Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

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Moderator: FDR-Team

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Teamplay
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Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Teamplay »

Hallo,

soweit ich weiß, wenn das Monatseinkommen über die gesetzliche Höchstbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung von 4.837,50 Euro im Monat liegt, zahlt man an die Krankenkasse einen festen maximal möglichen Monatsbeitrag unabhängig davon, wie viel mehr der Verdienst über diese Grenze liegt.

FRAGE:
Wenn man zusätzlich zu diesem Verdienst noch auch die Altersrente bekommt, muss man an die Krankenkasse noch mehr als diesen o.g. festen Monatsbeitrag zahlen?

Vielen Dank im Voraus.
Czauderna
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Czauderna »

Hallo,
ja, das kann so sein - hier gibt es eine ausführliche Erläuterung - https://www.haufe.de/sozialwesen/sgb-of ... 81886.html
Gruss
Czauderna
Teamplay
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Teamplay »

Czauderna hat geschrieben: 21.05.22, 22:52 Hallo,
ja, das kann so sein - hier gibt es eine ausführliche Erläuterung - https://www.haufe.de/sozialwesen/sgb-of ... 81886.html
Gruss
Czauderna
Danke für die schnelle Antwort.

Allerdings steht dort doch:
"Achtung
Beiträge werden nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben"

D.h. keine Erhöhung wegen der Altersrente, wenn diese Grenze schon über den Verdienst erreicht wurde.
Oder habe ich dort etwas übersehen?
Stefanie145
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Stefanie145 »

Hallo,

um welche Personengruppe handelt es sich? Hier muss bei der Beitragsberechnung unterschieden werden.

Versicherungspflichtiger Arbeitnehmer:
Der Arbeitgeber berechnet weiterhin ggf. bis zur Beitragsbemessungsgrenze die Beiträge und die Deutsche Rentenversicherung zieht ebenfalls aus der vollen Rente die Beiträge ab. Insgesamt könnte man so über die Beitragsbemessungsgrenze kommen. Wenn dem so ist, kann der Arbeitnehmer jeweils am Ende eines Jahres (bzw. zu Beginn des Folgejahres) einen Antrag auf Erstattung zu viel gezahlter Beiträge aus der Rente stellen. Die Krankenkasse berechnet dann die zu viel einbehaltenen Beiträge über der Beitragsbemessungsgrenze aus der Rente und erstattet diese an den Versicherten. Sofern das Beschäftigungsverhältnis im Laufe eines Jahres endet, kann dieser Antrag auch bereits nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnis gestellt werden.

Freiwillig versicherter Arbeitnehmer, ohne Antrag auf Beitragszuschuss:
Die Beiträge werden weiter aus dem Beschäftigungsverhältnis in voller Höhe abgeführt. Aus der Rente werden keine Beiträge abgeführt.

Freiwillig versicherter Arbeitnehmer, mit Antrag auf Beitragszuschuss:
Die Beiträge werden weiter aus dem Beschäftigungsverhältnis in voller Höhe abgeführt. Zusätzlich zu der Rente erhält der Arbeitnehmer von der Deutschen Rentenversicherung einen Beitragszuschuss. Dieser Beitragszuschuss ist von dem Versicherten an die Krankenkasse abzuführen.

hauptberuflich Selbstständiger:
Für den hauptberuflich Selbstständigen zählen weiterhin alle Einnahmen zur Beitragsbemessung, also auch die Rente. Das Arbeitseinkommen wird mit 14,0 % berücksichtigt, die gesetzliche Rente mit 14,6 %. Sofern mit dem Arbeitseinkommen und der Rente die Beitragsbemessungsgrenze überschritten wird, wird zunächst aus dem Arbeitseinkommen der Beitrag berechnet. So kann es bei diesem Personenkreis zu einer Erhöhung der Beiträge kommen, wenn sich das Arbeitseinkommen reduziert, das Arbeitseinkommen und die Rente jedoch weiter über der Beitragsbemessungsgrenze liegen.
Teamplay
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Teamplay »

