Rechtsanwälte und Verschwiegenheitspflicht

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Phönix3
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Rechtsanwälte und Verschwiegenheitspflicht

Beitrag von Phönix3 »

Noch ein Fallbeispiel:
Angenommen, Anwalt A vertritt Mandanten A1 gegen Prozessgegner A2 in der Sache A3.
Anwalt A kennt Anwalt B, der ebenfalls A1 gegen A2 vertritt, jedoch in der Sache A4.
Frage:
Darf Anwalt A dem Anwalt B Akten und Sachverhalte aus dem Verfahren A3 zeigen oder mitteilen ?
Gilt hier nicht Verschwiegenheitspflicht, auch wenn beide Anwälte denselben Mandanten vertreten gegen denselben Prozessgegner, nur eben in anderer Sache ? LG Phönix

Michael A. Schaffrath
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Beitrag von Michael A. Schaffrath »

Genau, die gilt.
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Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Phönix3
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Beitrag von Phönix3 »

Danke Michael, das dachte ich mir schon. Es dürfte allerdings schwer nachzuweisen sein, dass hier gegen die Verschwiegenheitspflicht verstossen wurde. Kann man nur hoffen, dass sich einer der RA's verplabbert und etwas sagt vor Gericht oder gar schriftlich eingereicht, was er (offiziell) gar nicht wissen kann, was eigentlich "fallfremd" ist :oops:
Grüssle Phönix

Milo
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Beitrag von Milo »

Zumal es einen zweiten "Mitwisser" in beiden Verfahren gibt, nämlich A1. Der Anschein würde dafür sprechen, dass der Mandant seine beiden Anwälte einfach umfassend informiert hat.

(Es sei denn natürlich, die Information wäre die mangelnde Zahlungsfähigkeit oder Zahlungswilligkeit des A1 :twisted: )
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

Phönix3
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Beitrag von Phönix3 »

Milo hat geschrieben:Zumal es einen zweiten "Mitwisser" in beiden Verfahren gibt, nämlich A1.
Schon....nur das ändert so ziemlich gar nichts. Der haut ja nicht seine "Steigbügelhalter"
in die Pfanne, der will ja schliesslich sein "§§-Pferd" reiten. Der denkbar schlechteste Zeuge. LG Phönix

Milo
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Beitrag von Milo »

Moment, nur um eine Sache klar zustellen. Die Verschwiegenheitsverpflichtung schützt aber nur die Interessen von A1.

A2 hat gar nichts davon, den beiden Anwälten von A1 irgendeinen Bruch der Verschwiegenheitspflicht vorzuwerfen oder nachzuweisen!
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Phönix3
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Beitrag von Phönix3 »

Milo hat geschrieben:Moment, nur um eine Sache klar zustellen. Die Verschwiegenheitsverpflichtung schützt aber nur die Interessen von A1.
A2 hat gar nichts davon, den beiden Anwälten von A1 irgendeinen Bruch der Verschwiegenheitspflicht vorzuwerfen oder nachzuweisen!
Ach so ? :shock: Dann Dürfen also zwei Anwälte Akten tauschen und zwangsläufig auch Dokumente und Unterlagen, die A2 erstellt hat, einsehen ? Das ist mir tatsächlich neu..
Lg Phönix

Michael A. Schaffrath
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Beitrag von Michael A. Schaffrath »

Wenn A2 nicht ihr Mandant ist, wieso nicht?

Ich dürfte auch meinem Nachbarn eine Akte zeigen, die Sie erstellt haben, solange mich keine besonderen Umstände (Berufsrecht, Schweigepflichtvereinbarung etc.) daran hindern.

Und das ist im Beispiel mit den Anwälten genau so. Ihre Berufspflicht bindet sie nur gegenüber ihrem Mandanten, nicht gegenüber Dritten.
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Milo
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Beitrag von Milo »

Phönix3 hat geschrieben: Ach so ? :shock: Dann Dürfen also zwei Anwälte Akten tauschen und zwangsläufig auch Dokumente und Unterlagen, die A2 erstellt hat, einsehen ? Das ist mir tatsächlich neu..
Selbstverständlich. Ist ja auch völlig logisch. Wenn A2 dem Anwalt A ein Dokument übergibt, dann muss dieser das Dokument seinem Mandanten A1 zur Kenntnis geben. Wenn A1 Anwalt B einschaltet, wird er ihm alle Dokumente in seinem Besitz übergeben, die seiner Sache nutzen.

Damit kann natürlich A1 auch A und B anweisen, direkt zu kooperieren und Kenntnisse auszutauschen.

Und wenn A und B von einander wissen, dann nur durch A1. Da darf fast schon unterstellt werden, dass A1 eine Kooperation seiner Anwälte zu seinem Nutzen wünscht....
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Phönix3
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Beitrag von Phönix3 »

Michael A. Schaffrath hat geschrieben:Ihre Berufspflicht bindet sie nur gegenüber ihrem Mandanten, nicht gegenüber Dritten.
Bin über die Antwort nicht glücklich, aber ich hab's kapiert jetzt. Danke :)

Cicero
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Beitrag von Cicero »

In vielen Fällen wird A1 damit einverstanden sein, dass seine beiden Anwälte Informationen austauschen. Dann liegt schon keine Verletzung der Verschwiegenheitspflicht vor. Wenn A1 dies nicht gestattet natürlich schon.

Aber: Der Gegner kann daraus für sich keine Vorteile ableiten. Er kann nicht sagen: "was der zweite Anwalt da vorträgt, ist zu meinem Nachteil, es hätte aber nicht vorgetragen werden dürfen, weil es der Anwalt nicht hätte wissesn dürfen und es ist daher unbeachtlich" etc.

Phönix3
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Beitrag von Phönix3 »

Danke Cicero, du hast es auch nochmal schön anschaulich klar gemacht.
Grüssle Phönix

Cicero
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Re: Rechtsanwälte und Verschwiegenheitspflicht

Beitrag von Cicero »

Übrigens,
Phönix3 hat geschrieben:Anwalt A (...) Mandant A1 (...) Prozessgegner A2 (...) Sache A3.
(...) Anwalt B (...) Sache A4.
Du bist nicht zufällig Naturwissenschaftlerin? :wink:

Phönix3
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Re: Rechtsanwälte und Verschwiegenheitspflicht

Beitrag von Phönix3 »

Cicero hat geschrieben:Übrigens,
Phönix3 hat geschrieben:Anwalt A (...) Mandant A1 (...) Prozessgegner A2 (...) Sache A3.
(...) Anwalt B (...) Sache A4.
Du bist nicht zufällig Naturwissenschaftlerin? :wink:
Huch :shock: merkt man das ?

Cicero
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Beitrag von Cicero »

Nunja - ich hatte das Gefühl, eine mathematische Textaufgabe zu lesen. :D

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