Schadensersatz bei kaputtem Handy

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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MesserGabel
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Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von MesserGabel »

Hey Leute, bin neu hier und würde gerne was fragen.

Mein Handy ist nach der Reparatur in einer Werkstatt komplett kaputt wieder gekommen (geht gar nicht mehr an). Die bieten eine Garantie an, dass die für solche Schäden aufkommen. Aber ich musste das dafür nochmal einschicken, damit die die Chance haben das entstandene Problem zu beheben.

Die Werkstatt hat mir daraufhin geschrieben, dass das Handy tatsächlich wegen deren Fehler kaputt ist. Und die möchten mir jetzt ein gleichwertiges Handy dafür schicken.

Mein Handy war ein Handy Nr. 5 mit 32GB. Also laut deren Garantie schicken mir die jetzt entweder ein Handy Nr. 5 mit 32GB oder eine neuere Generation sprich Handy Nr. 6 oder höher mit min. 32GB.

Mein Frage dazu ist: Dürfen die das? Und wenn ja dürfen die mir dann auch einfach ein gebrauchtes schicken? Ich geh nämlich nicht davon aus, dass die ein neues kaufen werden.

Am liebsten würde ich einfach den Wert von meinem Handy Nr. 5 als Geld haben. Aber da ist die Frage, ob ich ein Recht darauf habe, und wenn ja, ob das dann der Neuwert ist oder nicht.

Würde mich freuen, ob mir jemand erklären kann was die dürfen und was ich für Rechte habe. Schließlich haben die ja den Schaden verursacht.

Und kann ich denen was wegen meiner Daten in Rechnung stellen? Das ist zum Glück nicht viel gewesen, weil ich gerade ein Backup gemacht hatte, aber trotzdem. Es ärgert mich einfach.

Wie ist hier die Rechtslage?

Vielen Dank
Sarah

Celestro
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Celestro »

Das zur Reparatur gegebene Handy war ja vermutlich gebraucht. Wieso sollte man dann Anrecht auf ein neues haben? Der Schaden wird ja "behoben".

Froggel
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Froggel »

Um Schadensersatz zu erhalten, muss ein bezifferbarer Schaden vorliegen. Da der Schaden bei einem gebrauchten Handy nicht so hoch angesetzt werden kann wie bei einem neuen, ist die Schadenshöhe auf den Wiederbeschaffungswert des alten Handys begrenzt. Folglich kann der Schadensersatz auch in der Art erfolgen, dass ein gleich- oder höherwertiges Produkt statt des alten geliefert wird. Ein Anspruch auf den monetären Gegenwert existiert m.E. nicht.
Was die persönlichen Daten angeht, müsste man auch hier einen nachweislich bezifferbaren Schaden nachweisen. Das Neuinstallieren einiger Daten ist zwar ärgerlich, dürfte aber kaum einen bezifferbaren Wert haben.
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MesserGabel
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von MesserGabel »

Vielen herzlichen Dank. Das hat mir schonmal geholfen.

ktown
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von ktown »

Froggel hat geschrieben:
31.08.20, 14:50
Ein Anspruch auf den monetären Gegenwert existiert m.E. nicht.
Wieso nicht? Wer was kaputt macht muss den entstanden Schaden ersetzen und ich kann in keinem Bereich des BGB erkennen, dass der Schadenersatz nicht mit Geld möglich ist.
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Froggel
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Froggel »

ktown hat geschrieben:
31.08.20, 15:56
Wieso nicht? Wer was kaputt macht muss den entstanden Schaden ersetzen und ich kann in keinem Bereich des BGB erkennen, dass der Schadenersatz nicht mit Geld möglich ist.
Sicher ist das laut BGB möglich. Aber es steht im BGB eben nur drin, dass der Schädiger zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist, nicht in welcher Form. Wenn der Schaden durch ein gleich- oder höherwertiges Produkt wiederhergestellt werden kann, ist es eben nicht notwendig, anstelle dessen Geld anzubieten.
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ktown
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von ktown »

Meines Erachtens kann ich als Geschädigter ein Schadenersatz durch ein "gleichwertiges" Smartphone verweigern und einen Schadenersatz als Geldsumme fordern.
Ob ich mich damit besser stelle ist die andere Frage. :wink:
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Gaia
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Gaia »

ktown hat geschrieben:
01.09.20, 16:28
Meines Erachtens kann ich als Geschädigter ein Schadenersatz durch ein "gleichwertiges" Smartphone verweigern und einen Schadenersatz als Geldsumme fordern.
Klar kann ich das fordern. Wenn mich der Schädiger dann fragte, ob ich eine Rechtsgrundlage für meine Forderung benennen könnte oder es sich doch eher nur um meine feste Überzeugung handelte, was wäre dann die richtige Antwort?

ktown
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von ktown »

Der Ersatz soll also in der Weise erfolgen, dass die hypothetische Lage durch eine möglichst „natürliche“ Annäherung erreicht wird. Damit ist gemeint, dass die reale Lage real so verändert wird, wie sie bei hypothetischem Lauf jetzt tatsächlich gewesen wäre. Dazu ist der Schädiger nach § 249 Abs. 1 aber nur verpflichtet, wenn die Herstellung der hypothetischen Lage auch möglich und dem Geschädigten zumutbar ist. Andernfalls richtet sich die Art der Restitution nicht nach § 249, sondern nach § 251. Dieser gewährt nur einen reinen Wertausgleich in Geld.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Froggel
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Froggel »

