Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Moderator: FDR-Team

Roni
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Roni »

Wenn es im Dorf nur einen kath. Kindergarten gibt, dann hat die Gemeinde bei Bedarf weitere Kindergärten zu schaffen
ich nehme mal an dass es nicht sooo viele Kinder gibt dass da noch einer benötigz wird ?

Aber trotzdem, das sit wirklich nicht tragbar was da abgeht.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Roni hat geschrieben:
Wenn es im Dorf nur einen kath. Kindergarten gibt, dann hat die Gemeinde bei Bedarf weitere Kindergärten zu schaffen
ich nehme mal an dass es nicht sooo viele Kinder gibt dass da noch einer benötigz wird ?

Aber trotzdem, das sit wirklich nicht tragbar was da abgeht.
Dann gäbe es immer noch die Möglichkeit der Tagesmutter. Die Eltern sind nicht gezwungen, ihre Kinder in einen kirchlichen Kindergarten betreuen zu lassen.

Kurt Knitz
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Kurt Knitz »

Dann gäbe es immer noch die Möglichkeit der Tagesmutter. Die Eltern sind nicht gezwungen, ihre Kinder in einen kirchlichen Kindergarten betreuen zu lassen.
Klasse Argument. Kommen Sie vielleicht aus der Gegend, wo türkische Grundschulkinder aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit auf andere Schulen gezwungen werden dürfen als die Nachbarskinder, weil ein deutsches Gericht entschieden hat, dass die in NRW weitverbreiteten staatlichen "katholischen Bekenntnisschulen" muslimische Schüler ablehnen dürfen, siehe https://www.openpetition.de/petition/on ... en-duerfen?

Aber hier ging es um die Einschulungsfeier an einer Grundschule im katholischen Baden. Darf ich vermuten Südbaden (bitte keine Namensnennungen)?

wurde gemeinsam gebetet (mit Aufstehen) und die Kinder wurden einzeln gesegnet.
Das ist dann ja wohl ziemlich eindeutig außerhalb des Rahmens, den die noch gültigen Artikel der Weimarer Reichsverfassung von 1919 über die Religionsfreiheit ziehen.

Welche Rechtsmittel stehen denn zur Verfügung, wenn dagegen verstoßen wird?
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

hawethie
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von hawethie »

Wenn es im Dorf nur einen kath. Kindergarten gibt, dann hat die Gemeinde bei Bedarf weitere Kindergärten zu schaffen. Zudem haben die Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht und den Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz. Es ist aber Aufgabe der jeweiligen Gemeinde, diese Einrichtungen zu schaffen.
ist das in euerem Bundesland so? Bei uns muss der Anspruch auf einen Kindergartenplatz auf Gemeinde- nicht auf Dorfebene gewährleistet werden - und wenn jemand Probleme hat, dass es ein konfessioneller KigGa ist, dann kann er versuchen, in einem konfessionslosen innerhalb der Gemeinde, notfalls innerhalb des Kreises unterzukommen.
Ganz nebenbei sind bei uns in den konfessionellen Kindergärten selbstverständlich auch konfessionslose oder muslimische Kinder untergebracht. (viele Muslimen bestehen sogar darauf, da dort u.a. noch Werte vermittelt werden (sollen), die auch der TE mE vermissen lässt - sonst wäre sein Gemecker über das Läuten ab 6 Uhr hier nicht aufgeschlagen).
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Kurt Knitz hat geschrieben:
Dann gäbe es immer noch die Möglichkeit der Tagesmutter. Die Eltern sind nicht gezwungen, ihre Kinder in einen kirchlichen Kindergarten betreuen zu lassen.
Klasse Argument. ...
Nö, dies ist schlicht und einfach die Rechtslage. ;-)

Roni
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Roni »

[quote] (viele Muslimen bestehen sogar darauf, da dort u.a. noch Werte vermittelt werden (sollen), die auch der TE mE vermissen lässt - sonst wäre sein Gemecker über das Läuten ab 6 Uhr hier nicht aufgeschlagen).[/quote

Dem TE geht es darum dass er weder für sich noch für seine Kinder religiösen Riten einer Einschulungsfeier " ausgeliefert " ist. Ob man diese " Werte " die der TE angeblich vermissen lässt braucht bezweifle auch ich stark.

Und wenn es einen Kiga gibt mit Träger der Gemeinde, hat dort die kath. Religion auch nix verloren.
Aber BW und die kath. Kirche ist ja sowieso ein Kapitel für sich.

