Prozessfreudiger Anwalt!! NUN SCHULDEN!!

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fmz81
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Prozessfreudiger Anwalt!! NUN SCHULDEN!!

Beitrag von fmz81 »

Hallo, zu allererst „Vertrauen ist gut – Anwalt ist besser“, ein toller Werbeslogan der Anwaltskammer sollte man mal getrost vergessen können!
Mein Unmut über diese Aussage ist leider berechtigt, wobei ich auch weiß, dass man dies sicher nicht verallgemeinern kann.

Zu meinem Fall (KURZFASSUNG!!),

ich (27), oder besser gesagt meine Mutter, habe vor langen Jahren meinen Vater auf Unterhalt verklagt, dies war eine Empfehlung des Anwalts meiner Mutter, welcher sie auch in der Scheidung vertrat, in ihrem Fall mehr oder weniger erfolgreich. Er schob sie in die zweite Reihe, da mein Vater vor Gericht mündlich zu verstehen gab, dass er mir Unterhalt zahlen würde, was natürlich nicht mehr wahr war, als er den Gerichtssaal verließ. Mir war diese Klage von Anfang an unangenehm, da ich meinen Vater als hochrangigen Banker und sein Umgang mit Geld und juristischen Wissen natürlich bestens kannte.

Ich warnte diesen Anwalt und auch meine Mutter diese Idee schleunigst wieder zu vergessen. Mir wurde kein Gehör geschenkt, so wurde ich in die Kanzlei zitiert und mir direkt eine Vollmacht vorgelegt, die ich unterschreiben musste. Eine Aufklärung über Risiken und genaue Erklärung gab es nicht. Mir wurde nur gesagt, was mir als Unterhalt zusteht, während ich meine Ausbildung als geprüfter Mediendesigner auf einer privaten höheren Berufsfachschule machte. Die hörte sich alles sehr toll an, wobei ich aber direkt erwähnte, dass ich gar nicht soviel Geld benötige, sondern vielleicht schon 150-200€ ausreichen würden, da ich neben meiner Vollzeit-Ausbildung am Wochenende noch einen 400€ Job hatte.

Dies wurde lächelnd von dem besagten Anwalt als Humbug abgetan und er gab zu verstehen, dass er in die Vollen gehen wird, dass mir kein Cent verloren ging. Erst später wurde mir klar, dass dies nur ihm im Streitwert zugute kommen wird. Ich warnte ihn erneut, dass ich im Falle der Niederlage kein Cent bezahlen könnte und ich sowieso nicht mit diesem Vorhaben einverstanden bin, meinen eigenen Vater zu verklagen, da ich mit Scheidung und diesem ganzen Spiel eh nichts zu tun haben wollte weil mich die Trennung meiner Eltern eh schon genug belastete. Daraufhin gab er mir zu verstehen, ich wäre DUMM wenn ich das nicht machen würde. Ich willigte daraufhin ein.. dumm wie ich war.

Die Prozesskostenhilfe wurde abgelehnt, Begründung: Mangelnde Aussicht auf Erfolg. Es wurde erneut eine von meinem Anwalt gestellt, wobei ich da bereits sagte: Schluss jetzt!
Das interessierte ihn nicht, auch schriftliche Absagen von mir nicht. Die zweite Prozesskostenhilfe wurde ebenfalls abgelehnt, gleiche Begründung. Meine Mutter legte dann das Geld vor, dass der Prozess zustande kommen konnte, was ich wiederrum nicht wollte, dennoch wurde ich vor Gericht gezerrt, bei Nichterscheinen Strafandrohung.

