Fitnessstudio Vertag kündigen

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Azerkan
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Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von Azerkan » 28.09.15, 16:50

Hallo,

Ich war heute im Fitnessstudio um meinen Vertrag zu kündigen. Der Grund sind Rückenschmerzen, wodurch ich nicht in der Lage bin zu trainieren. Ein Arzt hat mir auch ein Attest geschrieben, in dem steht, dass ich keinen Sport mehr machen darf. Das habe ich auch dem Fitnessstudioinhaber gezeigt. Jedoch lehnte er die Kündigung ab, mit der Begründung, dass ich den ganzen Jahresbeitrag schon im Vorraus bezahlt hätte und es im Studio auch Abteilungen gäbe die mir mit dem Problem helfen könnten. Jedoch möchte ich dies nicht in Anspruch nehmen, sondern von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Stimmt die Aussage des Betreibers oder nicht? Falls es zu einem Rechtsstreit kommen sollte, könnte ich mir aber keinen Anwalt leisten. Gibt es andere Möglichkeiten um Druck auszuüben beim Betreiber? Für hilfreiche Antworten bedanke ich mich schonmal im Vorraus.

webelch
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von webelch » 28.09.15, 17:13

Zunächst: Es hilft nicht den Beitrag doppelt in das falsche Forum zu posten. Ihre Frage ist im Verbraucherrecht richtig untergebracht. Ansonsten finden sich hier mit der Forensuche einige Threads zum Thema. Auch im Netz wird diese Frage ausgiebig besprochen. Generell reicht ein schlichtes Attest nicht aus, um einen solchen Vertrag ausserhalb der vereinbarten Frist zu kündigen. Es müssen tatsächlich medizinische Gründe vorliegen, die die Nutzung dieses Studios ausschliessen. Scheinbar ist das Studio im Sachverhalt sogar auf die Behandlung der attestierten Krankheit spezialisiert oder wie ist
Azerkan hat geschrieben:...es im Studio auch Abteilungen gäbe die mir mit dem Problem helfen könnten.
zu verstehen?

winterspaziergang
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von winterspaziergang » 28.09.15, 17:18

Azerkan hat geschrieben:Hallo,

Ich war heute im Fitnessstudio um meinen Vertrag zu kündigen. Der Grund sind Rückenschmerzen, wodurch ich nicht in der Lage bin zu trainieren.
Rückenschmerzen sind Symptome, keine Diagnose. Und der Betreiber hat Recht: Gerade hier sind bestimmte Übungen der Gesundheit förderlich und kein Grund, gar nicht mehr zu trainieren.
Ein Arzt hat mir auch ein Attest geschrieben, in dem steht, dass ich keinen Sport mehr machen darf.
Aber offensichtlich nicht hinreichend begründet.
Das habe ich auch dem Fitnessstudioinhaber gezeigt. Jedoch lehnte er die Kündigung ab, mit der Begründung, dass ich den ganzen Jahresbeitrag schon im Vorraus bezahlt hätte und es im Studio auch Abteilungen gäbe die mir mit dem Problem helfen könnten.
wie bereits ausgeführt: Da hat der Mann nun einmal rechtlich und sachlich Recht.
Jedoch möchte ich dies nicht in Anspruch nehmen, sondern von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.
Welches Sonderkündigungsrecht? Von einem Recht kann man nur Gebrauch machen, wenn man es hat. Je nach Vertragsbedingungen hat man das nicht. Dass Menschen sind im Studio für ein Jahr anmelden, eine reduzierte Gebühr zahlen, da sie sich so lange binden und dann doch keine Lust mehr haben und irgendwelche gesundheitlichen Probleme vorschieben, ist Alltag in den Studios.
Stimmt die Aussage des Betreibers oder nicht? Falls es zu einem Rechtsstreit kommen sollte, könnte ich mir aber keinen Anwalt leisten. Gibt es andere Möglichkeiten um Druck auszuüben beim Betreiber? Für hilfreiche Antworten bedanke ich mich schonmal im Vorraus.
Auch ein Anwalt übt keinen Druck auf einen Vertragspartner aus, mit dem man zuvor genau jenen Vertrag eingegangen ist. Er prüft allenfalls, ob der Vertrag wirksam ist oder der Kunde sonst ein Recht hat. Wobei selbst bei Komplettausfall wegen Krankheit nicht zwingend eine Kündigung möglich ist. Wenn man nach der Genesung weiter trainieren darf, ruht der Vertrag in dieser Zeit. Und wie gesagt "Rückenschmerzen" sind nun einmal keine Begründung für Sportunfähigkeit.

winterspaziergang
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von winterspaziergang » 28.09.15, 17:21

webelch hat geschrieben:Scheinbar ist das Studio im Sachverhalt sogar auf die Behandlung der attestierten Krankheit spezialisiert oder wie ist
Azerkan hat geschrieben:...es im Studio auch Abteilungen gäbe die mir mit dem Problem helfen könnten.
zu verstehen?
Dass Rückenschmerzen leider die falsche Begründung waren.

