Prüfung in der Uni anfechten

Moderator: FDR-Team

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svcds
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Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von svcds »

Hi, ich würde gerne wissen, ob im Netz irgendwo eine Liste existiert, in der Punkte aufgeführt sind, die man benutzen kann, um ein Prüfungsergebnis im Examen anzufechten.

Also z. B. ob die Prüfungszeit willkürlich verkürzt wurde etc.

Ich würde gerne meine Klausur anfechten, weil ich einige Fehler entdeckt habe. Aber ich weiß nicht so recht, wie ich die Anfechtung so formuliere, dass ich Erfolg haben könnte.

Beste Grüße
svcds

Elektrikör
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

Ein Anwalt hilft sicherlich gerne (oder ist das ganze so unwichtig, daß man es lieber in anonyme Laienhände geben will?)


MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

FM
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von FM »

Wenn man selbst nicht weiß was falsch gelaufen ist, dürften die Erfolgsaussichten eher bescheiden sein.

svcds
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von svcds »

wisst ihr, was so etwas kosten würde? War zwar heute bei einem Anwalt mit Beratungshilfe, aber der hat mir eher nicht gut geholfen....

svcds
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von svcds »

gibt es so ne Art my hammer für Anwälte? Ich finde immer nur Portale, wo ich VORHER etwas bezahlen soll, aber ich weiß ja nicht, was so etwas kosten würde, wenn der Anwalt sich durch meine Prüfung arbeitet und dann die Anfechtung schreibt.

Elyss
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von Elyss »

Ernsthaft: man sollte vorher zumindest irgendeine Idee bzw einen Ansatzpunkt dafür haben, was bei der Prüfung schief gelaufen sein könnte....
Grüßle

Elyss

kingofthehill
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von kingofthehill »

Au wweia ... mehr kann ich einfach nicht sagen. MAn geht doch mit einem Spezialrechtsproblem (Prüfungsrecht) nicht einfach zu einem Anwalt um die Ecke ... Da ist doch klar, dass der nicht helfen kann. Meines erachtens gibt es in Dtl. nur eine geringe Zahl fähiger Prüfungsrechtexperten und -erpertinnen. Schaut man sich die Urteile der letzten zehn Jahre an, auf die PRüfungsrechtskommentare bezug nehmen, tauchen da immer die gleichen Namen auf. Es würde erstens helfen hier zu schreiben, was Student A für falsch an der BEwertung hält. Dann wäre noch das Bundesland wichtig.

Ganz nebenbei sei noch der Hinweis erlaubt, dass einige ASten Rechtsberatungen im PRüfungsrecht anbieten. Hat der jeweilige AStA das nicht, sollte er umgehend abgewählt werden. Das dürfte nämlich eine KErnaufgabe sein.

eljogi
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von eljogi »

Ich verstehe das eher so, dass der TE mit dem Ergebnis der Prüfung nicht zufrieden ist und daher selber nach einer Möglichkeit sucht diese anzugreifen. Dazu möchte er recherchieren, welche Gegebenheiten zu einer Anfechtbarkeit führen können, um diese mit seinem Fall abzugleichen. Eine Art Checkliste, wenn einem selbst noch kein Verstoß offensichtlich ist.

Aber genau dieser "Strohhalm" ist ein Fall für einen Experten im Prüfungsrecht. Ich möchte nicht ausschließen, dass dieser bei eingehender Betrachtung des Falls etwas finden und durchsetzen kann.

Diese Dienstleistung ist aber sicherlich nicht einfach, aufwändig, möglicherweise kostenintensiv und natürlich ohne Erfolgsprognose.
Aber versuchen kann man es.

svcds
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von svcds »

hi, also es geht um mehrere Fehler. Z. B. steht in der Prüfungsordnung LPO2003 unter §14, (3), dass der Erstprüfer einen Monat Zeit zur Korrektur hat, der Zweitprüfer noch 2 Wochen, diese Fristen wurden um Einiges überschritten.

Dann stand in meiner Klausur z. B. nur das Klausurthema und keine konkrete Fragestellung (dann kann bzw. muss ich ja immer am Thema vorbei schreiben!). Abgesprochen war mit der Dozentin das Thema "Literaturverfilmungen im Deutschunterricht", d. h. wie setze ich diese im Unterricht ein etc. - es stand aber keine Fragestellung in der Klausur und mir wurde vorgeworfen, das Thema verfehlt zu haben.

Das ist nur eine kleine Kostprobe.

Das mit dem AstA ist ne super Idee, das werde ich gleich mal in die Wege leiten.

