Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

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Hardy24
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Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von Hardy24 »

Frau A schaltete in einer Erbangelegenheit einen Anwalt ein, aus dem zu erwartenden Erbe wurden die Anwaltsgebühren berechnet. Die Gebühren wurden bezahlt, es ist noch keine Einigung erfolgt, es sind 3 Stunden beim Anwalt angefallen, 2 Briefe wurden geschrieben und Akteneinsicht vom Amtsgericht beauftragt und durchgeführt. Alle anderen Anschreiben(Bankauskünfte usw.) hatte sich Frau selber besorgt.
Ist das ok., viele Euros weg und noch kein Ende im Erbstreit in Sicht ?

FM
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Re: Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von FM »

Das ist wie beim Arzt - der kann das Geld vom Patienten dennoch verlangen, selbst wenn letzterer dann doch gestorben ist, die Behandlung also erfolglos war. Hauptsache der Arzt hat sich bemüht. Das nennt man Dienstvertrag.

Daneben gibt es auch den Werkvertrag, der nur bei Erfolg zu einem Zahlungsanspruch führt. Aber der ist bei Rechtsanwälten (und wohl auch bei Ärzten) nicht zulässig. Er hätte auch zur Folge, daß Ärzte unheilbar Kranke nicht mehr behandeln könnten und das Rechtsanwälte sehr unsichere Fälle nicht übernehmen würden.

Man muß sich eben vorher entscheiden, ob man die Hilfe eines Experten haben will oder es lieber selbst versucht.

Metzing
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Re: Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von Metzing »

Frau A schaltete in einer Erbangelegenheit einen Anwalt ein, aus dem zu erwartenden Erbe wurden die Anwaltsgebühren berechnet.
Das ist ok so.
Die Gebühren wurden bezahlt, es ist noch keine Einigung erfolgt, es sind 3 Stunden beim Anwalt angefallen, 2 Briefe wurden geschrieben und Akteneinsicht vom Amtsgericht beauftragt und durchgeführt.
Wie FM schon schrieb: der Anwalt hat die Dienste, mit denen er beauftragt war, geleistet, also sein Honorar verdient. Wieviel er für sein Honorar tut, ist irrelevant, wichtig ist nur, daß er etwas tut, was zielführend ist/sein könnte.
Ist das ok., viele Euros weg und noch kein Ende im Erbstreit in Sicht ?
Ja, das ist ok.

Beste Grüße

Metzing
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Cicero
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Re: Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von Cicero »

FM hat geschrieben:Daneben gibt es auch den Werkvertrag, der nur bei Erfolg zu einem Zahlungsanspruch führt. Aber der ist bei Rechtsanwälten (und wohl auch bei Ärzten) nicht zulässig.
Natürlich kann auch ein Rechtsanwalt einen Werkvertrag abschließen, zum Beispiel wenn er einen Vertrag oder vielleicht ein Testament entwerfen soll. Bei Ärzten wird hierüber meines Wissens nach im Bereich Schönheitschirurgie diskutiert.

Es ist aber völlig richtig, dass beide Berufsgruppen in der Regel dienstvertraglich tätig sind.

Metzing
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Re: Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von Metzing »

Cicero hat geschrieben:Natürlich kann auch ein Rechtsanwalt einen Werkvertrag abschließen, zum Beispiel wenn er [...] ein Testament entwerfen soll.
Halte ich für fragwürdig. Der "Erfolg" eines Testaments wäre das Vererben gemäß dem Testament. Dazu ist der Tod des Erblassers erforderlich. Den schuldet der Anwalt aber nicht. 8)
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Milo
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Re: Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von Milo »

Ist dann die Herstellung eines Regenschirms auch ein Dienstvertrag? Der Erfolg ist ja der Schutz gegen Regen - und den schuldet der Schirmbauer auch nicht... :devil:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Albert Einstein

Cicero
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Re: Anwaltskosten auch ohne Erfolg gerechtfertigt ?

Beitrag von Cicero »

Erfolg ist, was als geschuldeter Erfolg vereinbart wird, d.h. entweder eine Vorlage für ein dann noch entsprechend den geltenden Formforschriften zu finalisierenden Testament oder eben der Tod des Mandanten. Letzteren kann man nicht nach RVG abrechnen.

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