Anwalt hält Termin nicht ein/ Prozess verloren!

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HONDO24
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Anwalt hält Termin nicht ein/ Prozess verloren!

Beitrag von HONDO24 » 03.05.14, 11:45

Hallo,
ich habe folgendes Problem.
Ich hatte meinen Wagen in der Werkstatt und diese haben Pfusch gebaut.Ich ging darauf hin zu meinem Anwalt, und dieser forderte ein Gerichtliches Gutachten an.Nach ca.2 Monaten bekam ich dann den Termin für das Gutachten. Als ich fast einen Monat auf das Ergebnis des Gutachters wartete, rief ich meinen Anwalt an und dieser sagte mir, er hätte noch nichts gehört vom Gutachten. Und so verging wieder fast ein Monat, ohne das sich etwas tat.Also rief ich dann selbst beim Gericht an und diese sagten mir dann, das sie dem Gutachter schon eine Frist gestzt hätten von zwei wochen und ich soll diese mal abwarten. Und schon war wieder ein Monat rum. Dann kam endlich ein Schreiben von meinem Anwalt mit der Kopie des Gutachtens. Das Gericht wollte auch innerhalb 2 Wochen meine Stellungsnahme zu dem Gutachten. In dem Gutachten stand genau das Gegenteil von dem was eigentlich beim Gutachten stattfand. Es fehlten sämtliche Details.Also machte ich einen Termin beim Anwalt.Dort legte ich dann Widerspruch gegen das Gutachten ein und mein Anwalt wollt ein Zweitgutachten anfordern! So wartete ich wieder längere Zeit, ohne Antwort zu bekommen.. Dann rief ich abermals beim Gericht an und fragte woran es hinge, dass ich keine Antwort bekäme? Diese teilten mir dann mit, die Sache wäre abgeschlossen, weil das Schreiben meines Anwalts mit meiner Stellungsnahme zum Gutachten, zu spät bei Gericht eingegangen wäre.Dann schrieb ich an die Anwaltskammer und teilte denen die Sachlage mir, aber auch von da erhalte ich keinerlei Reaktionen. Auch mein Anwalt reagiert nicht auf meine Anrufe( AB) und auch nicht auf meine emails! Da ich hartz4 beziehe kann ich mir die Reparatur nicht leisten. Auch Seitens des Jobcenters gibt es keine Hilfe. Diese sagen mir nur, ich könne mir ja ne Arbeit suchen und das geld für die reparatur ansparen.Wie soll das gehn mit defektem Auto? Ich wohne auf dem Land! Suche ich mir keine Arbeit, gibt es Sanktion vom Jobcenter.Kann ich meinen Anwalt verklagen? Weil durch den ja
das zweite Gutachten nicht stattfand, da er den Termin zur Abgabe meines Widerspruchs vom Gutachten bei Gericht nicht eingehalten hat.
Wie ist die Rechtslage?

Milo
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Re: Anwalt hält Termin nicht ein/ Prozess verloren!

Beitrag von Milo » 03.05.14, 12:09

Wenn bei rechtzeitiger Stellungnahme zum Gutachten der Prozess gewonnen worden wäre, liegt ein Haftungsfall des Anwalts vor. Es reicht aber nicht, nur den Fehler darzulegen. Der Fehler muss auch ursächlich sein für den negativen Ausgang. Darüber hinaus darf der Mandant auch keine Möglichkeit haben, den Schaden abzuwenden, z.B. durch eine Berufung.

Um die Haftung darzulegen, muss also vorgetragen werden, welches Ergebnis das Zweitgutachten gehabt hätte und wie sich dieses Zweitgutachten auf den Prozessverlauf ausgewirkt hätte. Der bisherige Anwalt nimmt im Haftungsprozess die Rolle der Werkstatt ein und versucht darzulegen, dass ein Anspruch gegen die Werkstatt nie bestand.

Anwälte sind für solche Fälle übrigens mit mindestens 250.000 € versichert.

Der Mandant ist übrigens zur Schadensminderung verpflichtet. Bei weitergehenden Ansprüchen (Nutzungsausfall, Verdienstsausfall,usw.) wird es eng, wenn man sich nicht um Abhilfe bemüht.

