Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwunden

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firefighter1896
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Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwunden

Beitrag von firefighter1896 »

Hallo zusammen,

vor kurzem haben wir in Latein eine Klassenarbeit geschrieben. Als die Arbeit zurückgegeben wurde, war ich leider krank. Als ich die Arbeit dann einen Tag später sehen wollte war sie verschwunden. Meine Lehrerin schaute in ihr Heft und zeigt mir eine Note 5 für diese Arbeit.

Nun zu meiner Frage:

Muss ich diese Note akzeptieren, auch wenn ich die Arbeit nicht gesehen habe. Die Lehrerin kann in ihr Buch ja reinschreiben was sie will ?

Gruß Simon

Stan78
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Stan78 »

Nein, Einsicht in die Arbeit muss möglich sein, auch den Eltern.
Genau damit würde ich auch argumentieren: Also die Eltern einen kurzen Brief an die Lehrerin schreiben lassen mit dem Inhalt "Wir haben erfahren, dass die letzte Arbeit mangelhaft war, konnten bisher aber nicht Einblick Nehmen. Bitte geben Sie meiner Tocher die Arbeit mit, damit wir dieses nachholen können."
Wenn die Lehrerin auf Wertung besteht ohne die korrigierte Arbeit vorlegen zu können, dem schriftlich wiedersprechen, notfalls über den Schulleiter.

Roderik
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Roderik »

Lieber Feuerlöscher,

ohne die Klassenarbeit bzw. das Heft mit dieser dürfte in einem eventuellen Beschwerde- oder Widerspruchsverfahren die Lehrerin schlechte Karten haben, wenn sie nicht belegen kann, dass die Arbeit 5 war und sie obendrein noch das Heft verschlampt hat - so entnehme ich das Ihrer Frage.

Das Schulrecht aller Bundesländer sieht eine Rückgabe der Klassenarbeit an den Schüler vor - nicht zuletzt damit die Eltern davon Kenntnis nehmen können.

Ich würde die Note nicht akzeptieren und auf die Rückgabe des Heftes bestehen. Geht das nicht, so dürfte die Arbeit nicht gewertet werden.

Falls die Lehrerin sich weigern sollte, ist ein Gespräch mit der Schulleitung sinnvoll. Falls dort auch gemauert werden sollte, würde ich die Zeugnisnote abwarten, deren Zusammensetzung erfragen und ggf. dann falls die Versetzung nicht erfolgt oder ein Abschluss nicht erreicht wird, Widerspruch einlegen.

Gruß
Roderik

EDIT: Stan war schneller.

Anton Reiser
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Anton Reiser »

