Doktortitel

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Cicero
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Re: Doktortitel

Beitrag von Cicero » 17.04.15, 12:10

Bisher gibt es zu dem Thema eine Privatmeinung (Elyss) und vertiefte argumentative Überlegungen (moro). Rechtsprechung oder ähnliches scheint es ja nicht zu geben. Man könnte die Frage ja auch verallgemeinern. Was wäre denn mit einem Arzt, der einen fachfremden Doktortitel führt und dann logischerweise auch auf den Zusatz "med" verzichtet?

Aus meiner Sicht könnte man durchaus argumentieren, dass ein Experte wie ein Arzt oder Rechtsanwalt, auf dessen Fachgebiet man einen Doktortitel erwerben kann, mit dem Führen des Doktortitels ohne weitere Angaben den Eindruck erweckt, er wäre Dr "seines" Fachs. Wenn derjenige dann seine Leistungen auf dem freien Markt anbietet, dann kann das aus meiner Sicht durchaus den einen oder anderen Kunden veranlassen, seine Leistungen und nicht die eines Wettbewerbers in Anspruch zu nehmen.

Tastenspitz
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Re: Doktortitel

Beitrag von Tastenspitz » 17.04.15, 12:52

Wir stehen hier wohl vor dem Problem, dass es eine Doktorentitelbriefkopfunterscheidungsverordnung wohl nicht gibt und es daher wohl statthaft ist, seinen Dr. auch ohne Zusatz (med./jur./vet./sonstwas) zu führen.
Über die Qualifikation sagt das eh nix aus.
Warten wir doch mal ab, was FelixSt. noch vertiefend ausführt.
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freemont
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Re: Doktortitel

Beitrag von freemont » 17.04.15, 12:54

Cicero hat geschrieben: ...
Rechtsprechung oder ähnliches scheint es ja nicht zu geben. Man könnte die Frage ja auch verallgemeinern. Was wäre denn mit einem Arzt, der einen fachfremden Doktortitel führt und dann logischerweise auch auf den Zusatz "med" verzichtet?
...

Hallo,

doch, gibt es, Heilpraktiker, der als "Dr. rer. nat." (Chemie) als "Dr." firmiert:

OLG Frankfurt, Urteil vom 19.02.2013, Az. 6 U 28/12
§ 3 Abs. 1 UWG, § 5 Abs. 1 Nr. 3 UWG
Die Werbung “Heilpraktikerschule Dr. XY” ist wettbewerbswidrig, wenn der Inhaber lediglich einen Doktor der Chemie führt
Übertragbar ist das aber nur bedingt, ein Anwalt ohne Dr. jur. ist schliesslich auch Volljurist, hat die Befähigung zum Richteramt, ein Heilpraktiker ist aber kein Mediziner.

Tastenspitz
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Re: Doktortitel

Beitrag von Tastenspitz » 17.04.15, 13:25

Bedingt auch wohl nur dadurch, dass hier ein Wettbewerbsverstoß vorzuliegen scheint. Analog dazu müßte unseren Dr. Anwalt ein anderer Anwalt gleichlautend abmahnen lassen.
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Re: Doktortitel

Beitrag von dankeschoen » 18.04.15, 15:47

Cicero hat geschrieben:
FelixSt hat geschrieben:Wieso, ist ein Dr. jur. denn immer und automatisch ein besserer Anwalt?
Das hat mit der aus meiner Sicht durchaus interessanten Ausgangsfrage herzlich wenig zu tun.
... Genau, - neu und verwirrt.,..-
Gespannt, doch sicherlich werde ich noch fündig und lerne ( wesentölich anderes, als ...eben: --->Y siehe: Ausgangsfrage - .
Gruss, -

JD
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Re: Doktortitel

Beitrag von JD » 18.04.15, 18:44

Hallo,

das Führen akademischer Grade ist im jeweiligen Landeshochschulgesetz geregelt.
In NRW beispielsweise heißt es in §69 Abs. 2 Gesetz über die Hochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen (Hochschulgesetz - HG) : "Von einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland .... verliehene Hochschulgrade sowie entsprechende staatliche Grade können im Geltungsbereich dieses Gesetzes in der verliehenen Form geführt werden." Quelle

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Re: Doktortitel

Beitrag von Nordlicht14 » 18.04.15, 18:54

Ihr habt vielleicht Sorgen .....
Ein Doktortitel sagt doch eh über die praktische Qualifikation des Berufs nichts aus.

