momentanen Stand erfragen

Moderator: FDR-Team

Altbauer
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momentanen Stand erfragen

Beitrag von Altbauer »

Schüler A tritt an seinen Fachlehrer B 2 Monate vor Schuljahresende mit folgender Frage heran:

"Lieber Herr B! Bitte teilen sie mir doch bitte meinen Notenstand in Ihrem Fach mit!

Darauf antwortet Lehrer B:
"Verehrtester A! Am Anfang des Jahres habe ich der Klasse (Du warst anwesend) im Detail erklärt, wie ich die Noten bilde.
(hieß in BW früher mal Transparenzerlass) . Da hast Du erfahren, wie viele Arbeiten geschrieben werden, und wie sie gewichtet werden.
Ebenso, wie mündliche Einzelprüfungen und Mitarbeit gewichtet werden. Und dann noch, wie weitere Leistungsmessungen(z.B. Referate etc.) in
die Endnote eingehen.#
Das heißt: Du hast 3 von vier Arbeiten geschrieben (eine steht noch aus) und die Noten erfahren. 2 x hab ich Dich abgefragt und Dir die Note jew. mitgeteilt.
Für die Mitarbeit habe ich jedem Schüler vierteljährlich eine Zensur erteilt und ebenfalls mitgeteilt.Ein Quartal steht noch aus.
Dann hast Du ein Referat gehalten und die Note erfahren.

Damit hast Du bereits alle Informationen, die Du erfragen willst.
Da die Gewichtungen Dir bekannt sind, kannst Du jetzt rechnen.

Frage: Hat der Lehrer B damit seiner Pflicht, dem Schüler seinen Leistungsstand mitzuteilen, Genüge getan?

Chavah
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Chavah »

Ja, was fehlt denn noch?

Chavah

Luan
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Luan »

Ja.

Vorausgesetzt, Schüler A ist alt genug, um z.B. Prozentrechnung bereits zu beherrschen.
Vorausgesetzt, die Leistungen von Schüler A sind über das Schuljahr hinweg gleichbleibend geblieben (es also zu keiner pädagogischen Gewichtung kommen kann, keine Rundungen zum Endergebnis notwendig sind (z.B.: Was wird aus einer 2,47?)).

Trotzdem braucht manch ein Schüler Erinnerung / "Rechenhilfe" / Bestätigung / einen (virtuellen) Tritt in den Allerwertesten.
Wer sich das erste Mal zwei Monate vor Schuljahresende für seine Noten interessiert, hat evtl. etwas falsch gemacht.

Falls sich Schüler A (aktuell oder im Nachhinein) beschwert, wäre interessant zu wissen,
ob Schüler A das erste Jahr an der Schule ist (oder eben aus vorangegangenen Jahren bereits Gewichtungen etc. kennen sollte) und
ob die Informationen zur Gewichtung etc. auch an anderen Stellen verfügbar wären (Internetseite der Schule, Informationsschreiben, Schülerplaner, Intranet, ...)

FM
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von FM »

Die gespeicherten Daten hat der Lehrer schon mitgeteilt, Berechnungen daraus muss er nicht auf Zuruf erstellen.

Roderik
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Roderik »

Formal mag eine solche Auskunft in Ordnung sein, zeugt aber von einer nicht gelingenden Kommunikation.

Der Schüler möchte letztlich konkret wissen, ob er beispielsweise auf einer Zwei oder Drei steht, oder ob er zwischen zwei Noten steht. Natürlich mag die Frage nach dem Leistungsstand der mangelnden Fähigkeit oder dem mangelnden Willen entsprechen, die Informationen der Lehrkaft vom Anfang des Schuljahres in Erinnerung zu haben sowie die einzelnen Teilleistungen entsprechend zu gewichten und daraus eine Note abzuleiten. (Prozentrechnung hilft nur in den Länder nicht weiter, in denen eine rein arithmetische Ermittlung der Zeugnisnote unzulässig ist...)

Für mich klingt das eher so, als habe der Lehrer den Schüler vorgeführt. Was hätte dagegen gesprochen, einfach eine Tendenz mitzuteilen mit dem Hinweis, dass das nicht der Zeugnisnote entsprechen muss?

Fazit:

Rechtlich ist diese Form der Mitteilung durch die Lehrkraft wahrscheinlich in Ordnung.
Pädagogisch und im Sinne gelingender Kommunikation ist sie das jedoch nicht - wenngleich Letzeres in einem Rechtsforum auch uninteressant erscheinen mag.

Gruß

Roderik

Altbauer
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Altbauer »

Roderik hat geschrieben:
23.12.19, 10:35
zeugt aber von einer nicht gelingenden Kommunikation.
Da hätte ich natürlich bei der Fragestellung die Schulart angeben sollen.
Also sagen wir mal: Gymnasium/BW
Roderik hat geschrieben:
23.12.19, 10:35
Für mich klingt das eher so, als habe der Lehrer den Schüler vorgeführt
Da kommen wir nun vom juristischen Aspekt ins pädagogische! Zu einer pädagogischen Erörterung wäre ich ja durchaus bereit,
aber gehört das in dieses Forum?