firefighter1896 hat geschrieben: Muss ich diese Note akzeptieren, auch wenn ich die Arbeit nicht gesehen habe. Die Lehrerin kann in ihr Buch ja reinschreiben was sie will ?
Aus meiner Sicht wirst du die Note wohl akzeptieren müssen, sofern sie deinen Leistungen tatsächlich entspricht. Da du dein Bundesland nicht angegeben hast, kann man allerdings nichts Genaueres sagen. Warum die Lehrerin etwas anderes in ihr Buch schreiben würde als das, was deinen tatsächlichen Leistungen entspricht, müsstest du hingegen begründen. Gehen wir ansonsten einfach mal davon aus, dass die Lehrerin durch entsprechende Aufzeichnungen die Qualität deiner Arbeit durchaus begründen könnte.
Stan78 hat geschrieben:Nein, Einsicht in die Arbeit muss möglich sein, auch den Eltern.
Das trifft für für Ihr Bundesland Niedersachsen in der Tat zu:
Schulrecht Niedersachsen sagt:
Die Erziehungsberechtigten müssen Gelegenheit erhalten, in die korrigierte Arbeit Einblick zu nehmen.
Genau damit würde ich auch argumentieren: Also die Eltern einen kurzen Brief an die Lehrerin schreiben lassen mit dem Inhalt "Wir haben erfahren, dass die letzte Arbeit mangelhaft war, konnten bisher aber nicht Einblick Nehmen. Bitte geben Sie meiner Tocher die Arbeit mit, damit wir dieses nachholen können." Wenn die Lehrerin auf Wertung besteht ohne die korrigierte Arbeit vorlegen zu können, dem schriftlich wiedersprechen, notfalls über den Schulleiter.
Meine Antwort als Lehrer:
Für Ihr Interesse bedanke ich mich. Die Informationen Ihrer Tochter(?) im Hinblick auf das Ergebnis der letzten Klassenarbeit entsprechen leider den Tatsachen. Wie Sie sicherlich wissen, ist es an unserer Schule üblich, den Eltern eine Einsichtnahme in die Klassenarbeiten in der Schule während der allgemeinen Unterichtszeiten zu ermöglichen, sie aber nicht mehr nach Hause mitzugeben. Negative Erfahrungen in der Vergangenheit führten leider zu diesm Vorgehen. Ich bitte um Ihr Verständnis. Außerdem muss ich Ihnen mitteilen, dass mir die besagte Klassenarbeit im Trubel der Rückgabe der anderen Klassenarbeit leider irgendwie abhanden gekommen ist. Das tut mir leid. Ich möchte Sie deshalb herzlich zu einem Gespräch über die Leistungen Ihrer Tochter(?) in dieser Klassenarbeit sowie über Möglichkeiten der Notenverbesserung bis zum Ende des Schuljahres einladen.
Wenn die Lehrerin auf Wertung besteht ohne die korrigierte Arbeit vorlegen zu können, dem schriftlich wiedersprechen, notfalls über den Schulleiter.
Begründung?
ohne die Klassenarbeit bzw. das Heft mit dieser dürfte in einem eventuellen Beschwerde- oder Widerspruchsverfahren die Lehrerin schlechte Karten haben, wenn sie nicht belegen kann, dass die Arbeit 5 war und sie obendrein noch das Heft verschlampt hat - so entnehme ich das Ihrer Frage.
Gehen wir davon aus, dass die Lehrerin die Leistungen des Schülers anhand ihrer Aufzeichnungen belegen kann. Übrigens können Schüler/Eltern jederzeit auch ohne die Vorlage jeglicher Unterlagen Widerspruch/Beschwerde gegen schulische Entscheidungen einlegen, u.a. weil keine mehr vorhanden sind. Selbstverständlich muss ein Lehrer im Beschwerde-/Widerspruchsverfahren auch in diesen Fällen seine Note begründen können, ohne dass er sagen kann: "Lass mich noch einmal in dein Heft schauen..."
Das Schulrecht aller Bundesländer sieht eine Rückgabe der Klassenarbeit an den Schüler vor[...]
Diese Aussage trifft bereits nicht auf Niedersachsen zu (s.o). Dort ist lediglich ein "Muss" in Bezug auf die Einsichtnahme vorgesehen, was selbstverständlich auch in der Schule erfolgen kann. Ansonsten verbleiben Klassenarbeiten in Niedersachsen zwei Jahre im Archiv der Schule. (s. o.a. Link "Aufbewahrung von Schriftgut in öffentlichen Schulen "personenbezogener Daten nach § 17 Abs. 2 NDSG). Diese Archivierungspflicht könnte m.E. dem Wunsch nach häuslicher Einsichtnahme der Klassenarbeit durchaus entgegenstehen.
Für NRW gilt übrigens:
Schulrecht (Vv6.1.2. APO S I) NRW sagt:
Sie [die Klassenarbeiten]werden den Schülerinnen und Schülern zur Information der Eltern mit nach Hause gegeben. Erst danach darf in demselben Fach eine neue Klassenarbeit geschrieben werden.
Ich oute mich an dieser Stelle übrigens dahingehend, dass ich eine Klassenarbeit auch vor fehlender (bestätigter)Kenntnisnahme der vorangegangenen Klassenarbeit aller Eltern schreiben lasse. Ansonsten würden mitunter mehr als fünfzig Prozent der Schüler keine weitere Arbeit schreiben dürfen, weil sie halt die Unterschrift der Eltern nicht vorlegen konnten. Man kann in diesen Fällen übrigens nach meiner Erfahrung davon ausgehen, dass die Eltern tatsächlich keine Infos über den schriftlichen Leistungsstand ihrer Kinder haben.
Ich würde die Note nicht akzeptieren und auf die Rückgabe des Heftes bestehen. Geht das nicht, so dürfte die Arbeit nicht gewertet werden.
Begründung?
Falls die Lehrerin sich weigern sollte, ist ein Gespräch mit der Schulleitung sinnvoll. Falls dort auch gemauert werden sollte, würde ich die Zeugnisnote abwarten, deren Zusammensetzung erfragen und ggf. dann falls die Versetzung nicht erfolgt oder ein Abschluss nicht erreicht wird, Widerspruch einlegen.
Begründung? Was würde denn die Schulleitung tun?
Liebe Kollegen, leider bleiben Sie beide jegliche rechtliche Antwort darauf schuldig, mit welcher Begründung eigentlich Widerspruch eingelegt werden sollte. Soll die Note korrigiert werden, beispielesweise von 5 auf 4? Soll eine neue Arbeit für den Schüler gestellt werden?

