Rentenversicherung Sportkurse

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Moderator: FDR-Team

versuch
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Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von versuch »

Frau x macht sich nach der Geburt ihrer Tochter mit Fitnesskursen selbstständig.
Ist wie da wirklich Rentenversicherungspflichtig?
Mit ust, KV, PV und Steuer hätte sie dann gerade 35 % des Gewinns, was ja jede Selbstständigkeit ab absurdum führen würde.

winterspaziergang
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von winterspaziergang »

versuch hat geschrieben:
19.10.19, 02:14
Frau x macht sich nach der Geburt ihrer Tochter mit Fitnesskursen selbstständig.
In welchem Rahmen? Eigenes Studio? Mietet sie Räume in einem Studio? Honorarverträge?
Ist wie da wirklich Rentenversicherungspflichtig?
wer sagt, dass sie das sei?
versuch hat geschrieben:
19.10.19, 02:14
Mit ust, KV, PV und Steuer hätte sie dann gerade 35 % des Gewinns, was ja jede Selbstständigkeit ab absurdum führen würde.
Umsatz und Gewinn scheinen hier vermengt zu werden.
KV ist klar, was ist PV noch dazu?
Und wenn 35% vom Gewinn bleiben und in Summe zu wenig sind, wird nicht "jede Selbstständigkeit ab absurdum" geführt, sondern weist darauf hin, dass das Konzept/Geschäftsmodell nicht tragfähig ist.

Old Piper
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von Old Piper »

winterspaziergang hat geschrieben:
19.10.19, 05:31
Ist wie da wirklich Rentenversicherungspflichtig?
wer sagt, dass sie das sei?
Der § 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI sagt das.
Wenn sie allerdings einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit beschäftigt, entfällt die Versicheungspflicht in der RV.
MfG
Old Piper
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Behörden- und Gerichtsentscheidungen sind zwar oft recht mäßig, aber meistens rechtmäßig.

winterspaziergang
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von winterspaziergang »

Old Piper hat geschrieben:
19.10.19, 07:50
winterspaziergang hat geschrieben:
19.10.19, 05:31
Ist wie da wirklich Rentenversicherungspflichtig?
wer sagt, dass sie das sei?
Der § 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI sagt das.
Wenn sie allerdings einen Arbeitnehmer mehr als geringfügig im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit beschäftigt, entfällt die Versicheungspflicht in der RV.
trifft Absatz 1 auf eine Leiterin von Fitnesskursen zu?

versuch
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von versuch »

Wird wohl so ausgelegt, dass Fitnesstrainer lehrer sind.
Finde ich absurd.

Sie mietet Räume an.

Und 35% vom Gewinn, da jeweils ca. 20% KV und Pflege(=PV) sowie RV.
Dann noch USt und Einkommenssteuer (lsk 5).

SusanneBerlin
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von SusanneBerlin »

Ein Selbständiger hat keine Lohnsteuerklasse.

Vielleicht sollte die angehende Selbständige mal ein Unternehmer-Gründungsseminar besuchen, da es schon am Basiswissen mangelt, wie das Einkommen zu versteuern ist.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von FM »

Die RV liegt bei 18,6 %, die KV bei meist 15,6, die PV bei 3,3 % - zusammen also 37,5 % Und das gerechnet vom Gewinn, nicht vom Umsatz.

Die Umsatzsteuer trägt der Kunde, nicht der Unternehmer.

Man muss den Preis für Endverbraucher schon so hoch ansetzen, dass genügend übrig bleibt. Und natürlich genügend Kunden finden - wenn beim gleichen Preis pro Kopf nur 3 Leute im Kurs sind wird es sich weniger lohnen als wenn es 10 sind. Wer nur 50 Euro Bruttoeinnahmen einschl. USt. pro Stunde hat, also etwa 42 Euro netto, davon erst mal den Übungsraum, die Geräte, die Berufshaftpflichtversicherung (sollte man unbedingt haben im Sport), seine Fahrtkosten und ggf. weitere Betriebsausgaben bezahlen muss, vom verbleibenden Betrag dann die 37,5 % SV und am Ende die Einkommensteuer, der wird natürlich nicht viel übrig haben.

winterspaziergang
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von winterspaziergang »

versuch hat geschrieben:
19.10.19, 11:46
Wird wohl so ausgelegt, dass Fitnesstrainer lehrer sind.
Finde ich absurd.

