Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

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dankor
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Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von dankor »

Folgender hypothetischer Fall beschäftigt mich seit einer Weile:

Im Zuge einer Fachkonferenz Deutsch an einer Realschule in NRW wurde bezüglich der Leistungsbewertung im Bereich Rechtschreibleistung abgestimmt. Dabei wurde der Beschluss gefasst, einen (noch) nicht näher definierten Fehlerquotienten anzuwenden.

Jetzt kommt die Frage der Rechtmäßigkeit dieser Methode auf:

1) Die APO-S1 besagt zur Korrektur unter §6 folgendes:
"(6)[...] Dabei sind insbesondere das Alter, der Ausbildungsstand und die Muttersprache der Schülerinnen und Schüler zu beachten."

2) In der Kleinen Anfrage 2875 vom 5.11.2014 im Landtag antwortet das zuständige Ministerium zum Fehlerquotienten:
"Die Berechnung eines FQ ist in NRW auf keiner Jahrgangsstufe und in keinem Fach vorgesehen.
[...]
Die Sprachrichtigkeit (Rs, Sz, Gr) als integrierter Teil der Darstellungsleistung wird in NRW in Bewertungskriterien abgebildet, die in stufengemäßer Ausprägung bei den Zentralen Prüfungen am Ende der Klasse 10 [...] zur Anwendung kommen."

Wenn ich das richtig interpretiere, sind beide Punkte so formuliert, dass eine standardisierte Berechnung eines Fehlerquotienten eindeutig nicht zulässig ist. Somit sind die Fachkonferenzen nicht in der Lage, Verschärfungen der Bewertungsraster, die für die Zentralen Prüfungen durch die Standardsicherung-NRW vorgegeben sind, vorzunehmen. Beschlüsse die dahingehend gefasst sind, sollten somit ungültig sein.

Weitergehend stellt sich die Frage, ob bei einer Korrektur mit Fehlerquotienten dies nicht dazu führt, dass generell ein Fehler besteht, der zu einer rechtlich nicht einwandfreien Korrektur führt.

Ich danke schon einmal für Eure Antworten.

Anton Reiser
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Anton Reiser »

dankor hat geschrieben:Im Zuge einer Fachkonferenz Deutsch an einer Realschule in NRW wurde bezüglich der Leistungsbewertung im Bereich Rechtschreibleistung abgestimmt. Dabei wurde der Beschluss gefasst, einen (noch) nicht näher definierten Fehlerquotienten anzuwenden.
Hier wäre es aber schon notwendig, genau zu wissen, wie der angebliche Beschluss zu einem Fehlerquotienten denn konkret aussieht.
dankor hat geschrieben:1) Die APO-S1 besagt zur Korrektur unter §6 folgendes:
"(6)[...] Dabei sind insbesondere das Alter, der Ausbildungsstand und die Muttersprache der Schülerinnen und Schüler zu beachten."
Es geht nicht um die Korrektur, sondern um die Leistungsbewertung. Vollständig sieht die Regelung folgendermaßen aus:
(6) Die Förderung in der deutschen Sprache ist Aufgabe des Unterrichts in allen Fächern. Häufige Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit in der deutschen Sprache müssen bei der Festlegung der Note angemessen berücksichtigt werden. Dabei sind insbesondere das Alter, der Ausbildungsstand und die Muttersprache der Schülerinnen und Schüler zu beachten.
Die entsprechende Verwaltungsvorschrift dazu lautet:
6.6.2 Häufige Verstöße gegen den richtigen Gebrauch der deutschen
Sprache führen zur Absenkung der Note um bis zu einer Notenstufe.
Geht es also um einen Beschluss zur Festlegung eines Fehlerquotienten, bei dessen Erreichen es zu einer automatischen Abwertung der Klassenarbeit kommt?
dankor hat geschrieben:Wenn ich das richtig interpretiere, sind beide Punkte so formuliert, dass eine standardisierte Berechnung eines Fehlerquotienten eindeutig nicht zulässig ist. Somit sind die Fachkonferenzen nicht in der Lage, Verschärfungen der Bewertungsraster, die für die Zentralen Prüfungen durch die Standardsicherung-NRW vorgegeben sind, vorzunehmen. Beschlüsse die dahingehend gefasst sind, sollten somit ungültig sein.
Fachkonferenzen dürfen keine Fehlerquotienten festlegen, aber durchaus Bewertungsraster, die auf die spätere ZP vorbereiten. Sie dürfen - und sollen das auch - Vereinbarungen zu einem einheitlichen Vorgehen treffen im Hinblick auf eine mögliche Abwertung einer Klassenarbeit bei gehäuften Verstößen gegen die Sprachrichtigkeit. Fachschaftsbeschlüsse werden nicht automatisch ungültig, sondern erst wenn ihre fehlende Rechtmäßigkeit festgestellt wird. Der Schulleiter kann diese Beschlüsse beanstanden und die Konferenz auffordern, ihn zu ändern bzw. zurückzunehmen. Kommt die Konferenz dem nicht nach entscheidet abschließend die Schulaufsicht.
dankor hat geschrieben:Weitergehend stellt sich die Frage, ob bei einer Korrektur mit Fehlerquotienten dies nicht dazu führt, dass generell ein Fehler besteht, der zu einer rechtlich nicht einwandfreien Korrektur führt.
Wie gesagt, es geht nicht um eine fehlerhafte Korrektur und deren Folgen, sondern um die Bewertung bestimmter Fehler. Die besagten Fehler müssen ohnehin markiert und berichtigt werden (Positivkorrektur). Also besteht kein genereller Fehler. Lediglich die Anwendung eines Fehlerquotienten ist nicht korrekt.

