Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat übernehmen

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Herman13
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Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat übernehmen

Beitrag von Herman13 »

Hallo,
haben folgendes Problem.

Unser Anwalt hat wegen Aufgabe seiner Kanzelei, sein Mandat niedergelegt.
Es geht um einen Rechtstreit mit einem Mietnormaden, der bereits seit 7 Jahren andauert. Das ganze läuft über Prozesskostenhilfe.

Jetzt haben wir 7! Anwälte angerufen und keiner will das Mandat übernehmen. Nächster Gerichtstermin Oberlandesgericht (Berufungstermin)ist in 5 Wochen
Gründe:
1. zu großer Aufwand sich in einen sieben jährigen Fall einzuarbeiten
2. nicht auf Basis von Prozesskostenhilfe

Was sollen wir jetzt machen? Ohne Anwalt weiter machen, geht aj nicht?
Fühlen uns jetzt irgendwie abgeschoben.....
Zuletzt geändert von Herman13 am 05.12.14, 14:57, insgesamt 2-mal geändert.

Tastenspitz
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Tastenspitz »

Vielleicht vermag die Anwaltskammerhier einen Rat zu geben.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

Nordlicht14
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Nordlicht14 »

7 Anrufe bei Kanzleien sind ja nun noch nicht so viel. Weiter fragen. Es gibt 160.000 Anwälte in Deutschland bundesweit. Abzüglich ca 35.000 sog. Syndikus"Anwälte", also Juristen, die in einem Unternehmen in der Rechtsabteilung arbeiten, abzüglich ca geschätzt 30.000,Karteileichen, abzüglich ca 10.000 Hausfrauen und Mütter, die den Anwaltsjob nur nebenher zuhause machen, um ab und an Taschengeld aufzubessern, dürften es etwa ca 100.000 echte Anwälte sein. Da werden sich einige finden für das Mandat.

Fragen Sie einmal vielleicht bei gerade zugelassenen Berufsanfängern nach. Viele freuen sich, wenn sie ein paar Mandate bekommen und nehmen auch Fälle an, mit 7Jahren Vorverfshrensdauer. Den enormen Zeitaufwand, sich dort einzuarbeiten, wird schwerlich ein erfahrener Anwalt stemmen können bei Auslastung. Jedenfalls müssen Sie bei einem erfahrenen und gut ausgelasteten Anwalt damit rechnen, wenn er nicht gleich ablehnt wegen der dafür nicht vorrätigen Zeit, dass Sie eine spürbare Einarbeitungspauschale einzahlen müssen.
Das kann bei Berufsanfängern leichter werden.

Ob ein zweiter Anwalt dafür PKH bekommt, ist m.E. fraglich. Das kleine Büschen Taschengeld zahlt der Staat nur selten doppelt. Das müssten aber andere Kollegen beantworten; ich selbst mache keine PKH Fälle, weil ich zum einen den enormen Zusatzverwaltungsaufwand der PKH Abwicklung nicht abbilden kann, auch die neuen Auskunftskorrespondenzen der Gerichte 4-8 Jahre nach Ende des Mandats vor allem nicht, zum anderen die Kanzleikosten einfach zu hoch sind, um quasi fast umsonst zu arbeiten mit nur der minimalsten Taschengeldentschädigung, die es bei PKH nur gibt für den Anwalt. Das deckt nicht einmal die reinen Bürosachkosten.

Also versuchen Sie es mal bei Anfängern, die gern erste Berufserfahrungen sammeln.
Zuletzt geändert von Nordlicht14 am 05.12.14, 21:52, insgesamt 2-mal geändert.

Nordlicht14
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Nordlicht14 »

Was den Termin angeht übrigens:

Da es beim OLG ein Anwaltsprozess ist, gilt die Anwaltsvollmacht des alten Anwalts solange weiter, bis sich ein neuer bestellt hat und Sie ein neuen beauftragt haben. Notfalls müssen Sie eben ohne PKH einen neuen beauftragen.

Bis zur Bestellung eines neuen Kollegen muss daher mMn der alte notwendige Handlungen, weiter machen, oder irre ich mich da? Was sagt Ihr Kollegen dazu ?
Jedenfalls ist er verpflichtet, war er bereits bei Mandatsniederlegung, einen Antrag auf Verlegung des Termins zu stellen, bis sich ein neuer Anwalt findet.
Vielleicht schreiben Sie ihm das mal, dass er einen solchen Terminsverlegungsantrag stellen soll.
Denn ohne Anwalt im Termin bekommen Sie ein klagabweisebdes Versäumnisurteil.

knaller71
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von knaller71 »

Nordlicht14 hat geschrieben:....Das kleine Büschen Taschengeld zahlt der Staat nur selten doppelt. Das müssten aber andere Kollegen beantworten; ich selbst mache keine PKH Fälle, weil ich zum einen den enormen Zusatzverwaltungsaufwand der PKH Abwicklung nicht abbilden kann, auch die neuen Auskunftskorrespondenzen der Gerichte 4-8 Jahre nach Ende des Mandats vor allem nicht, zum anderen die Kanzleikosten einfach zu hoch sind, um quasi fast umsonst zu arbeiten mit nur der minimalsten Taschengeldentschädigung, die es bei PKH nur gibt für den Anwalt. Das deckt nicht einmal die reinen Bürosachkosten.