Für beide Forderungen scheint es m.E. angesichts des beschriebenen "Störfalls" überhaupt keine rechtliche Grundlage im Schulgesetz bzw. den entsprechenden Ausbildungsordnungen zu geben, es sei denn, Sie nennen eine.

Mit freundlichem Gruß
Anton Reiser

Stan78
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Stan78 »

Die Rechtsgrundlage steht doch oben. Der Erlass sieht die Möglichkeit einer Einsichtnahme vor. Gegen diesen formalen Ablauf des Verfahrens ist hier verstoßen worden und offensicht hat die Lehrerin das zu verantworten.
Jetzt wird man natürlich nirgendwo einen Passus finden, dass jeder Verfahrensfehler automatisch zu einer Neuansetzung der Arbeit führt, da wird im Einzelfall geprüft ob eine Benachteiligung des Schülers vorliegt und wie diese kompensiert werden muss. In diesem Fall halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass das bejaht wird, denn die fehlende Möglichkeit der Überprüfung des Ergebnisses (will die betreffende Lehrerin für sich in Anspruch nehmen, sich noch nie bei der Punkteaddition vertan zu haben?) sowie der Nacharbeit der gemachten Fehler stellt in meinen Augen einen erheblichen Nachteil da. Da, aufgrund des Fehlens der Arbeit, keine andere Variante möglich ist, wäre eine Neuansetzung für den betreffenden Schüler die einzig sinnvolle Möglichkeit. Die meisten Schulleiter würden meiner Erfahrung nach wohl auch darauf hinwirken, die Nichtrückgabe einer Arbeit und die oben von Dir vorgeschlagene Reaktion würden einem wohl eher einen Vortrag zum Thema "Konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern setzt auch ein vernünftiges Verhalten der handelnden Lehrer voraus" einbringen.

Im Übrigen liegt es im Interesse der Lehrerin die Situation jetzt zu klären (wärend es für den Schüler möglicherweise sogar sinnvoll sein kann auf das Problem hinzuweisen und die Sache dann erst mal offen zu lassen, wenn die Lehrerin auf ihrem Standpunkt beharrt): Die Wertung einer Arbeit ist kein Verwltungsakt und entzieht sich einer juristischen Überprüfung. Die beschriebene Situation würde aber eine Steilvorlage für die Anfechtung einer eventuellen Nichtversetzung liefern, da bei einer Wertung der Arbeit in dieser Situation gute Chancen bestehen, dass ein Gericht später das korrekte Zustandekommen der Note im entsprechenden Fach verneinen wird.