Die Richterin des Amtsgerichts gab mir zu verstehen, dass ich es auf dem Sozialamt versuchen sollte, da hätte ich eher Chancen und auch, dass sie anscheinend meinen Vater persönlich kennt und somit wüsste wie es in der Familie aussieht. Die Klage wurde abgewiesen. Ich wies meinen Anwalt erneut darauf hin, dass er nun bitte mit sofortiger Wirkung alles stoppen soll, da ich nun schon genug zu bezahlen hätte und mein Vater sicherlich wüsste, was er zu tun hatte um uns immer einen Schritt voraus zu sein. Dies interessierte ihn nicht, auch nicht, dass er viel zu spät vor Gericht erschien, keine Argumente hatte und nur wahllos in seinen Unterlagen blätterte, während ihn die Gegenseite (Vater war nicht anwesend) auseinander nahm. Argumente kamen, das wäre keine richtige Schule und wenn, dann würde ich eh nicht hingehen oder sie gar packen aber dummerweise hatte ich lediglich ein paar attestierte Krankheitsfehltage in den zwei Jahren und einen Abschluss als geprüfter Mediendesigner (staatlich anerkannt) mit einem Prüfungsergebnis von 2,4.

Die Gegenseite gab noch dazu zu verstehen, dass ich nach meiner Schule nicht konsequent genug nach einer Ausbildungsstelle gesucht hätte, dabei gibt es im Saarland nicht viel was mit Mediendesign zu tun hatte, so dass ich sogar mich in vier weiteren Branchen bewarb, was mir aber nicht angerechnet wurde. Auch dies war ein Mangel meines Anwalts, was er nicht auf die Reihe bekam, dies zu belegen. Im Guten wandte sich dann noch die ehemalige Anwältin meines Vaters der Scheidung an meine Mutter, wir sollten bitte das laufende Verfahren gegen ihren ehemaligen Mandanten stoppen, da es niemals zum Erfolg kommen wird.

Ich dachte nun mehr als je zuvor und endgültig, die Kiste sei erledigt und gut.. von wegen! Eines Tages kam meine Mutter zu mir und sagte, dass der Anwalt Berufung eingelegt hatte und er dies ihr nebenbei bei einem Treffen, das noch mit Scheidungsdingen zu tun hatte, erzählte. Womit sie selbst auch nicht mehr einverstanden war und ihre Bedenken und Sorgen anmeldete und auch, dass er bitte aufhören möchte.

Ich fiel aus allen Wolken und forderte ihn erneut schriftlich und telefonisch auf, dies alles sein zu lassen und nochmals ALLES zu stoppen. Das interessierte ihn nicht und er erzählte erneut von tollen Erfolgschancen vor dem Oberlandesgericht, die Amtsrichterin wäre nur voreingenommen gewesen und das hätte gute Chancen, dass wir das Steuer rumreißen. Ich sagte ihm, dass es da nichts mehr zu reißen gäbe, meine Schulden nun schon hoch genug sind und ich nicht weiß, wo ich das viele Geld herholen sollte. Er stempelte mich erneut als dumm ab wenn ich diese Chance nicht nutzen würde, alles zurückzubekommen und meinen vollen Unterhalt zu erhalten. Ich sagte ihm, dass es vorbei wäre und jetzt endgültig Schluss ist.. Ein paar Wochen später kommt die Vorladung zum Oberlandesgericht, ich traute meinen Augen kaum. Erneut Strafandrohung bei Nichterscheinen.

Nun denn, vor dem Oberlandesgericht erschien mein toller Anwalt fast 40 Minuten zu spät und hatte wieder mal keine Argumente sein Vorhaben zu vertreten. Sei Kopf so rot wie eine Tomate und Aussagen wie „Mein Mandat ist Suizidgefährdet wenn das nicht zu seinen Gunsten ausgeht“ – ICH TRAUTE MEINEN OHREN NICHT UND STAND KURZ DAVOR MIT DER FAUST AUF DEN TISCH ODER AM BESTEN IN SEIN GESICHT ZU SCHLAGEN und wollte mich nun vor Gericht zu diesem riesen Haufen ***** hier äußern, mein Anwalt zischte mir ins Gesicht, meinen Mund zu halten, gefälligst ruhig zu bleiben und vor allem nichts zu sagen. DUMM und zurückhaltend wie ich war, tat ich das auch.
So ein Schwachsinn mit, dass es mir angeblich gesundheitlich nicht gut geht wurde nie erwähnt und entsprach alles andere als den Tatsachen, natürlich war ich durch die Trennung angeschlagen aber sonst auch nichts.

