Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Moderator: FDR-Team

Evariste
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Evariste »

Charon- hat geschrieben:
Evariste hat geschrieben:Worin besteht dieses Tun oder Unterlassen im Falle der Eltern, deren Kind aus der Schule zur Demo geht?
Nochmal: Die Ausgangssituation war die von Windalf aufgebrachte Variante, dass die Eltern bei der Polizei anrufen und mitteilen, dass ihr Kind sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht in der Schule, sondern bei einer Demo aufhalten wird, und dass die Polizei etwas dagegen unternehmen soll.

Damit haben wir sowohl ein Unterlassen als auch einen Vorsatz (die Eltern wissen, dass das Kind nicht in der Schule sein wird).
Nein. Googeln Sie mal "Vorsatz". Das bloße Wissen allein genügt nicht für den Vorsatz, es muss auch ein Wollen vorliegen. Oder ausführlicher, wenn man nach "Vorsatz" und "Unterlassen" googelt:
Vorsatz verlangt beim Unterlassungsdelikt den Willen zum Untätigbleiben in Kenntnis aller objektiven Tatbestandsmerkmale und in dem Bewusstsein, dass die Erfolgsabwendung durch Vornahme der gebotenen Handlung möglich sowie zumutbar wäre.
Das scheitert hier schon an der Frage, was die "gebotene Handlung" sein soll, die sowohl zumutbar ist als auch mit einiger Wahrscheinlichkeit das "Schuleschwänzen" verhindert. Wenn gutes Zureden, Drohung mit Fernsehverbot o. ä. nicht hilft und sich weder die Schule noch die Polizei zuständig fühlen, was sollen die Eltern dann noch tun? Sollen die Eltern einen Schlägertrupp anheuern, der freitags alle Ausgänge der Schule bewacht, so dass das Kind nicht raus kann?

Oktavia
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Oktavia »

Evariste hat geschrieben:was sollen die Eltern dann noch tun? Sollen die Eltern einen Schlägertrupp anheuern, der freitags alle Ausgänge der Schule bewacht, so dass das Kind nicht raus kann?
Da bist du aber wenig kreativ :mrgreen: Ich würde mein Kind morgend getaped in der Schule abgeben. Dann kanns nicht weglaufen :devil:
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Stan78
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Stan78 »

Auch wenn ich sonst immer ein Freund der rein rechtlichen Betrachtung eines Sachverhaltes in einem Rechtsforum bin mache ich hier doch mal eine Ausnahme, denn die Diskussion entwickelt sich zu genau so einer Paralleldiskussion, wie es in den Medien der Fall ist. Auch da wird die FFF-Thematik ja inzwischen auf "Freitags streiken die Schüler gegen die Schulen" reduziert.

Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem wegen FFF-Teilnahme ein Bußgeld verhängt wurde. Zumindest bei uns ist dies auch kaum möglich (ein Schüler hätte schon 8 mal an der Aktion teilnehmen müssen, um auf die erforderliche Zahl Fehlstunden zu kommen, so oft haben die "Streiks" in den meisten Städten noch gar nicht stattgefunden). Wenn es denn irgendwann soweit sein sollte, kann man wohl stark davon ausgehen, dass Schulen und Behörden bei den Schülern anfangen werden, die auf anderem Wege bereits unentschuldigte Fehlzeiten gesammelt haben.

Bei den Schülern, die an FFF teilnehmen, ist mir die oben lang und breit diskutierte Konstellation (Eltern verbieten es dem Kind, das Kind geht trotzdem). Noch kein einziges Mal untergekommen. Manchmal handelt es sich um jüngere Schüler, die spontan mitlaufen, meistens aber um sind die Eltern aus einem gut situierten, bürgerlichem Spektrum, die ihre Kinder geradezu anstacheln und mit seitenlangen "Entschuldigungsschreiben", Emails an den Schulleiter, etc. noch Öl ins Feuer gießen, weil sie so begeistert vom scheinbar eigenständigen politischen Engagement ihrer Sprösslinge sind (das aber genau in ihr eigenes Weltbild passt). Vielen geht es da offensichtlich auch um eine "Machtprobe" mit der Schule. Wenn man sich so positioniert, wird man hinterher schwerlich mit "ich habe mein Möglichstes getan, um die Schulpflicht durchzusetzen" argumentieren können.

Sowohl die Presse als auch viele Eltern scheinen eine Art Vergnügen daran zu haben, den Schwerpunkt der Diskussion bei den FFF-Aktionen auf den Fokus "Schüler gegen Schulpflicht" zu verschieben.