....
Heureka...

Schön, das wir das jetzt mal schriftlich haben...

Aber wie war das Gestern ?

Thema : Recht und Kosten Zeitgemäß? -> ist OT ! Eifriger Moderator packt's in die SC,,,,,

ZetPeO
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von ZetPeO »

Spontan fallen mir zwei Dinge ein:

1.) Der jetzige Anwalt könnte sich darum kümmern einen Kollegen zu finden, der das Mandat übernimmt. Für mein Verständnis geböte dies der Anstand.

2.) Nehme an der TE ist der Kläger.
Wenn PKH bewilligt wurde, und erster Rechtszug gewonnen wurde, müsste die PKH doch noch Bestand haben. Sprich, müsste dann nicht das OLG einen Anwalt beiordnen?

Gr
ZetPeO

freemont
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von freemont »

Herman13 hat geschrieben:
...

Was sollen wir jetzt machen? Ohne Anwalt weiter machen, geht aj nicht?
Fühlen uns jetzt irgendwie abgeschoben.....

Das tut mir leid, kein schöner Zug unseres Rechtssystems.

Daß es besser ist einen Anwalt seines Vertrauens zu finden ist klar, aber zur Not gibt es § 121 V ZPO, der Antrag geht logischerweise ohne Anwalt:
(5) Findet die Partei keinen zur Vertretung bereiten Anwalt, ordnet der Vorsitzende ihr auf Antrag einen Rechtsanwalt bei.

Nordlicht14
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Nordlicht14 »

Das Problem ist nicht nur die PKH-Kondition für den Anwalt und damit praktisch fast kostenlos arbeiten zu müssen (viele wissen oftmals nicht, dass Anwälte bei PKH kaum eteas bekommen, ein kleiner Bruchteil der gesetzlichen ohnehin sehr niedrigen Mindestgebuhren nur, und was schon die reinen Sachlosten des Büros der Akte nicht mal deckt; PKH ergibt KEIN honorar an den Anwalt).
Da aber immerhin 30-40% der Anwälte in D. regelmassig PKH Fälle machen, und der Fragesteller ohne weiteres bei denen ja anfragen kann, zeigt sich das Hauptproblem hier, was dem Fragesteller auch mitgeteilt wurde bei den erst 7 angefragten Anwälten:

Der Prozess dauert schon 7 Jahre an! Da dauert die Einarbeitung mind. 1 Woche u hat der Anwalt eine Woche Verdienstausfall!
Solche langjährigen Prozesse zu übernehmen, werden die meisten kaum gegen eine auskommliche Verdienstausfallentschädigung zu bereit sein.
Ausserdem kann das nur eine sehr grosse Kanzlei übernehmen, kein Einzelanwalt, denn welcher Einzelanwalt ist bereit, eine Woche lang kein anderes Mandat bearbeiten zu können, entsprechend dort Fristem zu versäumen und nichts zu verdienen? Denn am PKH Fall verdient er nichts.
In einer großen Kanzlei ist das leichter zu organisieren. Da kann der Fall auch einem Referendar zur Bearbeitung gegeben werden. Dieser macht dann Fallsummary an den sachbearbeitenden Anwalt.

Entgegen der Auffassung des Vorschreibers glaube ich übrigens, dass der Kollege versucht hat, den Fall woamders hin zu übertragen. Er wird versucht haben, seine Kanzlei oder die Mandatw zu verkaufen. Das ist aber schwer bei ein so langjährigen Fall, den Fall zu verkaufen.

knaller71
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von knaller71 »

@Nordlicht14

Dann müssten sie aber auch die Regelungen zur Kostenfinanzierung in Frage stellen: Ist die PKH nicht Kostendeckend - und daher der Referendar oder ein Anfänger am Werke - ist die Lösung doch sehr mangelhaft....

Wobei ein Anwalt kann ja auch mal gewinnen und die Gebühren vom Gegner bekommen 8)

FM
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von FM »

Üblich wäre, dass der Kanzleiabwickler das Verfahren weiterführt.
http://www.gesetze-im-internet.de/brao/__55.html
Wenn der RA das Mandat allerdings vorher niedergelegt hat, gibt es nichts weiterzuführen.