Er sagt lediglich aus, dass derjenige Zeit und Lust hatte, sich je nach Fach 1 Jahr (Medizin) und 2 - 3 Jahre (Jura und viele andere Fächer) fern ab jeglicher Praxis mit einem theoretischen Thema wissenschaftlich zu beschäftigen und dass er wissenschaftlich arbeiten und zitieren kann (hoffentlich, wenn es nicht eines der Plagiatsarbeiten ist). Damit bereitet man eine wissenschaftliche Tätigkeit an der Hochschule vor etc

Mit der Frage, ob und wie qualifiziert er im Beruf prsltisch ist (zb als Anwalt) hat der Titel nun absolut nichts zu tun.

freemont
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Re: Doktortitel

Beitrag von freemont » 18.04.15, 19:29

Nordlicht14 hat geschrieben: ...
Mit der Frage, ob und wie qualifiziert er im Beruf prsltisch ist (zb als Anwalt) hat der Titel nun absolut nichts zu tun.
Das ist schon klar.

Trotzdem, wenn man eine Liste mit promovierten und nicht promovierten Anwälten vorlegt, fällt die Wahl empirisch häufiger auf den Dr., ihm traut man mehr zu. Der Werbeeffekt ist schon messbar.

Zum Briefbogen meint zu § 10 BORA jedenfalls, allerdings ohne jeden Nachweis, RA Dr. (!) Zastrow in den BRAK-Mitt. 2/2009 S. 60:

http://www.brak-mitteilungen.de/media/b ... 2_2009.pdf
Führt ein Rechtsanwalt auf dem anwaltlichen Briefbogen einen Doktor-oder Professorentitel, so impliziert dies, dass er diesen Titel durch eine rechtswissenschaftliche Promotion bzw .Habilitation erlangt hat. Sofern dies nicht der Fall ist und die Promotion bzw. Habilitation in einem anderen Fachgebiet erworben wurde, ist dies durch einen entsprechenden Zusatz (wie „Dr. phil.“,„Dr.med.“ etc.) kenntlich zu machen.

Cicero
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Re: Doktortitel

Beitrag von Cicero » 20.04.15, 10:08

Nordlicht14 hat geschrieben:Ihr habt vielleicht Sorgen .....
Ein Doktortitel sagt doch eh über die praktische Qualifikation des Berufs nichts aus.
Mag ja sein.

Darf man dann zum Beispiel auch Ersatzteile für technische Geräte als Herstelleroriginale bezeichnen und verkaufen, wenn sie zwar keine Originalbauteile sind, diesen aber technisch gesehen ebenbürtig oder vielleicht sogar überlegen sind? Oder ist es im Wettberwerbsrecht nicht so, dass man falsche Kundenerwartungen auch dann nicht wecken darf, wenn sie "irrational" sind?
freemont hat geschrieben:...

doch, gibt es, Heilpraktiker, der als "Dr. rer. nat." (Chemie) als "Dr." firmiert:

OLG Frankfurt, Urteil vom 19.02.2013, Az. 6 U 28/12
§ 3 Abs. 1 UWG, § 5 Abs. 1 Nr. 3 UWG
Die Werbung “Heilpraktikerschule Dr. XY” ist wettbewerbswidrig, wenn der Inhaber lediglich einen Doktor der Chemie führt
Übertragbar ist das aber nur bedingt, ein Anwalt ohne Dr. jur. ist schliesslich auch Volljurist, hat die Befähigung zum Richteramt, ein Heilpraktiker ist aber kein Mediziner.
Geht das Urteil denn auf die Frage ein, ob der Fall anders zu beurteilen wäre, wenn es kein Heilpraktier, sondern ein Mediziner ohne Dr. Med wäre?

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