Darf Abiturnote verschlechtert werden?

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Frage123456
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Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Frage123456 » 23.06.17, 16:57

Hallo an alle,
folgender Sachverhalt:
Schüler erhält eine schriftliche Mitteilung über die Ergebnisse der schriftlichen Abiturprüfungen mit elektronischer Unterschrift des Abteilungsleiters/Oberstufenkoordinators.
Bei einem der drei Fächer sind hier 12 Punkte mitgeteilt worden, die dazu geführt haben, dass das Abitur als bestanden gilt.
Zwei Stunden später kommt ein Anruf vom Koordinator, die 12 Punkte seien ausversehen (aufgrund irgendeiner fehlerhaften Darstellung der Noten im System) eingetragen worden. Es sind doch nur 5 stat 12 Punkte. Damit gilt das Abitur noch nicht als bestanden. Durch die noch anstehende mündliche Prüfung müssten dann die restlichen Punkte erreicht werden, sonst ist das Abitur nicht bestanden.

Darf das einfach so umgeändert werden, weil die schriftliche Mitteilung ja auch irgendwie eine offizielle Mitteilung ist oder gilt hier "Pech gehabt, umsonst gefreut"?
Wie ist hier die Rechtslage?

Danke! :)

Anton Reiser
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Anton Reiser » 23.06.17, 17:31

Frage123456 hat geschrieben:gilt hier "Pech gehabt, umsonst gefreut"?
Ich fürchte, das wird so sein. Unabhängig von der abschließenden Klärung, was eine schriftliche Mitteilung mit elektronischer Unterschrift sein könnte, ob es sich also möglicherweise um einen Verwaltungsakt handeln könnte (was sie wohl nicht ist), hätte die ausdrücklich als aufgrund eines "Versehens" bezeichnete fehlerhafte Mitteilung keinen Bestand:
Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG)
https://www.gesetze-im-internet.de/vwvfg/__42.html
§ 42 Offenbare Unrichtigkeiten im Verwaltungsakt
Die Behörde kann Schreibfehler, Rechenfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten in einem Verwaltungsakt jederzeit berichtigen. Bei berechtigtem Interesse des Beteiligten ist zu berichtigen. Die Behörde ist berechtigt, die Vorlage des Dokuments zu verlangen, das berichtigt werden soll.
Das gilt für jedes Bundesland.

Frage123456
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Frage123456 » 24.06.17, 11:55

Vielen Dank für die Antwort! Dann muss sich der Schüler wohl damit abfinden..

ktown
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von ktown » 24.06.17, 13:17

Naja diesen einen Punkt wird man sicherlich noch schaffen. :wink:
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Frage123456
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Frage123456 » 24.06.17, 16:11

ktown hat geschrieben:Naja diesen einen Punkt wird man sicherlich noch schaffen. :wink:
Es sind leider 5 Punkte, die zum bestehen des Abiturs noch gebraucht werden

ktown
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von ktown » 24.06.17, 18:33

Es ist bei mir schon eine ganze weile her, aber ich dachte immer, man benötigt 30 Punkte aus den Abiprüfungen? Oder nicht?
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Roderik
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Roderik » 27.06.17, 15:35

In NRW braucht man 100 Punkte aus den vier Prüfungen, die jeweils fünffach gewertet werden, d.h. 5 Punkte pro Prüfung und je 25 Punkte in den beiden LKs. Sonst muss man in die Bestehensprüfung.

Gruß
Roderik

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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von H.Lelele » 27.06.17, 18:25

Dennoch ein interessanter Fall. Wer hat denn den Anruf entgegengenommen ? Ich stelle mir z.B. folgenden Fall vor: Der Abiturient sitzt auf gepackten Koffern, die Oma hat eine Abireise nach Wunsch finanziert. Die ersehnte Mitteilung kommt, der Abiturient hastet zum Last-Minute-Schalter, bucht im wahrsten Sinn des Wortes Last Minute und ab geht die Post nach was weiss ich wohin. Im Flieger muß das Handy aus sein. Erst nach der Landung einen Tag später im fernen Urlaubsziel erreicht den Schüler die Korrekturnachricht. Wer haftet in so einem Fall für die entstandenen Unannehmlichkeiten ? Ich galube zwar auch nicht, daß der fehlerhafte Verwaltungsakt nicht mehr korrigiert werden kann, aber Schludrigkeit und "Schuld" liegt ja wohl nicht auf Seiten des Schülers. Zumindest für den entstandenen Schaden müßte eigentlich der inkompetente Lehrer bzw. dessen Dienstherr einstehen.

ktown
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von ktown » 27.06.17, 18:45

