Parteiverrat und Folgen

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Rainer zu Phall
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Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Rainer zu Phall »

Ab wann begeht ein RA Parteiverrat und wie kann man ihm diesen nachweisen.

Bspw. Anwalt berät von Anfang an falsch.
Anwalt macht ohne Rückfrage der Gegenseite ein Vergleichsangebot-
das natürlich zurückgewiesen wird und die Mandanten lächerlich macht.
Anwalt behauptet Beweise der Gegenseite, die aber nie auf den Tisch kommen.Auch nach mehrmaligem, nachhaltigem Drängen darauf, wiegelt er ab.
Anwalt steht in ständigem Kontakt zum Gegenanwalt, vor Gericht aber kneift er und unterwirft sich falschen Darstellungen der Gegenseite ohne Einrede.
Anwalt akzeptiert ein falsches Protokoll. Partei schreibt selbst ans Gericht eine Berichtigung.
(Ein Protokollant war nicht zugegen, Gericht "protokolliert selbst".)
Anwalt behauptet, Gericht mache einen "Vorschlag" zur Güte. Im Zivi darf ein Gericht m.E. keine eigene Stellung einnehmen und ist an den PArteivortrag gebunden.
Anwalt schreibt Klageschrift mehrfach falsch, Kläger muss ständig korrigieren.
Anwalt weigert sich, strafrechtl. Schritte gegen die Gegenseite einzuleiten/ vorzubereiten, will das auf "nach dem Zivilverfahren" verschieben. Bis dahin stehen Beleidigungen, Verleumdungen im internet, strafbare Handlungen und mobbing laufen weiter.

Ja, schön, Anwalt wechseln. Hat aber schon einige hundert Euronen Vorschuss und Kläger kein Geld mehr für neuen Anwalt. Wie soll man das Geld zurückfordern, bedingt doch einen neuen Prozess und gegen einen Anwalt, der sich selbst einen Anwalt nimmt wird das teuer.
Wo also beginnt der Parteiverrat und wie kann man sein Geld zurückholen und evtl. Schadenersatz.
Es besteht durchaus der Verdacht, dass er "für die Gegenseite schwächelt".

Metzing
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Metzing »

Parteiverrat sind die konkreten Beispiele alle nicht. Parteiverrat, in § 356 StGB konkret definiert, liegt nur vor, wenn der Anwalt für beide Seiten in derselben Rechtsangelegenheit tätig war/ist. Allein der Verdacht, daß der Anwalt ein Interesse an einem Obsiegen der Gegenseite hat, reicht für eine Strafbarkeit keinesfalls aus.

Die Beispiele sprechen im übrigen, wenn sie so zutreffen, nicht unbedingt dafür, daß der eigene Anwalt ein Interesse daran hat, daß die Gegenseite gewinnt, sondern eher dafür, daß der Anwalt mit dem Mandat überfordert sein könnte (oder sein Mandant besonders anspruchsvoll ist und sich, ohne Rechtswissenschaften studiert zu haben, für den besseren Anwalt hält, um es einmal vorsichtig auszudrücken).

Wie auch imer, man wird kaum etwas anderes machen können, als entweder den Rechtsanwalt zu wechseln oder ggf. mit Pauken und Trompeten zu verlieren, um anschließend zu versuchen, den Anwalt in Regreß zu nehmen.

Beste Grüße

Metzing
Τὸν ἥττω λόγον κρείττω ποιεῖν.

FM
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von FM »

Rainer zu Phall hat geschrieben: Anwalt weigert sich, strafrechtl. Schritte gegen die Gegenseite einzuleiten/ vorzubereiten, will das auf "nach dem Zivilverfahren" verschieben. Bis dahin stehen Beleidigungen, Verleumdungen im internet, strafbare Handlungen und mobbing laufen weiter.
Wenn ein Mandant im Zivilverfahren unbedingt haben möchte, daß die Gegenseite auch noch wegen Beleidigung, Mobbing usw. angezeigt wird, wenn er meint daß das Gericht Protokolle fälschen würde, dann deutet das mitunter darauf hin, daß er sehr emotional an die Sache herangeht. Aufgabe des Rechtsanwaltes ist es, eben das zu vermeiden Wenn der Mandant dann
Anwalt akzeptiert ein falsches Protokoll. Partei schreibt selbst ans Gericht eine Berichtigung.
eigenmächtig dazwischen funkt (darf er natürlich in Verfahren ohne Anwaltszwang, und er darf auch ohne Anwalt gegen alle möglichen Leute Strafanzeigen stellen) reagieren verständlicher Weise viele Anwälte darauf mit einer Niederlegung des Mandates. Der Mandant muß sich schon entscheiden, ob er seinem Anwalt die Sache führen lassen will, oder ob er es lieber selbst macht. Die bis dahin entstandenen Kosten sind natürlich trotzdem zu tragen.