Die Anwaltskammer ist hier nicht zuständig. Hier liegt ein zivilrechtlicher Streit zwischen einem Dienstleister und einem Auftraggeber vor.
Das Jobcenter verhängt keine Sanktionen, wenn man sich zumutbar um Arbeit bemüht. Hierbei wird auch die Wegstrecke ohne Auto berücksichtigt, wenn man kein (funktionierendes) Auto hat:

Bei der Beurteilung der zumutbaren Pendelzeiten ist in der Regel die Entfernung zumutbar, die in der Region bei vergleichbaren Arbeitnehmern üblicherweise zwischen Wohnort und Arbeitstelle anfallen. Üblich sind Pendelzeiten, wenn sie nicht nur vereinzelt, sondern in größerem Umfang anfallen. - Als Vergle ichswerte anzusetzen sind: • bei einer täglichen Arbeitszeit von 6 Stunden: 2,5 Stunden Pendelzeit, • bei einer tägliche Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden: 3 Stunden Pendelzeit. Soweit z.B. in ländlichen oder strukturschwachen Gebieten oder in Ballungsgebieten längere Pendelzeiten üblich sind, sollen diese zugrunde gelegt werden.
Diese Pendelzeiten sind die Gesamtfahrzeit; d.h. Hin- + Rückfahrt sollen zusammen nicht mehr als 2,5 bzw. 3 Std. betragen; und zwar gemessen von der Haustür bis zur Tür des Arbeitgebers.
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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Re: Anwalt hält Termin nicht ein/ Prozess verloren!

Beitrag von HONDO24 » 07.11.15, 10:05

Hallo,
Ich hatte mir einen neuen Anwalt gesucht, da der erste kläglich versagt hatte. Der neue Anwalt nahm sich dann der Sache an und machte dem alten Anwalt einen Kostenvorschlag (Schadensersatz),
welcher dieser ablehnte. Und ich sollte Ihm Kostenvoranschläge wegen der Reparatur des PKW besorgen.So ging ich zu verschiedenen Werkstätten und fragte, was die Reparatur kosten würde und nach einem Kostenvoranschlag.Die Werkstätten teilten mir alle mit, das man nicht im vorraus sagen kann was die Reparatur kostet, denn es käme darauf an, ob durch die defekte Antriebswelle nicht noch das Getriebe in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. Und ein Kostenvoranschlag kostet Geld und das kann ich mir bei ALGII nicht leisten. Nachdem ich dies meinem neuen Anwalt so mitteilte, höre ich seitdem auch von diesem nichts mehr. Auch nach mehrmaligen Anrufen wo man mir mitteilte, man würde sich mit mir in Verbindung setzen, erhalte ich keine Reaktion Mittlerweile ist mein PKW fahruntauglich, da die Antriebswelle ( welche die Werkstatt 2013 bei einer Reparatur vom Taggelenk beschädigte) das Getriebe beschädigt hat.

Milo
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Re: Anwalt hält Termin nicht ein/ Prozess verloren!

Beitrag von Milo » 07.11.15, 11:05

Der neue Anwalt braucht eine tragfähige Grundlage für seine Tätigkeit. Das vorliegende Gutachten kann er ja nach dem Willen seines Mandanten nicht verwerten. Eigene Sachkunde hat der Anwalt nicht. Ein Privatgutachten ist zu teuer. Für ein neues gerichtliches Gutachten im Rahmen eines selbstständigen Beweisverfahrens oder einer Klage gegen den ersten Anwalt fehlt es (neben anderen Problemen) an der Möglichkeit der Prozesskostenhilfe, da in Hinblick auf das vorliegende gerichtliche Gutachten die Erfolgsaussichten nicht dargelegt werden können ohne Kostenvoranschlag oder Gegengutachten. Wenn ein Anwalt sagt, er braucht dies oder jenes vom Mandanten und der bringt es nicht bei, ist jede weitere Tätigkeit vertane Zeit. Ein Kostenvoranschlag kostet üblicherweise 70 bis 100 Euro. Der Betrag wird auf spätere Reparaturkosten angerechnet. Wenn man da kein Geld dafür hat, fällt man halt durchs soziale Netz. Ist bitter und tragisch - aber nicht das Problem des Anwalts, der vermutlich mit seinen Gebühren auch ins Leere geht.
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

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