Roderik
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Roderik »

Anton Reiser hat geschrieben: Meine Antwort als Lehrer:
Für Ihr Interesse bedanke ich mich. Die Informationen Ihrer Tochter(?) im Hinblick auf das Ergebnis der letzten Klassenarbeit entsprechen leider den Tatsachen. Wie Sie sicherlich wissen, ist es an unserer Schule üblich, den Eltern eine Einsichtnahme in die Klassenarbeiten in der Schule während der allgemeinen Unterichtszeiten zu ermöglichen, sie aber nicht mehr nach Hause mitzugeben. Negative Erfahrungen in der Vergangenheit führten leider zu diesm Vorgehen. Ich bitte um Ihr Verständnis. Außerdem muss ich Ihnen mitteilen, dass mir die besagte Klassenarbeit im Trubel der Rückgabe der anderen Klassenarbeit leider irgendwie abhanden gekommen ist. Das tut mir leid. Ich möchte Sie deshalb herzlich zu einem Gespräch über die Leistungen Ihrer Tochter(?) in dieser Klassenarbeit sowie über Möglichkeiten der Notenverbesserung bis zum Ende des Schuljahres einladen.
Lieber Herr Reiser,

so sehr ich Sie für gewöhnlich schätze, aber das meinen Sie jetzt nicht wirklich ernst, oder?
Sie würden also allen Ernstes hingehen, dem Kind eine fünf aufschreiben, aber jeden Beleg außer Ihrer bloßen Aussage, dass es so war, schuldig bleiben?
Das würde Herrn Knitz in dem Thread zu den divergierenden Noten in der Abiturklausur vollauf bestätigen.

Gerade wenn es um eine Versetzung geht, wage ich zu bezweifeln, dass die schriftlichen Leistungen, die bei einem Widerspruch ja nicht mehr zweifelsfrei zu dokumentieren wären, mit dieser nicht "bewiesenen" fünf anerkannt würden. Wenn dann noch ein so erheblicher Sorgfaltsverstoß der Lehrkraft vorliegt, trägt das in meinen Augen nicht sonderlich zu deren Glaubwürdigkeit bei. Und das könnte in meinen Augen entweder durch die Bezirksregierung oder durch einen Verwaltungsrichter ähnlich gesehen werden.
Gehen wir davon aus, dass die Lehrerin die Leistungen des Schülers anhand ihrer Aufzeichnungen belegen kann. Übrigens können Schüler/Eltern jederzeit auch ohne die Vorlage jeglicher Unterlagen Widerspruch/Beschwerde gegen schulische Entscheidungen einlegen, u.a. weil keine mehr vorhanden sind. Selbstverständlich muss ein Lehrer im Beschwerde-/Widerspruchsverfahren auch in diesen Fällen seine Note begründen können, ohne dass er sagen kann:
"Lass mich noch einmal in dein Heft schauen..."
Die Lehrkraft kann aber die fünf in der verschwundenen Klassenarbeit nicht "beweisen" und somit einen in meinen Augen nicht unerheblichen Teil der Gesamtnote nicht nachvollziehbar dokumentieren. Den Anscheinsbeweis aufgrund anderer ähnlich schwacher Teilnoten heranzuziehen, hätte schon etwas Diskriminierendes.
Somit würde die sachliche Grundlage für diese Note fehlen, weil das Heft verschwunden ist. Da dies von der Lehrkraft zu verantworten ist, unterminiert das ihre Glaubwürdigkeit.
Im umgekehrten Fall würde ein Widerspruch wahrscheinlich scheitern, wenn die Eltern die schriftlichen Leistungsnoten beanstanden würden, aber gleichzeitig einräumen müssten, dass sie das Klassenarbeitsheft "verloren" hätten.
Ich würde die Note nicht akzeptieren und auf die Rückgabe des Heftes bestehen. Geht das nicht, so dürfte die Arbeit nicht gewertet werden.
Begründung?
Weil ich so der Lehrkraft glauben muss und dieses Vertrauen angesichts dieser Schlampigkeit doch erheblich erschüttert wäre. Ferner fehlt ja der "Beweis". Dass es bei mündlichen Leistungen auch keine "Beweise" gibt, ist hier nicht von Belang.
Falls die Lehrerin sich weigern sollte, ist ein Gespräch mit der Schulleitung sinnvoll. Falls dort auch gemauert werden sollte, würde ich die Zeugnisnote abwarten, deren Zusammensetzung erfragen und ggf. dann falls die Versetzung nicht erfolgt oder ein Abschluss nicht erreicht wird, Widerspruch einlegen.
Begründung? Was würde denn die Schulleitung tun?
Sie würde hoffentlich es als ebenso grotesk ansehen, eine schriftliche Leistungsnote in einem versetzungsrelevanten Fach als gültig anzuerkennen, wenn kein entsprechender Beleg vorliegt und die Arbeit nachweislich in den Händen der Lehrkraft abhanden gekommen ist.
Liebe Kollegen, leider bleiben Sie beide jegliche rechtliche Antwort darauf schuldig, mit welcher Begründung eigentlich Widerspruch eingelegt werden sollte. Soll die Note korrigiert werden, beispielesweise von 5 auf 4? Soll eine neue Arbeit für den Schüler gestellt werden?
Nun, angesichts der Schlampigkeit der Lehrkraft dürfte die fünf in meinen Augen nicht gezählt werden, was ggf. die Note ohnehin auf 4 heben könnte.
Da der Schüler das Verschwinden der Arbeit nicht zu verantworten hat, darf das auch nicht zu seinen Lasten gehen.
Für beide Forderungen scheint es m.E. angesichts des beschriebenen "Störfalls" überhaupt keine rechtliche Grundlage im Schulgesetz bzw. den entsprechenden Ausbildungsordnungen zu geben, es sei denn, Sie nennen eine.

