Unterhaltsklage - Anwalt wechseln?

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januin
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Unterhaltsklage - Anwalt wechseln?

Beitrag von januin »

Hallo!

ich klage seit einigen Jahren gegen meinen Vater, der irgendwann im laufe meines Studiums aufhörte Unterhalt für mich zu zahlen. Für dieses Verfahren wurde mir Rechtsbeihilfe gestatten und ich habe einen Anwalt beauftragt.
Ich habe mich in der Zwischenzeit mit meinem Vater schon vor Gericht getroffen in dem der Richter einen Vergleich vorgeschlagen hat. Mein Vater hat abgelehnt.
Seit dem ist von meinem Anwalt so gut wie gar nichts mehr zu hören. Er reagiert nicht mehr auf meine Briefe, lässt sich entschuldigen wenn ich anrufen etc. Ihn scheint das Verfahren nur lästig zu sein!
Nun meine Frage: Wie ist die Rechtslage? Kann ich im laufenden Verfahren meinem Anwalt das Mandat entziehen und einen anderen Anwalt mit der Unterhaltsklage beauftragen? Kann man die Rechtsbeihilfe einfach so 'weitergeben'? Bekommt mein derzeitiger Anwalt so wenig Geld aus der Rechtsbeihilfe, dass die Klage nicht mehr lukrativ für Ihn ist?

Ich hoffe Ihr konntet mir folgen und könnte mir etwas weiter helfen.

Grüße,

januin

Herzog, Jörg
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Beitrag von Herzog, Jörg »

Die Prozesskostenhilfe (PKH) nach §§ 114 ff. ZPO kann nicht ohne Weiteres von einem Rechtsanwalt (RA) an den anderen RA weitergegeben werden. Sie ist an die Person eines bestimmten RA gebunden. Wenn es einen triftigen Grund für den Anwaltswechsel gibt, wird das Gericht möglicherweise auf einen neuen Antrag hin einen neuen RA beiordnen. Die Aussichten dürften allerdings nach dem bisher vorgetragenen Sachverhalt insgesamt fraglich sein, weil die öffentlichen Kassen bekanntlich chronisch knapp sind und die PKH vom Staat bezahlt wird. Es muss demzufolge schon etwas ganz außerordentlich Schlimmes passiert sein, damit der Staat den Anwaltswechsel finanziert.

In der Regel ist es schon hilfreich, wenn der enttäuschte Mandant M einen Termin mit seinem RA vereinbart und "Aug in Aug" mit ihm die Sache in allen Einzelheiten bespricht. Telefonische Unterredungen sind da sicherlich nicht zielführend, insbesondere deswegen weil die meisten RAs auch nicht gerade dann Zeit haben, wenn der Mandant, der anruft, das gerne hätte, sorry. Wenn auch ein Gespräch nicht weiterhilft, kann sich der M auch an die Rechtsanwaltskammer wenden, die dann ggf. versucht, zwischen M und RA zu vermitteln. By the way: PKH-Mandate sind in der Tat gebührenmäßig nicht so attraktiv wie "normale Mandate", aber das weiß der Auftragnehmer ja auch vorher.

Milo
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Beitrag von Milo »

Ganz abgesehen davon, dass der Anwalt durch den Termin und nach Ablehnung eines Vergleichs alle Gebühren bereits verdient hat und somit jegliche weitere Tätigkeit keinen müden Cent zusätzlich bringt.

Aber daran dürfte es eigentlich nicht liegen.

Wenn es einen (Güte)termin gab, muss die Klage bereits bei Gericht sein. Sollte weiterer Sachvortrag erforderlich sein, würde das Gericht entsprechende Fristen setzen.

Warum es hier länger dauert, kann man anhand des Sachverhalts nicht sagen. Vielleicht wartet man im Rahmen einer Auskunftsklage auf Steuerunterlagen des Vaters oder ein Gutachter hat die Einkünfte des selbstständigen Vaters zu prüfen.

Oft ist es auch so, dass der Begriff "länger" vom Mandanten anders ausgelegt wird.
Bei einem einfachen Verkehrsunfall erkläre ich den Mandanten gleich, dass sie mich für 4 bis 5 Wochen in Ruhe lassen sollen, solange sie nichts von mir hören. In Strafsachen sind es 2 bis 3 Monate und im Sozialrecht erkläre ich bei gerichtlichen Verfahren den Mandanten höflich, dass sie nerven, wenn sie nach 6 Monaten schon wissen wollen, wie die Sachlage ist....
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

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