Azerkan
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von Azerkan » 28.09.15, 20:13

Aber wenn mir der Arzt es doch bescheinigt, dass ich sportunfähig bin, kann ich ja wohl schlecht etwas vortäuschen. Und soweit ich das weiß, kann der Vertrag bei Sportunfähigkeit vorzeitig gekündigt werden.

Azerkan
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von Azerkan » 28.09.15, 20:21

Also ich habe das Thema nicht doppelt gepostet, weiß nicht wie das passiert ist. Was die Rückenschmerzen angeht, es steht ja nicht einfach Rückenschmerzen auf dem Attest. Es ist eine Bescheinigung vom Arzt, dass ich keinen Sport mehr treiben kann mit der Begründung einer Lumboischialgie und einer Wurzelreizung. Somit finde ich, dass durchaus genau geschildert worden ist, warum ich nicht mehr in der Lage bin zu trainieren.

khmlev
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von khmlev » 28.09.15, 20:42

....doch lehnte er die Kündigung ab, mit der Begründung, ... und es im Studio auch Abteilungen gäbe die mir mit dem Problem helfen könnten. Jedoch möchte ich dies nicht in Anspruch nehmen, ...
Du argumentiert dich doch selbst ins Abseits. Das Sportstudio bietet offensichtlich zielgerichtete Sportmöglichkeiten an, zu denen Du aber keine Lust hast. Lustlosigkeit ist aber kein Sonderkündigungsgrund.
Gruß
khmlev
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freemont
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von freemont » 28.09.15, 20:50

Azerkan hat geschrieben:Also ich habe das Thema nicht doppelt gepostet, weiß nicht wie das passiert ist. Was die Rückenschmerzen angeht, es steht ja nicht einfach Rückenschmerzen auf dem Attest. Es ist eine Bescheinigung vom Arzt, dass ich keinen Sport mehr treiben kann mit der Begründung einer Lumboischialgie und einer Wurzelreizung. Somit finde ich, dass durchaus genau geschildert worden ist, warum ich nicht mehr in der Lage bin zu trainieren.
Hallo,

dazu gibt es eine Grundsatzentscheidung des BGH aus 2012. Das war damals auch in der Presse, kurz gesagt "die Krankheit geht das Studio nichts an", BGH, Urteil vom 8. 2. 2012 - XII ZR 42/10:
Die Revision weist jedoch zu Recht darauf hin, dass diesem Interesse der Klägerin bereits durch die Vorlage eines ärztlichen Attestes gedient ist, aus dem sich ergibt, dass eine sportliche Tätigkeit des Kunden nicht mehr möglich ist. Das Interesse der Klägerin, sich vor unberechtigten Kündigungen zu schützen, rechtfertigt es nicht, von ihren Kunden Angaben über die konkrete Art der Erkrankung zu verlangen.
Hier ist das z.B. "übersetzt": https://www.test.de/Kuendigung-bei-Fitn ... 4381337-0/

Im "Kleingedruckten" des Vertrags sollte das ebenfalls entsprechend geregelt sein.

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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von Azerkan » 28.09.15, 20:56

Habe schon ähnliches gelesen über solche Gerichtsurteile, jedoch bezweifle ich, dass der Studioinhaber sich davon beeindrucken lässt, solange ich nicht mit einem Anwalt komme. Aber dafür habe ich kein Geld. :?

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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von questionable content » 28.09.15, 21:04

freemont hat geschrieben:
Azerkan hat geschrieben:Also ich habe das Thema nicht doppelt gepostet, weiß nicht wie das passiert ist. Was die Rückenschmerzen angeht, es steht ja nicht einfach Rückenschmerzen auf dem Attest. Es ist eine Bescheinigung vom Arzt, dass ich keinen Sport mehr treiben kann mit der Begründung einer Lumboischialgie und einer Wurzelreizung. Somit finde ich, dass durchaus genau geschildert worden ist, warum ich nicht mehr in der Lage bin zu trainieren.
Hallo,

dazu gibt es eine Grundsatzentscheidung des BGH aus 2012. Das war damals auch in der Presse, kurz gesagt "die Krankheit geht das Studio nichts an", BGH, Urteil vom 8. 2. 2012 - XII ZR 42/10:
Die Revision weist jedoch zu Recht darauf hin, dass diesem Interesse der Klägerin bereits durch die Vorlage eines ärztlichen Attestes gedient ist, aus dem sich ergibt, dass eine sportliche Tätigkeit des Kunden nicht mehr möglich ist. Das Interesse der Klägerin, sich vor unberechtigten Kündigungen zu schützen, rechtfertigt es nicht, von ihren Kunden Angaben über die konkrete Art der Erkrankung zu verlangen.
Hier ist das z.B. "übersetzt": https://www.test.de/Kuendigung-bei-Fitn ... 4381337-0/

Im "Kleingedruckten" des Vertrags sollte das ebenfalls entsprechend geregelt sein.
Dummerweise bedeutet die Diagnose hier lediglich im Volksmund "Ischias" und auch "Wurzelreizung" ist im Regelfall nach kurzer Zeit und Medikamentierung vorbei.