Mit freundlichem Gruß
Anton Reiser
Nun, Sie mögen eine rechtliche Grundlage nach wie vor ausschließen - für mich als Lehrkraft ist das jedoch eine Frage des Anstands und des Wahrens der eigenen Glaubwürdigkeit.

Und wenn Sie das fehlende Vertrauensverhältnis zwischen Schülern und deren Eltern anführen, das es durchaus geben kann und welches tatsächlich auch in dem einen oder anderen Fall die Kenntnisnahme durch die Eltern verhindert, dann rechtfertigt dies in meinen Augen dennoch keinen Verstoß gegen die Ausbildungs- und Prüfungsordnung. Da gibt es in meinen Augen auch andere Mittel und Wege, um die Kenntnisnahme sicherzustellen.

Gruß
Roderik

Anton Reiser
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Anton Reiser »

Sieht man von den spekulativen Ausführungen über den Verlauf und das Ergebnis möglicher Beschwerde-bzw. Widerspruchsverfahren und einer überbordenden Rabulistik einmal ab, lassen sich die Antworten auf meine Frage nach den rechtlichen Grundlagen für die Begründung möglicher Einwendungen und für den Ratschlag, Beschwerde bzw. Widerspruch gegen eine mögliche Entscheidung der Lehrerin einzulegen, m.E. auf zwei Punkte zusammenfassen:
Stan78 schrieb:
Die Rechtsgrundlage steht doch oben. Der Erlass sieht die Möglichkeit einer Einsichtnahme vor. Gegen diesen formalen Ablauf des Verfahrens ist hier verstoßen worden und offensicht hat die Lehrerin das zu verantworten.
Da, aufgrund des Fehlens der Arbeit, keine andere Variante möglich ist, wäre eine Neuansetzung für den betreffenden Schüler die einzig sinnvolle Möglichkeit.