Das war ein letztes Verzweiflungsargument meines Anwalts, was natürlich auch kein Gehör fand weil er wie zuvor nur lächerlichen Quatsch von sich gab und so schnell wie ich diesen Prozess innerhalb von 15 Minuten verloren hatte, war mein Anwalt auch ganz schnell verschwunden. Zwei Wochen später kamen dann die Rechnungen und später Mahnungen, er schickte mir den Gerichtsvollzieher (ein Tag vor Weihnachten) und zwang mich in die eidesstattliche Versicherung. Der Gesamtbetrag seines Honorars beläuft sich nun auf über 7.000€ !!! (ohne Zinsen!!!!!)

Ich schrieb meinem Anwalt mehrere Briefe und Emails, keine Reaktion. Auf einen Besuch meinte er, das wäre jetzt lange her, er könnte sich an nicht vieles erinnern, besonders welche Garantien und Erfolgsaussagen er mir gab, dass ich zu 100% gewinnen würde. Das Gespräch wurde natürlich etwas hitzig und er sagte wortwörtlich zu mir „Das ist mir jetzt zu dumm und der falsche Stil, mit ihnen rede ich sowieso nicht, denn wenn es nach ihnen gegangen wäre, wäre hier damals gar nichts passiert, ich rede nur mit ihrer Mutter“. Ich hätte eben nicht genug Bewerbungen beigebracht, mein Problem. Er kann daran jetzt auch nichts mehr ändern.

Ich frage mich wie es sein kann, dass ich trotz Volljährigkeit und dieser Prozess, sowie auch die Rechnung meinen Namen trägt, dieser Anwalt alles mit meiner Mutter machen konnte?!

Und meine Frage nun, was kann man gegen so einen ********* unternehmen?!

Ich mache zurzeit eine Aufstiegsfortbildung zum Medienfachwirt, bräuchte somit Meister-BAföG Darlehen, ich weiß nicht ob ich es bekommen werde, da mein VERTRAUENSVOLLER Anwalt mich wohl mit der EV auch in die Schufa gedrückt hat. Somit schönen Gruß an meine Zukfunft. „Mir geht kein Cent verloren“ – NUN BIN ICH FÜR MEINE VERHÄLTNISSE HOCH VERSCHULDET, ZUMAL DIES NUR DER BETRAG DER EINEN SEITE IST, MEIN VATER HAT BEREITS MEHRMALS AUCH SCHON ANGEFRAGT WER SEINE KOSTEN TRÄGT. Sprich da wird es auch nicht mehr lange dauern, bis auch da jemand an meine Tür klopft.

Natürlich fällt es schwer, sich auf auf eine Aufstiegsfortbildung zu konzentrieren wenn man so einen Mist am Bein hat, ständig kommen Mahnungen, Drohbriefe mit Vollstreckung und Anfragen was für Geld ich sogar gerade in meiner Hosentasche habe.

Ich frage mich nun, wo ist hier so etwas wie „Recht“ oder gar dieser tolle Werbespruch der Anwaltskammer??????????

Vielen Dank für Ihre Anworten.

nordlicht02
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Beitrag von nordlicht02 »

Habe ich das richtig gelesen? KURZFASSUNG? :shock:

I. d. R. werden derartige Bleiwüsten ungern gelesen.
Deshalb als Tipp: kurz und prägnant den SV schildern - erhöht die Chancen auf Antworten um ein Vielfaches.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

fmz81
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Beitrag von fmz81 »

Ja, man muss es leider ganz lesen. Diese Abzocke und die Dreistigkeit dahinter konnt ich leider nicht noch kürzer fassen. Es ist schon ein schlechter Film, kein üblicher Anwalts-Alltag mehr. Ich wollte auch sicherlich auftretende, viele Rückfragen zum genauen Hergang im Vorfeld beantworten.

Milo
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Beitrag von Milo »

Wenn der Anwalt durch fachliche Fehler oder Überschreitung der Vollmacht Fehler begangen hat, muss er den dadurch entstandenen Schaden erstatten.

