Die Rente mit 63 ist ungerecht

Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld II, Berufsgenossenschaften, Renten, Schwerbehinderung ,Kranken- und Pflegeversicherung

Moderator: FDR-Team

RudiD
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 10
Registriert: 13.02.13, 09:03

Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von RudiD »

Hallo zusammen,
ich bin vom Geburtsjahrgang 1964 und finde dass die Rente mit 63 gegen den Grundsatz verstösst, dass niemand aufgrund des Alters benachteiligt werden darf. Steht das nicht so im Grundgesetz ? Mein Schwager z.B. ist vom Jahrgang 63, nur wenige Monate älter als ich und für ihn gelten schon andere Regeln zur Rente. Dazu kommt, dass ich mit 62 schon meine 45 Jahre ereicht habe und trotzdem bis 65 arbeiten muss wenn ich das richtig verstanden habe. Ich darf noch nicht einmal mit Abschlägen früher in Rente gehen. Wie hoch sind meine Chancen, dagegen zu klagen und was muss ich dafür tun ?

Grüsse
Bruno
Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3544
Registriert: 22.06.05, 23:24

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Celestro »

Regeln kann und darf man ändern. Und irgendwo ist halt die Grenze. Ich sehe hier absolut keine Chance ....
RudiD
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 10
Registriert: 13.02.13, 09:03

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von RudiD »

Hier hat man mehrere Grenzen gezogen, für Personen bis zum Jahrgang 1952, dann Personen vom Jargang 1953 bis 1963, dann für Personen ab dem Jahrgang 1964, und das finde ich ungerecht. Es können sogar noch mehr Grenzen sein, da bin ich mir nicht ganz sicher. Man hätte gar keine Grenze machen dürfen, Rente mit 63 für alle gleich oder für keine(n), basta! Ich verstehe auch nicht, warum eine Partei, die so etwas verbockt, immer wieder gewählt wird und die Menschen in Deutschland so vieles einfach hinnehmen. In Frankreich wären die Menschen dewegen auf die Strasse gegangen.
Evariste
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3872
Registriert: 31.12.15, 17:20

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Evariste »

RudiD hat geschrieben: 09.03.21, 16:19 Steht das nicht so im Grundgesetz ?
Tatsächlich steht das nicht im Grundgesetz.

Die "Rente mit 63" wird so genannt, weil man zum Zeitpunkt, als sie in Kraft trat, wirklich mit 63 in Rente gehen konnte. In dem gleichen Maße, wie sich das Renteneintrittsalter erhöht, verschiebt sich aber auch die Grenze für die "Rente mit 63". Und da ab Jahrgang 1964 die Regelaltersgrenze von 67 Jahren gilt, ist dann eben auch die "Rente mit 63" erst 2 Jahre früher möglich.

Klagen müsste man letzten Endes gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre, da sehe ich aber wenig Aussichten.

Die "vielen Grenzen" ergeben sich dadurch, dass man im Gesetz eine gleitende Übergangsregelung vorgesehen hat. Die endet halt beim Geburtsjahrgang 1963.
Celestro
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3544
Registriert: 22.06.05, 23:24

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Celestro »

Evariste hat geschrieben: 09.03.21, 16:46 ist dann eben auch die "Rente mit 63" erst 2 Jahre früher möglich.
später!
ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6296
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von ExDevil67 »

Chancen da mit einer Klage was zu ändern, eher null. Wenn müsste man wohl in die Bundespolitik gehen und die entsprechenden Stellen im SGB ändern.

Wobei ihr Wunsch mit 62 schon in die volle Altersrente für langjährige Versicherte gehen zu können tendenziell der Einstieg in einen kompletten Systemwechsel der Rentenberechnung sein könnte. Weg von starren Altersgrenzen hin zu einer Orientierung an den Beitragsjahren. Wer X Jahre eingezahlt hat bekommt 100% Rente, und wer weniger Zeit eingezahlt hat bekommt nur Z % seiner bis dahin erworbenen Ansprüche.
Chavah
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8594
Registriert: 06.02.05, 10:23

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Chavah »

Ich stimme dir völlig zu. Ich fordere Rente ab 20, spätestens ab 30! Und das für alle. Basta.