Roderik schrieb:
Nun, angesichts der Schlampigkeit der Lehrkraft dürfte die fünf in meinen Augen nicht gezählt werden, was ggf. die Note ohnehin auf 4 heben könnte.
Wenn dann noch ein so erheblicher Sorgfaltsverstoß der Lehrkraft vorliegt, trägt das in meinen Augen nicht sonderlich zu deren Glaubwürdigkeit bei.
Sie mögen eine rechtliche Grundlage nach wie vor ausschließen - für mich als Lehrkraft ist das jedoch eine Frage des Anstands und des Wahrens der eigenen Glaubwürdigkeit.
Empfohlen wird also einerseits die Neuansetzung einer Arbeit als "einzig sinnvolle" Alternative oder das Notenlifting einer Klassenarbeit im Sinne des "Anstands und des Wahrens der eigenen Glaubwürdigkeit", wobei rechtliche Grundlagen nach Roderik dabei ohnehin zweitrangig zu sein scheinen. Stan78 ist der Meinung:
Jetzt wird man natürlich nirgendwo einen Passus finden, dass jeder Verfahrensfehler automatisch zu einer Neuansetzung der Arbeit führt,[...]
Es geht auch nicht um "Automatismen" zur Überprüfung von Verfahrensfehlern, sondern grundsätzlich um irgendein rechtlich begründetes transparentes Verfahren, in dem einerseits zu einer bereits erteilten Note festgestellt wird, dass sie nicht mehr gewertet werden darf und andererseits eine neue Arbeit gestellt werden muss.

Solche Regelungen sehen einzelne Bundesländer z.B. für den Fall vor, dass Klassenarbeiten insgesamt zu schlecht ausfallen ("Drittelerlass") oder im Falle von Täuschungsversuchen. Im ersten Fall werden sämtliche Arbeiten nicht gewertet, also weder gute noch schlechte, im zweiten Fall wird nur die eine Arbeit nicht gewertet und es kommt ggf. zu einer Neuansetzung. Im ersten Fall kann ein Schulleiter eine Ausnahme zulassen, im zweiten Fall entscheidet über das Verfahren ´mal der Lehrer, ´mal der Schulleiter und im Falle von Abitur- und sonstigen Abschlussarbeiten die Schulaufsicht.

Beiden Regelungen gemein ist die Tatsache, dass bereits erteilte Noten ausdrücklich nicht gewertet werden.

Die Annahme, aus dem Fehlen entsprechender rechtlicher Bestimmungen für den Fall des Verlustes einer Arbeit außer den genannten Fällen zu schließen, ein Lehrer könne nach eigenem Ermessen eine Note willkürlich anheben oder eine Arbeit willkürlich neu ansetzen, scheint mir angesichts der beschriebenen Rechtslage abwegig: Das offenbar grundsätzliche Interesse des Gesetzgebers an einer einheitlichen Regelung von Störfällen im Zusammenhang von schriftlichen Leistungsbewertungen wird ggf. ausdrücklich formuliert. Eine entsprechende rechtliche Regelung für den hier beschriebenen Fall fehlt jedoch.

Ohne eine solche rechtliche Regelung dürfte bei Roderiks Vorgehen das geplante Notenlifting beispielsweise zu erheblichen Begründungsproblemen für den Fall führen, dass ein Schüler trotz seines Angebotes Beschwerde einlegt/Widerspruch erhebt, denn auch in diesem Falle ist die Klassenarbeit ja nicht vorhanden. Apropos: Weitere Probleme dürften sich für den Fall ergeben, dass die verloren gegangene (schlechte) Arbeit nach dem Lifting plötzlich doch wieder auftauchen sollte.

Warum eine Wiederholung einer verloren gegangenen Klassenarbeit wie von Stan78 vorgesehen in jedem Fall "sinnvoll" sein soll, müsste ebenfalls noch näher begründet werden. Einem Schüler mit in der Regel schlechten schriftlichen Leistungen dürfte das eher nichts bringen, eine signifikante Verbesserung könnte ebenfalls "mangelhafte" Mitschüler zum Widerspruch ermutigen.