dankor
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von dankor »

Vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Die Fachkonferenz hat zwei Punkte beschlossen:
1) Die Anwendung des Fehlerquotienten für den Bereich Rs/Sz/Gr.
2) In einer nachgelagerten Dienstbesprechung den Fehlerquotient in zwei Stufen für zwei unterschiedliche Jahrgangsbereiche (5+6/7-10), der eine schrittweise Absenkung nach Fehlerquotientberechnung von "Volle Punktzahl" bis "0 Punkte" festlegt.
Dazu ist in Anlehnung an die Korrekturvorgaben der ZP10 der Umfang der Punkte für diesen Bereich in Höhe von 10-15% beschlossen worden. Ebenfalls nachgelagert wurden grobe Korrekturvorgaben - genaues Fehlerzählen - rudimentär beschlossen.

Bedenken wurden der Schulleitung mitgeteilt, die jedoch die Rechtmäßigkeit nicht anzweifelt und den erneuten Beschluss über die Sache auf die nächste Fachkonferenz verschiebt (Zeitraum ca. 1 Schuljahr).

Die Positivkorrektur und grundsätzliche Bewertung dieses Bereiches steht nicht in Frage. Es geht lediglich um die dazu herangezogene Methodik des Fehlerquotienten.

Anton Reiser
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Anton Reiser »

