Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

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Kurt Knitz
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Kurt Knitz » 20.08.19, 11:03

Roderik hat geschrieben:
17.08.19, 20:14
Das Ziel des NTA ist es mitnichten, dem Schüler zu ermöglichen, seine Defizite abzubauen. Das fällt in den Bereich der Fördermaßnahmen, die zeitgleich zum NTA greifen.
So ist es. Aus Bequemlichkeit und Ressourcenmangel wird gerne auf Fördermaßnahmen verzichtet und ein angeblicher Nachteilsausgleich gewährt.
Im Bereich LRS haben die Bundesländer unterschiedliche Vorgehensweisen. Einige haben sehr detaillierte Handreichungen für den Umgang mit NTA und auch mit LRS. Bei LRS geht es in der Regel um eine Zeitzugabe - das kann im Rahmen einer zusätlichen Einlese- und Korrekturzeit, aber auch in Form einer grundsätzlichen Schreibzeitverlängerung erfolgen. Wichtig ist hier immer die Betrachtung des Einzelfalls.
Ja.
Der vom TE geschilderte Fall ist rechtlich wie menschlich ein absolutes Armutszeugnis, wenn er sich denn so zugetragen hat. Die Schreibzeitverlängerung soll im geschilderten Fall den Nachteil, den ein Schüler hat, kompensieren.
und besteht darin, ihm die Fünf-Minuten-Pause nach der Klassenarbeit auch noch wegzunehmen.
Natürlich ist es dann völliger Quatsch, wenn dann aus Bequemlichkeit alle Schüler dieselbe Zeitzugabe erhalten.
Wo sehen Sie Bequemlichkeit als Motiv, auch den anderen Schülern noch die Pause zu nehmen? Das ist eine maximale Kampfansage an die Eltern, die den zweifelhaften NTA erstritten haben, noch dazu mit der hinterhältig verlogenen Begründung, den Schüler vor Ausgrenzung durch seine Mitschüler schützen zu wollen. Was werden die Mitschüler wohl machen mit dem Einzelnen, der nach Darstellung der Lehrer der Grund dafür ist, dass ihnen die Pause genommen wird?


Würden Sie, lieber Kurt, uns dahingehend erleuchten, wie denn im schulischen Kontext ein NTA im Fall von LRS aussehen kann, der kein Lügenkonstrukt ist? Dann wüssten Sie nämlich mehr als die Fachleute, mit denen ich täglich zu tun habe.
Lesen Sie auch oder provozieren Sie nur?
Zeitzugaben können sinnvoll sein. Wenn Ihnen mein Posting vom 13.8. nicht passt, dann lesen Sie halt das von Stan78 vom 14.8. nochmal.

Mehr habe ich zum sogenannten Nachteilsausgleich nicht zu sagen. Wenn wenigstens ein Teil der ganzen Ressourcen, die bei dem Gewese darum vergeudet werden, in moderne Diagnostik und Förderung v o r und während der Grundschulzeit gesteckt werden würde, hätten die LRS-Kinder weniger zu leiden.
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Chavah
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Chavah » 20.08.19, 14:09

Mir konnte bisher keiner hier erklären, was die 5 Minuten bringen sollen. Minuten, in denen die Mitschüler rumwuseln, reden, Hefte abgeben u.s.w.

Chavah

Roderik
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Roderik » 20.08.19, 21:16

@Chavah

Das kann man bzw. braucht man gar nicht erst zu erklären, weil die fünf Minuten Zeitzugabe in der Tat nichts bringen. In der Oberstufe beträgt die Zeitzugabe oft zwischen 15 und 30 Minuten. Die Schüler, die vor Ende der regulären Schreibzeit abgeben, müssen das leise tun und anschließend den Raum verlassen. Auch diejenigen, die bis zum Ende der Schreibzeit schreiben, müssen leise abgeben und zügig gehen. Man würde dann kulanterweise dem NTA-Prüfling noch zwei Minuten zusätzliche Zeit einräumen.