Nur zur Erinnerung, warum schriftliche Arbeiten überhaupt geschrieben werden:
Bewertete schriftliche Arbeiten (Klassenarbeiten; Klausuren) geben Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Erziehungsberechtigten Aufschlüsse über den Stand des Lernprozesses.
Die vorgeschlagene Neuansetzung einer Arbeit dürften schließlich Schüler mit mittelprächtigem bzw. gar gutem Ergebnis im vergleichbaren Fall sicherlich überhaupt nicht sinnvoll finden, insofern werden weitere rechtliche Probleme auftauchen: Wie ist zu verfahren, wenn sich diese Schüler weigern, diese Arbeit überhaupt mitzuschreiben? Was sagt die Glaskugel für den Fall, dass die Schüler tatsächlich die Klassenarbeit wiederholen, sich dabei verschlechtern und Beschwerde/Widerspruch erheben? Wie ist im Falle der Notenverschlechterung zu verfahren, wenn am Tage der Rückgabe die ursprüngliche Klassenarbeit mit dem besseren Ergebnis auftaucht?

Da Roderik und Stan78 so sehr auf das schuldhafte Handeln durch die Lehrerin hinweisen, stellt sich die Frage, ob der Fall denn anders zu beurteilen wäre, wenn der Verlust eben auch nicht durch die Lehrerin zu vertreten wäre, beispielsweise durch einen nächtlichen Brand im Lehrerzimmer, in dem u.a. ausgerechnet diese eine Arbeit verbrannte...

Mit freundlichem Gruß
Anton Reiser

Anton Reiser
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von Anton Reiser »

Stan78 hat geschrieben:Im Übrigen liegt es im Interesse der Lehrerin die Situation jetzt zu klären (wärend es für den Schüler möglicherweise sogar sinnvoll sein kann auf das Problem hinzuweisen und die Sache dann erst mal offen zu lassen, wenn die Lehrerin auf ihrem Standpunkt beharrt): Die Wertung einer Arbeit ist kein Verwltungsakt und entzieht sich einer juristischen Überprüfung. Die beschriebene Situation würde aber eine Steilvorlage für die Anfechtung einer eventuellen Nichtversetzung liefern, da bei einer Wertung der Arbeit in dieser Situation gute Chancen bestehen, dass ein Gericht später das korrekte Zustandekommen der Note im entsprechenden Fach verneinen wird.
Aha, ´mal wieder so ein Drehbuch für einen filmreifen Showdown in einem Hollywood-Finale: Am Ende des Prozesses deckt ein kluger Richter die entscheidenden Formfehler eines Lehrers in Bezug auf Bewertungsfehler auf, auf die der Schüler nach erster Kenntnisnahme schlauerweie lediglich allgemein als vorhandenes "Problem" hingewiesen hat, ganz nach dem Motto, dass man die Bombe zu einem späteren Zeitpunkt platzen lässt. Schüler, Eltern und Anwalt liegen sich schließlich glücklich in den Armen, während die Lehrerin unter dem gestrengen Blick eines Vertreters der Schulaufsicht nur bedröppelt vor sich hin schaut.

Dabei geht Stan78 irrigerweise davon aus, dass Notenentscheidungen für eine Arbeit sich einer juristischen Überprüfung irgendwie grundsätzlich entziehen, sofern sie keinen Verwaltungsakt darstellen. Das ist natürlich falsch. Zunächst der Schulleiter und natürlich auch die Schulaufsicht unterziehen Beschwerden über Entscheidungen von Lehrern selbstverständlich einer juristischen Überprüfung, auch einzelne Arbeiten und diese sicherlich noch sorgfältiger, wenn sie einem Gericht zur Entscheidung vorgelegt werden sollen.