Vielen Dank für Ihre Ausführungen
.
Vielen Dank für die Rückmeldung.
Die Fachkonferenz hat zwei Punkte beschlossen:
1) Die Anwendung des Fehlerquotienten für den Bereich Rs/Sz/Gr.
Mit welcher Begründung wurde das überhaupt beschlossen?
2) In einer nachgelagerten Dienstbesprechung den Fehlerquotient in zwei Stufen für zwei unterschiedliche Jahrgangsbereiche (5+6/7-10), der eine schrittweise Absenkung nach Fehlerquotientberechnung von "Volle Punktzahl" bis "0 Punkte" festlegt.
In einer Dienstbesprechung wird nichts beschlossen. Hier informiert die Schulleitung über das, was Sache ist, legt aber nicht etwas fest, was in die originäre Entscheidungskompetenz einer FK gehört. Wenn es keine FK-Sitzung mit entsprechendem TO-Punkt und fristgerecht eingereichtem Beschlussvorschlag gab, ist formal auch nichts verbindlich beschlossen oder festgelegt.
Dazu ist in Anlehnung an die Korrekturvorgaben der ZP10 der Umfang der Punkte für diesen Bereich in Höhe von 10-15% beschlossen worden. Ebenfalls nachgelagert wurden grobe Korrekturvorgaben - genaues Fehlerzählen - rudimentär beschlossen.
Es geht nach wie vor um die Leistungsbewertung, nicht um Korrekturvorgaben... ;-) Und in diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass sich die "Beurteilungs- und Bewertungsgrundsätze" für die ZP nach den Vorgaben des Schulministeriums richten, d.h. sie gelten auch nur in der ZP. Das sagt auch die Landesregierung in ihrer Antwort, wenn auch etwas verschwürbelt. Nachlesen kann man das aber auch hier:
APO SI § 33 Schriftliche Prüfung
(3) Die Fachlehrerin oder der Fachlehrer beurteilt und bewertet die Prüfungsarbeit im Rahmen der vom Ministerium erstellten Beurteilungs- und Bewertungsgrundsätze und schlägt eine Note vor.
Für die Leistungsbewertung außerhalb der Abschlussprüfungen ist allerdings die APO S I in Verbindung mit dem Kernlehrplan maßgebend, der sich im Hinblick auf die Leistungsbewertung durchaus deutlich unterscheidet. Dort ist zum Beispiel auch eine Notenanhebung bei besonderer Erfüllung der Anforderungen an die Sprachrichtigkeit vorgesehen. Berücksichtigt das der getroffene Beschluss? Ab welchem Quotienten?
Als gravierende und aus meiner Sicht unzulässige Abweichung von den Bestimmungen des Kernlehrplans ergibt sich bei dem dargestellten Beschluss beispielsweise auch die zusätzliche Berücksichtigung von Grammatikfehlern zur Feststellung von gehäuften Verstößen gegen die sprachliche Richtigkeit. Der Kernlehrplan sieht hier lediglich die Berücksichtigung von Zeichensetzung- und Rechtschreibfehlern vor. Die Anwendung des beschlossenen Fehlerquotienten scheint mir auch nicht der eher behutsamen, aber auch sachlogisch gebotenen Bewertung in der Erprobungsstufe der Klassen 5 und 6 zu entsprechen:
Der Kernlehrplan Realschule sagt:
Gehäufte Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit (Rechtschreibung und Zei-
chensetzung) führen zu einer Absenkung der Note im Umfang einer Notenstufe. Im
Gegenzug bedeutet ein hohes Maß an sprachlicher Sicherheit eine entsprechende
Notenanhebung.
Bei Schülerinnen und Schülern, die Deutsch als Zweitsprache lernen, sind für die
Leistungsfeststellung im Bereich der sprachlichen Darstellungsleistung die Lern-
ausgangslage sowie der individuelle Lernfortschritt ebenso bedeutsam wie der be-
reits erreichte Leistungsstand.
In den Jahrgangsstufen 5 und 6 wird für diese Schülerinnen und Schüler die sprach-
liche Darstellungsleistung nur bezüglich der Sprachphänomene bewertet, die kon-
kret im Unterricht erarbeitet worden sind bzw. vorausgesetzt werden können.
Darüber hinaus erscheint mir der genannte Prozentwert eher willkürlich festgelegt worden zu sein und keinesfalls in Anlehnung an die Vorgaben der ZP. Es ist nämlich dort klar zu unterscheiden und getrennt voneinander zu bewerten eine inhaltliche und eine Darstellungsleistung. Die ZP bestimmt das Verhältnis zwischen beiden Teilen in etwa mit dem Verhältnis 70% zu 30%. Der beschlossene Anteil bezieht sich aber offensichtlich auf beide Teile. Richtigerweise kann sich eine Erhöhung des Wertes für die Sprachrichtigkeit prozentual lediglich auf den Darstellungsbereich beziehen, mit der Folge, dass andere Aspekte weniger bepunktet werden müssten.