Hallo,

Danke für die detaillierten Infos!
Stefanie145 hat geschrieben: 22.05.22, 06:58 Hallo,
um welche Personengruppe handelt es sich? Hier muss bei der Beitragsberechnung unterschieden werden.
1.
Die folgende Variante könnte künftig nur in einem Monat pro Jahr zutreffen (wenn z.B. das 13. Gehalt gezahlt wird).
Kann man also am Ende des Jahres die zu viel gezahlten Beiträge aus der Rente für diesen einen Monat erstatten lassen?
Stefanie145 hat geschrieben: 22.05.22, 06:58 Versicherungspflichtiger Arbeitnehmer:
Der Arbeitgeber berechnet weiterhin ggf. bis zur Beitragsbemessungsgrenze die Beiträge und die Deutsche Rentenversicherung zieht ebenfalls aus der vollen Rente die Beiträge ab. Insgesamt könnte man so über die Beitragsbemessungsgrenze kommen. Wenn dem so ist, kann der Arbeitnehmer jeweils am Ende eines Jahres (bzw. zu Beginn des Folgejahres) einen Antrag auf Erstattung zu viel gezahlter Beiträge aus der Rente stellen. Die Krankenkasse berechnet dann die zu viel einbehaltenen Beiträge über der Beitragsbemessungsgrenze aus der Rente und erstattet diese an den Versicherten. Sofern das Beschäftigungsverhältnis im Laufe eines Jahres endet, kann dieser Antrag auch bereits nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnis gestellt werden.
2.
Derzeit geht es um einen freiwillig versicherten Arbeitnehmer.
- Bedeutet im folgenden Text "in voller Höhe" eigentlich "bis zur Beitragsbemessungsgrenze"? Oder nicht?
- Was ist der "Antrag auf Beitragszuschuss"? Wofür ist er gut oder wer braucht ihn?
Stefanie145 hat geschrieben: 22.05.22, 06:58 Freiwillig versicherter Arbeitnehmer, ohne Antrag auf Beitragszuschuss:
Die Beiträge werden weiter aus dem Beschäftigungsverhältnis in voller Höhe abgeführt. Aus der Rente werden keine Beiträge abgeführt.

Freiwillig versicherter Arbeitnehmer, mit Antrag auf Beitragszuschuss:
Die Beiträge werden weiter aus dem Beschäftigungsverhältnis in voller Höhe abgeführt. Zusätzlich zu der Rente erhält der Arbeitnehmer von der Deutschen Rentenversicherung einen Beitragszuschuss. Dieser Beitragszuschuss ist von dem Versicherten an die Krankenkasse abzuführen.
3.
Und was soll man tun, wenn bei einem freiwillig versicherten Arbeitnehmer, ohne Antrag auf Beitragszuschuss, der Arbeitgeber berechnet die Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze und die Deutsche Rentenversicherung zieht ebenfalls aus der vollen Rente die Beiträge ab???
Czauderna
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Czauderna »

