Gesunde Pause in der Schule

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penicillin
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Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von penicillin » 17.07.19, 15:04

Liebe Forumsteilnehmer,
die Person A möchte in einer reinen Grundschule auf Elterninitiative eine gesunde Pause anbieten: D.h. es wird kostendeckend belegte Brote, Quark, Gemüse, Obst angeboten. Das können die Kinder kaufen. Einen geldwerten Vorteil oder Gewinn gibt es nicht! Pflicht zu kaufen besteht natürlich nicht. Die Schule will es und hat nichts dagegen, daher sollen es einige freiwillige Eltern machen. Die Ware wird wohl bei einem Discounter gekauft.
Muss hier was juristisch beachtet werden: Z.B. müssen die Eltern über Allergien aufgeklärt werden (eine Art Zutatenliste für die Eltern, so wie es in Restaurants derzeit gemacht wird)? Wer haftet im Falle des Krankwerdens / Verschluckens oder Allergien bei Kindern?
Hat vielleicht jemand Erfahrungen zu diesem Thema (macht oder hat es mal selbst gemacht)? Für Tipps, Ideen, Austausch wäre die Person A sehr dankbar!

Danke im Voraus

FM
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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von FM » 17.07.19, 15:27

Natürlich sind alle lebensmittelrechtlichen Bestimmungen einzuhalten, was eigentlich nur jemand mit entsprechender Ausbildung schaffen kann.

Vertraglich haftet die Institution, welche die Speisen verkauft. Das könnte die Schule sein (eher unwahrscheinlich, dann müsste alles Geld über deren Haushalt fließen), also quasi das Bundesland oder die Kommune. Es kann auch Person A oder die Elterninitiative sein (diese dann vermutlich nicht eingetragener Verein).

Deliktisch und strafrechtlich haftet auch jeder der als Einzelperson "schuld" ist, z.B. der dort Arbeitende (auch wenn ehrenamtlich) welcher Lebensmittel nicht richtig aufbewahrt hatte oder derjenige, der die Aufsicht darüber hatte. Huier geht es um Schadensersatz (insbes. Ansprüche der Krankenkasse) und um Strafrecht, z.B. fahrlässige Körperverletzung.

Ich würde das keinesfalls ohne Betriebshaftpflichtversicherung und ohne Fachpersonal (z.B. gelernter Koch, Hauswirtschafter etc.) machen.

winterspaziergang
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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von winterspaziergang » 17.07.19, 15:57

penicillin hat geschrieben:
17.07.19, 15:04
Muss hier was juristisch beachtet werden: ....
viel zu viel, siehe Vorpost.

Besser auch im Sinne der Stärkung des Bewusstseins für die "Gesunden Pause" und Aufbau von Gewohnheiten ist sowieso Eigeninitiative und das Lernen, dass man nicht alles fertig kaufen muss. Dieses Wissen scheint immer mehr in den Hintergrund zu geraten.

Demnach rechtlich sicherer und pädagogisch wertvoller: Selbst mitbringen lassen und vor Ort belegen oder zusammenstellen. Dann kann auch das Kind mit Allergie von den Eltern entsprechende Kost mitbekommen.

penicillin
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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von penicillin » 17.07.19, 17:07

Danke für die Antworten!
Tja, dann bedeutet ja formal für die Schulen, in denen so eine Initiative existiert, eigentlich nichts Gutes im Falle des Falles. Ob das die Leute wissen, die das in anderen Schulen machen...?

FM
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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von FM » 17.07.19, 19:35

Die Schulen die ich kenne lassen das nicht von Eltern privat machen, sondern von Profis. Also z.B. Caterer, Metzgereien, Großküchen. Auch da kann man vertraglich festlegen, was serviert wird. Es kostet natürlich mehr. Das Fachpersonal arbeitet nicht umsonst und da reicht auch keine Kücheneinrichtung nach Hausfrauenart.

Dass hier die Schule einverstanden wäre, ist verwunderlich. Da hat wohl der Schulleiter, der in seiner Ausbildung natürlich nichts über Lebensmittelsicherheit, HACCP
https://de.wikipedia.org/wiki/Gefahrena ... rollpunkte
Unfallverhütung in gewerblichen Küchen, kaufmännische Buchführung, Steuerrecht, Vergaberecht (darf man das einfach beim Discounter kaufen oder muss man es ausschreiben?) gelernt hat, vergessen die Fachbehörde zu fragen.

Das ist schon kritisch wenn beim Schulfest Eltern den Nudelsalat mitbringen, aber bei einer dauerhaften Einrichtung erst recht.

Frag mal beim nächsten Krankenhaus was es kostet wenn da vielleicht 20 Kinder wegen Lebensmittelvergiftung behandelt werden, weil jemand eine Zutat nicht richtig gekühlt hatte (und das passiert auch Profis). Die Krankenkassen wollen die Behandlungskosten dann vom Verusacher wieder haben.

Tastenspitz
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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von Tastenspitz » 18.07.19, 06:30

Huhuhu - wer hat Angst vorm Schwarzen Mann. :)
Frag mal beim nächsten Krankenhaus was es kostet wenn da vielleicht 20 Kinder wegen Lebensmittelvergiftung behandelt werden, weil jemand eine Zutat nicht richtig gekühlt hatte (und das passiert auch Profis). Die Krankenkassen wollen die Behandlungskosten dann vom Verusacher wieder haben.
Das ist falsch. Wenn ich die Sorgfaltspflicht in meinem Handeln nachweisen kann und dazu genügen die unten angegebenen Maßnahmen zumeist, wird die KK das genau nicht können.

