Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

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DolceVita666
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Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

Beitrag von DolceVita666 » 06.05.15, 12:27

Hallo,

angenommen man ist ein Mandant bei einem RA. Es wurde in einer Angelegenheit Klage eingereicht und der Mandant hat ein Schreiben erhalten, welches er beantworten soll. In diesem Zusammenhang möchte der Mandant mit dem RA ein kurzes Telefonat ersuchen und ruft in der Kanzlei an. Die Angestellte sagt, der RA sei im Gespräch und bietet den Rückruf an. Dieser erfolgt jedoch nicht. Mandant schickt nochmals ein Fax mit der Bitte um Rückruf. Weiterhin erfolglos. Hat der Mandant ein Anspruch darauf? Der RA schrieb im letzten Jahr, dass es bereits ein Beratungsgespräch gab und nun keine weitere Beratung (darunter scheinbar auch ein Telefonat) möglich ist.
Es sei vorsichtshalber erwähnt, dass der Mandant keine Person ist, die permanent oder wöchentlich,, monatlich den RA anruft. Das letzte Telefonat wurde vor mehr als einem Jahr in dieser Angelegenheit ersucht, mit der besagten Antwort.

Vielen Dank!

Rolf22
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Re: Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

Beitrag von Rolf22 » 06.05.15, 13:35

Nein - er MUSS es nicht! Aber gegenüber dem Kunden (Mandanten) zeugt es von schlechtem Stil. Solch einen Arroganzwalt würde ich kein zweites Mal in Anspruch nehmen.

rabenthaus
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Re: Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

Beitrag von rabenthaus » 06.05.15, 13:39

Nein er muss nicht. Vielleicht hat er ja auch gute Gründe dafür nicht zurück zu rufen. Deer Mandant soll doch offensichtlich zu dem Vortrag der Gegenseite Stellung nehmen. Solange diese Stellungnahme nicht schriftlich erfolgt ist und notwendige Beweise beigefügt werden kan der Anwalt damit nicht arbeiten. Vielleicht hat der Anwalt ja hier ein besonderes Interesse daran sich abzusichern.

Man sollte die Leute nicht voreilig verurteilen wenn man den Zusammenhang nicht kennt.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

DolceVita666
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Re: Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

Beitrag von DolceVita666 » 06.05.15, 15:15

Rolf22 hat geschrieben:Nein - er MUSS es nicht! Aber gegenüber dem Kunden (Mandanten) zeugt es von schlechtem Stil. Solch einen Arroganzwalt würde ich kein zweites Mal in Anspruch nehmen.
Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Leider folgen mit jedem neu erstellten Behördenbescheid weitere Mandate, bis es zu einer endgültigen Klärung vor Gericht kommt. Und bisher steht kein Termin fest. Danach folgt kein neues Mandat.
rabenthaus hat geschrieben:Nein er muss nicht. Vielleicht hat er ja auch gute Gründe dafür nicht zurück zu rufen. Deer Mandant soll doch offensichtlich zu dem Vortrag der Gegenseite Stellung nehmen. Solange diese Stellungnahme nicht schriftlich erfolgt ist und notwendige Beweise beigefügt werden kan der Anwalt damit nicht arbeiten. Vielleicht hat der Anwalt ja hier ein besonderes Interesse daran sich abzusichern.

Man sollte die Leute nicht voreilig verurteilen wenn man den Zusammenhang nicht kennt.
Es ist kein Schreiben der Gegenseite, sondern Fragen des zuständigen Richters, der die Klage scheinbar bearbeitet.
Die Stellungnahme ist jedoch bereits erfolgt. Dennoch gibt es dazu noch etwas zu besprechen.

Ich sehe also keinen Grund, weshalb kein Anruf erfolgen könnte. :-(


Gestern hatte ich die Anwaltskammer angerufen. Diese meinte, ich könnte eine Beschwerde wegen Untätigkeit einreichen. Aber vermutlich legt er dann das Mandat ganz nieder.... Grrrr

Nordlicht14
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Re: Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

Beitrag von Nordlicht14 » 07.05.15, 01:05

Das läuft natürlich ins Leere dann und verärgert sehr. Er ist ja nicht untätig! Er bearbeitet den Fall, bittet um Stellungnahme auf richterliche Fragen, wertet diese aus und schreibt wieder. Von Untätigkeit keine Spur.

Rückrufbitten von Mandanten stoßen nicht immer auf Gegenliebe und sind meist nicht erforderlich.
Es kostet Zeit, meist auch nicht kurz 2 oder 3 Minuten, sondern erheblich länger, blockiert damit oft den Ablauf und erzeugt ArbeitsrückStau.

Man erwartet als Anwalt, dass dem Sekretariat dazu gesagt wird, warum um Rückruf gebeten wird, was die Frage ist.
Ich rufe Mandanten zb nicht immer zurück nur weil sie darum bitten, soder erwarte den Grund / Frage genannt zu bekommen. Dann kann man nur entscheiden, ob ein Anruf erforderlich ist, oder ein email ausreicht, was zeitschonender ist.
Wenn man keinen Hinweis bekommt warum Rückruf erbeten wird, schreibt man schon mal ein Email und fragt danach zunächst, um ggf zeitschonender per email beantworten zu können.

Der Anwalt sollte auf dringende Fragen oder neue Infos reagieren - wie, ist ihm natürlich überlassen. Ob per mail/ Brief oder tatsächlich ein Telefonanruf.

Marie-Luise
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Re: Muss ein Anwalt den Mandanten auf Wunsch zurückrufen?

Beitrag von Marie-Luise » 09.05.15, 10:22

Guten Morgen, DolceVita666,

Nordlicht14 schrieb:
>>Der Anwalt sollte auf dringende Fragen oder neue Infos reagieren - wie, ist ihm natürlich überlassen. Ob per mail/ Brief oder tatsächlich ein Telefonanruf>>

Ich persönlich rate zur dokumentierten Kommunikation: diese kann auch per e-Mail erfolgen, Hauptsache, man hat bei evtl. Beratungsfehlern und/oder Falschauskünften/Nichtreagieren etwas 'in der Hand'. Ein Anruf ist aus meiner Sicht reine Zeitverschwendung, vor allem dann, wenn eine Nachfrage konkret beantwortet werden soll und muss; eine mündliche Auskunft hat keinen Nachweischarakter und da wir uns hier im thread 'Anwaltsrecht und Anwaltshaftung' befinden ... :engel:

Hier finden Sie, DolceVita666, übrigens Richtlinien, die Ihnen evtl. weiterhelfen können:

http://www.gesetze-im-internet.de/brao/ ... 50959.html

rabenthaus schrieb:
>>Nein er muss nicht. Vielleicht hat er ja auch gute Gründe dafür nicht zurück zu rufen.>>
Natürlich muss er nicht. Das ist richtig.
Ebenso richtig ist, dass es keinerlei gute Gründe geben kann, einen Mandanten nicht zurückzurufen.

Sofern sich ein Anwalt - und sei es im weitesten Sinne - als Dienstleister sieht, sollte er sich vorher gut überlegen, ob er im geforderten Rahmen in der Lage ist, das Mandat = die Dienstleistung zu erbringen (Zeit/-Bearbeitungsrahmen und Berufserfahrung inbegriffen).

Freundliche Grüße (auch einfach nur mal so in' s Münsterland)
Marie-Luise

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