Anwalt versäumt Frist - Schadensersatzforderung?

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thafe
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Anwalt versäumt Frist - Schadensersatzforderung?

Beitrag von thafe »

Schönen guten Abend!

Viel Spaß mit folgender Grundüberlegung, mich würde interessieren, wie Ihr dazu steht.

Sachverhalt in chronologischer Reihenfolge:

1. Schwerbehinderter bewirbt sich ausschließlich bei Arbeitgebern im öffentlichen Dienst für eine Ausbildung. Sowohl -fachangestellter, Beamter mittlerer Dienst, Beamter gehobener Dienst. In der Hoffnung, dass § 82 SGB IX beachtet wird und ihm Möglichkeiten gegeben werden insbesonders in Eignungsprüfungen, seine wahre Leistungsfähigkeit zeigen zu können, da Schulnoten durch Behinderung verschlechtert wurden

2. § 82 SGB IX trifft nicht alleine auf Bewerber zu, da durch Art und Ausmaß der Behinderung besondere Förderungswürdigkeit besteht

3. Urteil BAG, vom 21.07.2009 - 9 AZR 431/08 (Lexetius.com/2009,2458) insbesonders Punkte 24 - 28 sind zu bedenken

4. Bewerbungen schwerbehinderter Menschen sind bevorzugt zu behandeln, dennoch Absagen, mit und ohne Notenanforderungen.
Notenanforderungen sind nach Aussagen Schwerbehindertenvertreter für Ausbildungen bei Bewerbungen Schwerbehinderter nicht anwendbar.

5. 3 Monatsfrist Klage wegen AGG wurde von Behinderten eingehalten. Erster Anwaltsbesuch mit Vorlage oben angegebenes Urteil BAG, Absagen von Ausbildungsstellen im Dezember 2009, getrennt in Absagen mit Notenanforderung und ohne, sowie pro Bundesland je 1 Ausschreibung für -fachangestellter, mittleren Dienst und gehobenen Dienst und dadurch auch tarifliche Lohnvorgaben. Extra Erwähnung der 3 Monatsfrist. Keine Reaktion.

6. Februar 2010 Nachfrage bei Anwältin, kein Termin möglich, Übergabe weiterer Absagen an Sekretärin. Immer noch keine Reaktion.

7. April 2010 Übergabe Absagen mit Zeugen und Anfang Juni 2010 endlich Gespräch mit Anwältin vor Zeugen, ihre Erkenntnis: alle bisher abgegebenen Fälle über Frist, daher sinnlos. 3 Fälle noch aktuell. Klagefrist Mitte Juli. Ende Juli immer noch keine Reaktion.

8. Aufforderung zur Stellungnahme Anfang August. Ende August endlich Antwort. Vorwurf der Anwältin: Absagen der Stellen reichen nicht aus, Stellenausschreibung mit Anforderungsprofil, Ablehnungsschreiben und Angaben zur monatlichen Vergütung wären nötig.

Bei vorheriger Korrespondenz, Anrufe, Faxe, persönliche Besuche der Kanzlei kein einziges Wort darüber, was gebraucht werden würde.
Jetzt, wo alles zu spät ist wird sie endlich aktiv.

Anwältin wurde über Rechtsschutzversicherung als Vertragspartner vermittelt, dadurch entstand mir persönlich kein Schaden. Ausgenommen die nicht eingegangene Entschädigung.

Kann man jetzt gegen die Anwältin vorgehen?
Wie?
Auf welcher Grundlage?
Beratung durch Anwältin war meiner Meinung nach alles andere als sorgfältig. Pflichtverletzung?
Jeder ist für die Konsequenzen seines Handelns selbst verantwortlich.

Metzing
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Re: Anwalt versäumt Frist - Schadensersatzforderung?

Beitrag von Metzing »

Ein Beratungsfehler dürfte hier angenommen werden können (zu späte Aufforderung zum Beibringen erforderlicher Informationen). Die entscheidende Frage wird die der alternativen Kausalität sein. Hätte also der Mandant die erforderlichen Informationen bei rechtzeitiger Anforderung rechtzeitig beibringen können und wären die Klagen erfolgreich gewesen, wenn die Anwältin die Informationen rechtzeitig angefordert und die Klagefristen gewahrt hätte? Das indessen wird nur ein Rechtsanwalt, der sinnvollerweise das Wort "Anwaltshaftung" nicht zum ersten Mal hört, kompetent beantworten können.

Beste Grüße

Metzing
Τὸν ἥττω λόγον κρείττω ποιεῖν.

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