Verätzung und Verbrennung nach Friseurbesuch

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Verätzung und Verbrennung nach Friseurbesuch

Beitrag von rechtsfragen »

Hallo,

in der Hoffnung das richtige Forum gefunden zu haben:

Person A lässt sich bei Friseur B u.a. die Wimpern färben. Durch eine Unachtsamkeit der Friseurin gerät etwas von dem Färbemittel auf As Gesicht. Die Friseurin entfernt es, die Stelle fängt trotzdem stark an zu jucken und reagiert gereizt.
Während der Einwirkzeit geht die Friseurin eine Rauchen, sammelt dabei die Asche und erklärt der Kundin, kalte Asche sei ein Geheimtipp, um die Farbreste/Verfärbung bei derartigen Missgeschicken zu entfernen und weiterer Hautreizung vorzubeugen.

Die Friseurin trägt die Asche auf die Stelle auf, diese ist jedoch noch nicht vollständig abgekühlt.

Als Folge hat A eine ca. 1-Euro große, schmerzende, dunkel gefärbte Verletzung neben dem Auge, die gerötet ist, stark juckt und später kleine Pickelchen entwickelt, die auch nach über eine Woche noch nicht vollständig abgeklungen sind.

Friseurin B ist die Angelegenheit sehr peinlich, sie bietet A zur Entschädigung Proben und später ein kostenloses Haarpflegeprodukt an, verlangt aber eine Bezahlung der Dienstleistung. A bezahlt, lehnt die angebotene Wiedergutmachung jedoch ab.

Da sich die beschriebene Verletzung erst bis zum nächsten Tag vollständig entwickelt, kehrt A zum Salon zurück und reklamiert mit Nachdruck. Wieder wird ihr ein Pflegeprodukt als Entschädigung angeboten, was sie wiederum ablehnt und ihre Telefonnumer hinterlässt, um von der Bezirksleiterin angerufen zu werden.
Diese beschimpft A und argumentiert, Fehler seien menschlich.

Welche Ansprüche hat A grundsätzlich?

Danke und einen schönen Tag,
rechtsfragen

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber »

rechtsfragen hat geschrieben:Welche Ansprüche hat A grundsätzlich?
Da ein materieller Schaden wohl nicht entstanden ist, hat A wohl auch keinen Anspruch auf Schadensersatz.
Über einen Anspruch auf Schmerzensgeld könnte man ggf. streiten. Wegen einer minimalen fahrlässigen Körperverletzung (die teilweise im Einverständnis mit Person A verursacht worden ist), würde ich den Anspruch eher ablehnen.Letztlich kann man wohl erst wirklich darüber entscheiden, wenn man wenigstens ein Bild von der "Verletzung" gesehen hat. Bei Schmerzensgeld gibt es eine Geringfügigkeitsschwelle, die für einen Anspruch überwunden werden muss.
Einen Grund, die Vergütung nicht zu zahlen, sehe ich nicht. Es sei denn, man könnte mit einem Schmerzensgeld aufrechnen. Meine Vermutung geht aber dahin, dass die Geringfügigkeitsschwelle nicht überwunden wird.

Tim_S.
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Beitrag von Tim_S. »

N´abend,
Asche sei ein Geheimtipp
Da kann A ja froh sein, dass B neben ihrem vollen Aschenbecher nicht noch andere Geheimtipps kannte, etwa eine Frisösen-Urintherapie, die Fön-Badewannen-Eletrotherapie oder andere Geheimnisse.

Also mal im Ernst, wenn A mit ungefärbten Wimper aber ansonsten gesund zu diesen Spaßvögeln in den Laden ging und mit einer Verbrennung und einer schmerzenden, dunkel gefärbten Verletzung neben dem Auge, die gerötet ist, stark juckt und später kleine Pickelchen entwickelt, die auch nach über eine Woche noch nicht vollständig abgeklungen sind wieder herauskommt, dann kommen Ansprüche ganz sicher in Betracht.

In so einem Beispielsfall sollte A natürlich zu einem spezialisierten (Haut?-) Arzt gehen. Die Verursachung der Verletzung durch einen Dritten wird angegeben, die Kasse übernimmt natürlich zunächst die Kosten, die Ansprüche gehen nach § ? SGB ? auf die Kasse über und die kann Schadensersatz von der Haarkünstlerin verlangen.