Roderik
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von Roderik »

Eine Anfechtung der Klausur auf der Basis der Aufgabenstellung sehe ich kritisch, weil in der LPO in dem von Ihnen erwähnten Paragraphen keine Fragestellung explizit als Aufgabenformulierung aufgeführt wird. (Nebenbei: Meine Klausur in Geschichtsdidaktik hatte auch nur ein Thema und keine Aufgabenstellung - und ich wäre nicht auf die Idee gekommen, das deswegen anzufechten)

Es wird ja klar gesagt, dass Sie zeigen sollen, dass Sie innerhalb einer bestimmen Zeit sich mit einer Aufgabe zu Ihrem Fach auseinandersetzen können.

Nehmen wir also das Thema "Literaturverfilmungen im Unterricht".

Wie kommen Sie darauf, dass das primär oder gar explizit nur die Frage behandelt, WIE man sie einsetzt?

Mir fielen da spontan noch andere Fragen ein:

Wann setze ich sie ein?
Warum setze ich sie ein?
Welchen didaktischen Mehrwert bzw. welches Potenzial haben diese Verfilmungen?
Wie wurden Verfilmungen in der Vergangenheit eingesetzt?
Welche Probleme gibt es beim Einsetzen dieser Verfilmungen?
Welche generell bekannten und berühmten Verfilmungen gibt es; welche werden in den Kernlehrplänen möglicherweise genannt?

Hätten Sie bei mir nur das "Wie" behandelt, dann hätten Sie in der Tat am Thema vorbeigeschrieben.

Sie sehen, dass Sie hier auf inhaltlicher Ebene mit Sicherheit nicht viel reißen können.

Gruß
Roderik

svcds
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von svcds »

Der Paragraph der LPO sagt das mit den Fristen, nicht mit der Fragestellung. Das haben Sie falsch gelesen.

Da ist ja der Widerspruch in Ihren Ausführungen. Wenn ich das Thema "1. Weltkrieg" in der Klausur schreibe und ich schreibe z. B. darüber, wie das Attentat von Sarajevo diesen ausgelöst hat, dann sagt der Dozent einfach "Das ist am Thema vorbei, ich wollte die Auswrikungen auf die deutsche Wirtschaft haben" - darum sage ich ja, ich hätte eine Fragestellung gebraucht. So ist das Thema viel zu allgemein und wie gesagt, ich kann immer am Thema vorbei schreiben. Ich hoffe, es wird deutlicher.

Roderik
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von Roderik »

Ich denke schon, dass ich richtig gelesen habe, weil Sie ja auch moniert haben, dass keine echte Fragestellung gegeben war.

Sie schreiben dann am Thema vorbei, wenn Sie sich nur einen Aspekt des Themas heraussuchen und über diesen schreiben - das ist richtig, wie Sie auch am Beispiel des Themas des Ersten Weltkriegs darlegen. Wenn das Thema so allgemein gegeben wird, dann muss man auch entsprechend diese Ebene bearbeiten und möglichst viele Aspekte anreißen.
Wenn ein Dozent dann im Rahmen des allgemeinen Themas nur eine bestimmte Nische haben möchte, dann hätten Sie sogar einen Anfechtungsgrund, weil dies aus der Aufgabenstelllung nicht ersichtlich war und das Thema 1. WK rein wissenschaftlich gesehen eben nicht nur die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft beinhaltet.

Haben Sie Einsicht in die Klausur genommen? Wie wird die offenbar nicht zufriedenstellende Note konkret begründet?
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal wiederholen, dass wenn Sie nur über das "wie" geschrieben haben, dies durchaus als Themenverfehlung angesehen werden kann, wenn statt dieser Beschränkung auf das "wie" der fachdidaktische Hintergrund und die fachwissenschaftlichen Grundlagen verlangt waren.


Nebenbei:

Meine Erfahrungen mit dem Staatlichen Prüfungsamt waren auch mehr als ärgerlich. Es war ein Thema relativ klar abgesteckt, doch wurde explizit etwas anderes gefragt. Als ich dem Vorsitzenden des Prüfungsamtes dies mitteilte, legte er das Thema - offenbar ohne Fachkenntnis - so aus, dass es wieder passte, auch wenn alle heutigen Kollegen von mir angesichts dieses haarsträubenden Zurechtbiegens den Kopf schütteln. Ich hatte damals keine Lust, das auszufechten, weil es für meine "Karriere" nicht weiter von Bedeutung war.

Gruß
Roderik

svcds
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von svcds »

Hi nochmal, also ich habe gestern die Wiederholungsklausur geschrieben.