Ist dir klar, auf was ich hinaus will?

Chavah
Evariste
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3872
Registriert: 31.12.15, 17:20

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Evariste »

ExDevil67 hat geschrieben: 09.03.21, 17:34 Wobei ihr Wunsch mit 62 schon in die volle Altersrente für langjährige Versicherte gehen zu können tendenziell der Einstieg in einen kompletten Systemwechsel der Rentenberechnung sein könnte. Weg von starren Altersgrenzen hin zu einer Orientierung an den Beitragsjahren. Wer X Jahre eingezahlt hat bekommt 100% Rente, und wer weniger Zeit eingezahlt hat bekommt nur Z % seiner bis dahin erworbenen Ansprüche.
Die Ansprüche ergeben sich doch sowieso schon aus der Anzahl der Beitragsjahre (multipliziert mit den jährlichen Einzahlungen), warum dann zusätzlich kürzen?
FM
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 20082
Registriert: 05.12.04, 16:06

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von FM »

Stichtagsregelungen gelten in sehr vielen Fällen nicht als Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz. Insbesondere dann nicht, wenn es um Themen geht die mit dem Lebensalter zusammen hängen. Und bei der Rente wäre das gut vorstellbar.

Aber man hat das Recht, diese Frage gerichtlich überprüfen zu lassen. Die Schritte dazu wären in etwa:

Rentenantrag stellen
bei Ablehnung Widerspruch
Klage Sozialgericht
Berufung Landessozialgericht
Revision Bundessozialgericht
Verfassungsbeschwerde Bundesverfassungsgericht

Kann auch abgekürzt werden, falls eines der vorherigen Gerichte einen Verstoß gegen das Grundgesetz oder gegten EU-Recht sieht.

Chancen: eher gering.
hambre
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6992
Registriert: 02.02.09, 13:21

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von hambre »

Ich darf noch nicht einmal mit Abschlägen früher in Rente gehen.
Doch, das darfst Du. Du kannst mit 63 Jahren in Rente gehen, allerdings mit einem Abschlag von 14,4%.
Mein Schwager z.B. ist vom Jahrgang 63, nur wenige Monate älter als ich und für ihn gelten schon andere Regeln zur Rente.
Stimmt, er darf 2 Monate eher in Rente gehen, wenn er dann die 45 Jahre voll hat, also mit 64 Jahren und 10 Monaten. Sollte er mit 63 Jahren in Rente gehen wollen, so beträgt für ihn der Abschlag nur 13,8%.
Wie hoch sind meine Chancen, dagegen zu klagen und was muss ich dafür tun?
Klagen kann man natürlich immer, jedoch dürften die Erfolgsaussichten sehr nahe bei 0% liegen. Solche Übergangsregelungen sind nach meiner Kenntnis noch nie erfolgreich angefochten worden. Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, dass sich am Renteneintrittsalter nie etwas ändern darf, dann möge man bedenken, dass dieses bei der Einführung der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahre 1891 bei 70 Jahren lag.
Man hätte gar keine Grenze machen dürfen, Rente mit 63 für alle gleich oder für keine(n), basta! Ich verstehe auch nicht, warum eine Partei, die so etwas verbockt, immer wieder gewählt wird
Dass die SPD immer weder gewählt wird, würde ich im Hinblick auf deren aktuellen Wahlergebnisse nicht bestätigen.
In Frankreich wären die Menschen dewegen auf die Strasse gegangen.
Wenn die Lebenserwartung steigt und gleichzeitig immer weniger Kinder geboren werden, dann gerät das Rentensystem aus dem Gleichgewicht. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass das alleine von der jungen Generation zu stemmen ist. Persönlich halte ich es aber für richtig, wenn die so entstehenden Lasten auf alle Generationen verteilt werden. In Frankreich ist die Geburtenrate deutlich höher als in Deutschland, so dass das dort Problem nicht in dieser Schärfe besteht.
ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6296
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von ExDevil67 »