Sie mietet Räume an.

Und 35% vom Gewinn, da jeweils ca. 20% KV und Pflege(=PV) sowie RV.
Dann noch USt und Einkommenssteuer (lsk 5).
wie schon genannt: LSK gibt es bei Selbstständigkeit nicht. Versteuert wird der Gewinn, da sind Miete und andere Betriebskosten ja schon abgezogen.
Bei der Berechnung KV und Pflege kann auch was nicht stimmen.

FM
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von FM »

versuch hat geschrieben:
19.10.19, 11:46
Wird wohl so ausgelegt, dass Fitnesstrainer lehrer sind.
Finde ich absurd.
Absurd ist es nicht. Die Rechtslage ist klar, steht so im Gesetz, die Rechtsprechung hat das auch schon auf solche Tätigkeiten bejaht - z.B. BSG, 22.06.2005 - B 12 RA 6/04 R, Aerobic-Trainerin. Der sozialpolitische Hintergrund ist: ein selbständiger Lehrer ist ähnlich wie ein Arbeitnehmer insbesondere auf seine Arbeitskraft als Erwerbsgrundlage angewiesen, während andere Unternehmer überwiegend von ihrem Kapital leben. Der Lehrer hat kein Einkommen mehr, wenn er erwerbsunfähig oder zu alt wird, während der Fabrikeigentümer unabhängig davon weiterhin Einkommen hat.

Ähnlich wie für Lehrer gibt es deshalb eine RV-Pflicht für selbständige Krankenpfleger, Hebammen, Erzieher, Künstler und Publizisten, für bestimmte andere Selbständige eine berufsständische Versicherungspflicht (z.B. Rechtsanwälte).

Man wird nun sicher Gegenbeispiele finden wo andere Berufsgruppen trotz ähnlicher Lage nicht versicherungspflichtig sind (z.B. Handelsvertreter, Übersetzer). Aber diese Lücken führen nicht dazu, dass es für die im Gesetz genannten Berufe nicht mehr gilt. Die derzeitige Koalition will die Lücken übrigens schließen und eine Vorsorgepflicht für alle Selbständigen einführen, also wohl noch bis 2021. Hintergrund ist auch, dass andernfalls der Steuerzahler mit Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (Sozialhilfe) einspringen muss.

SusanneBerlin
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von SusanneBerlin »

versuch hat geschrieben:Mit ust, KV, PV und Steuer hätte sie dann gerade 35 % des Gewinns, was ja jede Selbstständigkeit ab absurdum führen würde.
Sagen Sie das mal den Millionen von erfolgreichen Selbständigen, dass es "absurd" ist, was sie machen!

Natürlich ist es nicht per se absurd, sondern nur dann, wenn man zu wenig Gewinn erwirtschaftet.

Bei einem Gewinn von 50.000€ jährlich, bleibt auch nach der Bezahlung der Steuern und Sozialabgaben noch ein erkleckliches Sümmchen übrig, während bei einem Gewinn von 20.000 € nicht genug übrig bleibt um davon leben zu können.

Sie müssen als Selbständige natürlich einen anderen Stundenlohn zu Grunde legen als im Angestelltenverhältnis.

Als Angestellte einen Stundenlohn von 20€ in Vollzeit, erbringt einen Nettomonatslohn von ca. 2.200 €.