Mein Dozent ist da ganz fix und will die Note wohl vor dem 15. 10. an das LPA raushauen.

Ich habe ja jetzt mehrere Möglichkeiten:

Fall 1: Der Widerspruch wird per Post beantwortet und ich habe endgültig nicht bestanden, d. h. KEINE Notenverbesserung auf 4,0 aufwärts. Dann erhalte ich SPÄTER die Note meiner Wiederholungsklausur ("bestanden" mit Note besser als 4,0).
Fall 2: Der Widerspruch WIRD POSITIV BEANTWORTET und ich erhalte eine "bestandene" Leistung, mit Note 4,0 aufwärts, aber das Ergebnis meiner Wiederholungsklausur steht NOCH NICHT fest und KOMMT SPÄTER NACH.
Fall 3: Ich erhalte die Note meiner Wiederholungsklausur. Der Widerspruch geht durch und ich erhalte eine "bestandene" Leistung, mit Note 4,0 aufwärts NACH diesem Ergebnis.

Was meint ihr, wie sollte ich einen Brief formulieren für den Fall, dass ich jetzt die Note für die Wiederholungsklausur erhalte (sagen wir mal "bestanden") und dass ich dann den Widerspruch sofort zurückziehe? Ich habe irgendwie Angst, dass ich eine gute Note erhalte und dann im Widerspruch die 4,0 bestätigt wird und dann die gute Note der Wiederholungsklausur nicht zählt.

Liebe Grüße
Knut

Kurt Knitz
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von Kurt Knitz »

Hi nochmal, also ich habe gestern die Wiederholungsklausur geschrieben.
Wurden Sie schriftlich zur Wiederholungsklausur zugelassen? Wurde damit Ihrem Widerspruch gegen die erste Klausur bereits stattgegeben? Dann zählt nur noch die Wiederholungsklausur.
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Nordlicht14
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Re: Prüfung in der Uni anfechten

Beitrag von Nordlicht14 »

Eine "Checkliste" gibt es nicht. Das Spezialgebiet hat etwas mit jahrelanger anwaltlicher Spezialisierung, sowie mit sehr viel Detailarbeit zu tun. Prüfungsrecht ist ein absolutes Spezialgebiet wie auch Hochschulrecht, und meine -in Deutschland wenigen - Kollegen und meine Wenigkeit haben als "Checkliste":
Ein sehr anspruchsvolles langes Studium, ein Referendariat, mehrere Jahre Berufserfahrung, eine langjährige Spezialisierung auf dieses Gebiet, intensive stetige Anwalts-SpezialFachfortbildung in diesem Spezialgebiet (an denen Seminaren Mitglieder des AStA noch nicht aufgefallen sind) und die über die Jahre mehrere tausend Euro verschlingen, die dem Wert eines nagelneuen Oberklassewagens mit Vollausstattung schnell entsprechen, stetiges zeitaufwendiges Lesen und Fortbildung, und viel Spezialliteratur und Datenbankrecherchen im konkreten Einzelfall.

Dementsprechend ist dies kein preiswertes Einfachberatungsrechtsgebiet, was ein Feld-, Wald- und Wiesenanwalt für 45,- Beratungshilfe"Honorar" wie eine einfache Kündigungsschutzklage oder Ehescheidung rasch zu prüfen imstande ist.
Eine spezialisierte Prüfungsrechtlerin benötigt dafür auch im konkreten Fall einiges an Zeit, nicht bloß rasch 15 Minuten Beratungshilfe, und dementsprechend muss auch etwas Geld in die Hand genommen werde, da dies eben nicht standardisiert und summarisch geht, sondern individuell geprüft und bearbeitet werden muss.

By the Way: wir finden in der Kanzleipraxis fast immer Prüfungsfehler; es gibt aber auch einfach schlicht und ergreifend "verhauene" Prüfungsleistungen, deren Bewertungsergebnis demjenigen nur halt nicht gefallen.

Und die Frage, ob es fachlich inhaltlich richtig behandelt wurde, ist gerade nicht Prüfungskompetenz der Verwaltungsgerichte, sondern andere Beanstandungselemente. Allerdings ist die inhaltliche Frage richtiger oder unrichtiger Fachbeantwortung der Prüfungsleistungen hingegen wiederum durchaus Prüfungs- und Behandlungsgegenstand in der Remonstration vor dem Klageverfahren. Weshalb auch die Begründungen in Widerspruch und Remonstration unterschiedlich genutzt werden können und sollten, als in der Klagebegründung.

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