ktown hat geschrieben:
01.09.20, 16:55
wenn die Herstellung der hypothetischen Lage auch möglich und dem Geschädigten zumutbar ist.
Ja, aber warum sollte ein Ersatzhandy dem Geschädigten nicht zumutbar sein? Im Grunde hat er sein Handy zur Reparatur gebracht, weil er gehofft hat, danach ein funktionsfähiges Handy zurückzuerhalten. Und genau das bekommt er jetzt. Wo ist da die Zumutung?
Ich bin kein Jurist.
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Gaia
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Gaia »

ktown hat geschrieben:
01.09.20, 16:55
Der Ersatz soll also in der Weise erfolgen, dass die hypothetische Lage durch eine möglichst „natürliche“ Annäherung erreicht wird. Damit ist gemeint, dass die reale Lage real so verändert wird, wie sie bei hypothetischem Lauf jetzt tatsächlich gewesen wäre. Dazu ist der Schädiger nach § 249 Abs. 1 aber nur verpflichtet, wenn die Herstellung der hypothetischen Lage auch möglich und dem Geschädigten zumutbar ist. Andernfalls richtet sich die Art der Restitution nicht nach § 249, sondern nach § 251. Dieser gewährt nur einen reinen Wertausgleich in Geld.
Die richtige Antwort auf die Frage des Schädigers wäre also "Ich habe keine Rechtsgrundlage, aber meine feste Überzeugung".

Im übrigen: sollte nicht gerade und insbesondere ein Mod mehr oder minder komplette Zitate von anderen Seiten entsprechend kennzeichnen, um mögliche urheberrechtliche Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen und auch nicht den Eindruck zu erwecken, er kenne sich aus, obwohl er sich nur mit fremden Federn schmückt?
Froggel hat geschrieben:
01.09.20, 19:03
Wo ist da die Zumutung?
Es gibt sie nicht.

ktown
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von ktown »

Na wenn sie die Seite gefunden haben die meinem Standpunkt folgt, dann haben sie sicherlich auch weiter gelesen.
Um es zu vereinfachen und damit ich den Inhalt nicht komplett umformulieren muss hier mal das Zitat:
Naturalrestitution bei Zerstörung oder Verlust einer Sache?
Große Probleme bereitet die Frage, ob § 249 auch bei Zerstörung oder Verlust einer Sache eingreift. Dagegen spricht, dass nur bei „Beschädigung“ einer Sache die Wahl zwischen § 249 Abs. 1 und § 249 Abs. 2 besteht. Bei der Zerstörung oder Verlust ist ein solches Wahlrecht nach der Formulierung des § 249 Abs. 2 ausgeschlossen. Möglicherweise geht der Gesetzgeber bei Zerstörung oder Verlust einer Sache von vornherein nicht von einem Anwendungsfall des § 249, sondern von einer Unmöglichkeit i.S.d. § 251 Abs. 1 aus.
Danach wird beleuchtet, inwieweit der von Ihnen vertretene Standpunkt eventuell doch möglich ist um dann am Ende wieder folgendes zu sagen
Wenn man in der Lieferung eines vergleichbaren Ersatzgegenstandes auch eine Naturalrestitution erblickt, dann gibt es aber keinen Grund mehr, dem Geschädigten wahlweise den Zugriff auf die dafür erforderlichen Kosten über § 249 Abs. 2 zu versagen. Deswegen kann der Geschädigte wahlweise die Kosten für die Wiederbeschaffung eines vergleichbaren Gegenstandes verlangen(BGH Urteil vom 20. April 2004 (Az: VI ZR 109/03) unter Ziff. II 1.). Alternativ kann er fiktiv abrechnen und auf eine Ersatzbeschaffung verzichten.
In Wikipedia steht bezüglich des Begriffs Naturalrestitution folgendes:
Seine Bedeutung stimmt mit dem Wortlaut des § 249 Abs. 1 BGB überein:

Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand (wieder)herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre.
So kann z. B. bei einer Sachbeschädigung der Geschädigte verlangen, dass der Schädiger die beschädigte Sache repariert.
In beiden von mir zitierten Passagen geht eindeutig hervor, dass der Geschädigte das Wahlrecht hat.
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Gaia
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Gaia »

ktown hat geschrieben:
02.09.20, 14:48
Na wenn sie die Seite gefunden haben die meinem Standpunkt folgt
Habe ich nicht.
In beiden von mir zitierten Passagen geht eindeutig hervor, dass der Geschädigte das Wahlrecht hat.
Nein.

Im übrigen sehe ich, daß ich mal wieder zu viel vorausgesetzt habe. Ich passe also meine Aussage von oben wie folgt an: sollte nicht gerade und insbesondere ein Mod bei Übernahme mehr oder minder kompletter Texte von anderen Seiten die entsprechende Seite nicht verlinken, um mögliche urheberrechtliche Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen und auch nicht den Eindruck zu erwecken, er kenne sich aus, obwohl er sich nur mit fremden Federn schmückt?

Ghastwriter
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Ghastwriter »

Das ist ja unglaublich zäh, wie übereinander her gezogen wird :D Bei so einer banalen Sache; und entweder man weiß es oder eben nicht, ist doch nicht tragisch^^ "Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer Sache Schadensersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen."
Hobbyjurist

Zafilutsche
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Re: Schadensersatz bei kaputtem Handy

Beitrag von Zafilutsche »

Off Topic:
Habe selbst erlebt:
Scheinbar vollkommen defektes Mobilgerät. (Kein zucken mehr!)- Kein Laden!
Gerät geöffnet/Akku getrennt (Etwas aufwendiger bei den verklebten Deckeln und winzigen Steckverbindungen!)
Dann Steckverbindung wieder zusammengesteckt und dann war leben wieder eingehaucht.
Also bevor das Dingen in die Mülltonne kommt, vorsichtshalber mal Akku versuchsweise tauschen.
Bei manchen Staaten gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat. [Freiheit f. Assange]

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