Grüße,
Stan

Tastenspitz
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Tastenspitz »

.....und dann gibt's da noch die Eltern, die ihre Brut jeden Freitag mit dem 300 PS SUV zur Demo fahren und wieder abholen. :devil:
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Evariste
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Evariste »

Stan78 hat geschrieben: Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem wegen FFF-Teilnahme ein Bußgeld verhängt wurde. Zumindest bei uns ist dies auch kaum möglich (ein Schüler hätte schon 8 mal an der Aktion teilnehmen müssen, um auf die erforderliche Zahl Fehlstunden zu kommen, so oft haben die "Streiks" in den meisten Städten noch gar nicht stattgefunden). Wenn es denn irgendwann soweit sein sollte, kann man wohl stark davon ausgehen, dass Schulen und Behörden bei den Schülern anfangen werden, die auf anderem Wege bereits unentschuldigte Fehlzeiten gesammelt haben.

Bei den Schülern, die an FFF teilnehmen, ist mir die oben lang und breit diskutierte Konstellation (Eltern verbieten es dem Kind, das Kind geht trotzdem). Noch kein einziges Mal untergekommen. Manchmal handelt es sich um jüngere Schüler, die spontan mitlaufen, meistens aber um sind die Eltern aus einem gut situierten, bürgerlichem Spektrum, die ihre Kinder geradezu anstacheln und mit seitenlangen "Entschuldigungsschreiben", Emails an den Schulleiter, etc. noch Öl ins Feuer gießen, weil sie so begeistert vom scheinbar eigenständigen politischen Engagement ihrer Sprösslinge sind (das aber genau in ihr eigenes Weltbild passt). Vielen geht es da offensichtlich auch um eine "Machtprobe" mit der Schule. Wenn man sich so positioniert, wird man hinterher schwerlich mit "ich habe mein Möglichstes getan, um die Schulpflicht durchzusetzen" argumentieren können.
Nichts für ungut, aber woher nehmen Sie Ihr Insider-Wissen?

"Mir ist kein einziger Fall bekannt"
"Noch kein einziges Mal untergekommen"
"meistens sind die Eltern..."
"die ihre Kinder geradezu anstacheln"
"scheinbar eigenständiges politisches Engagement"

Stan78
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Stan78 »

Evariste hat geschrieben:Nichts für ungut, aber woher nehmen Sie Ihr Insider-Wissen?
Von etwa 30 bis 40 Schülern und den zugehörigen Eltern, die ich entweder im Unterricht habe oder die an unserer Schule so offensiv auftreten, dass ich glaube, sie ganz gut einschätzen zu können.

Charon-
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Charon- »

Evariste hat geschrieben:Wenn gutes Zureden, Drohung mit Fernsehverbot o. ä. nicht hilft
Dann sind wir bei dem, was ich ganz am Anfang schrieb:
"Zumal die Eltern ohnehin erst einmal darlegen müssten, was sie genau versucht haben, um das Verhalten des Kindes zu ändern, das geht ja von Gesprächen führen, über Sanktionen/Belohnungen, bis hin zu Hilfsangeboten wie Familienberatung."

Haben die Eltern alles getan, ist es kein Vorsatz. Haben sie nichts getan, wissen aber, dass das Kind dorthin geht, ist es Vorsatz.
Um der allgemeinen Sprachverwirrung des Siezens entgegenzuwirken, biete ich jedem Nutzer das dänische Umgangsduzen an.

Tastenspitz
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Tastenspitz »

Evariste hat geschrieben: Mit "Gerüchten" hat das nichts zu tun. Wie gesagt, der Brief liegt mir vor, ich könnte ihn hier hineinkopieren, aber das wäre vermutlich rechtlich problematisch.
Ein Zitat der entsprechenden Stelle wäre schon interessant.... :)
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FelixSt
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von FelixSt »

Erstens endet das Briefgeheimnis beim Empfänger und zweitens dürfte dieses Schreiben wohl kaum ein derartige künstlerische Schöpfungshöhe erreichen, wenn überhaupt, dass eine Veröffentlichung Rechte verletzen könnte.
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

zimtrecht
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von zimtrecht »

