Abweichung vom Lehrplan (G8 Bayern)

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SirFrancisDrake
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Abweichung vom Lehrplan (G8 Bayern)

Beitrag von SirFrancisDrake » 16.02.18, 21:20

Hallo,

angenommen, eine Lehrkraft würde von ihrer 6. Klasse, G8 Bayern, Leistungen fordern und benoten, die der Lehrplan frühestens in der folgenden Jahrgangsstufe vorsieht, beispielsweise: ein zehnminütiges Englischreferat inkl. einer Powerpoint-Präsentation, einem ausführlichen Handout und einer Stichwortliste, zu verfassen und frei zu halten in englischer Sprache, während im Lehrplan lediglich von "in einfachen Worten erzählen und berichten" die Rede ist - was dem tatsächlichen Leistungsniveau entsprechen dürfte - und erst für die folgende Jahrgangsstufe vorsieht, "ein kurzes Referat zu einem vertrauten Thema weitgehend frei [zu] halten"?

Könnte die Lehrkraft diese Leistung dennoch einfordern? Und wären ggf. die resultierenden Bewertungen anfechtbar?
Wie ist hier die Rechtslage?

Vorab vielen Dank für Eure Antworten.

Gruß
SFD

Kurt Knitz
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Re: Abweichung vom Lehrplan (G8 Bayern)

Beitrag von Kurt Knitz » 17.02.18, 09:18

Hello Sir Francis,

haben Sie einen Link auf die entsprechende Stelle in dem Lehrplan?
Ein zehnminütiges freies Referat in einer Fremdsprache nach wie vielen Jahren Unterricht in dieser Fremdsprache?

Ist die Lehrkraft Bestandteil der Kampfgruppe des Philologen-Verbands, die unter Inkaufnahme beliebig vieler Kinder-Tragödien durch Hinausprüfen möglichst vieler Schüler aus den Gymnasien die Bedeutung dieser Schulart und ihrer Nutznießer beweisen möchte?

Was die Rechtslage betrifft: Wenn in dieser Klasse die Aufgabe tatsächlich dem Leistungsniveau entsprechen würde, würde nach meinem persönlichen Rechtsempfinden ein vernünftiger Richter urteilen, dass es innerhalb der pädagogischen Freiheit des Lehrers liegt, dem Lehrplan ein Jahr vorauszueilen. Ein Urteil dazu ist mir nicht bekannt und ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass in irgendeinem Bundesland diese Situation jemals so häufig aufgetreten wäre, dass es Gesetze, Verordnungen oder Erlasse dazu gibt. Gerne lasse ich mich ggf. eines anderen belehren.

Allerdings glaube ich, wenn Sie da versuchen, rechtlich vorzugehen, ist das Kind von der Schule bevor das Verfahren zu Ende ist. Da ist ein Elternabend fällig, idealerweise mit einem Elternteil, das in der Lage ist, die Lehrkraft in englischer Sprache anzugreifen.

Go in and win!
Kurt
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

SirFrancisDrake
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Re: Abweichung vom Lehrplan (G8 Bayern)

Beitrag von SirFrancisDrake » 17.02.18, 10:13

Hallo Kurt,
Kurt Knitz hat geschrieben: haben Sie einen Link auf die entsprechende Stelle in dem Lehrplan?
Ein zehnminütiges freies Referat in einer Fremdsprache nach wie vielen Jahren Unterricht in dieser Fremdsprache?
Der Lehrplan für das Fach und die Jahrgangsstufe 6: http://www.isb-gym8-lehrplan.de/content ... ryID=26312
Meines Erachtens maßgeblich Abschnitt 6.1., "Mündliche Ausdrucksfähigkeit".

Englischunterricht findet effektiv seit 1,5 Jahren statt, davor in der Grundschule zwei Jahre einfache Englisch-Grundlagen (Niveau in etwa: My name is XY).
Kurt Knitz hat geschrieben: Ist die Lehrkraft Bestandteil der Kampfgruppe des Philologen-Verbands, die unter Inkaufnahme beliebig vieler Kinder-Tragödien durch Hinausprüfen möglichst vieler Schüler aus den Gymnasien die Bedeutung dieser Schulart und ihrer Nutznießer beweisen möchte?
Als Hintergrund sei eine überforderte Lehrkraft angenommen, die sich durch massiven Druck Autorität in der Klasse verschaffen möchte.
Kurt Knitz hat geschrieben: Was die Rechtslage betrifft: Wenn in dieser Klasse die Aufgabe tatsächlich dem Leistungsniveau entsprechen würde, würde nach meinem persönlichen Rechtsempfinden ein vernünftiger Richter urteilen, dass es innerhalb der pädagogischen Freiheit des Lehrers liegt, dem Lehrplan ein Jahr vorauszueilen. Ein Urteil dazu ist mir nicht bekannt und ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass in irgendeinem Bundesland diese Situation jemals so häufig aufgetreten wäre, dass es Gesetze, Verordnungen oder Erlasse dazu gibt. Gerne lasse ich mich ggf. eines anderen belehren.
Vielen Dank für Ihre Meinung, so hatte ich das ebenfalls befürchtet.
Kurt Knitz hat geschrieben: Allerdings glaube ich, wenn Sie da versuchen, rechtlich vorzugehen, ist das Kind von der Schule bevor das Verfahren zu Ende ist. Da ist ein Elternabend fällig, idealerweise mit einem Elternteil, das in der Lage ist, die Lehrkraft in englischer Sprache anzugreifen.
Ja, in solchen Fällen gibt es wohl immer nur die Wahl zwischen Regen und Traufe. Die (nicht rechtliche) Frage ist, was davon unter dem Strich weniger Schaden für die Schüler anrichtet. Aus rechtlicher Sicht würde mich zunächst nur interessieren, ob es überhaupt eine Handhabe dagegen gäbe, falls eine Diskussion mit der Lehrkraft nicht zielführend ist.

Gruß
SFD

Kurt Knitz
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Re: Abweichung vom Lehrplan (G8 Bayern)

Beitrag von Kurt Knitz » 17.02.18, 10:41

Ja natürlich, die übliche Eskalationsleiter. Dabei sollte man auf keinen Fall die allererste Stufe auslassen: Die Eltern sollten einen persönlichen Gesprächstermin mit der Lehrkraft vereinbaren.

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