Teamplay hat geschrieben: 24.05.22, 21:59 Hallo,

Danke für die detaillierten Infos!
Stefanie145 hat geschrieben: 22.05.22, 06:58 Hallo,
um welche Personengruppe handelt es sich? Hier muss bei der Beitragsberechnung unterschieden werden.
1.
Die folgende Variante könnte künftig nur in einem Monat pro Jahr zutreffen (wenn z.B. das 13. Gehalt gezahlt wird).
Kann man also am Ende des Jahres die zu viel gezahlten Beiträge aus der Rente für diesen einen Monat erstatten lassen?
Stefanie145 hat geschrieben: 22.05.22, 06:58 Versicherungspflichtiger Arbeitnehmer:
Der Arbeitgeber berechnet weiterhin ggf. bis zur Beitragsbemessungsgrenze die Beiträge und die Deutsche Rentenversicherung zieht ebenfalls aus der vollen Rente die Beiträge ab. Insgesamt könnte man so über die Beitragsbemessungsgrenze kommen. Wenn dem so ist, kann der Arbeitnehmer jeweils am Ende eines Jahres (bzw. zu Beginn des Folgejahres) einen Antrag auf Erstattung zu viel gezahlter Beiträge aus der Rente stellen. Die Krankenkasse berechnet dann die zu viel einbehaltenen Beiträge über der Beitragsbemessungsgrenze aus der Rente und erstattet diese an den Versicherten. Sofern das Beschäftigungsverhältnis im Laufe eines Jahres endet, kann dieser Antrag auch bereits nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnis gestellt werden.
2.
Derzeit geht es um einen freiwillig versicherten Arbeitnehmer.
- Bedeutet im folgenden Text "in voller Höhe" eigentlich "bis zur Beitragsbemessungsgrenze"? Oder nicht?
- Was ist der "Antrag auf Beitragszuschuss"? Wofür ist er gut oder wer braucht ihn?
Dieser Betragszuschuss wird freiwillig versicherten Rentnern gewährt, die in den meisten Fällen die Voraussetzungen für die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) nicht erfüllt haben und sich deshalb freiwillig versichern müssen, was aber nicht auch automatisch bedeutet, dass sie Einkünften über der Beitragsbemessungsgrenze haben
Stefanie145 hat geschrieben: 22.05.22, 06:58 Freiwillig versicherter Arbeitnehmer, ohne Antrag auf Beitragszuschuss:
Die Beiträge werden weiter aus dem Beschäftigungsverhältnis in voller Höhe abgeführt. Aus der Rente werden keine Beiträge abgeführt.
Das ist dann schon der Höchstbeitrag, der jeden Monat gezahlt wird

Freiwillig versicherter Arbeitnehmer, mit Antrag auf Beitragszuschuss:
Die Beiträge werden weiter aus dem Beschäftigungsverhältnis in voller Höhe abgeführt. Zusätzlich zu der Rente erhält der Arbeitnehmer von der Deutschen Rentenversicherung einen Beitragszuschuss. Dieser Beitragszuschuss ist von dem Versicherten an die Krankenkasse abzuführen.
Hat ein freiwillig versicherter Arbeitnehmer, der neben seinem Arbeitsentgelt (über der JAE) auch noch eine Rente erhält, einen solchen Beitragszuschuss von der Rentenversicherung erhalten, so muss er diesen an seine GKV-Kasse abführen
3.
Und was soll man tun, wenn bei einem freiwillig versicherten Arbeitnehmer, ohne Antrag auf Beitragszuschuss, der Arbeitgeber berechnet die Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze und die Deutsche Rentenversicherung zieht ebenfalls aus der vollen Rente die Beiträge ab???
Dann sollte man sich bei seiner Krankenkasse melden um die Sache zu klären


Gruss
Czauderna
Stefanie145
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Stefanie145 »

Teamplay hat geschrieben: 24.05.22, 21:59
Die folgende Variante könnte künftig nur in einem Monat pro Jahr zutreffen (wenn z.B. das 13. Gehalt gezahlt wird).
Kann man also am Ende des Jahres die zu viel gezahlten Beiträge aus der Rente für diesen einen Monat erstatten lassen?
Dies hängt davon ab, ob die Jahres-Beitragsbemessungsgrenze überschritten wird, da bei "schwankenden" Entgelte das durchschnittliche Arbeitsentgelt berechnet wird.

Beispiel: Monatlich 2.000 € Arbeitsentgelt + 1500 € Rente + 2.000 € Weihnachtsgeld im Dezember überschreitet zwar im Dezember die monatliche Beitragsbemessungsgrenze, die jährliche Beitragsbemessungsgrenze (2.000 € * 13 + 1.500 € * 12) wird jedoch nicht überschritten. Eine Erstattung kann nicht stattfinden.
Monatlich 3.000 € Arbeitsentgelt + 1.700 € Rente + 5.000 € Weihnachtsgeld überschreitet auch die jährliche Beitragsbemessungsgrenze, aus dem Betrag, den die jährliche Beitragsbemessungsgrenze überschritten wird, werden Beiträge erstattet.
Derzeit geht es um einen freiwillig versicherten Arbeitnehmer.
- Bedeutet im folgenden Text "in voller Höhe" eigentlich "bis zur Beitragsbemessungsgrenze"? Oder nicht?
- Was ist der "Antrag auf Beitragszuschuss"? Wofür ist er gut oder wer braucht ihn?
Genau, der Arbeitgeber zieht bereits bis zur Beitragsbemessungsgrenze die Beiträge ab (oder bei Selbstzahlern werden von der Krankenkasse die Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze berechnet).