Zu den Fragen:
Wenn man so etwas machen will, dann sollte man es zusammen mit der Schule tun. Sicher gibt es Restrisiken, aber die sind sehr überschaubar solange man von rohem Fleisch, Fisch, Gefügel oder anderem leichtverderlichem die Finger lässt. Also leider kein Sushi für die Kids.... :mrgreen:

Die angesprochene Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz ist ein kurzer Vortrag, den man beim örtlichen Gesundheitsamt oder zugelassenen Ärzten machen kann. Kosten ~ 20€. Nachschulungen sind dann alle 2 Jahre zB. per Videofilmchen machbar. Die IHK, das Gesundheitsamt oder die BG helfen hier bzw. haben Mengen an Info auf den Homepages zur Verwendung. Daneben gibt es die Schulung zur Lebensmittelhygiene.
Ifos zB. hier:

https://lebensmittelhygiene.portal.bgn.de/11962/56849

HACCP (hat übrigens die NASA erfunden) ist ein Brocken, der erstmal abschreckt, aber in dem Bereich beschränkt es sich auf die Dokumentation der Eingangskontrolle (optisch OK, Temperatur OK), Lager (am Kühlschrank die Temperatur 1x täglich messen und Dokumentation der Schädlingskontolle) sowie einem Konzept für den Verkauf, was bei Pausengeschäft kaum ein Problem ist, weil diese ja wohl selten länger als wenige Stunden vorgehalten werden dürften. Man hat also etwas Papierkram aber auch das ist zu handeln.
Für die Produktion selber genügt eine halbwegs normale Küche mit gängiger Ausstattung. Man braucht hier keinen Reinraum oder sowas, wenn die Ware für den Verzehr vor Ort produziert wird.
Hier kann man am Besten das örtliche Gesundheitsamt vorher ansprechen. Die können beraten und vorab ggf. Änderungswünsche oder Auflagen machen. Meist sind das ein extra Handwaschbecken, eine Handdesinfektionsmöglichkeit und das man die Wurst eben nicht offen in den Kühlschrank legt :) - ergo kauft man ein paar Plastikdosen.
Luxus ist dann noch ein Geschirrspülmachine mit einem 70° Programm. Kann man haben - muss aber nicht.

Allergene ist eine Liste. Wenn man hier sowieso auf "Gesund" abzielt, sind Allergene kein Problem. Einfach die Info auf der Verpackung als Kopie in den Allergenordner und gut. Dem Kunden muss nur die Option gegeben werden sich zu informieren. Ich führe sein reichlich 20 Jahren diese Ordner in unterscheidlichen Betrieben und es gab noch nicht eine Nachfrage die mir zu Ohren gekommen wäre.

Abschließend:
Basisinfos zu Elterninitiativen siehe hier:
https://bage.de/elterninitiativen/
Zuletzt geändert von Tastenspitz am 18.07.19, 06:41, insgesamt 1-mal geändert.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von ktown » 18.07.19, 06:39

Ich kann aus eigenen Erfahrung sagen, dass man den steuerlichen Aspekt nicht außer acht lassen darf.
Das ganze muss angemeldet werden. Ein Kassenbuch muss geführt werden und eine Steuererklärung erstellt. Zu beachten ist auch, dass derjenige, da da auf den Belegen drauf steht letztlich mit seinem Privatvermögen haftet.

Aufgrund dieser und vieler Hygienethemen wurde das Projekt nach 1 Jahr wieder von der Schule und den Eltern eingestampft. Zum Ärger der Kinder die das geliebt haben. Jetzt wird das
FM hat geschrieben:
17.07.19, 19:35
sondern von Profis. Also z.B. Caterer, Metzgereien, Großküchen.
Problem hierbei ist halt. Dort muss ein Gewinn abspringen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von Townspector » 18.07.19, 11:24

1. Mit dem zuständigen Veterinäramt (Lebensmittelüberwachung) sprechen und sich die notwendigen Hygienemaßnahmen und Voraussetzungen erläutern lassen.
2. Einen Förderverein zu dem o.g. Zweck der gründen und eintragen lassen.
3. sich über notwendige Haftpflichtversicherung informieren und über den Verein abschließen
4. Beim Finanzamt den Gemeinnützigkeitsstaus erlangen.
5. einen Kassenwart bestellen, der die Abrechnungen erledigt und Buch führt.
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.

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Re: Gesunde Pause in der Schule

Beitrag von FM » 18.07.19, 14:02

Tastenspitz hat geschrieben:
18.07.19, 06:30
Frag mal beim nächsten Krankenhaus was es kostet wenn da vielleicht 20 Kinder wegen Lebensmittelvergiftung behandelt werden, weil jemand eine Zutat nicht richtig gekühlt hatte (und das passiert auch Profis). Die Krankenkassen wollen die Behandlungskosten dann vom Verusacher wieder haben.
Das ist falsch. Wenn ich die Sorgfaltspflicht in meinem Handeln nachweisen kann und dazu genügen die unten angegebenen Maßnahmen zumeist, wird die KK das genau nicht können.
Für Schadensersatzpflicht reicht auch schon einfache Fahrlässigkeit. Die Sorgfalt muss also praktisch bei 100 % liegen, oder man muss eben Glück haben dass trotz Fehler nichts passiert.

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