Da PHK bewilligt wurde:
§ 121 ZPO
(5) Findet die Partei keinen zur Vertretung bereiten Anwalt, ordnet der Vorsitzende ihr auf Antrag einen Rechtsanwalt bei.
Das kann dann sogar den treffen, der grundsätzlich keine PKH-Verfahren macht (§ 48 BRAO).

knaller71
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von knaller71 »

FM hat geschrieben:
Das kann dann sogar den treffen, der grundsätzlich keine PKH-Verfahren macht (§ 48 BRAO).
Da ist dann ja Jedem gedient :ironie: :devil:

knaller71
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von knaller71 »

Was ich mich gerade frage: Wo kommen bei den berühmten Strafverfahren (Wie bei dem NSU-Prozess) eigentlich gleich mehrere Strafverteidiger her?
Die müssen doch auch bezahlt werden :?:

Nordlicht14
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Nordlicht14 »

Knaller: bitte immer erst schlau machen, bevor man an andere vom Fach kluge Ratschläge erteilt: ja man kann die Gebühren bei Gewinnen vom Gegner bekommen, SOFERN der solvent ist! Was ja im vorliegenden Fall nicjt sicher isz bei den Mietern.
Deshalb Annahmerichtlinie bei mir zb: PKH nicht in meinem Hauptgebiet VerwR, im Zivilrecht ja, SOFERN hundertprozentige Erfolgsaussicht UND der Gegner ABSOLUT sicher solvent ist. Was heisst im Mietrecht: Gegner ist Vermieter mit mehreren Vermietungen, in die man ggf mit der Kostenerstattung eine Zwangshypothek eintragen kann und zwangsversteigern kann. Ferner Streitwert nicjt über 4.000,-, weil die PKH Gebühren da nämlich gedeckelt und begrenzt werden.

Wie auch immer, hier scheint mit aber etwas anderes zu überlegen sein.
Der Kollege konnte nämlich nicht ohne Weiteres das Mandat niederlegen. Das müsste d Anwaltskammer einmal prüfen. Ein PKH Mandat kann man nämlich nur in eng begrenzten Ausnahmefällen niederlegen. Dann im Regelfall, wenn der Mandant dazu Anlass gab und zwar schweren. Etwa: wenn er den Anwalt beschimpfte und kritisierte, oder wenn er zum Sachverhalt lofg, um zu betrügen und so den Prozess nur zu gewinnen (hatte ich einmal). Dann kann man niederlegen. Ob das auch grht wenn man die Kanzlei beendet, ist fraglich. Kammer fragen. U.U. muss er dann das Mandat noch zu Ende führen. Es wird auf die Gründe ankommen. Wenn er zb schwerst krank war, mags ggf gehen. War es lediglich ais Altersgründen, hat er das vorher zu planen. Zb d OLG Berufung oder Revision beim Mandanten gar nicht mehr annehmen, weil er während derer Dauer plant, sich zur Ruhe zu setzen. Zu hoffen, ein anderer übernimmt es, ist kritisch bei 7 Jahren Dauer (weit unzumutbarer Einarbeitungsaufwand und kritische Haftungdlage, für Fehler der Voranwalts mitzuhaften > deshalb übernimmt man selten ein Mandat, was bereits ein anderer anfing).

Referendar: Irrglaube, Knaller. Referendare werden vom Anwalt überwacht und angeleitet. Ausserdrm gerade in grossen Kanzleien mit 3 und mehr Anwälten machen intern sogar sehr oft auch teure Mandate im Zeithonorar Referendare, ohne dass es der Mandant mit bekommt.

Nordlicht14
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Nordlicht14 »

Knaller: bitte nicht den Thread kapern mit anderrn Themen. Der Fragesteller möchte eine Hilfestellung und nicht andere Themen diskutieren.

Fenchel
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Re: Mandart niedergelegt-- keiner will dieses Mandat überneh

Beitrag von Fenchel »

Hallo,

wenn man selbst keinen eigenen Anwalt finden konnte, weil der Fall so schwierig oder aufreibend ist, dann kann man nach Rücksprache mit dem Gericht einen Anwalt für sie finden bzw. wird ihnen ein Anwalt beim Prozess gestellt.

Ich hatte mich selber mal darum bemüht,weil die Situation ähnlich schwierig war.Zum Glück konnte ich selbst noch einen Anwalt finden.

Einfach beim Amtsgericht anrufen, nachfragen und Sie erhalten bestimmte Informationen darüber.
Vielleicht müssen sie sich direkt noch mal am Ort vorstellen.

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