Freiwillig Versicherte können grundsätzlich einen Antrag auf Beitragszuschuss stellen. Dies ist sozusagen der Anteil des Rentenversicherungsträgers, der bei Pflichtversicherten automatisch mit an die Krankenkasse abgeführt wird. Dieser ist eher für andere Personengruppen, wie zum Beispiel hauptberuflich Selbstständige oder Personen, die die Vorversicherungszeiten nicht erfüllt hat sinnvoll. Also Personen, die außerhalb eines Beschäftigungsverhältnisses (in welchem man bereits einen Zuschuss zum halben Beitrag durch den Arbeitgeber erhält) die Beiträge selber an die Krankenkasse zahlen.
3.
Und was soll man tun, wenn bei einem freiwillig versicherten Arbeitnehmer, ohne Antrag auf Beitragszuschuss, der Arbeitgeber berechnet die Beiträge bis zur Beitragsbemessungsgrenze und die Deutsche Rentenversicherung zieht ebenfalls aus der vollen Rente die Beiträge ab???
Auch ich empfehle, dann einmal mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen. Entweder hat die Krankenkasse eine falsche Meldung an den Rentenversicherungsträger abgesetzt, weil diese davon ausgegangen war, dass das Beschäftigungsverhältnis mit Rentenbeginn endet und hat daher der DRV gemeldet, dass Beiträge abzuziehen sind. Dann ist diese Meldung zu korrigieren. Oder die DRV hat die Meldung der Krankenkasse falsch umgesetzt. In diesem Fall kümmern wir uns als Krankenkasse auch darum, dass die DRV den Beitragsabzug korrigiert und schreiben diese solange an. Bei meinem Arbeitgeber wird die korrekte Meldung der DRV allerdings auch überprüft.
Erfahrungsgemäß kann es leider einige Zeit dauern, bis die DRV reagiert.
Teamplay
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Teamplay »

Hallo Czauderna und Stefanie,

vielen Dank für die tollen Antworten!

Noch eine Frage, bitte.

Wenn ein freiwillig versicherter nicht selbständiger Arbeitnehmer, der derzeit mit dem Gehalt über der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze liegt und zusätzlich noch die Altersrente erhält, z.B. ab dem 01.07.2022 nur Teilzeit arbeiten will, was sein monatliches Gehalt und die monatliche Altersrente zusammen gerechnet unter die monatliche Beitragsbemessungsgrenze bringt, soll er bei der KV beantragen, ab diesem Datum gesetzlich statt freiwillig versichert zu werden?
Falls ja, soll er dies im Voraus tun?
Oder geht diese Änderung gar nicht mehr?
Stefanie145
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Stefanie145 »

Die Person wird dann automatisch pflichtversichert, wenn durch die Überschreitung der Jahresarbeitsentgeltgrenze keine Versicherungsfreiheit mehr besteht.
Die Person selber muss eigentlich gar nichts machen. Der Arbeitgeber wird dann, voraussichtlich mit der Gehaltsabrechnung für Juli die Krankenkasse über den Wechsel von Versicherungsfreiheit zu Versicherungspflicht zum 01.07.2022 informieren und die Krankenkasse anschließend die DRV über die Beitragsabführungspflicht aus der Rente ab dem 01.07.2022.
Teamplay
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Re: Fester maximal möglicher KV-Monatsbeitrag bei der Altersrente höher?

Beitrag von Teamplay »

Stefanie145 hat geschrieben: 25.05.22, 12:11 Die Person wird dann ...
Alls klar, vielen Dank für die super schnelle Antwort!
:daumenhoch
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