Rainer zu Phall
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Rainer zu Phall »

FM
Das Protokoll weist einen in der mündl. Verhandlung von der Gegenseite eingebrachten und in der Verhandlung klar gestellten Sachverhalt, falsch aus. Das ist Fakt und bedurfte deshalb der Richtigstellung, die der Anwalt verweigerte.

Ermittlungen der StA laufen bereits, der Anwalt will aber die zivilrechtl. Sachen der Beleidigung und Verleumdung auf erst "nach der Hauptsachenerledigung" verschieben, weil er meint, das Gericht könnte dadurch verärgert reagieren.
Wegen der Offizialdelikte- immerhin geht es um Verdacht der Urkundenfälschung u.A.- will der Anwalt aber die Ermittlungen der StA nicht "begleiten", sondern verhindern.Auch die Einführung der Fakten in den Zivilprozess hat er bislang verhindert. Emotional wird eine Sache nicht dadurch, dass der Mandant auf seine Rechte besteht und die Darstellungen der Gegenseite angreift.

Bekanntermassen dauern Verfahren u. U. Jahre und die Beleidigungen etc. stehen bis dahin in der Öffentlichkeit. Der gegn. Anwalt indess agiert sagen wir mal "sehr forsch" und unterstellt falsche Angaben, um von seiner Mandantschaft abzulenken.

klag-dich-reich
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von klag-dich-reich »

Wegen der Offizialdelikte- immerhin geht es um Verdacht der Urkundenfälschung u.A.- will der Anwalt aber die Ermittlungen der StA nicht "begleiten", sondern verhindern.
Sehr schwer vorstellbar, allerdings kann die Staatsanwaltschaft sich sicherlich hier zur wehr setzten.

Michael A. Schaffrath
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Michael A. Schaffrath »

Rainer zu Phall hat geschrieben:Bekanntermassen dauern Verfahren u. U. Jahre und die Beleidigungen etc. stehen bis dahin in der Öffentlichkeit.
Dafür gibt es ja einstweilige Verfügungen. Ansonsten ist noch völlig unklar, wie die einzelnen Komplexe hier zusammenhängen, sodaß man dazu auch nichts weiter sagen kann.
Rainer zu Phall hat geschrieben:Anwalt behauptet, Gericht mache einen "Vorschlag" zur Güte. Im Zivi darf ein Gericht m.E. keine eigene Stellung einnehmen und ist an den PArteivortrag gebunden.
Das ist falsch; natürlich darf das Gericht zu jedem Zeitpunkt auf eine gütliche Einigung hinwirken und entsprechende Vergleichsvorschläge machen, §278 I ZPO.

Ich hoffe, Ihre anderen Darstellungen sind nicht ebenfalls von einer irrigen Rechtsmeinung verfälscht.
Rainer zu Phall hat geschrieben:der Anwalt will aber die zivilrechtl. Sachen der Beleidigung und Verleumdung auf erst "nach der Hauptsachenerledigung" verschieben, weil er meint, das Gericht könnte dadurch verärgert reagieren
Wenn ich mal spekulieren darf: Sie meinen mit "Beleidigung und Verleumdung" Aussagen, die von der Gegenpartei während des Prozeßverlaufs geäußert wurden, nicht wahr? Dann ist klar, daß solche Nebenkriegsschauplätze eher ungeliebt sind. Zumal sie ja sowieso völlig unabhängig von dem laufenden Zivilverfahren sind, sollte dem Gericht das aber letztlich egal sein. Außer Sie haben vor, den Richter als Zeugen anzugeben.
Rainer zu Phall hat geschrieben:Auch die Einführung der Fakten in den Zivilprozess hat er bislang verhindert.
Welcher Fakten in welchen Zivilprozeß? Man sollte immer vor Augen haben, daß in einem Prozeß um Sache X nicht interessiert, wie fies oder verbrecherisch die Gegenpartei in Sache Y gehandelt hat. Es geht schließlich nicht ums Dreckwerfen.
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Rainer zu Phall
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Rainer zu Phall »