Bei der schon seit einiger Zeit abgeschafften Fehlerquotierung z.B. in Englisch ergab sich durch den Quotienten eine bestimmte Note für die Sprache, die hälftig mit der Note für die inhaltliche Note verrechnet wurde. Der Aufwand für das Zählen der Wörter mag da möglicherweise gerechtfertigt gewesen zu sein.

Ich habe hier die ZP aus dem Jahre 2014 vorliegen, die bei einer Gesamtpunktzahl von 60 Punkten 8 Punkte auf den Bereich der Sprachrichtigkeit verteilt. Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass durch den beschlossenen Fehlerquotienten diese 8 Punkte auf den Wert Null heruntergerechnet werden können?

dankor
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von dankor »

Ich muss mich nochmals bedanken, da Ihre Ausführung teilweise meiner grundlegenden Kritik während der FK sowie der nachgelagerten Dienstbesprechung entsprechen. Dazu sind weitere Dinge für mich sehr erhellend.

Bezüglich Ihrer Fragen:

1) Die Bewertung des FK soll eingeführt werden, um eine Vergleichbarkeit der, entschuldigen Sie mein erneutes Zitat der Fachvorsitzenden, "Korrektur" zu gewährleisten, da der Sprachbereich, insbesondere Rs/Sz/Gr, doch recht unterschiedlich beurteilt wird/wurde und dementsprechend eine Vereinheitlichung erfolgen soll. Vor allem einige der älteren Kollegen favorisieren dies, haben letztlich in einer Fachkonferenz aufgrund diverser personeller Abwesenheiten mit einer Minorität die Majorität überstimmt, wobei Stand heute dieser Beschluss eben aus diesem Grund wohl nicht mehr beschlossen werden könnte. Bei der nächsten FK, die allerdings erst zu Beginn des nächsten Schuljahres wieder stattfinden soll, wird dieser Beschluss daher wieder neu beschlossen. Lt. Aussage der Schulleitung haben die Beschlüsse einer FK eine Gültigkeit von mindestens einem halben Schuljahr. Leider konnte ich dazu nichts konkretes finden.

2) Nach meiner grundsätzlichen Kritik am FQ sowie dem Verfahren der Abstimmung wurde zur Konkretisierung des Beschlusses der Fachkonferenz zu einer Dienstbesprechung durch den FK-Vorsitzenden geladen, da innerhalb der Fachkonferenz eben lediglich die Einführung dieser Methode ohne genaue Bewertungsgrundlage etc. beschlossen wurde - meiner Meinung nach auch ein absolut indiskutables Vorgehen. Diese "Dienstbesprechung" wurde entsprechend durch den FK-Vorsitzenden geleitet und um obig genannte Punkte per Abstimmung gerungen.

3) Bezüglich Ihrer Ausführungen zur Leistungsbewertung außerhalb der Abschlussprüfungen:
- Eine Notenanhebung für gute Sprache ist nicht vorgesehen. Es erfolgt eben über die Verteilung von Punkten, welche die Schüler erhalten, wenn ihr Fehlerquotient entsprechend hoch/niedrig ist, eine entsprechende Leistungsbewertung. Der Fehlerquotient erfasst dabei, wie oben genannt, die Bereiche Rs/Sz/Gr, sozusagen eine Sanktion der Fehler durch Punktabzug. Der Ausdrucksbereich wird hier nicht erfasst und separat mit eigener Punktzahl bewertet.
- In der Erprobungsstufe erfolgt eine Bewertung dieses Bereiches mit einem um - wenn ich es richtig im Kopf habe - zwei Prozentpunkte abgesenkten Fehlerquotienten.
- Inhalt und Sprache werden getrennt bewertet, wobei der Bereich der Rs/Sz/Gr lt. Aussage des FK-Vorsitzenden bei 13% (ZP10) liegt. Die Fachkonferenz legte den Wert hier für die Schule bei Klassenarbeiten sowie bei anderen schriftlichen Leistungsnachweisen zwischen 10-15% fest.
- Die Werte für den FQ sind willkürlich festgelegt, angelehnt an die Bewertung einer benachbarten Schule bzw. die eigenen Erfahrungen der Kollegen.
- Ihre Schlussfolgerung, dass die 8 Punkte lt. "Beschluss" innerhalb der ZP10 und generell gegen 0 tendieren bei entsprechender Fehlerhäufung im Bereich Rs/Sz/Gr, auch wenn ich diesen Fehler der Bewertung bewusst wiederhole, ist korrekt.
- Eine von mir geforderte Konkretisierung der Individualisierung der Bewertung eben dieses Bereiches, zum Beispiel bei Flüchtlingskindern, die Regelklassen besuchen, oder Kinder mit LRS oder Behinderung, wurde mit der Begründung, dass dies letztlich den FQ ad absurdum führen würde und lächerlich sei, leider während der "Dienstbesprechung" übergangen.