Etwaigen Aufwand der A, zB Praxisgebühr, Fahrtkosten, Verdienstausfall usw. hat B zu ersetzen.

Ein Schmerzensgeld kann A meines Erachtens auch verlangen, wobei hier natürliche eher moderate Beträge in Frage kommen.

Beitragsschreiber schrieb:
Einen Grund, die Vergütung nicht zu zahlen, sehe ich nicht.
Ich schon. Das "Werk" ist m. E. nicht mal abnahmefähig gewesen, der Werklohnanspruch wäre nicht einmal fällig geworden. A hätte nicht zahlen müssen.

Strafbar wäre die Sache andererseits aber nicht.

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber »

1. Von der Notwendigkeit ärztlicher Versorgung war bisher nicht die Rede.
Sollte das doch der Fall sein, gebe ich Tim S. insoweit Recht.
2. Bei dem Schmerzensgeldanspruch bitte die Geringfügigkeitsschwelle nicht vergessen.
3. @ Tim S.:Welches Werk soll denn aus welchem Grund nicht abnahmefähig gewesen sein?
Tim S. hat geschrieben:Strafbar wäre die Sache andererseits aber nicht.
Wieso liegt denn nach Ihrer Meinung keine fahrlässige Körperverletzung vor?

Tim_S.
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Beitrag von Tim_S. »

N´abend,
ad 1, 2 und 3:
Als Folge hat A eine ca. 1-Euro große, schmerzende, dunkel gefärbte VERLETZUNG neben dem Auge, die gerötet ist, stark juckt und später kleine Pickelchen entwickelt, die auch nach über eine Woche noch nicht vollständig abgeklungen sind.
Zur letzten Frage: Schon die schuldhafte Tatbestandsverwirklichung liegt an der Bagatellschwelle. Eine Bestrafung erscheint jedenfalls weder aus spezialpräventiven noch aus generalpräventiven Gründen nötig .

Gruß

Questor

Beitrag von Questor »

Rein von der Sache her: Die Friseurin hätte die Stelle sofort mit klarem kaltem Wasser behandeln müssen. Das muss sie in der Ausbildung gelernt haben. Das alle Färbemittel ätzend sind, weiß eigentlich jeder Fachmann.

(Hätte die auch mit Asche behandelt, wenn es ins Auge gegangen wäre? :shock: )

Wie das danach rechtlich aussieht, weiß ich allerdings nicht. Kommt wohl auf die Intensität der Verletzung an.

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber »

Questor hat geschrieben:Rein von der Sache her: Die Friseurin hätte die Stelle sofort mit klarem kaltem Wasser behandeln müssen. Das muss sie in der Ausbildung gelernt haben. Das alle Färbemittel ätzend sind, weiß eigentlich jeder Fachmann.
Auf die Mittel, die üblicherweise für Wimpern gebraucht werden, trifft das eher nicht zu.
Vielleicht liegt ja auch nur eine allergische Reaktion vor.
Tim S. hat geschrieben:Zur letzten Frage: Schon die schuldhafte Tatbestandsverwirklichung liegt an der Bagatellschwelle. Eine Bestrafung erscheint jedenfalls weder aus spezialpräventiven noch aus generalpräventiven Gründen nötig .
Einen Privatkläger müsste das nicht interessieren. Und die Staatsanwaltschaft hat Ermessen.

Tim_S.
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Beitrag von Tim_S. »

Tag,
diesen Beitrag von mir
Da kann A ja froh sein, dass B neben ihrem vollen Aschenbecher nicht noch andere Geheimtipps kannte, etwa eine Frisösen-Urintherapie, die Fön-Badewannen-Eletrotherapie oder andere Geheimnisse.
muss ich wohl widerrufen: Asche bildet in wässriger Lösung, so habe ich jetzt gelernt, eine Base und diese hebt den pH-Wert einer Säure an, neutralisiert sie daher. Haarfärbemittelt sind offenbar sauer, weshalb eine Aschelösung zur Neutralisierung nützlich ist.

Nur glühen sollte die Asche bei der Anwendung auf Haut vielleicht nicht unbedingt...

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