Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

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Kobayashi Maru
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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von Kobayashi Maru » 25.02.15, 16:29

Ich habe grundsätzlich das selbe Gefühl wie rabenthaus, kann mir aber gleichwohl nicht vorstellen, dass das alles den Tatsachen entspricht - und wenn es nur aus Unkenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten so ist (soll also kein Vorwurf an die TE sein). Ein derart dreistes Verhalten bliebe ja nicht ohne Folgen.

Möglich wäre, die Zahlung der außergerichtlichen Rechnung endgültig abzulehnen und sich verklagen zu lassen. Dies würde ich dem Anwalt auch ankündigen. Hat er tatsächlich Dreck am Stecken, wird er sich eine Klage drei Mal überlegen.
SusanneBerlin hat geschrieben:Im Forum darf jeder seine unqualifizierte Meinung oder Erfahrungswerte schreiben.

istdasso?
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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von istdasso? » 25.02.15, 17:16

Nordlicht14 hat geschrieben:[..]
Seine Drohung wegen Betruges läuft ins Leere. Sie waren ja zahlungsbereit und -fähig, nur nicht zu dermassen übersetzten fiktiven Gebühren Ideen.
[...].

Das ist so ungefähr das, was ich immer mal wieder gerne erzähle:

In meinen Augen läge in so einer Situation potenziell sogar eine Nötigung vor. Besonders verwerflich dabei, dass diese Drohung aus der besonderen Rechtsstellung des Anwalts erfolgt. Ihm muss schließlich von Berufs wegen schon klar sein, dass kein Betrug vorliegt

Jetzt sagt der besonnene Mensch -aja, was bringt mir das Strafrecht - damit wird die Rechnung nicht kleiner und die Scherereien noch größer..

@Nordlicht14
Sie erinnern sich an die "falsche Verdächtigung"? Ich war in dem Falll auch kein Freund einer Strafanzeige - kann den Impuls aber sehr gut verstehen:

Die Strafgesetze schützen ja auch immer ein Rechtsgut, und das hat auch seinen Sinn - würden Straftaten wie mein Liebeling der Betrug/Prozessbetrug oder auch gerne mal die Nötigung konsequent verfolgt (und ich habe den Eindruck das dem nicht so ist) wäre die Chance höher das diese "Randerscheinungen" nicht so haüfig auftreten.

Man stelle sich einen fiktiven Anwalt vor, der wirklich so agiert wie hier vermutet wurde - hat einen Mandanten der nicht völlig unvermögend ist aber sehr unsicher auftritt - was spricht denn dann dagegen, es einfach mal zu versuchen!?
Wenn's ernst wird, war die Hohe der Rechnung halt ein versehen und schnell korrigiert... und so im schnitt ein schönes Zubrot verdient!
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

Nordlicht14
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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von Nordlicht14 » 25.02.15, 17:54

Die Beiträge von istdasso? ignoriere ich komplett, da nur herumspekuliert wird, Unterstellungen in Sachverhalte eingebracht werden und generelles Anwaltsbashing gepflegt wird, hinter dem als Motiv nur der Ärger über sich selbst steht, nicht Anwalt geworden zu sein.

istdasso?
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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von istdasso? » 25.02.15, 18:59

:lachen:
Ich war halt charakterlich nicht geeignet :engel:

... und dafür , dass ich ignoriert werde, ist die Analyse zwar unzutreffend aber komplett. Naja - und solange ich beim herumspekulieren z.B. noch zwischen "Eventalvorsatz" und "direktem Vorsatz" unterscheiden kann geht's mir doch ganz gut - auch wenn ich die gesamte Quantenchromodynamik vergessen hab....

Besonders prickelnd finde ich den argumentativen Ansatz jetzt aus der Forderung Verhalten auch mal strafrechtlich zu bewerten "generelles Anwaltsbashing" zu machen....

Welche Unterstellung ich da in den Sachverhalt gebracht habe ist mir auch nicht klar...

BGH Beschluss StR 162/13 vom 05.09.2013

was hier ab Seite 12 Oben beschrieben ist .
Hat er tatsächlich Dreck am Stecken, wird er sich eine Klage drei Mal überlegen.
von der Sache her die selbe "Unterstellung" - es bleibt aber auch nichts anderes übrig, weil wir hier ja nur bruchstückhafte Angaben vorliegen haben und kein Mensch entscheiden kann welcher Sachverhalt tatsächlich (sofern nicht eh nur fiktiv) vorliegen möge.
Also muss jeder der eine Meinung äußert von seinem eigenen angenommenen Sachverhalt ausgehen um überhaupt eine Meinung bilden zu können.

Geht man also von einem Sachverhalt aus (wobei niemand sagen kann, dass dies ein realer oder auch nur so gemeinte Sachverhalt ist) wo ein Anwalt weiss, das er das Doppelte vom Gerechtfertigten eintreibt - und dieses durch eine Drohung zu unterstreichen sucht - was ist da dann das Problem dies als verwerflich zu benennen?
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von ktown » 25.02.15, 19:28

Grundsätzlich kann hier weiter über den Sachverhalt weiter diskutiert werden.
Sie sollten bei alledem aber immer die Forenregeln, insbesondere das Verbot der individuellen Rechtsberatung, nicht aus den Augen verlieren.