Darf man, sollte man mit den schriftlichen Prüfungen die notwendige Punktzahl erreicht haben, die mündliche Prüfung schwänzen? Ich glaube kaum.
Daher wäre die Last-Minute-Reise äußerst leichtsinnig.
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Anton Reiser
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Anton Reiser » 27.06.17, 22:41

ktown hat geschrieben:Darf man, sollte man mit den schriftlichen Prüfungen die notwendige Punktzahl erreicht haben, die mündliche Prüfung schwänzen? Ich glaube kaum.
Daher wäre die Last-Minute-Reise äußerst leichtsinnig.
Es geht offenbar nicht um die meist obligatorische mündliche Prüfung im Rahmen der Abiturprüfung, sondern um eine weitere mündliche Prüfung nach Beendigung der schriftlichen und mündlichen Prüfungen. Diese ist wohl notwendig, da eben nicht genügend Punkte (die von Roderik genannten 100) erzielt worden sind. Nach den Angaben im Sachverhalt muss man wohl davon ausgehen, dass sich die angegeben fehlenden 5 Punkte auf eine einfache Wertung beziehen, also insgesamt erst 75 Punkte zu Buche stehen. In dem fraglichen Fach müsste eine 2 minus erreicht (10 Punkte) werden, um zu bestehen, was ein schwieriges Unterfangen sein könnte, wenn der eigentliche Leistungsbereich in etwa bei den erzielten 5 Punkten liegen sollte.

Die erteilte Mitteilung informiert den Schüler über die Ergebnisse der schriftlichen Arbeiten, die er bis dato nicht kannte, lediglich das Ergebnis der mündlichen Prüfung wurde ihm noch am selben Tag mitgeteilt. Das ist keine offizielle Mitteilung über das Bestehen/Nichtbestehen des Abiturs, auch wenn man daraus natürlich entsprechende Rückschlüsse ziehen könnte. Hier geht es aber in erster Linie lediglich darum, die Notwendigkeit für weitere mündlichen Prüfungen zu prüfen, wenn die Voraussetzungen zur Zuerkennung des Abiturs eben noch nicht vorliegen.

Die "Falschmeldung" besteht insofern in dem Umstand, dass dem Schüler zunächst mitgeteilt wurde, dass er in keine weitere Prüfung mehr müsse.

Die eigentliche Feststellung über die Zuerkennung der allgemeinen Hochschulreife trifft der Zentrale Abiturausschuss erst nach Beendigung aller noch ausstehenden Bestehensprüfungen und erst dann wird anschließend den Schülern das Ergebnis über das bestandene Abitur mitgeteilt. Wer die Voraussetzungen erfüllt, die noch einmal überprüft werden, erhält das Abiturzeugnis.

Wer zu diesem Zeitpunkt bereits in den Ferien weilt, hat ein selbstgemachtes Problem: Das Schulverhältnis endet gem. § 47 (1) Nr. 1 erst mit der Erteilung des Abgangs- oder Abschlusszeugnisses, also hat der Schüler bis zu diesem Zeitpunkt alle Rechten und Pflichten aus diesem Verhältnis zu erfüllen, eben auch die Entgegennahme von Informationen über seine Leistungen.

Oma wird sicherlich nicht begeistert sein, zumal ich keine Omas kenne, die nicht Enkel mit Abiturzeugnis vor Antritt der gesponserten Reise gerne an ihre Brust drücken würden. Da ist es schon fast unerheblich, ob er mit seinem Spontanurlaub eine Schulpflichtverletzung begangen haben könnte.

ktown
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von ktown » 28.06.17, 06:23

Anton Reiser hat geschrieben:Es geht offenbar nicht um die meist obligatorische mündliche Prüfung im Rahmen der Abiturprüfung
und bei mir ging es auch nicht um das Thema an sich. Ich wollte dem theoretischen Ansatz von H.Lelele meine Frage entgegenstellen. Mehr nicht. :wink:

Aber final hat ihre Ausführungen meine Frage nicht beantwortet. Wäre das schwänzen der mündlichen Prüfung nur ein unentschuldigtes fehlen, oder ein Fall für :"Leider durchgefallen."
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Altbauer
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Re: Darf Abiturnote verschlechtert werden?

Beitrag von Altbauer » 28.06.17, 07:22

ktown hat geschrieben:Wäre das schwänzen der mündlichen Prüfung nur ein unentschuldigtes fehlen, oder ein Fall für :"Leider durchgefallen."
Da kommt es wirklich auf die Prüfungsordnung im jeweiligen Bundesland an!

Ich kenne da z. B. die folgenden Verfahrensweisen :

Bundesland A)
Prüfung nicht angetreten = 0 Punkte. Anschließend wird gerechnet ob es reicht, oder nicht.

Bundesland B)
Prüfung nicht angetreten = Prüfung (unentschuldigt)nicht absolviert = nicht bestanden
(auch dann, wenn es von der Punktzahl aus anderen Fächern her gut gereicht hätte )

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