....allerdings kann die Staatsanwaltschaft sich sicherlich hier zur wehr setzen.
Wollen die aber oft nicht, besonders, wenn sie "sich überlastet fühlen".
Sie meinen mit "Beleidigung und Verleumdung" Aussagen, die von der Gegenpartei während des Prozeßverlaufs geäußert wurden, nicht wahr?
Nein, es handelt sich um Veröffentlichungen im Internet, auf der hp der Beklagten. Ausserdem um prozessbetrügerischen Vortrag etc.Da hier die Beweissicherung resp. der Beweisvortrag schwierig ist, sollte der Anwalt da ja wohl mitwirken. Nicht jetzt mit "na, da wird halt nichts sein" kommen.
Das ist falsch; natürlich darf das Gericht zu jedem Zeitpunkt auf eine gütliche Einigung hinwirken und entsprechende Vergleichsvorschläge machen, §278 I ZPO.
Es darf aber von sich aus keine Vorschläge machen, die einer Partei Zugeständnisse abverlangt oder einen Anspruch zugesteht- also "Vermögen verteilen". Es ist an die Anträge gebunden.

Auf einen Vergleich hinwirken hatte ich damit nicht gemeint. Es ist für mich etwas schwierig, einen solchen Sachverhalt neutral zu formulieren.

Die Sache mit dem Dreckwerfen ist eben gerade das, was der Gegner mangels Streitgegenstand macht, und eben auch noch in der Öffentlichkeit.
Einstweilige Verfügungen sind natürlich möglich,kosten aber erst mal Geld. Die einstweiligen Verfügungen ist der Anwalt aber nicht bereit zu erwirken, obschon bspw. die Veröffentlichungen Straftaten unterstellen und somit Verleumdung darstellen.

Die Glaubwürdigkeit einer Prozessaussage kann durchaus in Frage gestellt werden, wenn bspw. bekannt gemacht wird, warum die Partei lügt, bspw. um von strafrelevanten Handlungen abzulenken. Damit ist der Gesamtkomplex gemeint und nicht Verfahren x und y. Ich würde es durchaus für sinnvoll erachten, das Verfahren allumfassend zu führen und nicht Dinge aussen vor zu lassen, die einen oder mehrere weitere Prozesse nötig machen.

Cicero
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Cicero »

Rainer zu Phall hat geschrieben: Es darf aber von sich aus keine Vorschläge machen, die einer Partei Zugeständnisse abverlangt oder einen Anspruch zugesteht- also "Vermögen verteilen".
Was genau stellen sie sich denn unter einem Vergleich vor?
Es ist an die Anträge gebunden.
Nur soweit es ein streitiges Urteil erlässt.

Rainer zu Phall
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Rainer zu Phall »

Ja, wieder missverständlich formuliert, aber ich denke, ich orientiere mich da mehr an der Sachlage und ein Vergleich lässt Diese aussen vor.
Nur soweit es ein streitiges Urteil erlässt.
Ich meinte das hier:
Der gestellte Antrag ist für das weitere Verfahren von erheblicher
Bedeutung. Das Gericht ist an den Antrag gebunden, § 308 I. Dies
bedeutet, dass das Gericht weder über den Antrag hinausgehen
noch etwas qualitativ anderes als beantragt zusprechen oder aberkennen
darf. Das Gericht darf lediglich hinter dem gestellten Antrag
zurückbleiben.

Cicero
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Cicero »

Das ist alles richtig. Aber nichts davon hindert das Gericht, einen Vergleichsvorschlag zu machen, der von den Anträgen der Parteien abweicht.

Metzing
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Metzing »

Herr Rupp wird nicht mehr antworten können.

@M.A.S.: Schwaches Bild, mein Lieber, die letzten Male waren es immer Sie, der ihn erkannt hat... 8)
Τὸν ἥττω λόγον κρείττω ποιεῖν.

Michael A. Schaffrath
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Michael A. Schaffrath »

Rupp? Im Leben nicht, außer der hat uns jahrelang nur veräppelt mit seiner Legasthenie. Der war doch nicht in der Lage, zwei Postings ohne Beleidigungen der anderen Teilnehmer durchzuhalten. :P
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

wundersam
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Re: Parteiverrat und Folgen=Mysteriös - oder Selbstdarstellu

Beitrag von wundersam »

Guten Abend, leider muss ichmeine kleine Frage hier "posten":
Doch:
Da ich kein Insider bin, -
ist der "threat" welcher SEHR komplex und (mir zumindest) sehr unzusammenhängend erscheint, (- Parteiverat ist nun mal klar defniert; z.B. )

War DAS quasi nur kleiner Stress am Rande ??
DANN , vol daneben...- oder ICH bin selbiges...

Cicero
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Re: Parteiverrat und Folgen

Beitrag von Cicero »

:?:

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