Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Moderator: FDR-Team

Antworten
Naseweiß
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 174
Registriert: 20.01.09, 09:26

Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von Naseweiß » 12.01.16, 08:59

Ich gebe zu, dass meine Frage sehr global ist, aber dennoch beschäftigt mich das Grundproblem sehr.

Welches sind die Tätigkeiten eines Rechtsanwaltes in Bezug auf seine Mandantschaft?

oder mit anderen Worten:

Ist es Aufgabe des Rechtsanwaltes und des Mandaten (oder nennt man es Klienten) Unterlagen zu beschaffen, Akteneinsicht etc. einzufordern?

Schon jetzt vielen Dank für die Antworten.

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4853
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von ExDevil67 » 12.01.16, 09:49

Das dürfte darauf ankommen. In einem Strafverfahren z.B. würde der Mandant des Anwaltes, und damit der Beschuldigte, afaik gar keine Akteneinsicht bekommen während dem Anwalt die Akte zugeschickt wird.

Chavah
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8230
Registriert: 06.02.05, 10:23

Re: Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von Chavah » 12.01.16, 10:25

Auf der anderen Seite ist der RA nicht auf der Planstelle eines Sherlock Holmes. Im übrigen wird ja der Umfang des Mandats besprochen. Danach richten sich ja möglicherweise auch die Gebühren.

Chavah

Deputy
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2891
Registriert: 18.07.11, 22:30

Re: Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von Deputy » 12.01.16, 12:17

ExDevil67 hat geschrieben:... der Beschuldigte, afaik gar keine Akteneinsicht bekommen ...
So nicht ganz richtig - siehe § 147 (7) StPO.

Naseweiß
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 174
Registriert: 20.01.09, 09:26

Re: Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von Naseweiß » 12.01.16, 13:07

OK, vielen Dank für den Versuch meine doch etwas ungeschickte Frage zu beantworten.

Konkret geht es um eien Schmerzensgeldangelegenheit nach einem nicht verschuldeten Verkehrsunfall.

Lt. Anwalt kann er trotz 11 monatiger Behandlung etc. kein Schmerzensgeld einklagen, da es hierfür (also dass ich so lange Schmerzen hatte) keine Beweise gibt. Es gab zwischenzeitlich eine Begutachtung auf Veranlassung der BG, wobei der Termin erst nach Gesundung terminiert wurde. Entsprechend fällt auch der Befundbericht aus. Die Begutachtung war lediglich ein recht langes Gespräch zwischen dem Arzt und mir bzgl. des Sozialsystems. Es erfolgte keine Untersuchung oder eine andere Einlassung auf den unfall, so fiel dann auch der Bericht des Arztes aus. Genau diesen Bericht will der Rechtsanwalt aber unbedingt als Grundlage nehmen (eine Grundlage, die keine Grundlage ist).

Auf der anderen Seite hatte mein Arzt bereits eine ärztliche Stellungnahme zu dem Fall geschrieben die der Anwalt zwar an die gegnerische Versicherung weiterleitete, aber von dort nicht anerkannt wurde. Dann kam mein Anwalt auf den Trichter, dass das was in dem Brief stehen würde auch zu wenig sei und ich solle mich erneut an den Arzt wenden, dass der Bericht ausführlicher ausfallen müsse. Daraufhin machte ich erneut einen Termin beim Arzt aus (telefonisch kann ich als Patient dort sowas nicht anfordern) und sagte dem Arzt, dass der Bericht noch ausführlicher ausfallen müsse, woraufhin der Arzt meinte, dann möge der Anwalt ihm bitte klipp und klar sagen was er für Angaben machen soll. Der Anwalt jedoch setzt sich nicht mit dem Arzt in Verbindung, da er dann als Auftraggeber auftreten würde und das würde er nicht machen, da er auch die Kosten für das Attest tragen müsse, was er defnitiv nicht machen würde.

So geht das nun schon ene ganze Weile.......