Anton Reiser
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Anton Reiser »

1) Die Bewertung des FK soll eingeführt werden, um eine Vergleichbarkeit der, entschuldigen Sie mein erneutes Zitat der Fachvorsitzenden, "Korrektur" zu gewährleisten, da der Sprachbereich, insbesondere Rs/Sz/Gr, doch recht unterschiedlich beurteilt wird/wurde und dementsprechend eine Vereinheitlichung erfolgen soll.
Eine "Vergleichbarkeit der Korrektur" erfolgt u.a. über eine Verständigung der Lehrer im Hinblick auf die Verwendung einheitlicher Korrekturzeichen, die Klärung eines gemeinsamen Verständnisses über die Zuordnung bestimmter Fehlerarten, insbesondere im Bereich der Grammatik und den Umgang mit Wiederholungsfehlern. Denkbar ist auch eine Absprache über eine differenzierte Gewichtung der Fehlerarten. Das sind alles sinnvolle Grundvoraussetzungen, um beispielweise auch die Frage zu klären, warum der fragliche Sprachbereich "doch recht unterschiedlich beurteilt wird". Erst dann kann man über eine einheitliche Bewertung reden.
Lt. Aussage der Schulleitung haben die Beschlüsse einer FK eine Gültigkeit von mindestens einem halben Schuljahr.
Beschlüsse sind grundsätzlich auf eine dauerhafte Geltung angelegt, ein eingebautes Verfallsdatum gibt es nicht. Üblich ist allerdings, dass vor Ablauf von sechs Monaten ein abgelehnter Antrag nicht erneut zur Abstimmung gestellt werden darf. Eine Abstimmungsniederlage könnte m.E. als Ablehnung eines Antrages gewertet werden. Beschlüsse, die gegen geltendes Recht verstoßen, sind selbstverständlich unverzüglich zu beanstanden.

Der getroffene Beschluss ist rechtlich nicht wirksam getroffen worden, weil eben nicht eine einberufene Fachkonferenz den Beschluss gefasst hat:
ADO § 23 Zusammenarbeit in der Schule
(5) In dringenden Fällen kann die Schulleiterin oder der Schulleiter kurzfristig zu Dienstbesprechungen einladen. Dienstbesprechungen können nicht die Konferenzen nach dem Zweiten Abschnitt des Siebten Teils des Schulgesetzes NRW ersetzen; insbesondere dürfen keine Beschlüsse gefasst werden, die den Konferenzen vorbehalten sind.
Grundsätzlich könnte man den Schulleiter auf die Rechtswidrigkeit dieses Umstandes schriftlich hinweisen - eigentlich ist man sogar dazu verpflichtet - und letztlich die Schulaufsicht abschließend entscheiden lassen, wenn der Schulleiter keinen Handlungsbedarf sieht. Ich würde allerdings eher den Kontakt zum FK-Vorsitzenden herstellen und eine Aussetzung des bisherigen Beschlusses vorschlagen, bis sämtliche Fragen in Bezug auf eine einheitliche Bewertung in einer regulären FK-Sitzung geklärt sind (s. Vorgaben des Kernlehrplans). Anschließend können einzeln oder im Paket die fraglichen Punkte abgestimmt werden.