Als Selbständiger ist 20€ pro Stunde bei 180 in Rechnung gestellten Stunden pro Monat das Minimum, um überleben zu können. Die Umsatzsteuer kommt natürlich noch obendrauf, d.h. man muss vom Kunden einen Endpreis verlangen, bei dem die 19% Umsatzsteuer bereits draufgeschlagen sind.


Wenn es nicht darum gehen sollte den Lebensunterhalt zu erwirtschaften, kann man eine Selbständigkeit natürlich auch als Hobby betreiben, bei dem es nicht darum geht den Lebensunterhalt zu sichern, sondern nur um "den Spaß an der Freud' ".

Hier liegt wahrscheinlich Ihr Kalkulationsirrtum. Bei einem Angestellten trägt der Arbeitgeber ca. 50% der Sozialabgaben. Ein Selbständiger trägt seine Sozialabgaben alleine. Dementsprechend muss der Selbständige um einiges mehr Gewinn erwirtschaften, als ein Arbeitnehmer Brutto auf dem Lohnzettel hat, um "netto" das gleiche rauszubekommen. Ich nehme stark an dass Sie das nicht wußten, aber jetzt wissen Sie es und können Ihre geplante Selbständigkeit in Bezug darauf, ob sich das ganze rentiert oder ob Ihr Geschäftsplan "absurd" ist, nochmal neu durchrechnen.
Grüße, Susanne

versuch
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von versuch »

Nö, war und ist alles bekannt...nur, dass man noch ca. 20 % für RV zahlen muss, nicht.
Und 20% sind jetzt nicht wenig.

Was wäre die Konsequenz, wenn man nicht angemeldet ist?
Man muss bis 5 Jahre nachzahlen, auch Versäumniszuschläge?

FM
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von FM »

Ja, genauer das laufende Jahr plus die vier vorherigen. Bei Vorsatz 30 Jahre. Und die Säumniszuschläge, ggf. auch ein Bußgeld da Ordnungswidrigkeit.

Nachträglich kann man natürlich die falsche Kalkulation nicht mehr korrigieren und den Kunden mitteilen, man müsse noch die RV-Beiträge auf den Preis aufschlagen. Und steuerlich zählen sie auch erst wenn wirklich bezahlt.

versuch
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von versuch »

Mindern die Sozialversicherungsbeitrage den Gewinn?
KV würd zumindest vom Gewinn berechnet.

Wo kann man das mit säumniszuschlägen nachlesen?
Danke

SusanneBerlin
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von SusanneBerlin »

versuch hat geschrieben:
19.10.19, 19:56
Mindern die Sozialversicherungsbeitrage den Gewinn?
Nein, dir Sozialversicherungsbeiträge des Unternehmers sind keine Betriebsausgaben, somit spielen sie für die Steuerrechtliche Gewinnberechnung keine Rolle.
KV würd zumindest vom Gewinn berechnet.
Das ist richtig! :D
Es wäre ja auch doof, wenn die KV-Beiträge vom Umsatz abhingen!
Grüße, Susanne

FM
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Re: Rentenversicherung Sportkurse

Beitrag von FM »

versuch hat geschrieben:
19.10.19, 19:56
Mindern die Sozialversicherungsbeitrage den Gewinn?
KV würd zumindest vom Gewinn berechnet.
Die zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung (falls möglich, eher selten) und zur Unternehmerunfallversicherung (bei den meisten BG auch freiwillig, bei Sport sinnvoll) ja, da betriebliche Risiken. Die zur KV, PV, RV nein, da private Risiken. Die RV kann man aber auch pauschal bezahlen, also unabhängig vom Gewinn, irgendetwas zwischen 550 und 600 Euro.
versuch hat geschrieben:
19.10.19, 19:56
Wo kann man das mit säumniszuschlägen nachlesen?
Hier: https://dejure.org/gesetze/SGB_IV/24.html und 12 % p.a. ist schon stattlich.
Zum Bußgeld: https://dejure.org/gesetze/SGB_VI/320.html Abs. 1 Nr. 1

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