Kurt Knitz
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Kurt Knitz »

Was für Rechtsmittel kann man 2013 gegen den Pfarrer einsetzen, wenn er sich nicht an die Regelungen der Religionsfreiheit aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919 hält?

Michael A. Schaffrath
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Michael A. Schaffrath »

alana4 hat geschrieben:Da wird den Kindern und Eltern einfach mal dieser religiöse Teil der Veranstaltung übergestülpt, macht mit oder bleibt fern, hier bestimmt die Kirche!
Mal provokant gefragt: wer "zwingt" einen Bundestagsabgeordneten, an der Vereidigung des Bundeskanzlers "so wahr mir Gott helfe" teilzunehmen?

Das Beispiel mit dem Kruzifix zeigt es ja gut: die Teilnahme am Unterricht ist Pflicht, die Teilnahme an einer "Einschulungsfeier" nicht.

So kommen wir dann schnell wieder in den Bereich, wo man sich fragt, ob denn eine Weihnachtsfeier in der Schule zulässig ist, weil die Nichtchristen dieser auch nur durch "Nichtteilnahme" entgehen können. Und warum es christlichen Religionsunterricht an Schulen gibt, aber keinen für Pastafaris oder Buddhisten. In der Praxis muß man halt entweder ein einigermaßenes Miteinander (in dem religiöse Bestandteile nicht gleich als "Zwang" oder "Indoktrination" diffamiert werden) finden oder man ist konsequent und verbannt *jegliches* Religiöse (hätte ich auch kein Problem mit, für mich ist Religion purer Aberglaube) - dann aber auch ohne Ausnahme und Tradition, dann gibt es kein "Frohe Weihnachten" am letzten Schultag vor dem 24.12., kein "Grüß Gott" in Bayern und kein Kreuz auf dem Schulverbandskasten.
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Kurt Knitz
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Kurt Knitz »

Hier ein Beispiel einer Verfassungsbeschwerde, in der es zwar um einen anderen Sachverhalt, aber auch um das Thema Religionsfreiheit ging. Eine Verfassungsbeschwerde scheint formal das passende Rechtsmittel zu sein.

Nordland
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Nordland »

hawethie hat geschrieben:Ganz nebenbei sind bei uns in den konfessionellen Kindergärten selbstverständlich auch konfessionslose oder muslimische Kinder untergebracht. (viele Muslimen bestehen sogar darauf, da dort u.a. noch Werte vermittelt werden (sollen), die auch der TE mE vermissen lässt - sonst wäre sein Gemecker über das Läuten ab 6 Uhr hier nicht aufgeschlagen).
Also zunächst denke ich, dass der TE eigentlich eine Frau ist. Zumindest nennt er sich "Ina".

Daneben verstehe ich es nicht, warum du von "Werten" sprichst. Geräusche um 06.00 Uhr morgens stellen für mich keinen Wert da. Ebenso wenig übrigens wie der Ruf des Muezzins über Lautsprecher.

@ Michael: Dein Argument mit Weihnachten teile ich grundsätzlich. Bedenke aber bitte, dass in unseren Breiten mittlerweile auch äußerst viele Nichtchristen Weihnachten feiern und dabei entsprechende Symbole verwenden. Basis ist ja auch mit der Weihnachtsgeschichte in erster Linie eine Darstellung, also im wahrsten Sinne des Wortes eine Geschichte.

Einen Schüler kann man meiner Ansicht nach bedenkenlos verpflichten, sich in der Aula diese Geschichte anzusehen. Ihn aber von einem Pfarrer segnen zu lassen, ist etwas anderes.
Es ist unser Land.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

hawethie hat geschrieben:
Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Wenn es im Dorf nur einen kath. Kindergarten gibt, dann hat die Gemeinde bei Bedarf weitere Kindergärten zu schaffen. Zudem haben die Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht und den Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz. Es ist aber Aufgabe der jeweiligen Gemeinde, diese Einrichtungen zu schaffen.
ist das in euerem Bundesland so? ...
Geregelt ist die Sache im SGB I, VIII, X und den entsprechenden Ausführungsgesetze der Länder. Da wir hier aber im Schulrecht sind, sollten wir diese Frage eventuell in einem eigenen Thread im Sozialrecht diskutieren. ;-)

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter »

Nordland hat geschrieben:... Basis ist ja auch mit der Weihnachtsgeschichte in erster Linie eine Darstellung, also im wahrsten Sinne des Wortes eine Geschichte.