Eine Prüfung und ggfs. Geltendmachung von Anwaltshaftung ohne Anwalt ist leider nahezu aussichtslos.
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

fmz81
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Beitrag von fmz81 »

Ja, einen Anwalt werde ich mir auch zulegen. Die Frage ist nur, woran ist zu erkennen, dass die Vollmacht überschritten wurde?! Meine Schreiben und die Aufforderung den Prozess zu stoppen wurde ja von ihm ignoriert.

Und dass er fachliche Fehler gemacht hat, ist hoffentlich auch diesmal dem Gericht klar, denn ganz ehrlich, durch diesen Fall hab ich massiv an Vetrauen auf Recht verloren.

Michael A. Schaffrath
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Re: Prozessfreudiger Anwalt!! NUN SCHULDEN!!

Beitrag von Michael A. Schaffrath »

fmz81 hat geschrieben:mir direkt eine Vollmacht vorgelegt, die ich unterschreiben musste.
Wieso "mußten" Sie? Wurden Sie mit Gewalt bedroht?
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

fmz81
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Beitrag von fmz81 »

Natürlich keine Gewalt aber ein scharfer Ton, der erneut unterstrich, dass man an meiner Intelligenz zweifelt und ich anscheinend kein Rechtsgefühl hätte, wenn ich diese nicht unterschreibe. Meine Bedenken hinsichtlich der Risiken, die ich auch in genau diesem Moment erneut äußerte wurde wieder mal als Firlefanz abgetan. Der Anwalt versicherte mir wortwörtlich, dass ich gewinnen würde und es da überhauot keine Probleme gäbe. Es sei mein gutes Recht auf Unterhalt zu bestehen und diesen würde ich auch bekommen. Auch meine Mutter, die Bedenken zu verstehen gab, wurde als unzureichend hingestellt, wenn wir nicht unser Recht einfordern.

Und wie gesagt, ich weiß leider erst seit diesem Vorfall, dass der Werbespruch der Anwaltskammer anscheinend leider nicht für alle Anwälte gilt !!

Dieser Anwalt wusste genau was er tat, es war ihm komplett egal ob ich gewinne oder verliere, das hat man vor Gericht gesehen. Selbst ich hätte den notierten Quatsch besser präsentieren können. Vor allem ist es eine skrupellose Frechheit heute mit Menschen so zu verfahren, denen man vor einiger Zeit noch was ganz anderes Versprach. Ich denke mal, selbst der dubiostete Gebrauchwagenhändler wäre ehrlicher zu mir gewesen.

fmz81
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Beitrag von fmz81 »

Hat diese Geschichte Aussicht auf Erfolg dagegen Vorzugehen? ggf. auch Beschwerdeverfahren bei der Anwaltskammer? Denn mit diesem Ding und dem daraus resultierenden Schufa-Eintrag ist mein Bildungskredit eventuell mehr als dahin und meine Aufstiegsfortbildung zerstört.

Beitragsschreiber

Beitrag von Beitragsschreiber »

Das kann man anhand des mitgeteilten Sachverhalts wohl nicht beantworten.
Milo hat geschrieben:Eine Prüfung und ggfs. Geltendmachung von Anwaltshaftung ohne Anwalt ist leider nahezu aussichtslos.

Metzing
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Beitrag von Metzing »

„Vertrauen ist gut – Anwalt ist besser“, ein toller Werbeslogan der Anwaltskammer
Ist übrigens keine Werbung einer Anwaltskammer, sondern des Deutschen Anwaltsvereins (DAV).

Beste Grüße

Metzing
Τὸν ἥττω λόγον κρείττω ποιεῖν.

fmz81
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Beitrag von fmz81 »

Ok, stimmt, war der DAV. Bin durch die Sache leider etwas nervös und hier zu Hause steht natürlich die Ruhe auf dem Kopf. Werde mir dann mal einen Anwalt zulegen und über weitere Neuigkeiten informieren. Vielen Dank für Ihre Antworten.

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