ist bekanntlich bei einem GdB ab 30 möglich.

Ansonsten, wie Old Piper zu Recht fragt, wurde über einen geltend gemachtren Anspruch auf volle EM im Musterfall rechtskräftig entschieden?

Lilie33
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Re: Volle EM Rente Fragen

Beitrag von Lilie33 » 08.08.19, 13:58

blue cloud hat geschrieben:
08.08.19, 13:49


Unabhänig von weiteren Verfahen empfiehlt sich bei der Arbeitsverwaltung die Gleichstellung als Schwerbehinderter zu beantragen. Da ist bekanntlich bei einem GdB ab 30 möglich.

der Antrag wurde bereits gestellt.
Und wurde von der AA abgelehnt, da ein der Einschränkung geeigneter Arbeitsplatz nicht vorhanden sei.

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