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recht.de • Thema anzeigen - Die Eskalationsleiter für Beschwerden gegen Lehrer/innen
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BeitragVerfasst: 24.02.18, 16:23 
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Beiträge: 3661
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Nachtrag zum Thread "Kniebeugen"

Staatliche Stellen, z.B. öffentliche Schulen, müssen bei ihrem Reden, Schreiben und Handeln immer das Verhältnismäßigkeitsprinzip beachten. Das ist ein schönes Beispiel, wonach die Juristerei die Anwendung des gesunden Menschenverstands auf höherer Ebene sein soll. Schon Kinder im Sandkastenalter können erkennen, dass eine blutige Schlägerei wegen einem kurz mal "ausgeliehenen" Förmchen nicht angemessen ist.

Auch Eltern, die bei (möglicherweise vollkommen berechtigten) Beschwerden über Lehrer gleich eine Petition an den Bundestag schreiben, werden sich keinen Gefallen tun.

Wer arbeitet, macht Fehler, und wer mehr arbeitet, der macht mehr Fehler. Jeder wird erwarten, dass man ihn erst mal selbst anspricht, wenn ein vermeintlicher oder tatsächlicher Fehler auffällt. Es fördert auch ungemein die Kenntnis der Sachlage, wenn man sich alle Sichtweisen der Beteiligten erst mal anhört. Schon den alten Römern war dieses Prinzip aufgefallen und sie hatten es in die Worte gekleidet "Audiatur et altera pars" = "auch die andere Seite soll gehört werden".


Die Stufe 1
Vereinbarung eines persönlichen Gesprächstermins
sollte also niemals ausgelassen werden.


Stufe 2
Rückmeldung per E-Mail.
Kommunikation ist eigentlich auch nie gegen Missverständnisse gefeit. Ist das Ergebnis des Gesprächs nicht zufriedenstellend, sollten die Eltern dem/der Lehrer/in also am besten noch einmal schriftlich darlegen, welches die Argumente im Gespräch waren und warum sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Was zu den reinen Papierzeiten noch einiger Aufwand gewesen wäre, lässt sich heutzutage per E-Mail relativ einfach erledigen.

Ist damit nicht die Rückkehr zu einem erneuten Gespräch auf Stufe 1 oder eine andere zufriedenstellende Lösung erreichbar, kann man sich auch noch an den Klassenlehrer wenden. Der hat jedoch keine Vorgesetztenfunktion, sondern kann den Fachlehrern lediglich einen kollegialen Ratschlag geben.
Das weitere Vorgehen auf dem Beschwerdeweg hängt etwas davon ab, ob es sich um ein die ganze Klasse (eventuell erst Stufe 3 nutzen) oder nur einen einzelnen Schüler betreffendes Problem handelt (dann gleich weiter bei Stufe 4).


Stufe 3a
Rücksprache mit den Klassenelternvertretern
kann auch bei einem nur ein einzelnes Kind betreffendes Problem aufschlussreiche Informationen erbringen, ist aber vor allem dann unbedingt sinnvoll, wenn es sich um ein allgemeines Problem handelt.


Stufe 3b
Eltern-Stammtisch
ist quasi ein "Elternabend ohne Lehrer" (natürlich kann man auch einen Stammtisch mit Lehrern versuchen zu organisieren, wenn es sich anbietet). Er dient der Klärung der Frage, wie ein bestimmtes Problem von unterschiedlichen Eltern empfunden wird und wer die Absicht hat, in welcher Weise zu reagieren.
In Baden-Württemberg müssen Schulen auch für solche Treffen der "Elterngruppe innerhalb der Klassenpflegschaft" Räume zur Verfügung stellen, aber häufig sind Gaststätten doch die gemütlicheren Orte dafür. Nachteile haben Elternstammtische auch, denn die Gespräche neigen je nach den Beteiligten manchmal auch dazu, ins Tratschhafte abzugleiten. Aber was im Leben hat nur Vorteile? Jedenfalls kann es gute Argumente geben, diese Stufe 3b auszulassen.


Stufe 3c, d und e
Elternabend (im Juristendeutsch Klassenpflegschaftsabend)
In Baden-Württemberg sind zwei Elternabende pro Schuljahr vorgeschrieben (3c), bei denen sich Lehrer und Eltern treffen und miteinander reden. Der/die Klassenelternvertreter/in = Klassenpflegschaftsvorsitzende kann auch zusätzlich extra Elternabende zu bestimmten Themen einberufen. Teilnehmen werden auf jeden Fall die Klassenlehrer. Die Fachlehrer kommen mindestens beim ersten Elternabend pro Schuljahr normalerweise sowieso vorbei, um sich vorzustellen.

Gibt es ein Problem mit einem/r bestimmten Lehrer/in, das sinnvoll auf einem Elternabend besprochen werden kann, dann kann der/die Klassenpflegschaftsvorsitzende diese/n Lehrer/in ausdrücklich zu dem Elternabend mit einladen (3d) und um Rückmeldung bitten, ob die Teilnahme möglich sein wird. Das Thema kann auch schon in die Einladung zum Elternabend geschrieben werden.

Der/die Schulleiter/in erhält Kopien der Einladungen zu Elternabenden und hat (in Ba-Wü) das Recht, aus eigenem Antrieb am Elternabend einer Klasse teilzunehmen. Die/der Klassenpflegschaftsvorsitzende kann ihn auch ausdrücklich zum Elternabend einladen (3e).


Stufe 4
Gesprächstermin mit dem Schulleiter

Stufe 5
Rückmeldung per E-Mail an den Schulleiter (wie in Stufe 2)

Stufe 6
Widerspruch gegen die Entscheidung des Schulleiters bzw. Beschwerde bei der Schulaufsichtsbehörde.
In Baden-Württemberg gibt es Untere Schulaufsichtsbehörden = Staatliche Schulämter, die für Grund-, Haupt-, Real-, Werkreal-, Gemeinschaftsschulen, die Sonderpädagogischen Beratungs- und Bildungszentren sowie die Schulen für geistig Behinderte zuständig sind. Für die Gymnasien sind gleich die Oberen Schulaufsichtsbehörden zuständig, das sind die Abteilungen für Schulberatung und -aufsicht bei den Regierungspräsidien. Dort werden für die anderen Schularten auch Widersprüche gegen die Entscheidungen der Unteren Aufsichtsbehörden bearbeitet.

Stufe 7
Oberste Schulaufsichtsbehörde: Das Landesbildungsministerium (in Baden-Württemberg: "Kultusministerium").

_________________
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender


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