Anwalt gibt Mandat stillschweigend an Kollegen ab

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harry01
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Anwalt gibt Mandat stillschweigend an Kollegen ab

Beitrag von harry01 »

Herr A wird von einem Handwerker betrogen, will gegen diesen zivilrechtlich vorgehen und benötigt dafür einen Rechtsanwalt. Er legt Wert auf einen erfahrenen Anwalt, sucht gezielt den älteren und erfahrenen RA B auf und mandatiert diesen. Später stellt sich jedoch heraus, dass RA B den Fall stillschweigend an die RA‘in C übergab, die in der selben Kanzlei tätig ist. (Letztere ist erst seit kurzer Zeit Anwältin und verfügt kaum über Erfahrung)

Als Herr A dahinterkommt, dass RA B ihm eine Kollegin untergeschoben hat, ohne ihn davon in Kenntnis zu setzen und ohne ihn zu fragen, ist er verärgert.

Darf ein RA ein Mandat an einen anderen RA weitergeben, ohne seinen Auftraggeber davon in Kenntnis zu setzten und ohne dessen Einverständnis?

Freundlichen Gruß

Harry01

JuraPunk
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Re: Anwalt gibt Mandat stillschweigend an Kollegen ab

Beitrag von JuraPunk »

Sofern die Vollmacht es hergibt, dass Untervollmachten erteilt werden dürfen oder die gesamte Kanzlei (und nicht lediglich RA B) mandatiert ist: Ja.

Im Übrigen muss es kein Nachteil sein, dass die Kollegin C den Fall bearbeitet. Junge Anwälte sind im Kopf mitunter frischer und kommen aufgrund der Nähe zum Studium mitunter auf andere (für den Mandanten bessere) Ideen. Gehen Sie weiter davon aus, dass die Kollegin bei Problemen den Fall mit B bespricht.

Wo ist also das Problem?

JuraPunk

Cicero
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Re: Anwalt gibt Mandat stillschweigend an Kollegen ab

Beitrag von Cicero »

Weiterhin können Sie auch davon ausgehen, dass C erheblich mehr Zeit und Energie in die Fallbearbeitung investieren wird als A es getan hätte. Trotzdem wird sie A über den Fortgang auf dem Laufenden halten und ihm wahrscheinlich auch die Schriftsätze vorlegen, bevor diese rausgehen. Sie bekommen also zwei Anwälte zum Preis von einem.

juggernaut
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Re: Anwalt gibt Mandat stillschweigend an Kollegen ab

Beitrag von juggernaut »

A sollte davon ausgehen, dass RA B die sache aus guten grund an RA C weitergegeben hat. entweder er hat nicht so viel zeit, dann könnte A eh mit einer gründlicheren bearbeitung durch C rechnen, oder B hält die sache dann doch nicht für so schwer, als dass sie nicht auch durch C bearbeitet werden könnte. in jedem falle dürfte B die sache nur dann an C abgegeben haben, wenn er der meinung war, dass C das auch kann. A soll ferner darauf vertrauen, dass seine beurteilung, ob man für diesen fall nun erfahrung braucht oder nicht, nicht stimmen muss - und RA B mit sicherheit sehr viel besser beurteilen kann, ob und wieviel erfahrung man nun dafür braucht oder nicht.

(m.E. hätte man A das natürlich - unter vorstellung der C - auch vorher sagen können, keine frage. aber ich kenne keine kanzleien, in denen der mandant entscheidet, wer eine sache bearbeitet).


schlussendlich: wenn jüngere anwälte keine sachen bearbeiten sollen, weil ihnen die erfahrung fehlt, wie sollen sie dann an die erfahrung kommen?
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Nordlicht14
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Re: Anwalt gibt Mandat stillschweigend an Kollegen ab

Beitrag von Nordlicht14 »

Alles das der Kollegen ist richtig. Was bedeutet: wenn Sie möchten, dass der Anwalt und nur der, Ihre Sache bearbeitet, den Sie ausgewählt haben mit Erfahrung, dann beauftragen Sie einen erfahrenen Einzelanwalt.
Ansonsten ist es immer möglich, dass ein junger angestellter Anwalt, oder auch ein Referendar, mit Ihrer Sache intern statt dessen betraut wird, in einer größeren Kanzlei von zwei und mehr Anwalten, ohne dass Sie vorher informiert werden.

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