Man verbessert seine rechtliche Position sicherlich nicht dadurch, dass man erkannte vermeintliche Formfehler zunächst verschweigt, weil man offenbar der Ansicht ist, Formverstöße seien sozusagen ohnehin das K.O.-Kriterium schlechthin und würden eine besondere Qualität auch dann noch entfalten, wenn andere Gründe ausgereizt wären. Den hier genannten Vorschlag des Zuwartens halte ich für fahrlässig und für rechtlich nicht begründet.

In NRW beanstandete beispielsweise ein Verwaltungsgericht die verspätet vorgetragene Rüge eines Schülers im Hinblick auf die erteilte Note, die von ihm gleichwohl mitgeschriebene Klausur sei nicht rechtzeitig angekündigt worden, folgendermaßen:
Die Vorgehensweise des Antragstellers, d.h. die Klausur zu schreiben,
deren Bewertung abzuwarten und nunmehr nachträglich eine verspätete Ankündigung
geltend zu machen, kann nicht gebilligt werden. Es wäre als Verstoß gegen den aus
Art. 3 Abs. 1 GG resultierenden Grundsatz der Chancengleichheit anzusehen, wenn
man die nachträgliche Berufung auf einen solchen Verfahrensfehler zuließe und dem
Antragsteller - im Falle der Bejahung eines Fehlers - etwa eine erneute
Prüfungsmöglichkeit durch ein erneutes Nachschreiben der Klausur einräumen würde;
zur Rügepflicht im Prüfungsverfahren siehe etwa BVerwG, Urteil vom 6. September
1995 - 6 C 16/93 -, BVerwGE 99, 172; OVG NRW, Urteil vom 23. Februar 1993 - 15 A
1163/91 -, NWVBl. 1993, 293.
Zu der weiteren Einlassung des Schülers, Halbjahresnoten seien ihm verspätet mitgeteilt worden, bemerkt das Gericht m.E. sichtlich genervt:
Soweit in bezug auf die Benotung im ersten Halbjahr ein Verfahrensfehler darin
erblickt wird, dass dem Antragsteller das Zeugnis erst zu Beginn der 13.
Jahrgangsstufe ausgehändigt worden sei, ist für die Kammer schon nicht ersichtlich,
was der Antragsteller hieraus für sich herleiten will.
Fazit:
1. Auch Formfehler sollten im Streitfall umgehend beanstandet werden.
2. Formfehler führen nicht automatisch zur Aufhebung schulischer Entscheidungen durch Gerichte. Diese überprüfen vielmehr auch in diesen Fällen, inwiefern diese Mängel Auswirkungen auf die Leistungserbringung hatten.
3. Eine Neuansetzung von Prüfungsmöglichkeiten unterliegt einer Abwägung im Hinblick auf den Grundsatz der Chancengleichheit.
4. "Steilvorlagen" ins (rechtliche) Abseits können nie verwandelt werden, da der (Schieds)Richter solche Verstöße regelmäßig abpfeift.

Mit freundlichem Gruß
Anton Reiser

curry
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Re: Klassenarbeit laut Lehrerin Note 5, aber Arbeit verschwu

Beitrag von curry »

Solche Formfehler landen meistens erst gar nicht vor Gericht.
Die Schulaufsichtsbehörde hilft einem Einspruch gegen fehlerhafte Zeugnisnoten wegen verschlampten Kassenarbeiten in der Regel schon vorher ab, wenn es nicht bereits der Schulleiter veranlasst.
auf die der Schüler nach erster Kenntnisnahme schlauerweie lediglich allgemein als vorhandenes "Problem" hingewiesen hat, ganz nach dem Motto, dass man die Bombe zu einem späteren Zeitpunkt platzen lässt.
Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, da man erst gegen ein Zeugnis Rechtsmittel hat.
Ein Hinweis auf eine fehlerhafte Note ist daher vollkommen ausreichend.

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