Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

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Immer ehrlich
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Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von Immer ehrlich » 28.05.15, 01:02

Ich bitte um Eure Meinung.

Ein Bürger hat bei dem Arbeitsgericht eine Klage zur Erstellung eines qualifizierten Endzeugnisses eingereicht. Noch vor dem Gütetermin hat der Kläger einen Fachanwalt mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt, weil er sich wegen einer schweren Erkrankung nicht in der Lage fühlte, seine Interessen selbst durchsetzen zu können. Dem Anwalt berichtet der Mandant von seiner Erkrankung.

Im Gütetermin erscheinen der Beklagte mit Anwalt und der Kläger mit Anwalt.

Da bereits vom Beklagten im Vorfeld ein Zwischenzeugnis erstellt wurde, wird in der Güteverhandlung auf diesen Text Bezug genommen. Der Text wird vorgelesen und die Parteien einigen sich, dass der Text aus dem Zwischenzeugnis in das Endzeugnis übernommen wird. Dies wird protokolliert. Die Parteien legen das Erstellungsdatum des Endzeugnisses fest. Der Vergleich wurde also geschlossen.

1 Woche später kommt das Protokoll der Güteverhandlung bei dem Kläger an. Im Protokoll steht: Der Beklagte verpflichtet sich dem Kläger ein Arbeitszeugnis als Endzeugnis zu erstellen. Darunter steht der Text, leider genau so, wie er auch im Zwischenzeugnis steht, also in der gleichen Zeitform, alles in der Gegenwart.

Wiederum eine Woche später erhält der Kläger das Arbeitszeugnis. Das Arbeitszeugnis ist ganz genau so, wie das Zwischenzeugnis, nur das Erstellungsdatum wurde geändert. Dort steht geschrieben: Der Arbeitnehmer ist beschäftigt seit... (keine Beendigung aufgeführt); jeglicher Text in der Gegenwartsform (als sei der Arbeitnehmer noch beschäftigt) und der letzte Satz: ... bisher geleistete Arbeit.

Nun zur Frage: Der Kläger ist natürlich entsetzt und bittet seinen Anwalt den Anwalt des Beklagten um Änderung zu bitten. Der Anwalt des Klägers reagiert darauf nicht. Der Kläger hat also immer noch kein Endzeugnis und so bleibt es leider auch, da der Beklagte auch nichts ändern möchte. Der Anwalt rechnet seine Vergütung mit der Rechtsschutzversicherung des Klägers ab. Die Rechtsschutzversicherung bezahlt.

Der Mandant möchte die Gebühren seines Anwalts von seinem Anwalt zurück haben, weil er erneut einen Anwalt wegen des Endzeugnisses in Anspruch nehmen muss und weil sein Anwalt den Vergleich nicht so geschlossen hat, wie besprochen und wie begehrt wurde. Es wurde kein Endzeugnis erstellt, sondern wieder ein Zwischenzeugnis, nur mit anderem Datum.

Der Anwalt möchte die Gebühren nicht zurückzahlen. Seine Begründung: "Mandant, Du bist selbst schuld, Du hast doch auch in der Güteverhandlung gesessen."

Der Mandant sagt: "Nein Anwalt, Du bist schuld, ich habe Dich damit beauftragt meine Interessen durchzusetzen. Du hast zugelassen, dass ein Vergleich geschlossen wurde, der nicht in meinem Interesse lag."

Wie ist die Rechtslage?

webelch
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von webelch » 28.05.15, 04:42

Immer ehrlich hat geschrieben:"Mandant, Du bist selbst schuld, Du hast doch auch in der Güteverhandlung gesessen."
War dies denn so?

Immer ehrlich
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von Immer ehrlich » 28.05.15, 09:23

Ja, das war so.

PurpleRain
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von PurpleRain » 28.05.15, 10:47

Immer ehrlich hat geschrieben:Der Mandant möchte die Gebühren seines Anwalts von seinem Anwalt zurück haben
wird bereits wegen
Immer ehrlich hat geschrieben:Die Rechtsschutzversicherung bezahlt.
scheitern.
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von ktown » 01.06.15, 09:41

Immer ehrlich hat geschrieben:Der Text wird vorgelesen und die Parteien einigen sich, dass der Text aus dem Zwischenzeugnis in das Endzeugnis übernommen wird. Dies wird protokolliert.
Also ich versteh die Verwirrung nicht. Der Kläger hat doch eindeutig dem zugestimmt.
Wieso sollte der Anwalt des Klägers in der Verhandlung seinem Mandanten in den Rücken fallen?
Ich vermute mal, dass 4 Personen (inkl. des Richters) dies so verstanden haben wie nun getan und nur der Kläger hat dies missverstanden. Dem Anwalt nun zu unterstellen, dass er seinem Mandanten nicht ins Hirn geschaut hat finde ich schon dreist.
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von webelch » 01.06.15, 09:57

Immer ehrlich hat geschrieben:Ja, das war so.
War der Mandant körperlich und / oder geistig abwesend als der Richter den Text des Vergleiches vorgelesen hat?

questionable content
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von questionable content » 01.06.15, 20:33

Die ganze Diskussion leidet wie so oft am Ausgangspost.

Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?
--> Nein, denn die sind ja schon durch seine Versicherung bezahlt worden...

Ja aber ich bin doch so unzufrieden mit der Leistung meines Anwalts und will *deshalb* nicht zahlen!
--> Da Sie sowieso Nichts mehr zahlen müssen, können Sie das eigentlich mit jedem Grund unterfüttern, den Sie gern hätten!

Ja aber das will ich so nicht!
--> Dann wäre es sinnvoll, wenn Sie sich mal klarmachen, was Sie eigentlich mit "so" meinen.


Hinweis: Das Problem dürfte eher der verratzte Vergleich sein.
Dass ein Richter ein derartiges "Null"-Zeugnis ohne Hinweis durchgehen lässt, ist selbst mit anwesendem Anwalt fragwürdig. Ob die gesamte Geschichte vor Gericht sich wirklich so abgespielt hat, wage ich mal zu bezweifeln. Ich würde allerdings statt Kostendiskussionen mit dem Anwalt zu führen mal anregen, herauszufinden, ob man den Vergleich nicht anfechten kann bzw. wieso der Anwalt keinen Hinweis gegeben hat, dass das Zeugnis im Sinn des protokollierten Vergleichs unbrauchbar sein würde.
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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von ktown » 01.06.15, 21:00

questionable content hat geschrieben:bzw. wieso der Anwalt keinen Hinweis gegeben hat, dass das Zeugnis im Sinn des protokollierten Vergleichs unbrauchbar sein würde.
Weil der Mandant vielleicht vehement genau das so wollte.

Sollte dem nicht so sein, dann muss man sagen, das dies hier:
Immer ehrlich hat geschrieben:Der Anwalt möchte die Gebühren nicht zurückzahlen. Seine Begründung: "Mandant, Du bist selbst schuld, Du hast doch auch in der Güteverhandlung gesessen."
ein schlechtes Argument des eigenen Anwalts ist. Gerade um solche für Laien eventuell missverständliche Entscheidungen/Vergleiche zu vermeiden, sind Anwälte (als Fachleute) dabei. Ihm obliegt die Fürsorgepflicht, seinen Mandanten in allen Belangen richtig zu beraten und ihm obliegt eine Aufklärungspflicht gegenüber seinem Mandanten.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von rabenthaus » 02.06.15, 06:11

Hallo

@ ktown

Da haben Sie grundsätzlich Recht, aber....

manchmal sind Mandanten beratungsresitent. Manchmal ändern Mandanten auch einfach im laufenden Verfahren ihre Meinung und machen dann einfach irgendetwas anderes als vorher abgesprochen.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von gernewieder » 07.06.15, 10:42

Hinweis: Das Problem dürfte eher der verratzte Vergleich sein.
Dass ein Richter ein derartiges "Null"-Zeugnis ohne Hinweis durchgehen lässt, ist selbst mit anwesendem Anwalt fragwürdig. Ob die gesamte Geschichte vor Gericht sich wirklich so abgespielt hat, wage ich mal zu bezweifeln. Ich würde allerdings statt Kostendiskussionen mit dem Anwalt zu führen mal anregen, herauszufinden, ob man den Vergleich nicht anfechten kann bzw. wieso der Anwalt keinen Hinweis gegeben hat, dass das Zeugnis im Sinn des protokollierten Vergleichs unbrauchbar sein würde.
[/quote]
... DIE ANTWORT auf sich mir stellende Frage, -.
DANKE.

GIBT es keine Möglichkeit der "Be-Wertung" mehr ????
...was auch immer in der Knowledge Base zu lesen, - bin zu blond...-

..oder so,
Danke für kurze antwort bzw. link zu den "einstgekannten" sternchen-oder-was-auch-immer...-
NICHT: Zu dem Missbrauch des Bewertungssystems/dessen Vorbeugen.

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Re: Muss der Mandant die Gebühren bezahlen?

Beitrag von Ronny1958 » 07.06.15, 12:32

Dunkel bleibt der Worte Sinn, wie so oft.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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