Dieser Hinweis ist nur zweitrangig an den TE gerichtet.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von istdasso? » 25.02.15, 19:40

ktown hat geschrieben:Grundsätzlich kann hier weiter über den Sachverhalt weiter diskutiert werden.
Sie sollten bei alledem aber immer die Forenregeln insbesondere das Verbot der individuellen Rechtsberatung nicht aus den Augen verlieren.

Dieser Hinweis ist nur zweitrangig an den TE gerichtet.
Sag ich eigentlich die ganze Zeit - nur hab ich das Problem sobald ich von einem generellen Szenario ausgehe mir auch generelles Anwaltsbashing vorgeworfen wird :lachen: und ich Sachverhalten etwas unterstelle:

Das ist dann eben nicht DER Sachverhalt sondern EIN Sachverhalt - ggf. etwas anders als der vom TE geschilderte - aber das interessiert gerade nicht WEIL es keine Rechtsberatung werden soll..

"Herumspekulieren" halt :mrgreen:
:arrow: Klar, man kann sich jetzt so anstellen als verstünde man nicht, was ich ausdrücken will - aber mehr Mühe gebe ich mir nicht mehr. Dafür ist der Anteil vorsätzlicher professioneller "Nichtversteher" hier zu hoch....

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von Anja1 » 18.03.15, 12:41

Hallo an alle Mitleser und Interessierten dieses Themas,

die einzige Möglichkeit die der Mandant meines Wissens hat ist einen Antrag auf Schlichtung bei der Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft in Berlin zu stellen.

Das wurde in dem Fall auch gemacht und der RA mit der aggressiven Vorgehensweise darüber informiert.

2 Tage später hat dieser bereits Klage am Amtsgericht erhoben und somit ist ein Schlichtungsverfahren ausgehebelt und die Schlichtungsstelle kann nach deren Satzung nicht mehr schlichten, wenn eine Klage vorliegt bzw. nachträglich eingereicht wird.

Somit ist der Mandant dem RA komplett vor Gericht ausgeliefert! Das der Mandant sich gerade im Mutterschutz befindet interessiert den RA nicht, sondern das ist gut für ihn, denn eine Frau im Wochenbett ist nun mal weniger belastungsfähig und fähig vor Gericht zu erscheinen als im "Normalzustand".

Grundsatzfrage: Kann ein Beklagter einen Gerichtstermin wegen Wochenbett /Mutterschutz verschieben lassen? Wenn ja, wie?

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von Nordlicht14 » 18.03.15, 17:30

Zunächst mal findet ja nicht sofort ein Gütetermin statt. Im Regelfall muss sich die Beklagte erst binnen der Ausschlussfrist von Wochen anzeigen, dass sie sich gegen die Klage verteidigen wird, und weiteren 2 Wochen dann ihren Verteidigungsschriftsatz einreichen.
Es sei denn, das Gericht ordnet einen ersten frühen Termin an. Das ist bei Honorarklage aber selten, da der Stoff dafür zu komplex ist und vorbereitet werden muss.

Die Beklagte tut gut daran, wenn sie sich durch einen Anwalt vertreten lässt.

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von Anja1 » 23.03.16, 14:38

Liebe Leute, die den Fall mitdiskutiert haben.

Ein möglicher Ausgang des Falles könnte so ausgesehen haben.
Wenn der Anwalt A die Antwort der Schlichtungsstelle nicht abwarten wollte und B verklagte, und daher der Richter die Rechtsanwaltskammer ein Gutachten über die Höhe der Gebühren verfassten hätte lassen, könnte es zu folgendem Ergebnis gekommen sein.
Ein vorprozessualer Aufwand von etwa 6 Stunden in einer durchschnittlichen Angelegenheit, mit einem durchschnittlichen Mandanten B für ein Schreiben von ca. 1,5 Seiten, rechtfertigt eine Geschäftsgebühr von 1,3 und damit würden all Eure Vermutungen richtig liegen und A würde mit seiner Klage scheitern.

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von ktown » 23.03.16, 15:03

Wundern tut mich nur, dass der Anwalt das Risiko, mit seinem Vorgehen vor Gericht Schiffbruch zu erleiden, eingegangen ist. Er hätte ja die wirklichen Gebühren kennen müssen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Fragwürdige aggressive Rechtsanwaltrechnungen

Beitrag von Anja1 » 24.03.16, 11:46

Versuchen kann man es ja mal, in der Hoffnung, der Mandant gibt klein bei oder kann sich seinerseits schlecht einen anderen Anwalt leisten, bzw. geht auch auf einen zunächst vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich um das Gutachten zu umgehen ein. Das Geld hätte man ja schon, wenn man aufgrund seines exzentrischen Lebensstils auf jeden Euro scharf ist. Eine andere Erklärung habe ich dazu nicht.

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