Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

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WHKD2000
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Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 06.09.15, 12:02

Anwalt RA wird von Mandant M im Jahre 2012 mit der Beitreibung von Forderungen gegen den Schuldner S beauftragt.
M selbst hatte zuvor im Jahre 2011 Teilbeträge im 5-stelligen Bereich,unter Fristsetzung,erfolglos von S gefordert.

Zunächst wird 2012 ein Mahnbescheid gegen S beantragt.
RA macht dies online und gibt dem M nur eine dürftige Kopie seiner Zeileneingaben (eigentlich ein relativ nichtssagender Ausdruck).
Hierbei übersieht RA beim Antag,dass die Gesamtsumme bereits fällig ist,und somit auf die Forderung von Verzugszinsen.

Schuldner S zahlt natürlich nicht und legt Widerspruch gegen den Erlass eines MB ein. 8)

Die Sache geht Ende 2012 ins Klageverfahren über.
RA begründet die Klage,fordert aber Verzugszinsen erst ab Rechtshängigkeit der Klage.

Die Sache geht nach einigem Heckmeck im Jahre 2013 per Urteil durch und M erhält weitgehend seine Forderung von S.
Das Mandat endet somit 2013.

Ende 2013 erkennt M,dank Recherche im Netz,dass dem RA ein Fehler unterlaufen ist,nämlich die fehlerhafte Geltendmachung der Verzugszinsen.
Er schreibt den RA daraufhin an.Dieser erläutert detailliert seine fehlerhafte Rechtsauffassung :shock: .
Nochmals darauf hingewiesen,erkennt der RA den gemachten Fehler und mauert ("die Sache ist aus meiner Sicht ausgeschrieben,das Mandat erloschen....").

M will jedoch nicht auf dem Schaden (eine 5-stellige Summe) sitzenbleiben.
Auf einen gütlichen Versuch des M über die RA-Kammer hat RA nicht geantwortet.

M will den RA nun auf Schadensersatz verklagen.
Wann endet die Verjährungsfrist für diese Massnahme?
Beginnt die Frist bereits bei Mandatsbeginn oder erst bei Beendigung zu laufen?
Spielt es hierbei eine Rolle,dass ein Erlass auf MB vorgeschaltet wurde?
Die Frist müsste nach meinem Kenntnisstand 3 Jahre,zum JE beginnend,betragen.Stimmt dies?

mix
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von mix » 17.09.15, 16:12

3 Jahre ab dem 1.1. des Folgejahres

WHKD2000
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 27.10.15, 19:35

Danke;3 Jahre ab Jahresende,ab dem Jahr,in dem das Mandat beendet ist;also nicht 3 Jahre ab Jahresende,ab dem Jahr,in dem der "Fehler"(z.B.Klagebegründung) fabriziert wurde.
Sehe ich das so richtig?

rabenthaus
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von rabenthaus » 28.10.15, 07:44

Hallo

ab dem Zeitpunkt in dem der Schaden engültig eingetreten ist.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 28.10.15, 12:00

danke;das wäre dann also frühestens 3 J.zum Jahresende ab Rechtskraft des Urteils :idea:

ZetPeO
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von ZetPeO » 28.10.15, 13:08

ich bin mir da nicht so sicher:
Hierbei übersieht RA beim Antag,dass die Gesamtsumme bereits fällig ist,und somit auf die Forderung von Verzugszinsen.
und
RA begründet die Klage,fordert aber Verzugszinsen erst ab Rechtshängigkeit der Klage.
Damit ist der Schaden doch bei Klageerhebung entstanden, oder sehe ich das falsch?
Relevant für die Kenntniserlangung ist übrigens in aller Regel die Auffassung des Gerichtes ob man Kenntnis erlangt haben müsste => BGB 199 Abs.1 Satz2.
Das kann durchaus von der tatsächlichen Kenntniserlangung abweichen.

Gr
ZetPeO

P.S.
Er schreibt den RA daraufhin an.Dieser erläutert detailliert seine fehlerhafte Rechtsauffassung .
Nochmals darauf hingewiesen,erkennt der RA den gemachten Fehler und mauert ("die Sache ist aus meiner Sicht ausgeschrieben,das Mandat erloschen....").
Ob das bereits einer Hemmung genügt entzieht sich meiner Kenntnis- aber hier gibt’s ja noch Fachleute. :wink:

rabenthaus
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von rabenthaus » 28.10.15, 13:27

Hallo

der Schaden tritt in dem Zeitpunkt ein in dem die Verjährung der geltend zu machenden Forderung eingetreten ist. Solange noch eine Durchsetzung möglich war ist der Schaden nicht eiongetreten. Hat man als Geschädigter in dieser Zeit Kenntnis, aber nicht ghehandelt ist ein Mitverschulden zu berücksichtigen.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 29.10.15, 21:02

ZetPeO hat geschrieben: Damit ist der Schaden doch bei Klageerhebung entstanden, oder sehe ich das falsch?
Relevant für die Kenntniserlangung ist übrigens in aller Regel die Auffassung des Gerichtes ob man Kenntnis erlangt haben müsste => BGB 199 Abs.1 Satz2.
Gr
ZetPeO
:wink:
Die Frist kann bei Unkenntnis des Geschädigten nicht ab Klageerhebung beginnen.Denn dann wäre ein fachlich weniger qualifizierter RA :shock: --man ahnt es bereits.. :lachen: ..ja,er hat einen fachfremden Doktor-- bei einem über Jahre dauernden Rechtsstreit sauber aus dem Schneider.