Das ist keine generelle Sportunfähigkeit für einen unbestimmt langen Zeitraum, sondern fällt im Regelfall unter vorübergehende Erkrankung. Falls nicht, wäre die Diagnose unvollständig.

Die vorübergehenden Erkrankungen fallen aber wiederum regelmäßig nicht unter die außerordentlichen Kündigungsgründe für Fitnessstudioverträge.
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von questionable content » 28.09.15, 21:18

Azerkan hat geschrieben:Aber wenn mir der Arzt es doch bescheinigt, dass ich sportunfähig bin, kann ich ja wohl schlecht etwas vortäuschen. Und soweit ich das weiß, kann der Vertrag bei Sportunfähigkeit vorzeitig gekündigt werden.
Sportunfähigkeit mein überlicherweise nicht "kurzfristige" bzw. "vorübergehende" Sportunfähigkeit.

"Sportunfähig" in dem Sinn wäre man auch, wenn man einen halben Tag arbeitsunfähig krank ist und das Bett hüten muss. Für solche Fälle gibt es aber regelmäßig kein Sonderkündigungsrecht. Dafür ist langfristige bzw. dauerhafte Sportunfähigikeit nötig, die es dem Kunden unzumutbar macht, an dem Vertrag festzuhalten.

Wenn ein Arzt deshalb genau mit der Diagnose eine "Sportunfähigkeit" im Sinn eines Fittnessstudiovertrags "bescheinigt", würde ich ihm als Betreiber auch was husten. Das liest sich schlicht wie ein sinnfreies Gefälligkeitsattest.
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von freemont » 28.09.15, 21:26

questionable content hat geschrieben:...
Dummerweise bedeutet die Diagnose hier lediglich im Volksmund "Ischias" und auch "Wurzelreizung" ist im Regelfall nach kurzer Zeit und Medikamentierung vorbei.
...

Die Diagnose geht laut BGH, s.o., das Studio nichts an:
Ein Arzt hat mir auch ein Attest geschrieben, in dem steht, dass ich keinen Sport mehr machen darf. Das habe ich auch dem Fitnessstudioinhaber gezeigt.

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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von questionable content » 28.09.15, 21:38

Sie entwickeln eine sehr ausgeprägte Tendenz, Urteile unverständig nach dem Wortlaut herunterzuleiern.

Vorliegend gibt es keine Bestätigung einer andauernden Sportunfähigkeit. Zudem geht es auch nicht darum, dass der Kunde dem Studie die Diagnose nicht vorlegen möchte.

Er hat vielmehr bereits freiwillig die Diagnose bekannt gegeben zusammen mit dem Rest des Attestes und daraus ergibt sich nun einmal, dass es sich um eine typische vorübergehende Erkrankung geht.

Abgesehen davon: Das hier ist kein Dauerschuldverhältnis mit monatlicher Ratenzahlung. Auch das kann empfindliche Konsequenzen haben, selbst wenn per se eine Kündigung möglich wäre.
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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von freemont » 28.09.15, 21:47

questionable content hat geschrieben:Sie entwickeln eine sehr ausgeprägte Tendenz, Urteile unverständig nach dem Wortlaut herunterzuleiern.

Vorliegend gibt es keine Bestätigung einer andauernden Sportunfähigkeit. Zudem geht es auch nicht darum, dass der Kunde dem Studie die Diagnose nicht vorlegen möchte.

Er hat vielmehr bereits freiwillig die Diagnose bekannt gegeben zusammen mit dem Rest des Attestes und daraus ergibt sich nun einmal, dass es sich um eine typische vorübergehende Erkrankung geht.
...
Das raten sie jetzt, dass das so war und biegen den Sachverhalt in Ihre Richtung.

Sind Sie Arzt, woher wissen Sie, dass die Heilung i.d.F. kurzfristig, "typisch vorübergehend" ist?

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Re: Fitnessstudio Vertag kündigen

Beitrag von questionable content » 28.09.15, 21:54

Praktisches Problem: der TE hat 2 Threads zum selben Thema gestartet. Ein Hinbiegen ist das btw. nicht.

Die Diagnose ist eine der klassischen Diagnosen für "Rückenschmerzen/Ischias". Wurzelreizung ist wiederum eine der Standarddiagnosen für "geht bald wieder wieder weg".
Es ist auch nicht allein das, was dasteht, sondern vor allem auch das, was *nicht* dasteht. Solche Diagnosen finden sich im Regelfall als Begleiterscheinungen für ernsthafteres, z.B. einem Bandscheibenvorfall. Genau das "Ernsthaftere" fehlt aber.
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