Evariste hat geschrieben: 09.03.21, 18:43
Weg von starren Altersgrenzen hin zu einer Orientierung an den Beitragsjahren. Wer X Jahre eingezahlt hat bekommt 100% Rente, und wer weniger Zeit eingezahlt hat bekommt nur Z % seiner bis dahin erworbenen Ansprüche.
Die Ansprüche ergeben sich doch sowieso schon aus der Anzahl der Beitragsjahre (multipliziert mit den jährlichen Einzahlungen), warum dann zusätzlich kürzen?
Ja, aber die aktuelle starre Altersgrenze unterscheidet nicht ob ich mit 67 nach 35 Beitragsjahren oder 50 Beitragsjahren in Rente gehe. Ich bekomme so oder so 100% meiner Rentenansprüche ausgezahlt. Die Idee wäre ja genau hier eine Flexibilisierung einzuführen, das der der früh anfängt zu arbeiten auch früher seine volle Rente bekommen kann und wer meint er müsste bis 30 studieren entweder die Rente gekürzt bekommt oder halt entsprechend länger arbeiten muss.
Frage mal einen Maurer oder Gerüstbauer was die von der Idee halten bis 70 arbeiten zu müssen.
winterspaziergang
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8337
Registriert: 16.11.13, 14:23

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von winterspaziergang »

RudiD hat geschrieben: 09.03.21, 16:19 Hallo zusammen,
ich bin vom Geburtsjahrgang 1964 und finde dass die Rente mit 63 gegen den Grundsatz verstösst, dass niemand aufgrund des Alters benachteiligt werden darf. Steht das nicht so im Grundgesetz ?
ja, das steht da, dennoch muss ein 6jähriger im Gegensatz zum 4jährigen in die Schule und bezüglich Rente, werden alle jungen Menschen "diskriminiert". Aktuell muss man als alter Mensch auf eine Impfung warten, weil eine Altersgrenze zwischen sehr alt und sehr alt gezogen wurde..

Man sieht, dass es natürlich weiter Gründe geben kann, die eine "Diskriminierung" begründen können, so dass diese nicht verfassungswidrig ist.

Wie hoch sind meine Chancen, dagegen zu klagen und was muss ich dafür tun ?
Die Chancen zu klagen, dürften vom eigenen Antrieb abhängen. Die Chance zu gewinnen, dürfte um die 0 liegen.
hambre
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6992
Registriert: 02.02.09, 13:21

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von hambre »

ExDevil67 hat geschrieben:Ja, aber die aktuelle starre Altersgrenze unterscheidet nicht ob ich mit 67 nach 35 Beitragsjahren oder 50 Beitragsjahren in Rente gehe. Ich bekomme so oder so 100% meiner Rentenansprüche ausgezahlt.
Nur dass bei gleichem Einkommen während des Erwerbslebens die 100% bei 50 Beitragsjahren etwa das 1,5-fache der 100% bei 35 Beitragsjahren sind. Die Zahl der Beitragsjahre wirkt sich ganz entscheidend auf die Höhe der Rentenansprüche aus.

Und wenn derjenige mit 50 Beitragsjahren schon mit 63 in Rente geht, dadurch nur 46 Beitragsjahre hat und zudem noch eine Kürzung von 14,4% hinnehmen muss, dann bekommt er immer noch eine deutlich höhere Rente als derjenige der mit 67 Jahren und 35 Beitragsjahren in Rente geht.
Evariste
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3872
Registriert: 31.12.15, 17:20

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Evariste »

winterspaziergang hat geschrieben: 10.03.21, 07:39
RudiD hat geschrieben: 09.03.21, 16:19 Hallo zusammen,
ich bin vom Geburtsjahrgang 1964 und finde dass die Rente mit 63 gegen den Grundsatz verstösst, dass niemand aufgrund des Alters benachteiligt werden darf. Steht das nicht so im Grundgesetz ?
ja, das steht da
Wo denn? :D
Tastenspitz
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 22192
Registriert: 05.07.07, 08:27
Wohnort: Daheim

Re: Die Rente mit 63 ist ungerecht

Beitrag von Tastenspitz »

Muss so ein Alternatives GG sein.... das AGG. :lachen:
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
Antworten