Gegen die Bewertung mithilfe von Fehlerquotienten spricht im Übrigen schon, dass dieses Instrument auch bei der ZP nicht vorgesehen ist, die Vorgaben der Landesregierung zur Bewertung sind abschließend. Es gilt die fachlich-pädagogische Gesamtbewertung des/der korrigierenden Lehrer, auch des Zweitkorrektors.

Kurt Knitz
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Kurt Knitz »

(6) Die Förderung in der deutschen Sprache ist Aufgabe des Unterrichts in allen Fächern. Häufige Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit in der deutschen Sprache müssen bei der Festlegung der Note angemessen berücksichtigt werden. Dabei sind insbesondere das Alter, der Ausbildungsstand und die Muttersprache der Schülerinnen und Schüler zu beachten.
Das ist doch eindeutig auf andere Fächer als Deutsch gemünzt. Wie kommt eine Fachschaft Deutsch dazu, das auf ihr Fach anwenden zu wollen? Überbordende Political Correctness?

Zu wenig Kompetenz im sinnerfassenden Lesen?
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Anton Reiser
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Anton Reiser »

Zu wenig Kompetenz im sinnerfassenden Lesen?
Nüchtern betrachtet ist auch das Fach Deutsch durchaus zur Förderung der deutschen Sprache geeignet.

Roderik
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Roderik »

Und auch im Deutsch ZA in NRW sieht die Prüfungsordnung eine Absenkung der Note bei gehäuften sprachlichen Verstößen vor.

Gruß
Roderik

Anton Reiser
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Anton Reiser »

Richtig, und auch hier ist ein Fehlerquotient zur Ermittlung einer Notenabsenkung nicht vorgesehen.

Roderik
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von Roderik »

Vor einigen Jahren kam es an meiner Schule zu einem Dialog mit der Fachaufsicht bezüglich der neuen Bewertungskriterien der Sprachrichtigkeit in Englisch. Es wurde hier von einem so genannten "Paradigmenwechsel" gesprochen. Damals wurde der FQ abgeschafft und Teilkriterien für Sprachrichtigkeit eingeführt. Für Deutsch und die Gesellschaftswissenschaften wurde der Bereich "Darstellung" geschaffen, der bereits die Orthographie berücksichtigt. Um aber eben besonders krassen Fällen von sprachlichen Verstößen gerecht zu werden, hat man nun auch die Möglichkeit geschaffen, eine Klausur pauschal noch weiter abzuwerten.

Uns wurde damals seitens der Fachaufsicht erklärt, dass der FQ bestenfalls eine Scheinobjektivität herstelle und bezüglich der Feststellung eines Fehlers und dessen Gewichtung (bzw. Kategorisierung) auch erhebliche Deutungsbandbreiten existiert hätten.

Gruß
Roderik

dankor
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Re: Fehlerquotient NRW - Anwendung innerhalb der APO-SI

Beitrag von dankor »

Letztlich geht es klar um eine Scheinobjektivität. Eine Korrektur ist mMn im Fach Deutsch immer subjektiv, auch wenn es bestimmte Bewertungsraster, beispielsweise ZP10, gibt.

Die Ursache hier liegt in einer - gefühlten - "mangelnden Vergleichbarkeit" der letzten ZP10-Ergebnisse bei den Erst- sowie Zweitkorrekturen.
Dass die Anwendung des FQ in der ZP10 nicht vorgesehen ist, wird dabei bewusst ignoriert.

Die Schulleitung wurde bezüglich der rechtlichen Bedenken informiert.

Ich schließe mich auch Anton Reisers Ausführungen bezüglich der Förderung der deutschen Sprache an: Wenn nicht in Deutsch, wo dann?

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