Es sollte eigentlich selbstverständlich bzw. für eine Lehrkraft selbsterklärend sein, dass Schüler mit NTA in Form von Zeitzugabe eine echte, d.h. ungestörte Verlängerung ihrer Schreibzeit erhalten und nicht so eine Mogelpackung wie im dargestellten Fall.

Viele Grüße
Roderik

Roderik
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Roderik » 20.08.19, 21:21

@Kurt Knitz

Ich lese aus Ihren Einlassungen zum NTA bzw. LRS NTA eine deutliche Ablehung und Kritik an dem Verfahren heraus. Da haben wir offenbar unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, die unsere Haltung dazu nachhaltig beeinflusst haben.

Die mir bekannten Verfahren sind anders abgelaufen, teils natürlich nicht immer unproblematisch. Die Wahrung der Diskretion bezüglich der Beeinträchtigung des Schülers, der einen NTA bekam, war interessanterweise nie ein großes Thema oder gar ein Problem. Gerade in der Oberstufe sind die Schüler damit recht entspannt umgegangen. Da die Zeitzugabe ja nach hinten raus gegeben wird, sind die nicht beeinträchtigten Schüler in der Oberstufe auch nicht vom NTA betroffen.

Das Eingangsszenario - und da sind wir uns ja sicherlich einig - ist natürlich ein worst practice Beispiel.

Viele Grüße

Roderik

Kurt Knitz
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Kurt Knitz » 21.08.19, 15:54

Chavah hat geschrieben:
20.08.19, 14:09
Mir konnte bisher keiner hier erklären, was die 5 Minuten bringen sollen. Minuten, in denen die Mitschüler rumwuseln, reden, Hefte abgeben u.s.w.
Ich schließe mich der Erklärung von Stan78 an:
Stan78 hat geschrieben:
14.08.19, 07:09
Der oben beschriebene Nachteilsausgleich mit "überall 10 % mehr" lässt jeglichen Blick auf die individuelle Problemlage des Schülers vermissen.
Trotzdem handeln Schulen manchmal so, weil es wenig Arbeit macht und man Formal seine Schuldigkeit getan hat.
Und manche Eltern sind damit auch zufrieden, weil es ihnen gar nicht um gezielte Förderung Ihres Kindes geht, sondern einfach nur darum, ihm irgend einen kleinen Vorteil zu verschaffen.
In beiden Fällen wird dem Kind wenig bis gar nicht geholfen.
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Celestro
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Celestro » 21.08.19, 16:14

Roderik hat geschrieben:
20.08.19, 21:16
Es sollte eigentlich selbstverständlich bzw. für eine Lehrkraft selbsterklärend sein, dass Schüler mit NTA in Form von Zeitzugabe eine echte, d.h. ungestörte Verlängerung ihrer Schreibzeit erhalten und nicht so eine Mogelpackung wie im dargestellten Fall.
Wo steht denn etwas von Mogelpackung?

fragenfueralle
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von fragenfueralle » 10.09.19, 12:04

Rudi Mentär hat geschrieben:
12.08.19, 17:48
Ein Schüler mit LRS erhält durch einen Klassenkonferenzbeschluss 10% mehr Bearbeitungszeit bei Klassenarbeiten. ....
Wie bzw. durch wen ist denn LRS "diagnostiziert" worden? Und wurde etwas zur Ausprägung gesagt?
Viele Menschen hinterlassen Spuren.
Nur wenige hinterlassen Eindrücke.

Manche aber hinterlassen nur beim Eindrücken Spuren.

Rudi Mentär
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Re: Probleme mit dem Nachteilsausgleich bei LRS

Beitrag von Rudi Mentär » 10.09.19, 18:13

fragenfueralle hat geschrieben:
10.09.19, 12:04

Wie bzw. durch wen ist denn LRS "diagnostiziert" worden? Und wurde etwas zur Ausprägung gesagt?
LRS wurde durch ein psychiatrisches Gutachten während der Sekundarstufe I festgestellt. Näheres ist nicht bekannt. Der Schüler besucht inzwischen die gymnasiale Oberstufe.

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