Alles was ich mir alleine mühsam erstreite (wie die Begutachtung in der BG-Klinik, wobei dies noch einen anderen Hintergrund hatte) nimmt der Anwalt als Grundlage, alles andere, wozu er aufgefordert wird und was einen dann wirklich in der Angelegenheit weiterbringen würde, macht der Anwalt wiederum nicht.

Diesbzgl. bin ich mit meinem Latein am Ende und im Grunde möchte ich, dass der Anwalt nun die Akte schliesst - bevor ich mich so rumärgere verzichte ich lieber auf die Auslagenerstattung nebst Schmerzensgeld und Haushaltsführungsschaden.

Name4711
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2055
Registriert: 31.05.15, 07:19

Re: Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von Name4711 » 13.01.16, 11:00

Naja, das Hauptproblem, wie ich das erfahren habe, ist, dass ein Anwalt seine "Leistung" halt immer abrechnen kann, auch wenn das "bemühen" nicht von Erfolg gekrönt war.

Wobei es eigentlich verständlich ist, das kein Erfolg geschuldet ist - allerdings staunt der Laie manchmal, was hier schon als Bemühen durchgeht... aber naja.

Es ist natürlich immer möglich, den Anwalt zu wechseln - nur ggf. halt teuer...

Nordlicht14
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 495
Registriert: 19.01.14, 03:39

Re: Art / Umfang der Tätigkeit eines Rechtsanwaltes

Beitrag von Nordlicht14 » 25.01.16, 13:05

Wenn Sie mit Ihrem Anwalt nicht zufrieden sind, können Sie ihn kündigen und wechseln. Sie müssen dann allerdings den alten und den neuen Anwalt bezahlen.

Die Beschaffung von Unterlagen ist in der Tat Sache des Mandanten, und kann Der Anwalt nur eingeschränkt übernehmen. Wenn ja, erhöht dies selbstverständlich die Gebühren, da der Aufwand steigt. Wenn der Anwalt noch umständlich mit dem Arzt telefonieren muss, ist folglich seine Geschöftsgebühr höher.

Wenn das Attest beziehungsweise Privatgutachten des Arztes nicht aussagekräftig und unsubstantiierter ist, sondern nur ein kurzer Wisch, dann liegt das nicht am Anwalt, sondern an Ihrem Arzt. Wenn dieser es nicht verbessern will und substantiieren, ist der Arzt bockig, und nicht der Anwalt. Da müssen Sie mit Ihrem Arzt streiten, der diese Arroganz aufgeben sollte. Dass sie dies nicht telefonisch bestellen können und extra noch mal rein müssen, liegt daran, dass der Arzt mehr Geld möchte, nehme ich eine weitere Behandlungsgebühr für die Besprechung und Besuch abrechnen.

Wenn bislang durch Arzt Gutachten Art und Umfang und Ausmaß der Schmerzen in der Behandlungszeit noch nicht nachgewiesen sind, dann wird es in der Tat schwer, Schmerzensgeld einzuklagen, insoweit keine Fehleinschätzung wohl. Die Dauer der Behandlung und die Dauer der Arbeitsunfähigkeit können allerdings auch bereits Schmerzensgeld bildend sein. Wenn allerdings die Tatsache, dass Schmerzen überhaupt vorhanden waren, nicht nachgewiesen wurde von Ihnen und Ihrem Arzt, dann würde die Klage verloren gehen, so dass es in der Tat verständlich ist, die Klage Erhebung zurückzustellen.

Die Begutachtung durch den Amtsarzt erfolgt stets erst recht spät und damit meist nach Abklingen der Beschwerden. Gleichwohl können die Amtsärzte feststellen aufgrund des Befundes, ob Schmerzen vorhanden gewesen sein könnten. Wenn dies verneint wurde, gilt dies wohl Amtsarzt als nicht nachgewiesen.

Wenn Sie als Auftraggeber die nötigen Unterlagen nicht beibringen wollen, sind Ihrem Anwalt naturgemäß die Hände gebunden. Die Mitwirkungspflicht an seiner eigenen Angelegenheit liegt selbstverständlich beim Mandanten.

Antworten