FelixSt hat geschrieben:Erstens endet das Briefgeheimnis beim Empfänger und zweitens dürfte dieses Schreiben wohl kaum ein derartige künstlerische Schöpfungshöhe erreichen, wenn überhaupt, dass eine Veröffentlichung Rechte verletzen könnte.
Mit letzterem sind sicher Urheberrechte gemeint. Persönlichkeitsrechte kann man aber auch unabhängig davon verletzen und wenn E. sagt, dass die (vollständige) Veröffentlichung ggf. rechtlich problematisch ist, sollte man die Zurückhaltung respektieren. Zitatauszug relevanter und unbedenklicher Teile sind natürlich gern gesehen ;-)

Chavah
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Chavah »

Hier ist doch zu differenzieren:

1. Die Kids sind noch klein, so etwa bis 12 Jahre (gepeilt), da sind die Eltern sicherlich dafür verantwortlich, dass die Sprößlinge früh aus den Federn kommen und zur vorgegebenen Zeit in der Schule eintrudeln. Das sind ja auch so die Fälle, in denen normalerweise ein Bußgeld verhängt wird. Mir geistern da so Fälle durch den Kopf, zwar einige Jahre alt, aber immer noch aktuell. Erziehungsberechtigte verpennten mit schöner Regelmäßigkeit, schickten dann das Kind später los, Kind traute sich dann nicht mehr in die Schule, hatte Angst, schwänzte. Oder, Kinder wurden zu Hause gelassen, um auf die noch kleineren Geschwister aufzupassen. Das sind so die Klassiker.

2. Jetzt kommen wir zu den älteren Kindern. Da ist doch zunächst zu fragen, inwieweit die Eltern überhaupt noch Einfluß nehmen können. Sie können mahnen, vielleicht auch "Disziplinarmaßnehmen" ergreifen, aber die Mittel sind in so einer Situation doch sehr eingeschränkt. Und - auch wenn die Kids von den Eltern zur Schule gebracht werden - wer garantiert, dass sie in dieselbe gehen und selbst wenn, dass sie nicht durch den Hintereingang wieder rausgehen? Da werden Bußgeldverfahren wenig Erfolg haben.

Es ist schon weiter oben darauf hingewiesen worden, dass das richtige Mittel da ist, den Schüler selbst heranzuziehen. Bußgeld, umgewandelt in soziale Arbeitsstunden während der großen Ferien, so wird das in meinem Land gehandhabt. Hat Erfolg. Außerdem, wenn der Unterricht angeboten wird, dann wird natürlich auch Stoff vermittelt. Wie dann die Klausuren aussehen werden, das kann man ja erahnen. Das könnte natürlich auch auf den Boden der Tatsachen zurückführen.

Und - ich frage mich immer noch, warum es "Fridays for Future" heisst. Man könnte das doch umfunktionieren in "Saturdays for Future." Dann wären doch alle Probleme aus der Welt.

Chavah

cherokee
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von cherokee »

Oder auf einem Sonntag, dann könnte man es sogar "family for future" nennen!

windalf
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von windalf »

Außerdem, wenn der Unterricht angeboten wird, dann wird natürlich auch Stoff vermittelt. Wie dann die Klausuren aussehen werden, das kann man ja erahnen. Das könnte natürlich auch auf den Boden der Tatsachen zurückführen.
Und nehmen wir mal an ein "schlauer Schüler" der ständig schwänzt schreibt dann trotzdem (s)eine 1. Was sagt uns das dann über die Schul-/Anwesenheitspflicht die unbedingt mit Bußgeldern verteidigt werden muss/soll?
...fleißig wie zwei Weißbrote
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

cherokee
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von cherokee »

Wie lautet eigentlich die Begründung der Schüler, warum unbedingt am Freitag zur Schulzeit demonstriert werden soll/muss? Und es nicht nach der Schule oder am Wochenende geht.
Klar ist das mediale Interesse so im Moment größer, aber auch das wird wieder verpuffen, wenn das nächste mediale Interesse geweckt wurde.

Evariste
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Re: Fridays for Future - Bußgeld für die Eltern?

Beitrag von Evariste »

cherokee hat geschrieben:Wie lautet eigentlich die Begründung der Schüler, warum unbedingt am Freitag zur Schulzeit demonstriert werden soll/muss? Und es nicht nach der Schule oder am Wochenende geht.
Ganz einfach. Weil es sich um einen Schulstreik handelt. Von der internationalen Webseite:
What is Fridays For Future?
#FridaysforFuture is a peoples movement following the call from @GretaThunberg to school strike.
Why are kids striking?
School children are required to attend school. But with the worsening Climate Destruction this goal of going to school begins to be pointless.
- Why study for a future, which may not be there?
- Why spend a lot of effort to become educated, when our governments are not listening to the educated?

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