Einen Schüler kann man meiner Ansicht nach bedenkenlos verpflichten, sich in der Aula diese Geschichte anzusehen. ...
Der Zwang, sich die Weihnachtsgeschichte anschauen zu müssen wäre mit Art. 4 i.V.m Art. 140 GG nicht vereinbar. Die Weihnachtsgeschichte ist keine Geschichte, sondern eine religiöse Angelegenheit.

PS: Würde heute ein Mensch behaupten, er sei Gottes Sohn, bekäme er eine schicke weiße Jacke verpasst, und seine Unterkunft wäre gesichert. :devil:

MKT
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von MKT »

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:PS: Würde heute ein Mensch behaupten, er sei Gottes Sohn, bekäme er eine schicke weiße Jacke verpasst, und seine Unterkunft wäre gesichert. :devil:
... ach jetzt erschließt sich mir auch, warum der Papst nach seiner Wahl zum selbsternannten Stellvertreter Jesu auf Erden so eine schicke weiße Jacke trug. :lachen:

Roni
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von Roni »

... ach jetzt erschließt sich mir auch, warum der Papst nach seiner Wahl zum selbsternannten Stellvertreter Jesu auf Erden so eine schicke weiße Jacke trug.
und sicher verwahrt ist er auch im Vatikan

0Klaus
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Re: Trennung von Einschulungsfeier und Gottesdienst?

Beitrag von 0Klaus »

Ich denke, dass das Thema überbewertet wird.

Bei solchen Feiern handelt es sich meiner Meinung nach nicht um eine religiöse Veranstaltung sondern um Brauchtumspflege, ähnlich der Oster- und Weihnachtsfeiern. Dort feiert doch heute kaum einer die Geburt Jesus oder was auch immer, sondern den Coka-Cola-Weihnachtsmann und den Osterhasen ...

Unter echter Religion sehe ich eher diejenigen, die sich tatsächlich von religiösen Regeln beeinflussen maßgeblich lassen (zB streng gläubige Juden) und nicht die, die mal in die Kirche gehen, weil das halt im Ort so üblich ist.

In manchen Orten besteht eben ein sehr enger Bezug zwischen Kirche und öffentlichem Leben, weil sich dort Leute ehrenamtlich engagieren und eine geordnete Organisationsform geboten wird.

Genauso sollte diese Feier gesehen werden. Die Geistlichen repräsentieren nicht den Bezug zu einer Gottesfigur, sondern vielmehr den Bezug zu einer allgemeinen Gerechtigkeit und Nächstenliebe. In diesem Sinne sollte auch die Segnung gesehen werden. So dürfte auch die BW-Verf auszulegen sein (Gott als Bezug zum überpositiven Recht).

Insoweit sollte auch ein gewisser Mehrheitswille zum Tragen kommen. Wenn die Mehrheit der Eltern eine Veranstaltung mit dieser Art der Brauchtumspflege wünscht, weil es immer so war, sollte auch darauf Rücksicht genommen werden. Stellen Sie sich vor, einer Elternperson würde es nicht passen, dass dort die 4. Klasse ein Theaterstück aufführt, weil dort ein Märchen gezeigt würde (gibt es ja religiöse Richtungen, die das nicht wollen) und daraufhin wird die ganze Veranstaltung abgesetzt. Das wäre genauso unsinnig.

Ich denke insoweit sollte man auch den Kindern nicht die Realität verstellen. Wenn im Ort die Kirche, zumindest als wesentliche Organisationsform des öffentlichen Lebens, eine bedeutende Rolle spielt, halte ich es für fraglich, wenn Eltern dann ihren Kindern eine demonstrative Abneigung vorleben. Dort darf man auch nicht vergessen dass Religionsgesellschaften in einigen kleinen Ortschaften die einzigen sind, die Jugendhilfe (Freizeitgestaltung usw.) anbieten.

Formaljuristisch wird man die Teilnahme der Kinder an dem religiösen Akt nicht erzwingen können. Möglicherweise wird eine passive Teilnahme an diesem Programmpunkt zulässig sein (wenn im Ethikunterricht im Interesse der Allgemeinbildung ein Video gezeigt wird, in dem ein Gottesdienst abgehalten wird, kann man als Schüler auch nicht rausgehen).
mfg
Klaus

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