Zur Kenntniserlangung:
Hier wäre wohl eher juristische Fachkenntnis erforderlich gewesen.Der Mandant muss nicht "besser" fachkundig sein als der RA.Das wäre ja wohl abwegig.Die Kenntniserlangung,hier eher Erleuchtung :engel: ,kam bei genauer Reflexion der Urteilsbegründung,die übrigens von der fiktiven Kanzlei lange nach Rechtsgültigkeit dankenswerterweise übermittelt wurde. :shock:

WHKD2000
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 29.10.15, 21:06

rabenthaus hat geschrieben:Hallo

der Schaden tritt in dem Zeitpunkt ein in dem die Verjährung der geltend zu machenden Forderung eingetreten ist. Solange noch eine Durchsetzung möglich war ist der Schaden nicht eiongetreten. Hat man als Geschädigter in dieser Zeit Kenntnis, aber nicht ghehandelt ist ein Mitverschulden zu berücksichtigen.
:shock: da der Schuldner nicht freiwillig geleistet hat,ist der Gläubiger auf Durchsetzung seiner Forderungen auf dem Rechtsweg angewiesen.Der Gläubiger muss den Schuldner somit nicht separat um Begleichung von Verzugszinsen angehen,wenn dieser die Forderung ignoriert.
Das muss der RA korrekt in der Klage beziffern.

WHKD2000
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 29.10.15, 22:18

rabenthaus hat geschrieben:Hallo

der Schaden tritt in dem Zeitpunkt ein in dem die Verjährung der geltend zu machenden Forderung eingetreten ist. Solange noch eine Durchsetzung möglich war ist der Schaden nicht eiongetreten. Hat man als Geschädigter in dieser Zeit Kenntnis, aber nicht ghehandelt ist ein Mitverschulden zu berücksichtigen.
:idea: das heisst,der RA hätte die fehlerhafte Geltendmachung der Verzugszinsen jederzeit im laufenden Verfahren revidieren und zeitpunkt-richtig beziffern können?Dies hätte ja die Hauptforderung und Klagebegründung nur sekundär tangiert?

rabenthaus
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von rabenthaus » 30.10.15, 07:42

Hallo

ja durch eine Klageerweiterung. Oder durch eine Änderung der Anträge.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 30.10.15, 10:22

rabenthaus hat geschrieben:Hallo

ja durch eine Klageerweiterung. Oder durch eine Änderung der Anträge.
Danke.
Also jederzeit im laufenden Verfahren bis zum Ende der mündlichen Verhandlung :wink:

WHKD2000
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 03.11.15, 10:59

rabenthaus hat geschrieben:Hallo

ja durch eine Klageerweiterung. Oder durch eine Änderung der Anträge.
dann steht diese Aussage aber in klarem Widerspruch zur :wink: fiktiven Aussage der Kanzlei,die da
inhaltlich lautet,dass eine Änderung oder Erweiterung im laufenden Verfahren nicht mehr möglich gewesen wäre,da die Klagebegründung bereits erfolgt sei. :shock:

freemont
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von freemont » 03.11.15, 11:37

WHKD2000 hat geschrieben:
rabenthaus hat geschrieben:Hallo

ja durch eine Klageerweiterung. Oder durch eine Änderung der Anträge.
dann steht diese Aussage aber in klarem Widerspruch zur :wink: fiktiven Aussage der Kanzlei,die da
inhaltlich lautet,dass eine Änderung oder Erweiterung im laufenden Verfahren nicht mehr möglich gewesen wäre,da die Klagebegründung bereits erfolgt sei. :shock:

Hallo,

da die bereits entstandenen Verzugszinsen bis zur Rechtshängigkeit nicht streitgegenständlich waren, werden sie auch nicht von der Rechtskraft des ersten Urteils erfasst.

Eine neue Klage nur wegen dieser Zinsen wäre also grundsätzlich zulässig gewesen. Ein Schaden wäre dann nicht eingetreten.

Da diese Zinsforderungen aber inzwischen verjährt sind, kann die Verjährung nicht mehr gehemmt werden.

Verjährung ist vermutlich am 31.12.2014 eingetreten, der Mandant hat das Problem aber Ende 2013 erkannt. Da hätte noch ohne Probleme gehemmt werden können.

Da bleibt dann die Frage, hätte der RA darauf hinweisen können und müssen. Wusste er überhaupt nachweislich davon, dass bereits "privat" der Verzug herbeigeführt wurde.

WHKD2000
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Re: Verjährungsfrist von Ansprüchen gg.Anwalt

Beitrag von WHKD2000 » 04.11.15, 09:50

freemont hat geschrieben: da die bereits entstandenen Verzugszinsen bis zur Rechtshängigkeit nicht streitgegenständlich waren, werden sie auch nicht von der Rechtskraft des ersten Urteils erfasst.
........................
Da bleibt dann die Frage, hätte der RA darauf hinweisen können und müssen. Wusste er überhaupt nachweislich davon, dass bereits "privat" der Verzug herbeigeführt wurde.
im Urteil wird der privat geforderte erste Teilbetrag mit erfasst (der aus Sicht des RA allerdings noch nicht in Verzug war),und Verzugszinsen hierfür (allerdings wesentlich später,aber genauso,wie vom RA beziffert) zugesprochen..
Somit dürfte sich die Rechtskraft des Urteils auch auf auf alle mit diesem ersten Betrag zusammenhängenden weiteren Forderungen wie z.B.Zinsen erstrecken,oder sehe ich das falsch? :?:

"Nachweislich" liegt ihm ein entsprechendes Schreiben in der Akte vor.Die kann er aber :shock: "bereinigen",das ist mir klar.

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