Kurt Knitz
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Kurt Knitz »

Der Transparenzerlass scheint eine urban legend zu sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Notenbild ... tenbildung

Möglicherweise erfunden von solchen Gymnasiallehrern, die auch immer betonen, sie seien keine Erziehungsberechtigten.
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

Altbauer
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Altbauer »

Kurt Knitz hat geschrieben:
23.12.19, 13:59
Der Transparenzerlass scheint eine urban legend zu sein
Altbauer hat geschrieben:
22.12.19, 17:19
(hieß in BW früher mal Transparenzerlass)

ktown
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von ktown »

Altbauer hat geschrieben:
23.12.19, 15:49
Kurt Knitz hat geschrieben:
23.12.19, 13:59
Der Transparenzerlass scheint eine urban legend zu sein
Altbauer hat geschrieben:
22.12.19, 17:19
(hieß in BW früher mal Transparenzerlass)
Auch wenn sie sich selbst zitieren, scheint es weiterhin eine urban legend zu sein. Weder früher noch heute gibt oder gab es solch ein Erlass.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Altbauer
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Altbauer »

ktown hat geschrieben:
23.12.19, 16:31
Weder früher noch heute gibt oder gab es solch ein Erlass.
Stimmt!

Darum habe ich ja auch formuliert, weil man die folgende Verordnung im Schulalltag mit der der Kurzform " Transparenzerlass "
bezeichnet hat:
Verordnung des Kultusministeriums BW über die Notenbildung vom 5. Mai 1983, §7

Kurt Knitz
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Kurt Knitz »

Ich würde darauf wetten, dass meine Lehrer am Gymnasium in BW das Wort "Transparenzerlass" schon vor 1980 in den Mund genommen haben. Von daher halte ich es für vorstellbar, dass es doch schon vor Veröffentlichung der Notenbildungsverordnung im Gesetzblatt (5.5.1983) einmal einen Erlass gab, der den Lehrern vorschrieb, den Schülern am Anfang des Schuljahres die Bildung der Jahresnote z.B. aus der Gewichtung von schriftlicher zu mündlicher Note mitzuteilen.

Mit der Notenbildungsverordnung wurden 1983 die bis dahin üblichen Vorgehensweisen und verstreut vorhandenen Vorschriften zusammengefasst.

Die Pflicht, am Anfang des Schuljahres die Gewichtung der verschiedenen Notenbestandteile mitzuteilen, steht seither in § 7, Absatz (1), Satz 3:
"Der Fachlehrer hat zum Beginn seines Unterrichts bekanntzugeben, wie er in der Regel die verschiedenen Leistungen bei der Notenbildung gewichten wird."

Die Pflicht, dem Schüler den aktuellen Stand mitzuteilen, steht in § 7, Absatz (4), Satz 1:
"Der Fachlehrer hat dem Schüler auf Befragen den Stand seiner mündlichen und praktischen Leistungen anzugeben."

Quasi mehrere Transparenz-Gebote in einem Transparenz-Paragrafen! :wink:
Die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer und vieles mehr kann man finden über den Deutschen Bildungsserver:
https://www.bildungsserver.de/Schulrecht-72-de.html#Schulrecht_der_Laender

FM
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von FM »

Auch pädagogisch kann es durchaus sinnvoll sein die Schüler zu ermuntern, die erlernten Fähigkeiten (z.B. Berechnungsmethoden) nicht nur bei den Hausaufgaben und Prüfungen, sondern auch in eigenen Angelegenheiten anzuwenden.

Eierkopf
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Eierkopf »

Wie kann es denn, vorausgesetzt etwaiger Länderregelungen,
dass eine arithmetisch festlegbare Notengebung pädagogisch relevant sein könnte.
Dies trägt nicht. Schülerleistung einem Algorythmus zu unterwerfen schlägt fehlt.
Dem Lehrerverhalten sollte widersprochen werden.

Ei

ExDevil67
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von ExDevil67 »

Bei der Klagefreude einiger Eltern dürfte aber eine feste Formel der einzige Weg sein halbwegs gerichtsfest eine Note zu ermitteln. Oder was würden Sie machen wenn ihr Kind in den schriftlichen Arbeiten nur einsen abliefert und trotzdem eine 6 im Zeugnis steht?

Roderik
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Re: momentanen Stand erfragen

Beitrag von Roderik »

Die Notenverordnungen der Bundesländer legen fest, aus welchen Teilleistungen sich die Zeugnisnote zusammensetzt. Fälle, in denen ein Schüler in beiden Teilleistungsbereichen (mdl. und schrftl.) sehr gute Noten hat, lassen sich bei allem unterstellten bösen Willen nicht zu einer deutlich schlechteren Zeugnisnote drehen. Divergieren beide Bereiche, kann die Zeugnisnote nur innerhalb dieser Bandbreite liegen. Ich habe in meinem aktiven Dienst nicht eine Situation erlebt, in der das anders verlaufen wäre. Bei aller unterstellten Willkür - so blöd ist eine Lehrkraft dann in den allermeisten Fällen doch nicht.

Wer sich übrigens einmal die zahlreichen Urteile bei dem allseits bekannten Fachportal ansieht, der wird feststellen, dass die Verwaltungsgerichte den Bewertungsspielraum der Lehrkraft in der Regel unangetastet lassen, so lange dieser nicht grob ermessensfehlerhaft ist. Eine Note muss sachlich und fachlich begründbar sein - dann hilft auch eine Klage vor dem VG nicht. Die Klagefreudigkeit ist dann besonders groß, wenn es um Abschlüsse oder Berechtigungen geht. Einzelne Zeugnisnoten werden, sofern sie keinen versetzungsrelevanten Charakter haben, nicht auf dem Klageweg angefochten.

Gruß
Roderik

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