Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Moderator: FDR-Team

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DReffects
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Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von DReffects »

Liebe Forengemeinde,

kann ein Anwalt der seinen Mandant in Bezug auf eine Vertretung im Klageverfahren ablehnen obwohl er bislang in selber Sache außergerichtlich hierfür tätig war und dies mit "Überlastung" begründen?
Durch einen Anwaltswechsel für die Klageerwiderung entsteht ja ein Großteil der außergerichtlichen Gebühr erneut, da diese der neue RA nicht außergerichtlich tätig war. Wer kommt für diese zusätzlichen Kosten auf?

Danke & Gruß
Es ist noch Suppe da!

FM
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Re: Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von FM »

Wenn der RA selbst weiß, dass er gar keine Zeit hat um das Gerichtsverfahren ordentlich zu führen, muss er sogar ablehnen.

So wie ein Chirurg eben auch vielleicht 10 oder 12 Blinddarmoperationen am Tag durchführen kann, aber sicher keine 500 machen darf. Irgendwann muss er sagen, mehr geht nicht mehr mit ausreichender Sorgfalt.

DReffects
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Re: Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von DReffects »

FM hat geschrieben:
17.04.20, 22:07
Wenn der RA selbst weiß, dass er gar keine Zeit hat um das Gerichtsverfahren ordentlich zu führen, muss er sogar ablehnen.
Besteht hier nicht auch Berechtigung der Frage der Vermeidbarkeit? Eine Großkanzlei mit mehreren hundert Mitarbeitern stellt bei einem Mandant mit geringem Streitwert fest, dass sie mach vier Jahren plötzlich keine Zeit mehr hat?
Aber grundlegend geb ich dir ja auch recht: Lieber kein Gerichtsverfahren führen als schlampig ;-)
Gibt es eine Info bezüglich der Anrechnung der Verfahrensgebühr? Muss diese vom bisherigen Anwalt erstattet werden?
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Nordlicht14
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Re: Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von Nordlicht14 »

Nein. Muss sie nicht. Es sei denn, seine schriftliche Mandatsbestätigung zu Beginn umfasste ausdrücklich auch schon Klageumfang. In der Mandatsbestätigung definiert der Anwalt zu Beginn, welchen Teil er bestätigt zu übernehmen, und zu welchem Honorar er dazu bereit ist.

Gerichtlicher Klageauftrag ist ein neuer Auftrag, vor dem beide Seiten neu entscheiden, ob sie dafür zusammen arbeiten sollen. Ebenso nach Urteil wieder vor Berufung neu entscheiden.

Es muss ja sowohl die Zeit dafür bestehen, wie die nötige „Chemie“, und Vertrauen, und zwar auf beiden Seiten, nicht nur auf der des Mandanten.

DReffects
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Re: Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von DReffects »

Nordlicht14 hat geschrieben:
19.04.20, 04:35
Nein. Muss sie nicht. Es sei denn, seine schriftliche Mandatsbestätigung zu Beginn umfasste ausdrücklich auch schon Klageumfang. In der Mandatsbestätigung definiert der Anwalt zu Beginn, welchen Teil er bestätigt zu übernehmen, und zu welchem Honorar er dazu bereit ist.
Verstehe, vielen Dank.
In der erteilten Vollmacht war die Rede von
Vertretung und Verteidigung in Strafsachen, Privatklagesachen, Bußgeldsachen, Entschädigungssachen, insbesondere Vertretung und Verteidigung in allen Instanzen sowie im Vorverfahren und zwar auch im Fall der Abwesenheit zur Vertretung nach § 411 II StPO mit ausdrücklicher Ermächtigung auch nach §§
233 I, 234 StPO.
In der E-Mail zur Beauftragung der Kanzlei hieß es zudem:
Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung konnten wir in der Vergangenheit zahlreiche Filesharing-Verfahren vor Gericht für unsere Mandanten gewinnen.
Daher die Annahme, dass man natürlich auch vor Gericht Unterstützung bekommen würde.
Es muss ja sowohl die Zeit dafür bestehen, wie die nötige „Chemie“, und Vertrauen, und zwar auf beiden Seiten, nicht nur auf der des Mandanten.
Ja, absolut... :)
Es ist noch Suppe da!

Niemand2000
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Re: Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von Niemand2000 »

DReffects hat geschrieben:
19.04.20, 15:37
Nordlicht14 hat geschrieben:
19.04.20, 04:35
Nein. Muss sie nicht. Es sei denn, seine schriftliche Mandatsbestätigung zu Beginn umfasste ausdrücklich auch schon Klageumfang. In der Mandatsbestätigung definiert der Anwalt zu Beginn, welchen Teil er bestätigt zu übernehmen, und zu welchem Honorar er dazu bereit ist.
Verstehe, vielen Dank.
In der erteilten Vollmacht war die Rede von
Vertretung und Verteidigung in Strafsachen, Privatklagesachen, Bußgeldsachen, Entschädigungssachen, insbesondere Vertretung und Verteidigung in allen Instanzen sowie im Vorverfahren und zwar auch im Fall der Abwesenheit zur Vertretung nach § 411 II StPO mit ausdrücklicher Ermächtigung auch nach §§
233 I, 234 StPO.
In der E-Mail zur Beauftragung der Kanzlei hieß es zudem:
Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung konnten wir in der Vergangenheit zahlreiche Filesharing-Verfahren vor Gericht für unsere Mandanten gewinnen.
Daher die Annahme, dass man natürlich auch vor Gericht Unterstützung bekommen würde.
Es muss ja sowohl die Zeit dafür bestehen, wie die nötige „Chemie“, und Vertrauen, und zwar auf beiden Seiten, nicht nur auf der des Mandanten.
Ja, absolut... :)
Sie können ja mal den Anwalt fragen, ob er die Zusatzkosten für einen weiteren Anwalt übernehmen würde? :lachen:

DReffects
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Re: Ablehnung von gerichtlicher Vertretung wegen "Überlastung" im laufenden Vorgang?

Beitrag von DReffects »

Niemand2000 hat geschrieben:
19.04.20, 15:39
Sie können ja mal den Anwalt fragen, ob er die Zusatzkosten für einen weiteren Anwalt übernehmen würde? :lachen:
:D

:devil:
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