Fußball > ungerechtfertigte Sperre

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samy1980
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Fußball > ungerechtfertigte Sperre

Beitrag von samy1980 » 09.09.14, 08:39

Guten Morgen,

ich bin Trainer einer Fußballmannschaft (A-Klasse).


Folgendes Problem:

Ein Spieler von mir hat im letzten Spiel, nach einer Provokation seinen Gegner mit den Händen vor dessen Brust gestoßen. Dieser fiel darauf hin, wie vom Blitz getroffen zu Boden. Der Schiedsrichter, welcher mind. 50 Mtr. entfernt war, zeigte meinem Spieler "rot". Mein Spieler sagte dazu nichts und ging vom Platz.

Heute kam die Sperre des Verbandes. Angeblich hätte mein Spieler aus Frust mehrfach mit seinen Fäusten den Gegenspieler ins Gesicht geschlagen. Nach Zeigen der roten Karte soll er dann den Schiedsrichter beleidigt und bedroht haben.

Es wurde eine Sperre von drei Monaten verhängt.

Mein Spieler bestreitet die Vorwürfe und will in Berufung gehen.
Unser Verein sagt, erstes hat der Spieler kein Berufungsrecht, sondern nur der Verein und zweitens wird eh nur dem Schiedsrichter geglaubt.

Jetzt meine Frage:

- kann der Spieler in Berufung gehen?
- kann der Spieler ggf. vor einem Zivilgericht ein Spielrecht einklagen?
- kann der Spieler strafrechtliche gegen den Schiedsrichter u. das Sportgericht vorgehen?

ExDevil67
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Re: Fußball > ungerechtfertigte Sperre

Beitrag von ExDevil67 » 09.09.14, 09:33

samy1980 hat geschrieben:Jetzt meine Frage:

- kann der Spieler in Berufung gehen?
Das Verfahren zu Sperren etc dürfte der Verband in einer entsprechenden Ordnung zu seiner Sportgerichtsbarkeit geregelt haben inkl der Frage wer wann wie wo höhere Instanzen anrufen darf.
samy1980 hat geschrieben: - kann der Spieler ggf. vor einem Zivilgericht ein Spielrecht einklagen?
Könnte klappen, würde mich aber nicht wundern wenn ein Zivilgericht sich für unzuständig erklärt wenn nicht alle verbandsinternen Möglichkeiten vorher ausgeschöpft wurden.
samy1980 hat geschrieben: - kann der Spieler strafrechtliche gegen den Schiedsrichter u. das Sportgericht vorgehen?
Strafanzeige kann jeder, jederzeit gegen jeden und wegen allem erstatten. Frage mich aber grade welche Tatbestände hier erfüllt sein sollen. Einen Rechtsanspruch auf Ausübung einer bestimmten Sportart gibt es nicht, und wenn ändert ein Strafverfahren auch nix an der Sperre.

snoopy96
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Re: Fußball > ungerechtfertigte Sperre

Beitrag von snoopy96 » 15.09.14, 08:35

samy1980 hat geschrieben:Jetzt meine Frage:

- kann der Spieler in Berufung gehen?
i. d. R. kann ein Rechtsmittel beim Sportgericht nur vom Verein einlegt werden und nicht vom Spieler selbst (steht zumindest so in der Ausführungsbestimmungen des DFB, welche für alle LV gültig sind).

samy1980 hat geschrieben:- kann der Spieler ggf. vor einem Zivilgericht ein Spielrecht einklagen?
versuchen kann man es, allerdings ist der Gang vor die Zivilgerichtsbarkeit in allen Satzungen des LV ausgeschlossen und würde zu einer neuen / weiteren Sperre, bzw. zu einem dauerhaften Ausschluss führen.

samy1980 hat geschrieben:- kann der Spieler strafrechtliche gegen den Schiedsrichter u. das Sportgericht vorgehen?
was soll das bitte bringen?
Der Schiedsrichter ist immer nur Zeuge.....
Das Sportgericht glaubt i. d. R. immer dem Schiedsrichter

im übrigen hat sich sowohl der Spieler als auch der Verein den Satzungen des Verbandes mit der Aufnahme unterworfen.

Und schon einmal darüber nachgedacht, dass der Spieler vielleicht doch schuldig ist und sich nun nur rausreden will?
________________
Das Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Heckersbruch
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Re: Fußball > ungerechtfertigte Sperre

Beitrag von Heckersbruch » 28.10.15, 13:55

Moin,
Ein Spieler von mir hat im letzten Spiel, nach einer Provokation seinen Gegner mit den Händen vor dessen Brust gestoßen
= Tätlichkeit
Dieser fiel darauf hin, wie vom Blitz getroffen zu Boden
Dies wird bei manchen Mannschaften (bis hin zu Nationalmannschaften) sogar trainiert.
Der Schiedsrichter, welcher mind. 50 Mtr. entfernt war, zeigte meinem Spieler "rot".
Vollkommen zu Recht, da Tätlichkeit
Mein Spieler sagte dazu nichts und ging vom Platz.
So die Idealvorstellung. Die Realität sieht in 99,99% aller Fälle anders aus.
Nach Zeigen der roten Karte soll er dann den Schiedsrichter beleidigt und bedroht haben.
siehe oben: 99,99% aller Fälle
Es wurde eine Sperre von drei Monaten verhängt.
Was nicht unüblich ist nach einer Tätlichkeit. Strafmaß laut DFB: 6 Wochen bis 6 Monate
Unser Verein sagt, erstes hat der Spieler kein Berufungsrecht, sondern nur der Verein
Womit der Verein Recht hat, denn laut DFB-Rechtsordnung ist der Verein für seine Spieler verantwortlich. Folglich kann auch nur der Verein Berufung einlegen.
und zweitens wird eh nur dem Schiedsrichter geglaubt.
Was prinzipiell ja richtig ist, weil der Schiedsrichter als neutraler Spielleiter nunmal neutral ist. Die entsprechenden Parteien (also Vereine und Spieler) sind dies nicht. Gerade in den unteren Spielklassen, bei denen tatsächlich nur ein Schiedsrichter vor Ort ist, wird der Tatsachenentscheidung des SR besondere Bedeutung beigemessen werden, denn andere neutrale Beobachter des Spiels sind selten vor Ort.
- kann der Spieler in Berufung gehen?
Nein
- kann der Spieler ggf. vor einem Zivilgericht ein Spielrecht einklagen?
Nein
- kann der Spieler strafrechtliche gegen den Schiedsrichter u. das Sportgericht vorgehen?
Kann er gerne versuchen. Die Gerichte haben ja noch nicht genug damit zu tun, sich um tatsächliche Straftaten zu kümmern.

Grüssle
Jens
Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung!

ACHTUNG: Recht und Gerechtigkeit sind zwei verschiedene Paar Schuhe!

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